Lausanner Verhaltensregeln

I. Sinn und Zweck

Immer wieder ruft der Herr sein Volk dazu auf,  finanzielle Mittel für den Dienst bereitzustellen, den Gläubige an einem anderen Ort ausüben (Lukas 8,1-3, Phil. 4,15-16).  In der Bibel lesen wir von der frühen Gemeinde, dass diese Verknüpfungen im Leib Christi notwendig sind, doch sie warnt uns auch, dass der Besitz und die Weitergabe von Reichtum das Risiko von Missverständnissen und Sünde in sich tragen (Apg. 5,1-11; 6,1-7). Diese Verhaltensregeln sind Richtlinien für einen Dialog, der uns dazu führt, miteinander eine Verbindung einzugehen und Gottes Werke auf seine Art zu tun. Sie sind dazu bestimmt, die Voraussetzungen zu schaffen, damit wir:

  • Einander als Mitverwalter der Gaben respektieren, die jedem von uns gegeben sind als Zeichen des kommenden Reiches Gottes (Römer 12,3.10).
  • Die von Gott gegebenen kulturellen Unterschiede annehmen und ehren, in ihnen Kraft finden als gegenseitig abhängige Glieder des Leibes Christi, und uns zusammen von Gott abhängig machen (Eph. 2,19-22).
  • Glaubwürdig und erfolgreich kommunizieren und zusammen die Vision des Herrn für unsere gemeinsame Aufgabe entdecken (Jak. 3,17-18).
  • Voneinander lernen und in der Flexibilität, Reife und Einheit in Christus  wachsen, während wir gemeinsam auf ihn hören und sehen, wie er unsere Partnerschaft beflügelt (1. Kor. 12,18-21).
  • Lernen, Gott und einander zu vertrauen, gleichzeitig Gott und uns gegenseitig Rechenschaft ablegen, und uns bemühen zu verstehen, was Vertrauen und Verantwortung innerhalb unserer unterschiedlichen kulturellen Umfelder bedeuten (2. Kor. 5,9-11).
  • Wenn wir diese Dinge einhalten, besonders dort, wo es kulturelle und materielle Unterschiede gibt, können wir hoffen, die transformierende, vereinigende Kraft des Heiligen Geistes sichtbar zu machen und durch unser Leben und unser Wirken Gottes Namen unter den Nationen zu verherrlichen (1. Pet. 2,9-12).

II. Die Anwendung der Verhaltensregeln

Die Verhaltensregeln wurden entwickelt, damit sie von gesegneten Verwaltern beim Aufbau von Partnerschaften angewendet werden können, die Finanzierungen beinhalten. Die Verhaltensregeln beschreiben einen gesunden Prozess des gegenseitigen Entdeckens, der zu einer vertieften Mitwirkung in der Liebe und in der Mission Christi führen kann, besonders in interkulturellen Beziehungen.

  • In vielen Kulturen fängt eine gesunde Beziehung mit Freundschaft und Gemeinschaft an, nicht mit einer förmlich geführten Diskussion über Geschäfte. Bevor mit diesem Prozess begonnen wird, sollte man die Erwartungen beider Parteien hinsichtlich des Kennenlernens berücksichtigen.
  • Jeder Partner sollte die Verhaltensregeln prüfen und sich Themen notieren, die für ihn besonders wichtig sind sowie alles, was Fragen oder Zweifel aufwirft.
  • Danach sollten die Partner ihre ersten Gedanken über die Verhaltensregeln vergleichen. Falls notwendig, können einige Verhaltensregeln eingehend diskutiert  werden oder im Partnerschaftsabkommen hervorgehoben werden.
  • Die „Definitionen unterschiedlichen Verständnisses” („Definitions Seen Differently”) sollten besonders eingehend diskutiert werden [Hyperlink wird eingefügt], wobei man Beispiele aus eigener Erfahrung einbringen sowie versuchen sollte zu verstehen, was der andere meint, wenn er sagt, er sei mit diesen Verhaltensregeln einverstanden.
  • Auch wenn es Zeit kostet, sollten die Verhaltensregeln Punkt für Punkt durchgegangen werden, damit unterschiedliches Verständnis vermieden werden kann.
  • Im Laufe der Zusammenarbeit stellt man oft fest, dass der Partner Erwartungen hat, deren man sich nicht bewusst war. Deshalb sollten einige der Verhaltensregeln vielleicht später nochmals diskutiert werden.

Bei jedem der oben erwähnten acht Schritte sollten die Partner das Ziel des Vertrauensaufbaus und der gegenseitigen Rechenschaftspflicht nicht aus den Augen verlieren.

III. Erklärungen

1. Respekt and Befähigungen 

WIR BESTÄTIGEN, dass wir gleichwertig sind in Christus. Wir sind berufen, weise und gnädige Verwalter der Gaben Gottes zu sein, die er jedem von uns gegeben hat, und werden andere weder dominieren noch ignorieren. Wir sind bereit, Respekt zu gewähren, ihn zu verdienen, ihn zu schätzen und ihn anderen nicht vorzuenthalten oder ihn für uns selbst zu verlangen.

2. Kulturelle Unterschiede und gegenseitige Abhängigkeit 

WIR BESTÄTIGEN, dass wir einander brauchen, um unsere Berufungen zu erfüllen und unsere Zielsetzungen zu erreichen. Manchmal könnte es scheinen, als ob uns die kulturellen Unterschiede trennen, besonders wenn unsere Einstellungen gegenüber den Aufgaben und Zielen verschiedenartig sind. Doch wenn wir uns durch diese Unterschiede ganz bewusst mit Christus im Gebet hindurcharbeiten, kann uns das in eine gesunde gegenseitige Abhängigkeit versetzen und unser Verständnis über unseren Schöpfer bereichern.

3. Vision und Kommunikation

WIR BESTÄTIGEN, dass unsere von Gott gegebene Vision und Berufung lediglich ein Teil des größeren Plans Gottes ist. Er möchte, dass jeder von uns mit den anderen Teilen des Leibes Christi zusammenarbeitet und sie nicht dominiert, unterminiert oder manipuliert. Aus diesem Grund können wir frei und klar miteinander kommunizieren, ohne Halbwahrheiten oder Hintergedanken.

4. Lernen und Flexibilität

WIR BESTÄTIGEN, dass jeder Partner flexibel sein und die Einstellung eines Lernenden haben muss. Wir lernen nicht nur, Partner zu werden, um unsere Vision effizient umzusetzen, sondern wir lernen, um einander zu lieben und uns der Herrschaft Jesu Christi unterzuordnen.

5. Vertrauen und Rechenschaftspflicht

WIR BESTÄTIGEN, dass wir Christus gegenüber sowie untereinander rechenschaftspflichtig sind. Unter seiner Herrschaft pflegen wir unser Vertrauen und die gegenseitige Rechenschaftspflicht, welches untrennbare wesentliche Elemente unsere Beziehung sind.

IV. Vereinbarungen

Um diese Erklärungen in die Praxis umzusetzen, verpflichten wir uns zu Folgendem:

1. Respekt und Befähigungen

Gemeinsam verpflichten wir uns, die gegenseitigen von Gott gegebenen Berufungen, Ressourcen, Stärken und Einflüsse zu respektieren (1. Kor. 14,26–33).

1.1   Wir verpflichten uns, die Gaben und Fähigkeiten zu erörtern, von denen wir glauben, dass Gott möchte, dass wir sie in unseren gemeinsamen Einsatz einbinden, und Gott für die Stärke unserer Partner zu danken.

1.2   Wir verpflichten uns, Wege zu finden, um gegenseitigen Respekt aufzubauen und ihn beizubehalten. Wir wissen, dass dieser Prozess vielleicht die Hilfe eines Freundes verlangt, der mit beiden Kulturen vertraut ist.

1.2.1 Bei Missverständnissen suchen wir respektvoll Erklärungen voneinander. Wir vergeben einander schnell.

1.2.2 Wenn wir etwas kritisieren müssen, tun wir das freundlich und der jeweiligen Kultur entsprechend.

1.2.3 Wenn wir kritisiert werden, versuchen wir, darin die Weisheit des Herrn zu hören (Eph. 4,31–32).

1.3 Wir verpflichten uns, unsere Partner niemals zu missachten, indem wir versuchen, sie zu manipulieren, d.h. Druck auszuüben, um unseren Willen durchzusetzen oder sie irrezuführen.

1.3.1 Als Geldgeber zwingen wir unseren Partnern nicht unseren Themenplan auf und spielen auch nicht mit Hintergedanken.

1.3.2 Als Projektleiter halten wir uns fern von irgendwelchen Manipulationen wie das „Aufpolstern“ eines Budgets oder das Hochspielen des Erfolgs eines Projekts.

1.4 Wir stimmen überein, dass jeder von uns gleichermassen von Gott geführt werden kann und wir lehnen die Vorstellung ab, dass einer von uns in die Welt des anderen gehen und seine Aufgaben besser machen könnte (Mk. 10,42–43).

1.5 Wir versuchen, die Sensitivität unserer Partner zu verstehen, wenn es darum geht, respektlos behandelt zu werden, weil sie und ihre Freunde vielleicht noch an Verletzungen aus früheren Partnerschaften leiden.

1.6 Sollte der Respekt für einen Partner beeinträchtigt werden, stimmen wir überein, alles zu unternehmen, um das Problem zu lösen. Sollten unsere Bemühungen scheitern, werden wir von diesem Partner kein Geld mehr annehmen oder für seine Aktivitäten nicht mehr spenden, sondern stattdessen die Partnerschaft höflich beenden.

2. Kulturelle Unterschiede und gegenseitige Abhängigkeit

Wir vereinbaren, interkulturelle Partnerschaften anzustreben, die der Welt zeigen, wie Jesus Christus alle Menschen und Nationen vereint. Deshalb verpflichten wir uns, unsere eigenen kulturellen Voreingenommenheitenbewusster wahrzunehmen und den kulturellen Voreingenommenheiten unserer Partner mit Gebet, Geduld und ohne Vorurteile zu begegnen. Durch die Kraft des Heiligen Geistes wollen wir in eine gesunde Abhängigkeit von Jesus Christus hineinwachsen (Off. 7,9; Eph. 4,3–6).

2.1 Wir vereinbaren, darüber zu beraten, ob wir eine vertrauenswürdige Drittperson einladen, die unsere beiden Kulturen kennt, um unsere Beziehungen zu erleichtern (Spr. 11,14)

2.2 Wir vereinbaren, kulturelle Perspektiven und Organisationsstile zu besprechen, sobald wir bemerken sollten, dass sie unsere Arbeitsbeziehung negativ beeinflussen.

2.2.1 Wir lassen einander teilhaben an unseren Erfahrungen, die wir bei Partnerschaften, Erfolgen oder Niederlagen gemacht haben, denn wir glauben, dass dies eine der besten Möglichkeiten ist, um voneinander zu lernen.

2.3 Wir vereinbaren, zu versuchen, gemeinsam die negativen wie auch die erwünschten Auswirkungen vorauszuberechnen, bevor wir fremde Gelder in ein Projekt investieren.

2.3.1 Gemeinsam mit unseren Partnern untersuchen wir, wo und wie die Grenze gezogen werden soll zwischen gesunder und ungesunder gegenseitiger Abhängigkeit, wobei wir uns auf die derzeit beste verfügbare Erkenntnis von Gelehrten und Missionsfachleuten stützen.

2.4 Wir stimmen überein, dass das Auslegen und Anwenden dieser Verhaltensregeln einen demütigen, interkulturellen Dialog sowie entgegenkommende Verhandlungen erfordert, und nicht in ein Aufzwingen mündet aufgrund einer falschen Kulturvorstellung (Phil. 2,1–5).

2.5 Wir vereinbaren, in kürzeren Abständen überprüfen, ob unser Partner und wir selbst ausreichende Kenntnisse unserer gegenseitigen kulturellen Situationen haben, damit unsere Voraussetzungen der Realität entsprechen.

2.6 Wir vereinbaren, dass wir unseren Partner weder „besitzen“ noch unsere Beziehung eifersüchtig schützen müssen; deshalb fürchten wir andere nicht als Konkurrenten, sondern heißen sie als gleichberechtigte Diener des Herrn willkommen.

2.6.1 Wir betrachten andere Mitglieder des Leibes Christi niemals als Konkurrenten, denn das ist eine Form der Rebellion gegen das Haupt, unseren Herrn, der uns für seine Zwecke vereint (Kol. 1,15–20)

2.6.2 Wir entschuldigen keine Art von Eifersucht oder Habgier, nicht in uns selbst, noch übersehen wir sie in anderen; sie sind Gift für den Leib Christi und für das Leben eines Christen (Jak. 4,1–3)

3. Vision und Kommunikation

Wir erklären, dass wir uns um ein klares Verständnis bemühen, wie unsere gemeinsamen Aktivitäten sich in das Gesamtbild der Berufung unserer Partner einfügen. Wir stimmen überein, Kommunikationswege zu finden, mit denen wir unsere Vision bis zum Ende durchführen können.

3.1 Wir vereinbaren, dass wir unseren gemeinsamen Auftrag sorgfältig besprechen und Klarheit durch den Heiligen Geist suchen, um zu erkennen, zu was Gott uns gemeinsam berufen hat.

3.2 Wir erklären, dass wir auf eine freundliche, liebenswürdige Art kommunizieren und versuchen, die andere Person aufzubauen (Eph. 4,15–16).

3.2.1 Wir nehmen die Erwartungen unseres Partners ernst bei der Entscheidung, wie viel Zeit wir in unsere gemeinsame Kommunikation investieren und wie rasch wir darauf antworten sollen.

3.2.2 Wir werden immer versuchen, den Zusammenhang vorherzusehen, wie  eine Botschaft empfangen wird, damit wir unsere Partner nicht unabsichtlich verletzen.

3.2.3 Wenn wir mit anderen über unsere Partnerschaft sprechen, gewährleisten wir, dass die Sicherheit, der Ruf und der zukünftige Dienst unseres Partners geschützt sind.

3.3 Wir versprechen, unseren Partnern sorgfältig zuzuhören, Fragen zu stellen und zu verstehen suchen, was sie sagen und was sie andeuten. Wenn die Kommunikation unklar oder unzureichend ist, setzen wir das Beste voraus.

3.4 Wir erklären, dass wir weder unrealistische Versprechen noch ungenaue Aussagen machen werden, die unser Partner leicht als Zusagen auslegen kann, obwohl das nicht unsere Absicht ist.

3.4.1 Wir legen genau fest, zu was wir zustimmen und was wir vom anderen erwarten.

3.4.2 Wir formulieren unsere Verpflichtungen sorgfältig und vermeiden Aussagen wie: „Wir werden sehen, was wir tun können.”

3.5 Wir vereinbaren, nach anderen Erklärungen zu suchen, bevor wir unseren Partner beschuldigen, ein Versprechen gebrochen zu haben (Jak. 1,19–20)

3.6 Als Menschen mit einer Vision, die finanzielle Mittel erfordert, erklären wir, dass wir unsere Vision nicht aufgeben zugunsten einer anderen, die ein Geldgeber vorzieht.

3.7 Als Geldgeber erklären wir, Geld nicht dazu zu gebrauchen, um jemanden zu verleiten, mit unserer Vision und unseren Methoden einverstanden zu sein (oder es auch nur vorzutäuschen), wenn er oder sie nicht glaubt, dass der Herr ihn oder  sie erfolgreich in den lokalen Gegebenheiten einsetzen wird.

4. Lernen und Flexibilität

Wir stimmen überein, vom Herrn und voneinander zu lernen, unaufhörlich im Gebet auf ihn zu hören und in der Praxis flexibel zu bleiben, während er uns für seine Zwecke miteinander verbindet oder auf separaten Wegen führt (2. Kor. 4,5).

4.1 Wir erklären, dass wir jeden neuen Partner ernsthaft kennen lernen wollen und ihn nicht vorverurteilen aufgrund unserer Erfahrungen mit anderen.

4.2 Wir erklären, treu zu beten und gut miteinander zu kommunizieren, um ein Umfeld aufzubauen, in dem sich die Partner sicher genug fühlen, ihre Probleme offenzulegen, ihre Fehler zu bekennen und ihre Meinung zu äussern – immer mit Respekt und ohne Furcht (Jak. 5,16).

4.2.1 Wir fragen einander, was wir von Gott hören oder wahrnehmen.

4.2.2 Wir lernen von unserer Zusammenarbeit, indem wir über unsere Erfolge und unser Versagen sprechen. Wir suchen nach kulturell angemessenen Wegen, um die Ehre und Würde des anderen zu erhalten.

4.3 Wir erklären, in unserer Zusammenarbeit flexibel zu bleiben, denn Unnachgiebigkeit führt nicht zur Einheit in Jesus Christus und lässt auch keine Frucht des Geistes erkennen (Gal. 5,22–26).

4.3.1 Wenn ein Projekt oder eine Mittelbeschaffung einen Rückschlag erleidet, diskutieren wir dies offen und suchen nach Wegen, gemeinsam damit zurechtzukommen, mit dem Ziel, Gott Ehre zu bringen und unser gegenseitiges Vertrauen zu verbessern.

4.4 Wir versuchen, die kulturellen Vorlieben für direkte oder indirekte Kommunikation unseres Partners zu verstehen und uns ihm anzupassen.

4.4.1 Wir sprechen darüber, wie unsere Partner normalerweise mit heiklen Themen umgehen, wie z.B. Kritik äussern oder Kritik entgegenzunehmen. Wir anerkennen den Wert, eine vertrauenswürdige dritte Person beizuziehen, um Konflikte zu verhindern oder zu bewältigen.

4.5 Wir erklären, dass wir uns in unseren Handlungen durch eine Haltung von Mitgefühl, Güte, Demut, Freundlichkeit, Geduld und Liebe führen lassen und verstehen, dass unsere Partner diese Eigenschaften vielleicht anders ausdrücken, als wir erwarten (Kol. 3,12-14).

4.6 Wir erklären, unserem Partner staatliche Bestimmungen oder organisatorische Grundsätze, die strikte Einhaltung erfordern, verständlich zu machen.

5. Vertrauen und  Rechenschaftspflicht

Wir erklären, vertrauensvoll zu dienen und die Art von Rechenschaftspflicht auszuüben, die das gegenseitige Vertrauen stärkt und vertieft

5.1 Wir erklären, mehr zu tun als nötig, um in den Augen unserer Partner vertrauenswürdig zu erscheinen – was oft schwieriger ist, als in unseren eigenen Augen vertrauenswürdig zu erscheinen oder selbst in den Augen des Herrn (2. Kor. 8,21)

5.2 Wir erklären, einen von beiden Seiten akzeptablen Plan für unsere Aktivitäten zu erstellen. Wir wissen, dass manche Kulturen einen geschriebenen Plan ernster nehmen als einen mündlichen, bei anderen wiederum ist es das Gegenteil.

5.2.1 Wir stellen sicher, dass die Vision des lokalen Organisators für das Projekt für beide Partner klar und eindeutig ist.

5.2.2 Wir legen klare Ziele fest und sind uns immer bewusst, dass Gott die Vermehrung bringt.

5.2.3 Wir besprechen, wie lange es voraussichtlich dauern wird, bis die erwünschten Ergebnisse eines Projekts ersichtlich sind.

5.3 Wir erklären, den Maßnahmen des Arbeitsplans treu zu folgen und vor dem Arbeitsbeginn über die Umstände zu sprechen, die bewirken könnten, uns von dem Plan zu trennen.

5.3.1 Wir arbeiten so genau wie möglich nach dem vorgegebenen Projektplan, und besprechen jede eventuelle Veränderung mit unseren Partner, bevor wir sie vornehmen.

5.3.2 Als Geldgeber nehmen wir sofort mit unseren Partner Verbindung auf, wenn die Finanzierungskapazität oder die Zeitvorgabe sich verändert haben.

5.3.3 Als Geldgeber drücken wir unsere Bedenken offen und ehrlich aus, wenn es scheint, dass Geldmittel für unvorhergesehene Zwecke eingesetzt werden. Die Erklärungen unserer Partner nehmen wir respektvoll zur Kenntnis.

5.4 Wir erklären, dass wir einander grundlegend Rechenschaft ablegen nach dem Maßstab der Treue zum Herrn, zu seinem Wort und zur Partnerschaft. Wir sind rechenschaftspflichtig für unsere Verantwortlichkeiten gemäß unserem Plan, aber nicht für Ergebnisse, für die nur der Herr der Ernte zuständig ist (1. Kor. 3,6–8).

5.4.1 Wir sprechen mit einem reinen Herzen über den Fortschritt des Projekts sowie über Verbesserungen an den Messwerten und Zeitvorgaben im Projektplan. Wir werden niemals versuchen, einen Partner zu täuschen.

5.4.2 Wir werden nicht davon ausgehen, dass ein misslungenes oder ergebnisloses Projekt bedeutet, dass ein Partner ein Versprechen gebrochen hat. Es könnte andere Erklärungen geben, die außerhalb der Kontrolle unseres Partners liegen.

5.5 Wir erklären, einen beiderseitig akzeptablen Plan festzulegen über regelmäßige und angemessene Berichterstattung  der Tätigkeiten.

5.5.1 Gleich zu Beginn besprechen wir, wie die Unterschiede zwischen “planenden” Kulturen und “bewältigenden” Kulturen unsere Berichterstattung beeinflussen könnten. (S. „Definitionen unterschiedlichen Verständnisses”/„Definitions Seen Differently”  auf LausanneStandards.org).

5.5.2 Zum Beispiel diskutieren wir, wie streng oder wie locker wir Termine und nachfolgende Details des Projektplans einhalten wollen.

5.5.3 Wir besprechen, wie wir mögliche Konflikte in unseren Organisationsplänen und Terminkalendern und denen unserer Partner in Einklang bringen können.

5.5.4 Wir besprechen, wie wir Unstimmigkeiten betreffend Informationen, die die Geldgeber benötigen und Informationen, welche die Partner bereitstellen können, handhaben sollen.

V. Gelöbnis

Wir verpflichten uns, diese Absprachen und Erklärungen einzuhalten, geloben, dass wir uns von ihnen auf dem Weg der Integrität führen lassen, durch Erfahrungen demütig von ihnen lernen und in Liebe wachsen, wie Jesus es befohlen hat.  Folglich glauben wir, dass unsere Beziehung mit Gottes Gnade stark und gesund sein wird, unser Dienst Frucht bringen wird, unsere Vision vollendet und unser Gott geehrt wird.

VI. Gebet

Möge der Herr durch Gespräche und Beziehungen dieses Dokument mit Leben erfüllen. Möge sein Geist uns als Partner des Missionsauftrags vollkommener machen und uns immer mehr in sein Bild verwandeln (Kol. 1,27-28).

11 Jan 2012

Die Kapstadt-Verpflichtung

Eine Erklärung des Glaubens und ein Aufruf zum Handeln[1]

Vorwort

Präambel

Teil I – Für den Herrn, den wir lieben: Das Kapstadt-Bekenntnis des Glaubens

  1. Wir lieben, weil Gott uns zuerst geliebt hat
  2. Wir lieben den lebendigen Gott
  3. Wir lieben Gott, den Vater
  4. Wir lieben Gott, den Sohn
  5. Wir lieben Gott, den Heiligen Geist
  6. Wir lieben Gottes Wort
  7. Wir lieben Gottes Welt
  8. Wir lieben Gottes Evangelium
  9. Wir lieben Gottes Volk
  10. Wir lieben die Mission Gottes

Teil II – Für die Welt, der wir dienen: Der Kapstadt-Aufruf zum Handeln

Einführung

IIA Die Wahrheit Christi bezeugen in einer pluralistischen, globalisierten Welt

IIB Den Frieden Christi aufbauen in unserer gespaltenen und zerbrochenen Welt

IIC Die Liebe Christi leben unter Menschen anderer Glaubensrichtungen

IID Den Willen Christi für die Weltevangelisation erkennen

IIE Ein Aufruf an die Gemeinde, wieder zu Demut, Integrität und Einfachheit zurückzukehren

IIF Partnerschaften eingehen im Leib Christi für die Einheit in der Mission

Schlussfolgerung

Vorwort

Beim Dritten Lausanner Kongress für Weltevangelisation (Kapstadt, 16.-25. Oktober 2010) kamen 4.200 evangelikale Leiter aus 198 Ländern zusammen und weitere Hunderttausende nahmen in Meetings rund um die Welt sowie online daran teil. Das Ziel? Die weltweite Christenheit aufs Neue herauszufordern, von Jesus Christus und seiner Lehre Zeugnis zu geben, in jeder Nation, in jeder Gesellschaftsschicht und in der Welt der Gedankengebäude.

Die Frucht dieses Unterfangens ist die Kapstadt-Verpflich­tung. Sie gehört zu einer historischen Linie, indem sie auf den Lausanner Bund und das Manifest von Manila aufbaut. Die Kapstadt-Verpflichtung besteht aus zwei Teilen. Teil I beschreibt die Überzeugungen, die uns in den biblischen Schriften weitergegeben werden, und Teil II ruft auf zum Handeln.

Wie wurde Teil I zusammengestellt? Zum ersten Mal diskutierte man darüber in Minneapolis im Dezember 2009, als 18 eingeladene Theologen und evangelikale Leiter aus allen Kontinenten zusammenkamen. Eine kleinere Gruppe, geleitet von Dr. Christopher J. H. Wright, Vorsitzender der Lausanner Theologischen Arbeitsgruppe, wurde gebeten, ein Schlussdokument zusammenzustellen, um es dem Kongress vorzulegen.

Wie wurde Teil II zusammengestellt? Mehr als drei Jahre vor dem Kongress begann ein aufwendiger Konsultationsprozess. Jeder der Internationalen Stellvertretenden Direktoren der Lausanner Bewegung organisierte Informationsgespräche in seiner Region und christliche Leiter wurden gebeten, die großen Herausforderungen, denen die Gemeinde gegenübersteht, zu ermitteln. Daraus entwickelten sich sechs Kernpunkte. Sie bestimmten erstens das Kongressprogramm und formten zweitens den Rahmen für den Aufruf zum Handeln. Der Konsultationsprozess ging beim Kongress weiter, als Chris Wright und die Arbeitsgruppe, die den Bericht zusammengestellt hatte, alle Beiträge genauestens aufzeichneten. Es war eine Herkules-Aufgabe und eine enorme Anstrengung.

Während der nächsten zehn Jahre wird die Kapstadt-Verpflichtung der “Fahrplan” der Lausanner Bewegung sein. Ihr prophetischer Aufruf zur Arbeit und zum Gebet wird, so hoffen wir, Gemeinden, Missionsorganisationen, Ausbildungsstätten, Christen am Arbeitsplatz und Studentengemeinschaften auf dem Campus einbeziehen und jeden veranlassen, seinen Teil zur Verwirklichung beizutragen.

Viele Lehraussagen bestätigen, was die Kirche glaubt. Doch wir wollten weitergehen und den Glauben mit der Praxis verbinden. Unser Vorbild war der Apostel Paulus, dessen theologische Lehre durch praktische Instruktionen mit Leben erfüllt wurde. Im Kolosserbrief zum Beispiel, geht seine tiefgründige und wunderbare Darstellung der Vorherrschaft Christi über in eine realistische, gemeinverständliche Lehre, was es bedeutet, in Christus verwurzelt zu sein.

Wir stellen heraus, was der Kern des christlichen Evangeliums ist, nämlich die grundlegenden Wahrheiten, über die Einigkeit bestehen muss. In zweitrangigen Fragen hingegen können Christen unterschiedlicher Meinung darüber sein, was die Bibel lehrt oder verlangt. Wir haben hier versucht, Lausannes Prinzip der “Breite innerhalb Grenzen” abzubilden, und im Teil I sind diese Grenzen klar definiert.

Es hat uns gefreut, während dieses ganzen Prozesses mit der Weltweiten Evangelischen Allianz zusammenzuarbeiten, die uns in jeder Phase eine gute Partnerin war. Die Leiter der wea sind in voller Übereinstimmung mit dem Bekenntnis des Glaubens und dem Aufruf zum Handeln.

Wenn wir in der Lausanner Bewegung über die evangelikale Tradition sprechen und schreiben, bestätigen wir zugleich die Einheit des Leibes Christi und freuen uns, dass es innerhalb anderer Traditionen viele Nachfolger Jesu Christi gibt. In Kapstadt durften wir führende Vertreter aus verschiedenen historischen Kirchen mit anderen Brauchtümern als Beobachter willkommen heißen, und wir vertrauen darauf, dass die Kapstadt-Verpflichtung eine Hilfe für Kirchen und Gemeinden aller Traditionen sein wird. Wir bieten sie in diesem Geist der Demut an.

Was sind unsere Hoffnungen für die Kapstadt-Verpflichtung? Wir vertrauen darauf, dass man darüber spricht, diskutiert, und dass ihr, als eine vereinigte Erklärung von Evangelikalen in der ganzen Welt, ein nötiger Stellenwert zugesprochen wird, dass sie entscheidende Impulse im christlichen Dienst setzt, dass sie führende Denker in der Öffentlichkeit stärkt und dass mutige Initiativen und Partnerschaften daraus hervorgehen.

Möge das Wort Gottes Licht auf unserem Weg sein, und möge die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes mit uns allen sein.

S. Douglas Birdsall
Vorstandsvorsitzender

Lindsay Brown
Internationaler Direktor

Präambel

Als Mitglieder der weltweiten Gemeinde Jesu Christi bekräftigen wir freudig unsere Hingabe an den lebendigen Gott und sein Ziel, das Heil durch den Herrn Jesus Christus zu bringen. Um seinetwillen erneuern wir unsere Verpflichtung auf die Vision und die Ziele der Lausanner Bewegung.

Das bedeutet zweierlei:

Erstens: Wir bleiben der Aufgabe verpflichtet, weltweit Zeugnis abzulegen von Jesus Christus und seiner gesamten Lehre. Der Erste Lausanner Kongress (1974) wurde einberufen um der Aufgabe der Weltevangelisation willen. Zu seinen vorrangigsten Gaben an die weltweite Gemeinde gehörten: die Lausanner Verpflichtung, ein neues Bewusstsein für die Zahl noch unerreichter Volksgruppen, und eine Neuentdeckung des ganzheitlichen Wesens des biblischen Evangeliums und christlicher Mission.

Der Zweite Lausanner Kongress in Manila (1989) brachte mehr als 300 strategische Partnerschaften in der Weltevangelisation, einschließlich vieler, die eine völkerübergreifende Zusammenarbeit in allen Teilen der Welt beinhalteten.

Und zweitens bleiben wir den vorrangigen Dokumenten der Bewegung verpflichtet – Der Lausanner Verpflichtung (1974) und dem Manila Manifest (1989). Diese Dokumente drücken Kernwahrheiten des biblischen Evangeliums deutlich aus und wenden sie auf unsere Missionspraxis in einer Weise an, die immer noch relevant und herausfordernd ist. Wir bekennen, dass wir den in diesen Dokumenten eingegangenen Verpflichtungen nicht treu gewesen sind. Aber wir bekräftigen sie und halten an ihnen fest, und versuchen zu erkennen, wie wir die ewige Wahrheit des Evangeliums in der sich ständig verändernden Welt unserer eigenen Generation ausdrücken und anwenden müssen.

Die Realitäten der Veränderung

Fast unsere ganze Art und Weise des Lebens, des Denkens und der Beziehungen zueinander verändert sich in ständig zunehmender Geschwindigkeit. Im Guten oder Schlechten ist die Auswirkung der Globalisierung, der digitalen Revolution und des sich verändernden Gleichgewichts wirtschaftlicher und politischer Macht in der Welt spürbar. Einige der Dinge die uns begegnen lösen Trauer und Besorgnis aus – globale Armut, Krieg, ethnische Konflikte, Krankheit, die ökologische Krise und der Klimawandel. Aber eine der großen Veränderungen in unserer Welt ist Grund zur Freude – das Wachstum der weltweiten Gemeinde Christi.

Die Tatsache, dass der Dritte Lausanner Kongress in Afrika stattgefunden hat, ist ein Beweis dafür. Mindestens zwei Drittel aller Christen in der Welt leben heute in den Ländern des Globalen Südens und Ostens. Die Zusammensetzung unseres Kapstädter Kongresses spiegelt diesen enormen Wandel in der Weltchristenheit, der sich seit der Missionskonferenz in Edinburgh 1910 für das weltweite Christentum ergeben hat. Wir freuen uns über das erstaunliche Wachstum der Gemeinde in Afrika und darüber, dass unsere afrikanischen Brüder und Schwestern in Christus Gastgeber für diesen Kongress waren. Gleichzeitig konnten wir uns in Südafrika nicht begegnen, ohne dem Leiden unter der Apartheid in den vergangenen Jahren Aufmerksamkeit zu schenken. Deshalb sind wir sehr dankbar für den Fortschritt des Evangeliums und für das Wirken von Gottes souveräner Gerechtigkeit in der jüngeren Geschichte, aber wir ringen zugleich immer noch mit dem Erbe des Bösen und der Ungerechtigkeit. Das ist das zweifache Zeugnis und die Rolle der Gemeinde in der ganzen Welt.

Wir müssen in der christlichen Mission auf die Realitäten der eigenen Generation antworten. Ebenso müssen wir von der Mischung aus Weisheit und Irrtum, vom Erfolg und Versagen lernen, die wir von früheren Generationen geerbt haben. Wir ehren und beklagen die Vergangenheit und setzen uns mit der Zukunft auseinander.

Unveränderte Realitäten

Aber in einer sich verändernden Welt, die sich immer schneller neu erfinden muss, bleiben manche Dinge unverändert. Diese großen Wahrheiten bilden die biblische Begründung für unser missionales Engagement.

  • Menschen sind verloren. Das grundlegende menschliche Dilemma bleibt so, wie die Bibel es beschreibt: wir stehen unter dem gerechten Gericht Gottes in unserer Sünde und Rebellion und ohne Christus sind wir ohne Hoffnung.
  • Das Evangelium ist eine Gute Nachricht. Das Evangelium ist kein Konzept, das neue Ideen braucht, sondern eine Geschichte, die neu erzählt werden muss. Es ist die unveränderte Geschichte dessen, was Gott zur Rettung der Welt getan hat, vor allem in den historischen Ereignissen des Lebens, Todes, der Auferstehung und der Herrschaft Jesu Christi. In Christus ist Hoffnung.
  • Die Mission der Gemeinde geht weiter. Die Mission Gottes geht weiter bis an die Enden der Erde und das Ende der Welt. Der Tag wird kommen, an dem die Reiche der Welt zum Reich unseres Gottes und seines Christus werden, an dem Gott zusammen mit seiner erlösten Menschheit in der neuen Schöpfung wohnen wird. Bis zu jenem Tag nimmt die Gemeinde teil an der Mission Gottes, in freudiger Ernsthaftigkeit und mit frischen und spannenden Möglichkeiten in jeder Generation einschließlich der unsrigen.

Die Leidenschaft unserer Liebe

Diese Erklärung ist formuliert in der Sprache der Liebe. Liebe ist die Sprache des Bundes. Die biblischen Bundesschlüsse, alte wie neue, sind Ausdruck von Gottes erlösender Liebe und Gnade, die sich nach einer verlorenen Menschheit und zerstörten Schöpfung ausstrecken. Sie erfordern die Antwort unserer Liebe. Unsere Liebe zeigt sich in Vertrauen, Gehorsam und leidenschaftlicher Hingabe an unseren Herrn, der uns in seinem Bund begegnet. Die Lausanner Verpflichtung definierte Evangelisation folgendermaßen: “die ganze Gemeinde die das ganze Evangelium der ganzen Welt bringt.” Das ist immer noch unsere Leidenschaft. So erneuern wir diese Verpflichtung und bekräftigen erneut:

  • Unsere Liebe für das ganze Evangelium, als Gottes herrliche gute Nachricht in Christus für jede Dimension seiner Schöpfung, denn sie ist ganz durch die Sünde und das Böse verwüstet worden.
  • Unsere Liebe für die ganze Gemeinde, als Gottes Volk, erlöst durch Christus, aus allen Völkern der Erde und aus allen Zeitaltern der Geschichte, in unserer Zeit an Gottes Mission teilzuhaben und ihn auf ewig zu verherrlichen.
  • Unsere Liebe für die ganze Welt, von Gott so fern, aber seinem Herzen so nahe, die Welt, die Gott so geliebt hat, dass er seinen eingeborenen Sohn zu ihrer Erlösung gab.

Von dieser dreifachen Liebe ergriffen verpflichten wir uns erneut, die ganze Gemeinde zu sein, das ganze Evangelium zu glauben, ihm zu gehorchen und es weiterzusagen und in die ganze Welt zu gehen, um Menschen alle Völker zu Jüngern zu machen.

Teil Eins:

Für den Herrn, den wir lieben: Das Kapstadt-Bekenntnis des Glaubens

1. Wir lieben, weil Gott uns zuerst geliebt hat

Die Mission Gottes für die Welt entspringt aus Gottes Liebe. Die Mission des Volkes Gottes entspringt aus unserer Liebe zu Gott und zu allem, was Gott liebt. Weltevangelisation ist die Frucht der Liebe Gottes zu uns und durch uns. Wir bestätigen das Primat der Gnade Gottes und antworten daraufhin auf diese Gnade durch Glauben, der sich im Gehorsam der Liebe zeigt. Wir lieben, weil Gott uns zuerst geliebt und seinen Sohn gesandt hat als Versöhnung für unsere Sünde.[2]

A) Liebe zu Gott und Liebe zum Nächsten konstituieren die ersten und größten Gebote, an denen das ganze Gesetz und alle Propheten hängen. Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes und ist die als erstes genannte Frucht des Geistes. Liebe ist der Beweis, dass wir wiedergeboren sind, die Gewissheit, dass wir Gott kennen, und der Nachweis, dass Gott in uns wohnt. Liebe ist das neue Gebot Christi, der seinen Jüngern sagte, dass nur wenn sie diesem Gebot gehorchen, ihre Mission sichtbar und glaubwürdig sei. Die Liebe der Christen füreinander ist der Weg auf dem der unsichtbare Gott, der sich selbst durch seinen menschgewordenen Sohn gezeigt hat, sich der Welt weiterhin zeigt. Liebe gehörte zu den ersten Dingen, die Paulus bei neuen Christen beobachtete und wofür er sie lobte, zusammen mit Glaube und Hoffnung. Doch die Liebe ist das Größte unter ihnen, denn die Liebe hört niemals auf.[3]

B) Solch eine Liebe ist nicht schwach oder sentimental. Die Liebe Gottes selbst geschieht in Treue zu seinem Bund, ist verbindlich, sie gibt sich selbst, ist opferbereit, stark und heilig. Weil Gott Liebe ist, durchdringt Liebe sein gesamtes Sein, all sein Handeln, seine Gerechtigkeit so wie auch seine Barmherzigkeit. Gottes Liebe umfasst seine gesamte Schöpfung. Uns ist geboten zu Lieben, auf eine Art und Weise, die die Liebe Gottes in all diesen selben Dimensionen widerspiegelt. Das ist gemeint, wenn wir davon sprechen, auf den Weg des Herrn zu gehen.[4]

C) Indem wir also unsere Überzeugungen und Verpflichtungen in der Begrifflichkeit der Liebe fassen, greifen wir die grundlegendste und anspruchsvollste biblische Herausforderung von allen auf:

  1. den Herrn, unseren Gott, zu lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit ganzem Verstand und mit aller Kraft,
  2. unseren Nächsten (einschließlich des Fremden und des Feindes) zu lieben wie uns selbst,
  3. einander so zu lieben, wie Gott uns in Christus geliebt hat, und
  4. die Welt mit der Liebe des Einen zu lieben, der seinen einzigen Sohn gegeben hat, damit die Welt durch ihn gerettet würde.[5]

D) Diese Liebe ist als Geschenk Gottes ausgegossen in unsere Herzen, aber sie ist zugleich Gebot Gottes und fordert den Gehorsam unseres Willens. Solche Liebe bedeutet, wie Christus selbst zu sein, widerstandsfähig in der Ausdauer, doch sanft in Demut; zäh im Widerstehen des Bösen, aber einfühlsam in der Barmherzigkeit für Leidende; tapfer im Leiden und treu selbst bis zum Tod. Solch eine Liebe hat Christus auf der Erde vorgelebt und sie misst sich am auferstandenen Christus in Herrlichkeit.[6]

Wir bekräftigen, dass diese umfassende biblische Liebe für Jünger Jesu Identitätsmerkmal und Kennzeichen sein sollte. Als Antwort auf Jesu Gebet und Gebot sehnen wir uns danach, dass dies bei uns auch so sein möge. Voller Trauer bekennen wir, dass es häufig nicht so ist. Und so verpflichten wir uns erneut dazu, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um so zu leben, zu denken, zu reden und zu handeln, dass deutlich wird, was es heißt, in Liebe zu wandeln – Liebe für Gott, Liebe füreinander und Liebe für die Welt.

2. Wir lieben den lebendigen Gott

Unser Gott, den wir lieben, offenbart sich in der Bibel als der eine, ewige, lebendige Gott, der alle Dinge nach seinem souveränen Willen regiert und zu seinem Ziel der Erlösung voranbringt. In der Einheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist ist Gott allein Schöpfer, Herrscher, Richter und Retter der Welt.[7] Daher lieben wir Gott und danken ihm für unseren Platz in der Schöpfung, ordnen uns unter seine souveräne Vorsehung unter, vertrauen auf seine Gerechtigkeit und loben ihn für die Errettung, die er für uns vollbracht hat.

A) Wir lieben Gott über allem anderen. Es ist uns geboten, allein den lebendigen Gott zu lieben und anzubeten. Aber wie das Volk Israel im Alten Testament lassen wir zu, dass unsere Liebe zu Gott verzerrt wird, indem wir den Göttern dieser Welt nachlaufen, den Göttern der Menschen um uns herum.[8] Verleitet von den Götzen Habgier, Macht und Erfolg verfallen wir in Synkretismus, und dienen dem Mammon anstatt Gott. Wir akzeptieren herrschende politische und wirtschaftliche Ideologien, ohne sie kritisch im Licht der Bibel zu hinterfragen. Unter dem Druck eines religiösen Pluralismus sind wir versucht, unseren Glauben an die Einzigartigkeit Christi Kompromissen zu unterziehen. Wie das Volk Israel müssen wir auf den Ruf der Propheten und Jesu selbst achten, umzukehren, all diese anderen Götter zu verlassen und zurück zu kehren zum Gehorsam, zur Liebe und zur Anbetung Gottes allein.

B) Wir lieben Gott mit Leidenschaft für seine Ehre. Die größte Motivation für unsere Mission ist dieselbe, die auch Triebkraft für die Mission Gottes ist: Dass der eine, wahre, lebendige Gott in seiner ganzen Schöpfung erkannt und verherrlicht wird. Das ist Gottes höchstes Ziel und sollte unsere größte Freude sein. “Wenn es Gottes Wunsch ist, dass sich jedes Knie vor Jesus beugen und jede Zunge ihn bekennen soll, dann sollte das auch unser Wunsch sein. Wir sollten ‘eifersüchtig sein’ (wie die Bibel es manchmal ausdrückt) um die Ehre seines Namens, besorgt, wenn er unbekannt bleibt, verletzt, wenn er ignoriert wird, aufgebracht, wenn er gelästert wird und alle Zeit darum besorgt und entschlossen sein, dass ihm die Ehre und Herrlichkeit entgegengebracht wird, die ihm zukommen. Das höchste aller missionarischen Motive ist weder Gehorsam gegenüber dem Missionsbefehl (so wichtig das auch sein mag) noch Liebe für Sünder, die Gott entfremdet und dem Untergang geweiht sind (so stark dieser Anreiz auch sein mag, besonders wenn wir an den Zorn Gottes denken). Das stärkste aller Motive sollte Eifer sein – brennender und leidenschaftlicher Eifer – für die Herrlichkeit Jesu Christi … Vor diesem höchsten Ziel der christlichen Mission verkümmern und vergehen alle anderen Ziele.”[9]

Unser größter Kummer sollte sein, dass in unserer Welt der lebendige Gott nicht verherrlicht wird. Der lebendige Gott wird in einem aggressiven Atheismus geleugnet. Der eine, wahre Gott wird ersetzt oder verzerrt in der Praxis der Weltreligionen. Unser Herr Jesus Christus wird in manchen kulturellen Ausprägungen missbraucht und falsch dargestellt. Und das Angesicht des Gottes der biblischen Offenbarung wird verschleiert durch christlichen Nominalismus, Synkretismus und christliche Heuchelei.

Gott inmitten einer Welt zu lieben, die ihn abweist und verzerrt, erfordert ein mutiges, aber demütiges Zeugnis von unserem Gott; beständige aber von Barmherzigkeit geprägte Verteidigung der Wahrheit des Evangeliums Christi, des Sohnes Gottes; und auf Gebet basierendes Vertrauen in das aufrüttelnde und überzeugende Werk seines Heiligen Geistes. Wir verpflichten uns zu solchem Zeugnis, denn wenn wir behaupten, Gott zu lieben, dann müssen wir auch Gottes größte Priorität zu der unsrigen machen: dass sein Name und sein Wort über alles erhoben werden.[10]

3. Wir lieben Gott, den Vater

Durch Jesus Christus, Gottes Sohn – und durch ihn allein, als Weg, Wahrheit und Leben – lernen wir Gott als Vater kennen und lieben. Wenn der Heilige Geist unserem Geist bezeugt, dass wir Gottes Kinder sind, dann rufen wir mit den Worten Jesu “Abba, Vater”, und wir beten so, wie Jesus es uns gelehrt hat – “Vater unser”. Unsere Liebe zu Jesus, die sich im Gehorsam erweist, begegnet der Liebe des Vaters zu uns, wenn der Vater und der Sohn in uns Wohnung nehmen, im gegenseitigen Geben und Nehmen von Liebe.[11] Diese innige Beziehung hat tiefe biblische Grundlagen.

A) Wir lieben Gott als den Vater seines Volkes. Das alttestamentliche Volk Israel kannte Gott als Vater, als den einen, der es erschuf, trug und erzog, Gehorsam einforderte, sich nach seiner Liebe sehnte, barmherzige Vergebung gewährte und geduldige, ertragende Liebe erwies.[12] All dieses gilt auch für uns als Volk Gottes in Christus in unserer Beziehung mit Gott, unserem Vater.

B) Wir lieben Gott als den Vater, der die Welt so sehr liebte, dass er seinen einzigen Sohn für unsere Errettung hingab. Wie groß ist die Liebe des Vaters zu uns, dass wir Kinder Gottes genannt werden sollen. Wie unermesslich ist die Liebe des Vaters, der seinen einzigen Sohn nicht verschonte, sondern ihn für uns hingegeben hat. Diese Liebe des Vaters, die Ausdruck fand in der Hingabe des Sohnes, wird gespiegelt in der sich selbst gebenden Liebe des Sohnes. Es herrschte eine vollständige Harmonie des Willens im Erlösungswerk, das der Vater und der Sohn durch den ewigen Geist am Kreuz vollbrachten. Der Vater liebte die Welt und gab seinen Sohn; “der Sohn Gottes hat mich geliebt und hat sich selbst für mich hingegeben.” Diese Einheit von Vater und Sohn, von Jesus selbst bestätigt, klingt nach im bekanntesten Paulusgruß: “Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus, der sich selbst für unsere Sünden hingegeben hat … nach dem Willen unseres Gottes und Vaters, dem die Ehre sei in alle Ewigkeit.”[13]

C) Wir lieben Gott als den Vater, dessen Wesen wir widerspiegeln und dessen Fürsorge wir vertrauen. In der Bergpredigt verweist Jesus wiederholt auf unseren himmlischen Vater als Vorbild bzw. Fokus unseres Handelns. Als Kinder Gottes sollen wir Friedensstifter sein. Wir sollen Gutes tun, damit unser Vater gepriesen wird. Wir sollen unsere Feinde lieben und so Gottes väterliche Liebe widerspiegeln. Unser Geben, Beten und Fasten soll nur für die Augen Gottes bestimmt sein. Wir sollen anderen vergeben, so wie unser Vater uns auch vergibt. Wir sollen nicht von Sorge bestimmt sein, sondern auf die Versorgung unseres Vaters vertrauen. Wenn wir uns so verhalten als Ausdruck des christlichen Charakters, dann tun wir den Willen unseres Vaters im Himmel im Herrschaftsbereich Gottes.[14]

Wir bekennen, dass wir die Wahrheit der Vaterschaft Gottes oft vernachlässigt und uns selbst des Reichtums unserer Beziehung mit ihm beraubt haben. Wir verpflichten uns neu, durch Jesus, den Sohn, zum Vater zu kommen; seine väterliche Liebe anzunehmen und zu erwidern; unter seiner väterlichen Erziehung in Gehorsam zu leben; sein väterliches Wesen in unserem gesamten Verhalten und Einstellung widerzuspiegeln; und seiner väterlichen Fürsorge zu vertrauen, in welche Situationen er uns auch immer führen mag.

4. Wir lieben Gott, den Sohn

Gott gebot dem Volk Israel, Gott, den HERRN, mit einer ausschließlichen Treue zu lieben. So gilt auch für uns: Den Herrn Jesus Christus zu lieben heißt, unerschütterlich daran festzuhalten, dass er allein Retter, Herr und Gott ist. Die Bibel lehrt, dass Jesus in gleicher Weise souverän handelt, wie sonst nur Gott. Christus ist Schöpfer des Universums, Herr der Geschichte, Richter aller Völker und Retter aller, die sich Gott zuwenden.[15] Er hat Anteil an der Identität Gottes in der göttlichen Gleichheit und Einheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist. So wie Gott das Volk Israel aufgerufen hat, ihn zu lieben in Glauben, Gehorsam und dienstbereitem Zeugnis, die den Bund mit ihm ausdrücken, so bekräftigen wir unsere Liebe zu Jesus Christus, indem wir ihm vertrauen, ihm gehorchen und ihn bekannt machen.

A) Wir vertrauen auf Christus. Wir glauben dem Zeugnis der Evangelien, dass Jesus von Nazareth der Messias ist, der von Gott Bestimmte und Eingesetzte, um die einzigartige Mission des alttestamentlichen Volkes Israel zu erfüllen: allen Nationen den Segen der Erlösung zu bringen, so wie Gott es Abraham verheißen hat.

  1. In Jesus, empfangen durch den Heiligen Geist und geboren von der Jungfrau Maria, nahm Gott unsere menschliche Gestalt an und lebte unter uns, ganz Gott und ganz Mensch.
  2. In seinem Leben lebte Jesus in vollkommener Treue und Gehorsam gegenüber Gott. Er verkündete und lehrte das Reich Gottes und lebte seinen Jüngern ein Leben unter Gottes Herrschaft vor.
  3. In seinem Dienst und seinen Wundern verkündete und demonstrierte Jesus den Sieg des Reiches Gottes über Böses und böse Mächte.
  4. In seinem Tod am Kreuz nahm Jesus unsere Sünde auf sich an unserer Statt, trug ihre ganze Konsequenz, Strafe und Schmach, besiegte den Tod und die Mächte des Bösen und vollbrachte Versöhnung und Erlösung für die gesamte Schöpfung.
  5. In seiner leiblichen Auferstehung wurde Jesus von Gott gerechtfertigt und erhoben, vollendete und demonstrierte den Sieg am Kreuz und wurde Wegbereiter einer erlösten Menschheit und einer wiederhergestellten Schöpfung.
  6. Seit seiner Himmelfahrt regiert Jesus als Herr über die Geschichte und die gesamte Schöpfung.
  7. Bei seiner Wiederkunft wird Jesus Gottes Gericht vollstrecken, Satan, das Böse und den Tod vernichten und die allumfassende Herrschaft Gottes aufrichten.

B) Wir gehorchen Christus. Jesus hat uns zur Jüngerschaft berufen, dazu, unser Kreuz auf uns zu nehmen und ihm nachzufolgen auf dem Weg von Selbstverleugnung, Dienst und Gehorsam. “Wenn ihr mich liebt, dann haltet meine Gebote”, sagte er. “Was nennt ihr mich Herr, Herr, und tut nicht, was ich sage?” Wir sind aufgerufen, zu leben wie Christus gelebt hat und zu lieben, wie Christus uns geliebt hat. Christus zu bekennen, während man seine Gebote ignoriert, ist gefährliche Torheit. Jesus warnt davor, dass viele, die durch spektakuläre und wundersame Werke seinen Namen in Anspruch nehmen, von ihm abgelehnt und als Übeltäter bezeichnet werden.[16] Wir nehmen Christi Warnung ernst, denn keiner von uns ist gefeit gegen diese furchtbare Gefahr.

C) Wir verkündigen Christus. In Christus allein hat Gott sich ganz und endgültig offenbart, und durch Christus allein hat Gott Rettung für die Welt vollbracht. Daher knien wir als Jünger zu den Füßen Jesu von Nazareth und sagen zu ihm zusammen mit Petrus: “Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes” und mit Thomas: “Mein Herr und mein Gott”. Obwohl wir ihn nicht gesehen haben, lieben wir ihn dennoch. Und freuen uns in Hoffnung und sehnen uns nach dem Tag seiner Wiederkunft, wenn wir ihn sehen werden, wie er ist. Bis dahin stimmen wir mit Petrus und Johannes ein und verkündigen: “Es ist in keinem anderen das Heil, denn auch kein anderer Name unter dem Himmel ist den Menschen gegeben, in dem wir errettet werden müssen.”[17]

Wir verpflichten uns neu, Jesus Christus und all seine Lehren in der ganzen Welt zu bezeugen, in dem Wissen, dass dies Zeugnis nur möglich wird, wenn wir selbst im Gehorsam gegenüber seiner Lehre leben.

5. Wir lieben Gott, den Heiligen Geist

Wir lieben den Heiligen Geist in der Einheit der Dreieinigkeit mit Gott, dem Vater, und Gott, dem Sohn. Er ist der missionarische Geist, ausgesandt vom missionarischen Vater und dem missionarischen Sohn, der Gottes missionarischer Gemeinde Leben und Kraft einhaucht. Wir lieben und beten um die Gegenwart des Heiligen Geistes, weil ohne das Zeugnis des Geistes gegenüber Christus unser eigenes Zeugnis vergeblich ist. Ohne das überführende Werk des Geistes ist unsere Predigt vergeblich. Ohne die Gaben, Führung und Kraft des Geistes ist unsere Mission bloßes menschliches Bemühen. Und ohne die Frucht des Geistes kann unser unansehnliches Leben die Schönheit des Evangeliums nicht widerspiegeln.

A) Im Alten Testament sehen wir das aktive Handeln des Geistes Gottes in der Schöpfung, in Werken der Befreiung und Gerechtigkeit und in der Erfüllung und Bevollmächtigung von Menschen für alle Arten des Dienstes. Geisterfüllte Propheten schauten voller Freude aus nach dem kommenden König und Diener, dessen Person und Werk vom Geist Gottes ausgestattet sein würden, und auf das kommende Zeitalter, das geprägt sein würde vom Ausgießen seines Geistes, der dem Volk Gottes neues Leben und neuen Gehorsam schenkt.[18]

B) Zu Pfingsten hat Gott seinen Heiligen Geist ausgegossen gemäß der Verheißung durch die Propheten und Jesus. Der heiligende Geist bringt seine Früchte im Leben der Gläubigen hervor, und die erste Frucht ist immer Liebe. Der Geist erfüllt die Gemeinde mit seinen Gaben, die wir sehnsüchtig erbitten, denn sie sind die unverzichtbare Ausrüstung für den christlichen Dienst. Der Geist gibt uns Kraft für die Mission und eine große Vielzahl von Diensten. Der Geist befähigt uns, das Evangelium zu verkünden und vorzuleben, die Wahrheit zu erkennen, wirksam zu beten und über die Mächte der Finsternis zu siegen. Der Geist inspiriert und begleitet unseren Lobpreis. Der Geist stärkt und tröstet Jünger, die wegen ihres Zeugnisses für Christus verfolgt oder vor Gericht gestellt werden.[19]

C) Unser Einsatz in der Mission ist also ohne die Gegenwart, Führung und Kraft des Heiligen Geistes sinnlos und fruchtlos. Das gilt für Mission in all ihren Dimensionen: Evangelisation, Bezeugen der Wahrheit, Menschen zu Jüngern machen, Friedensbemühungen, soziales Engagement, ethische Veränderung, Fürsorge für die Schöpfung, Überwindung böser Mächte, Austreibung von Dämonen, Krankenheilung, Leiden unter und Ertragen von Verfolgung. Was auch immer wir im Namen Christi tun, muss durch den Heiligen Geist geleitet und mit Kraft versehen sein. Das Neue Testament macht das deutlich am Leben der Urgemeinde und den Lehren der Apostel. Heute zeigt es sich im fruchtbaren Wirken und im Wachstum von Gemeinden, in denen Jesu Nachfolger vertrauensvoll in der Kraft des Heiligen Geistes handeln – in Abhängigkeit und Erwartung.

Es gibt kein wahres oder ganzes Evangelium und keine authentische biblische Mission ohne die Person, das Wirken und die Kraft des Heiligen Geistes. Wir beten dafür, dass diese biblische Wahrheit wieder verstärkt wahrgenommen und in allen Teilen des weltweiten Leibes Christi als Realität erfahren wird. Wir sind uns jedoch des vielfältigen Missbrauchs bewusst, der im Namen des Heiligen Geistes getrieben wird, der vielen unterschiedlichen Erscheinungsformen, die praktiziert und gepriesen werden, die nicht Gaben des Heiligen Geistes sind, wie sie im Neuen Testament deutlich gelehrt werden. Dringend nötig sind tiefere Unterscheidungsfähigkeit, deutliche Warnung vor Täuschung und die Entlarvung betrügerischer und eigennütziger Manipulatoren, die geistliche Macht für die eigene, gottlose Bereicherung missbrauchen. Nötig sind vor allem aber auch fundierte biblische Lehre und Predigt auf der Grundlage demütigen Gebets, die den normalen Gläubigen so zurüsten, dass er das wahre Evangelium verstehen, sich daran erfreuen und falsche Evangelien erkennen und zurückweisen kann.

6. Wir lieben Gottes Wort

Wir lieben Gottes Wort in den Schriften des Alten und Neuen Testaments und stimmen mit ein in die Freude des Psalmisten in der Thora: “Darum liebe ich deine Gebote mehr als Gold … wie liebe ich dein Gesetz.” Wir nehmen die ganze Bibel an als Wort Gottes, inspiriert durch Gottes Geist, geredet und aufgeschrieben von menschlichen Verfassern. Wir ordnen uns ihr unter als höchster und einziger Autorität, die unsere Glaubensüberzeugungen und unser Verhalten bestimmt. Wir bezeugen, dass das Wort Gottes Kraft hat, sein Ziel der Erlösung zu erreichen. Wir bestätigen, dass die Bibel das letztgültige geschriebene Wort Gottes ist, das von keiner weiteren Offenbarung übertroffen wird, aber wir freuen uns auch darüber, dass der Heilige Geist den Verstand des Volkes Gottes erleuchtet, so dass die Bibel auch weiterhin Gottes Wahrheit in immer neuer Art und Weise Menschen in jeder Kultur verkündet.[20]

A) Die Person, die die Bibel offenbart. Wir lieben die Bibel so, wie eine Braut die Briefe ihres Bräutigams liebt: Sie liebt nicht das Papier, auf dem sie geschrieben sind, sondern die Person, die durch die Briefe spricht. Die Bibel gibt uns Gottes eigene Offenbarung seiner Identität, seines Wesen, seiner Ziele und seines Handelns. Sie ist das wichtigste Zeugnis für den Herrn Jesus Christus. Mit großer Freude begegnen wir ihm beim Lesen der Bibel durch seinen Geist. Unsere Liebe zur Bibel ist Ausdruck unserer Liebe zu Gott.

B) Die Geschichte, die die Bibel erzählt. Die Bibel erzählt die allumfassende Geschichte von Schöpfung, Sündenfall und Erlösung in der Geschichte und der neuen Schöpfung. Diese übergreifende Erzählung vermittelt uns unser zusammenhängendes biblisches Weltbild und formt unsere Theologie. Im Zentrum dieser Geschichte stehen als Höhepunkte die Geschehnisse um Tod und Auferstehung Christi, die Erlösungstaten, die das Herz des Evangeliums bilden. Es ist diese Geschichte (im Alten wie im Neuen Testament), die uns sagt, wer wir sind, warum wir hier sind und wo wir hingehen. Diese Geschichte der Mission Gottes ist Definition unserer Identität, Antrieb für unsere Mission und Zusicherung, dass das Ende in Gottes Hand liegt. Diese Geschichte muss die Erinnerung und die Hoffnung des Volkes Gottes formen und den Inhalt seines evangelistischen Zeugnisses bestimmen, während sie von Generation zu Generation weitergegeben wird. Wir müssen mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln die Bibel bekannt machen, denn ihre Botschaft gilt allen Menschen auf der Erde. Daher verpflichten wir uns neu der fortdauernden Aufgabe, die Heilige Schrift in jede Kultur und Sprache zu übersetzen, zu verteilen und zu lehren, auch in jenen, die von mündlicher Kommunikation geprägt oder ohne Schriftsprache sind.

C) Die Wahrheit, die die Bibel lehrt. Die ganze Bibel lehrt uns umfassend den ganzen Ratschluss Gottes, die Wahrheit, die Gott uns mitteilen möchte. Wir nehmen sie in allem, was sie bestätigt als wahr und vertrauenswürdig an, denn sie ist das Wort des Gottes, der nicht lügen und nicht versagen kann. Sie offenbart klar und hinreichend den Weg der Erlösung. Sie ist Grundlage zur Erforschung und zum Verstehen aller Dimensionen göttlicher Wahrheit.

Wir leben jedoch in einer Welt voller Lügen und Ablehnung der Wahrheit. Viele Kulturen legen einen dominanten Relativismus an den Tag, der leugnet, dass eine absolute Wahrheit existiert bzw. überhaupt erkannt werden kann. Wenn wir die Bibel lieben, müssen wir aufstehen und verteidigen, was sie über die Wahrheit sagt. Wir müssen neue Wege finden, biblischer Autorität in allen Kulturen Sprache und Gehör zu verschaffen. Wir verpflichten uns neu, für die Wahrheit der Offenbarung Gottes zu kämpfen – als Teil unseres Liebesdienstes für Gottes Wort.

D) Das Leben, das die Bibel fordert. “… ganz nahe ist dir das Wort, in deinem Mund und in deinem Herzen, um es zu tun.” Jesus und Jakobus rufen uns auf, Täter des Wortes zu sein und nicht nur Hörer.[21] Die Bibel zeigt eine Lebensqualität auf, die für den einzelnen Gläubigen und die Gemeinschaft der Glaubenden kennzeichnend sein sollte. Angefangen bei Abraham über Mose, die Psalmbeter, Propheten und die Weisheit Israels bis hin zu Jesus und den Aposteln wird deutlich, dass zu einem biblischen Lebensstil auch Gerechtigkeit gehört, Barmherzigkeit, Demut, Integrität, Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit, sexuelle Keuschheit, Großzügigkeit, Freundlichkeit, Selbstverleugnung, Gastfreundschaft, Bemühung um Frieden, Verzicht auf Rache, Tun des Guten, Vergebung, Freude, Zufriedenheit und Liebe – alles verbunden im Leben der Anbetung, des Lobpreises und der Treue gegenüber Gott.

Wir bekennen, dass wir leichtfertig behaupten, die Bibel zu lieben, ohne aber das Leben zu lieben, das sie lehrt – das Leben eines kostspieligen, praktischen Gehorsams gegenüber Gott durch Christus.

“Nichts spricht deutlicher für das Evangelium als ein erneuertes Leben. Nichts bringt es mehr in Verruf, als wenn unser persönliches Leben dazu in Widerspruch steht. Wir sind dazu aufgerufen, unser Leben auf eine Weise zu führen, die des Evangeliums Christi würdig ist, ja wir sollen es sogar ‚schmücken’, indem wir seine Schönheit durch ein heiliges Leben unterstreichen.”[22]

Um des Evangeliums Christi willen verpflichten wir uns daher neu, unsere Liebe zu Gottes Wort dadurch zu beweisen, dass wir es glauben und ihm gehorchen. Es gibt keine biblische Mission ohne ein an der Bibel ausgerichtetes Leben.

7. Wir lieben Gottes Welt

Wir teilen Gottes Leidenschaft für seine Welt. Wir lieben alles, was er geschaffen hat, freuen uns über Gottes Vorsehung und Gerechtigkeit, die sich in seiner Schöpfung zeigen, verkündigen die Gute Nachricht aller Kreatur und allen Völkern und sehnen den Tag herbei, an dem die Erde erfüllt sein wird von der Erkenntnis der Herrlichkeit des Herrn, so wie das Wasser die Meere bedeckt.[23]

A) Wir lieben die Welt der Schöpfung Gottes. Diese Liebe ist keine bloße sentimentale Zuneigung zur Natur (die die Bibel nirgendwo fordert) und erst recht nicht ihre pantheistische Verehrung (die die Bibel ausdrücklich verbietet). Vielmehr ist sie logische Folge unserer Liebe zu Gott, indem wir für das sorgen, was zu ihm gehört. “Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist.” Die Erde ist Eigentum des Gottes, den zu lieben und dem zu gehorchen wir vorgeben. Wir tragen Sorge für die Erde einfach aus dem Grund, dass sie dem einen gehört, den wir “Herr” nennen.[24]

Die Erde wurde erschaffen, erhalten und erlöst durch Christus.[25] Wir können nicht behaupten, Gott zu lieben und gleichzeitig das Eigentum Christi missbrauchen, das ihm durch Schöpfung, Erlösung und Erbe gehört. Wir sorgen für die Erde und gebrauchen ihre überfließenden Ressourcen in verantwortlicher Weise, nicht gemäß der Denkmuster der säkularen Welt, sondern um des Herrn willen. Wenn Jesus Herr der ganzen Erde ist, können wir unsere Beziehung zu Christus nicht davon trennen, wie wir uns in Bezug auf die Erde verhalten. Denn das Evangelium zu verkündigen, das sagt “Jesus ist Herr”, bedeutet, das Evangelium zu verkünden, das die Erde mit einschließt, denn die Herrschaft Christi erstreckt sich über die ganze Schöpfung. Somit ist die Fürsorge für die Schöpfung ein Thema des Evangeliums innerhalb der Herrschaft Christi.

Solche Liebe für Gottes Schöpfung erfordert, dass wir Buße tun über unseren Anteil an der Zerstörung, Verschwendung und Verschmutzung der irdischen Ressourcen und über unsere stillschweigende Duldung des schädlichen Götzendiensts der Konsumorientierung. Stattdessen verpflichten wir uns zu dringlicher und prophetischer ökologischer Verantwortung. Wir unterstützen die Christen, deren besondere missionale Berufung im Eintreten und aktiven Handeln für die Umwelt besteht, und auch die, die sich der Aufgabe gewidmet haben, den Auftrag Gottes zu erfüllen, den Nöten der Menschen aus der Fülle der Schöpfung heraus zu begegnen. Wir erinnern uns daran, dass die Bibel von Gottes Erlösungsabsicht für die Schöpfung selbst spricht. Integrale Mission heißt, die biblische Wahrheit zu erkennen, zu verkünden und zu leben, nach der das Evangelium Gottes gute Nachricht ist, durch das Kreuz und die Auferstehung Jesu Christi, für Einzelne und die Gesellschaft und die Schöpfung. Alle drei sind von Zerbruch und Leid durch die Sünde geprägt; alle drei sind mit eingeschlossen in die erlösende Liebe und Mission Gottes; alle drei müssen Teil der umfassenden Mission von Gottes Volk sein.

B) Wir lieben die Welt der Völker und Kulturen. “Und er [Gott] hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen …” Ethnische Vielfalt ist Gottes Geschenk in der Schöpfung, und wird in der neuen Schöpfung bewahrt werden, befreit von unseren sündhaften Spaltungen und Rivalitäten. Unsere Liebe zu allen Völkern spiegelt Gottes Verheißung wider, alle Nationen der Erde zu segnen und von Gottes Mission, sich selbst ein Volk zu schaffen aus allen Stämmen, Sprachen, Nationen und Völkern. Wir müssen lieben, was Gott sich entschieden hat zu segnen, und das schließt alle Kulturen mit ein. Historisch gesehen ist christliche Mission maßgeblich beteiligt gewesen am Schutz und Erhalt einheimischer Kulturen und ihrer Sprachen. An Gott ausgerichtete Liebe schließt jedoch auch kritisches Urteilsvermögen mit ein, denn in jeder Kultur gibt es nicht nur positive Belege für das Ebenbild Gottes im Leben der Menschen, sondern auch negative Auswirkungen durch Satan und Sünde. Wir sehnen uns danach, das Evangelium in allen Kulturen konkret gelebt und verankert zu sehen, so dass sie von innen heraus erlöst werden und sie die Herrlichkeit Gottes sowie die strahlende Fülle Christi darstellen. Wir freuen uns darauf, wenn alle Kulturen ihren Reichtum, ihre Herrlichkeit und ihre Pracht in die Stadt Gottes bringen – erlöst und gereinigt von aller Sünde, als Teil des Reichtums der neuen Schöpfung.[26]

Solche Liebe für alle Völker erfordert, dass wir dem Übel von Rassismus und Ethnozentrismus eine Absage erteilen und jede ethnische und kulturelle Gruppe mit Würde und Respekt behandeln, weil sie in Schöpfung und Erlösung für Gott wertvoll sind.[27]

Solche Liebe erfordert ebenso, dass wir uns bemühen, jedem Volk und jeder Kultur an jedem Ort das Evangelium bekannt zu machen. Kein Volk, Juden oder Heiden, ist von der Reichweite des Missionsbefehls ausgeschlossen. Evangelisation fließt aus Herzen heraus, die erfüllt sind mit der Liebe Gottes zu denen, die ihn noch nicht kennen. Wir bekennen voll Scham, dass es auf der Welt immer noch sehr viele Völker gibt, die die Botschaft von Gottes Liebe in Jesus Christus noch nie gehört haben. Wir erneuern die Verpflichtung, die die Lausanner Bewegung von Anfang an inspiriert hat – alle verfügbaren Mittel zu nutzen, um alle Völker mit dem Evangelium zu erreichen.

C) Wir lieben die Armen und Leidenden der Welt. Die Bibel sagt uns, dass Gott alles liebt, was er geschaffen hat, die Sache des Unterdrückten unterstützt, den Fremden liebt, den Hungrigen speist, Waisen und Witwen versorgt.[28] Die Bibel zeigt auch, dass Gott diese Dinge durch Menschen tun möchte, die sich zu solchem Handeln verpflichten. Gott macht besonders jene verantwortlich, die in der Gesellschaft politische oder juristische Führungspositionen einnehmen.[29] Jedoch ist dem ganzen Volk Gottes geboten – durch das Gesetz und die Propheten, die Psalmen und die Weisheit, Jesus und Paulus, Jakobus und Johannes -, Liebe und Gerechtigkeit Gottes dadurch konkret werden zu lassen, dass an Bedürftigen praktische Liebe und Gerechtigkeit geübt werden.[30]

Solche Liebe zu den Armen erfordert, dass wir nicht nur Erbarmen und Taten der Barmherzigkeit lieben, sondern Gerechtigkeit üben, indem wir all das aufdecken und bekämpfen, was die Armen unterdrückt und ausbeutet. “Wir sollen uns nicht scheuen, Bosheit und Ungerechtigkeit anzuprangern, wo immer sie existieren.”[31] Wir bekennen voll Scham, dass wir in dieser Hinsicht versagt haben: Wir haben Gottes Leidenschaft nicht geteilt, Gottes Liebe nicht verkörpert, Gottes Wesen nicht widergespiegelt und Gottes Willen nicht getan. Wir verpflichten uns neu zur Förderung von Gerechtigkeit, einschließlich der Solidarität und Fürsprache im Namen von Randgruppen und Unterdrückten. Wir erkennen diesen Kampf gegen das Böse als eine Dimension geistlicher Kampfführung, die nur durch den Sieg von Kreuz und Auferstehung, in der Kraft des Heiligen Geistes und durch unablässiges Gebet gewonnen werden kann.

D) Wir lieben unsere Nächsten wie uns selbst. Jesus rief seine Jünger auf, dieses Gebot als das zweitwichtigste im Gesetz zu befolgen, aber dann verlieh er der Forderung “Liebt den Fremden” (aus demselben Kapitel) eine radikale Tiefe durch die Worte: “Liebt eure Feinde”.[32]

Solche Liebe zu unseren Nächsten erfordert, dass wir allen Menschen aus dem Kernstück des Evangeliums heraus begegnen, in Gehorsam gegenüber dem Gebot Christi und im Nachahmen seines Beispiels. Solche Nächstenliebe schließt Angehörige anderer Glaubensrichtungen mit ein und gilt auch denen, die uns hassen, verleumden und verfolgen – ja, sogar denen, die uns töten. Jesus lehrte uns, auf Lügen mit Wahrheit zu reagieren, denen, die uns Böses tun, mit Freundlichkeit, Erbarmen und Vergebung zu begegnen, und auf Gewalt und Mord an seinen Jüngern mit Selbstaufopferung zu begegnen, um Menschen zu ihm zu ziehen und die Kette des Bösen zu unterbrechen. Wir lehnen bei der Verbreitung des Evangeliums Gewalt ausdrücklich ab und sagen uns los von der Versuchung, Vergeltung und Rache zu üben an jenen, die uns Böses tun. Solch Ungehorsam ist unvereinbar mit dem, was Christus im Neuen Testament vorgelebt und gelehrt hat.[33] Gleichzeitig erfordert unsere liebevolle Pflicht, gegenüber unserem leidenden Nächsten uns um Gerechtigkeit für ihn zu bemühen durch angemessene Anrufung der Justiz- und Staatsbehörden, die bei der Bestrafung von Missetätern als Gottes Diener handeln.[34]

E) Die Welt, die wir nicht lieben. Die Welt der guten Schöpfung Gottes ist eine Welt der menschlichen und satanischen Auflehnung gegen Gott geworden. Wir sind aufgerufen, diese Welt von sündigem Begehren, Habgier und menschlichem Stolz nicht zu lieben. Wir bekennen voll Trauer, dass sich so häufig genau diese Kennzeichen der Weltlichkeit unsere christliche Präsenz verzerren und unser Zeugnis des Evangeliums Lügen strafen.[35]

Wir verpflichten uns neu, nicht mit der sündigen und gefallenen Welt und ihren vergänglichen Leidenschaften zu kokettieren, sondern die ganze Welt so zu lieben, wie Gott sie liebt. Daher lieben wir die Welt und empfinden darin ein heiliges Sehnen nach Erlösung und Erneuerung der gesamten Schöpfung und aller Kulturen in Christus, nach Sammlung des Volkes Gottes aus allen Nationen bis an die Enden der Erde und nach der Beendigung aller Zerstörung, Armut und Feindschaft.

8. Wir lieben das Evangelium Gottes

Als Jünger Jesu sind wir Menschen des Evangeliums. Kern unserer Identität ist unsere Leidenschaft für die biblische gute Nachricht vom Erlösungswerk Gottes durch Jesus Christus. Wir sind vereinigt durch das Erleben der Gnade Gottes im Evangelium und durch unsere Motivation, dieses Evangelium der Gnade mit allen verfügbaren Mitteln bis an die Enden der Erde bekannt zu machen.

A) Wir lieben die gute Nachricht in einer Welt der schlechten Nachrichten. Das Evangelium spricht die schwerwiegenden Auswirkungen von menschlicher Sünde, Versagen und Not an. Menschen haben sich gegen Gott aufgelehnt, Gottes Autorität abgelehnt und waren Gottes Wort ungehorsam. Dieser sündhafte Zustand hat zur Folge, dass wir uns von Gott, voneinander und von der geschaffenen Ordnung entfremden. Sünde verdient Verurteilung durch Gott. Diejenigen, die die Buße verweigern und “dem Evangelium unseres Herrn Jesus nicht gehorchen, sie werden Strafe leiden, ewiges Verderben vom Angesicht des Herrn und von der Herrlichkeit seiner Stärke ….”[36] Die Auswirkungen der Sünde und die Macht des Bösen haben sämtliche Bereiche des Menschseins verdorben (geistlich, physisch, intellektuell und beziehungsmäßig). Sie haben das kulturelle, wirtschaftliche, soziale, politische und religiöse Leben in allen Kulturen und allen Generationen der Geschichte durchdrungen. Sie haben der menschlichen Rasse unabsehbares Elend und Gottes Schöpfung unermesslichen Schaden zugefügt. Vor diesem dunklen Hintergrund ist das biblische Evangelium in der Tat eine sehr gute Nachricht.

B) Wir lieben die Geschichte, die das Evangelium erzählt. Das Evangelium verkündigt die historischen Ereignisse um Leben, Sterben und Auferstehung des Jesus von Nazareth als gute Nachricht. Als Sohn Davids, der versprochene Messias, ist Jesus der, durch den allein Gott sein Reich errichtete und die Errettung der Welt herbeiführte. Dadurch ermöglicht er jeder Nation auf Erden, Segen zu empfangen – so wie er es Abraham verheißen hat. Paulus definiert das Evangelium durch die Aussage, dass “Christus für unsere Sünden gestorben ist nach den Schriften, und dass er begraben wurde und dass er auferweckt worden ist am dritten Tag nach den Schriften, und dass er erschienen ist dem Petrus und den Zwölfen.” Das Evangelium sagt aus, dass Gott selbst in der Person seines Sohnes und an unserer Statt das Urteil auf sich nahm, dass unsere Sünde verdient. In demselben großartigen Rettungsakt, vollendet, bestätigt und verkündigt durch die Auferstehung, errang Gott den entscheidenden Sieg über Satan, Tod und alle bösen Mächte, befreite uns aus ihrer Macht und Furcht und stellte ihre endgültige Vernichtung sicher. Er erreichte damit die Versöhnung der Gläubigen mit Gott und miteinander, über alle Grenzen und Feindseligkeiten hinweg. Durch das Kreuz hat Gott auch sein Ziel der endgültigen Versöhnung der gesamten Schöpfung erreicht, und mit der leiblichen Auferstehung Jesu hat er uns die Erstlingsfrucht der neuen Schöpfung zum Geschenk gemacht. Gott hat in Christus “die Welt mit sich selbst versöhnt.”[37] Wie lieben wir die Geschichte des Evangeliums!

C) Wir lieben die Gewissheit, die das Evangelium bringt. Nur durch das Vertrauen auf Christus allein sind wir durch den Heiligen Geist mit ihm vereint und werden in Christus als vor Gott gerecht angesehen. Gerechtfertigt durch den Glauben haben wir Frieden mit Gott und stehen nicht mehr in der Verdammnis. Wir empfangen Vergebung unserer Sünden. Wir sind wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung, indem wir am Auferstehungsleben Christi teilhaben. Mit Christus sind wir als Miterben angenommen. Wir werden Bürger von Gottes Bundesvolk, Mitglieder von Gottes Familie und der Ort, an dem Gott wohnt. So haben wir durch das Vertrauen auf Christus volle Gewissheit des Heils und ewiges Leben, denn unser Heil hängt letzten Endes nicht von uns selbst ab, sondern vom Werk Christi und der Verheißung Gottes. Nichts in der ganzen Schöpfung “wird uns scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.”[38] Wie lieben wir die Verheißung des Evangeliums!

D) Wir lieben die Veränderung, die das Evangelium hervorbringt. Das Evangelium ist Gottes lebensverändernde Kraft, die in der Welt wirkt. “Es ist die Kraft Gottes die selig macht alle, die daran glauben.”[39] Allein durch Glauben werden die Segnungen und die Zusage des Evangeliums empfangen. Rettender Glaube bleibt jedoch nie allein, sondern zeigt sich notwendigerweise in Gehorsam. Christlicher Gehorsam ist “Glaube, der durch Liebe tätig ist.”[40] Wir werden nicht durch gute Werke gerettet, sondern dadurch, dass wir allein aus Gnade gerettet sind, sind wir “in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken.”[41] “So ist auch der Glaube, wenn er keine guten Werke hat, in sich selbst tot.”[42] Paulus sah die ethische Veränderung, die das Evangelium hervorbringt als Werk der Gnade Gottes – der Gnade, die bei Jesu erstem Kommen unsere Erlösung bewirkte, und die uns angesichts seines zweiten Kommens zu einer ethischen Lebensführung anleitet.[43] Für Paulus hieß “dem Evangelium gehorsam” sein, auf die Gnade und auf die Anleitung durch die Gnade vertrauen.[44] Paulus wollte als missionales Ziel “Glaubensgehorsam” zu allen Nationen bringen.[45] Diese sich stark an den Bundesschluss anlehnende Sprache weckt Erinnerungen an Abraham. Abraham glaubte Gottes Verheißung, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet. Dann gehorchte er Gottes Gebot, indem er seinen Glauben auch lebte. “Durch Glauben war Abraham … gehorsam.”[46] Buße und Glaube an Jesus Christus sind die ersten Taten des Gehorsams, die das Evangelium fordert; anhaltender Gehorsam gegenüber Gottes Geboten ist der Lebensstil, zu dem dieser Glaube befähigt – durch den heiligenden Heiligen Geist.[47] Gehorsam ist daher der lebendige Beweis des rettenden Glaubens und dessen lebendige Frucht. Gehorsam ist aber auch die Bewährungsprobe für unsere Liebe zu Jesus. “Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt.”[48] “Und hieran erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben: wenn wir seine Gebote halten.”[49] Wie lieben wir die Kraft des Evangeliums!

9. Wir lieben Gottes Volk

Das Volk Gottes sind Menschen aus allen Zeitaltern und allen Völkern, die Gott in Christus geliebt, erwählt, berufen, errettet und geheiligt hat als ein Volk seines Eigentums, damit sie – als Bürger der neuen Schöpfung – teilhaben an der Herrlichkeit Christi. Als die, die Gott von Ewigkeit her und durch die unruhige und rebellische Geschichte der Menschen hindurch geliebt hat, ist uns daher geboten, einander ebenfalls zu lieben. Denn “wenn Gott uns so geliebt hat, sind auch wir schuldig, einander zu lieben,” und so “Nachahmer Gottes” zu sein und in Liebe zu wandeln “wie auch … Christus uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat …” In der Familie Gottes ist Liebe zueinander nicht lediglich eine wünschenswerte Option, sondern ein unausweichliches Gebot. Solche Liebe ist der vorrangige Beweis für Gehorsam gegenüber dem Evangelium und ein starker Antrieb für Weltmission.[50]

A) Liebe ruft nach Einheit. Das an seine Jünger gerichtete Gebot Jesu, einander zu lieben, hängt zusammen mit seinem Gebet, dass sie eins sein mögen. Sowohl das Gebot als auch das Gebet sind missional – “damit die Welt erkennt, dass ihr meine Jünger seid” und dass “die Welt glaube, dass du [der Vater] mich gesandt hast”.[51] Eines der überzeugendsten Kennzeichen für die Wahrheit des Evangeliums besteht darin, dass gläubige Christen in Liebe vereint sind über die Grenzen tief verwurzelt bestehender Spaltungen der Welt – Grenzen bezüglich Rasse, Hautfarbe, sozialer Gesellschaftsschicht, wirtschaftlicher Privilegien oder politischer Zuordnung. Jedoch wenige Dinge zerstören unser Zeugnis so sehr, als wenn Christen ebendiese Spaltungen auch untereinander spiegeln und verstärken. Wir suchen dringend nach einer neuen globalen Partnerschaft innerhalb des Leibes Christi auf allen Kontinenten, die in ehrlicher gegenseitiger Liebe, gemeinsamer Unterordnung und umfassender, gemeinsamer wirtschaftlicher Nutzung (“dramatic economic sharing”), ohne Bevormundung oder ungesunde Abhängigkeit, gegründet ist. Und dies nicht nur, um unsere Liebe zueinander durch aktives Handeln konkret werden zu lassen, sondern um des Namens Christi und Gottes Mission in der ganzen Welt.

B) Liebe ruft nach Ehrlichkeit. Liebe spricht die Wahrheit in Gnade. Niemand liebte das Volk Gottes mehr als die Propheten Israels und Jesus selbst. Aber niemand hat es auch ehrlicher mit der Wahrheit seines Versagens konfrontiert, mit Götzendienst und Auflehnung gegen den Herrn des Bundesschlusses. Dadurch haben sie das Volk Gottes zur Buße gerufen, sodass sie Vergebung empfangen und wieder hergestellt werden konnten zum Dienst der Mission Gottes. Dieselbe Stimme prophetischer Liebe muss auch heute gehört werden – aus demselben Grund. Diese liebevolle Ehrlichkeit bittet dringend darum, dass wir in Buße zurückfinden zu den göttlichen Wegen von Demut, Integrität und einer opferbereiten Einfachheit. Wir müssen dem Götzendienst von Arroganz, manipuliertem Erfolg und konsumorientierter Habgier abschwören, der uns und unsere Leiter so häufig verführt. Unsere Liebe zur Gemeinde Gottes ist geprägt von schmerzhafter Trauer über das Hässliche unter uns, das das Antlitz unseres geliebten Herrn Jesus Christus entstellt und seine Schönheit vor der Welt verbirgt – der Welt, die so dringend zu ihm finden müsste.

C) Liebe ruft nach Solidarität. Einander zu lieben heißt auch, sich besonders um jene zu kümmern, die aufgrund ihres Glaubens und ihres Zeugnisses verfolgt werden und im Gefängnis sind. Wenn ein Glied des Leibes leidet, leiden alle anderen mit. Wir alle sind wie Johannes “Mitgenossen an der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus”.[52] Wir verpflichten uns, Anteil zu nehmen am Leiden der Mitglieder des Leibes Christi in der Welt durch Information, Gebet, Fürsprache und andere Wege der Unterstützung. Wir sehen solche Anteilnahme jedoch nicht nur als Ausdruck von Mitleid. Wir wollen auch lernen, was die leidende Gemeinde jene Glieder am Leib Christi lehren kann, die nicht in derselben Weise leiden. Wir werden gewarnt, dass die Gemeinde, die sich in sich selbst in ihrem Reichtum und ihrer Selbstgenügsamkeit sicher fühlt, wie Laodicea, die Gemeinde sein kann, die Jesus als besonders blind ansieht in Bezug auf ihre eigene Armut und bei der er sich fühlt wie ein Fremder draußen vor der Tür.[53]

Jesus ruft alle seine Jünger zusammen, eine Familie unter den Völkern sein, eine versöhnte Gemeinschaft, in der alle sündhaften Grenzen durch seine versöhnende Gnade niedergerissen sind. Diese Gemeinde ist eine Gemeinschaft der Gnade, des Gehorsams und der Liebe in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes, in der die herrlichen Eigenschaften Gottes und das Wesen der Gnade Christi widergespiegelt werden und Gottes vielgestaltige Weisheit gezeigt wird. Als lebendigster gegenwärtiger Ausdruck des Reiches Gottes ist die Gemeinde die Gemeinschaft der Versöhnten, die nicht länger für sich selbst leben, sondern für den Retter, der sie liebte und sich für sie dahingab.

10. Wir lieben die Mission Gottes

Wir sind der Weltmission verpflichtet, weil sie für unser Verständnis von Gott, der Bibel, der Gemeinde, der Geschichte der Menschheit und der endgültigen Zukunft von zentraler Bedeutung ist. Die ganze Bibel offenbart die Mission Gottes: Alle Dinge im Himmel und auf Erden in Einheit unter Christus zu bringen, indem er sie versöhnt durch das Blut seines Kreuzes zum Lob der Herrlichkeit und Gnade Gottes. In der Erfüllung seiner Mission wird Gott die unter der Sünde und dem Bösen zerbrochene Schöpfung in die neue Schöpfung verwandeln, in der es keine Sünde und keinen Fluch mehr gibt. Gott wird die Verheißung erfüllen, die er Abraham gegeben hat, dass alle Völker auf der Erde gesegnet werden durch das Evangelium von Jesus, dem Messias, dem Nachkommen Abrahams. Gott wird die zerbrochene Welt der Völker, die unter dem Gericht Gottes zerstreut sind, in die neue Menschheit verwandeln, die durch das Blut Christi erlöst ist, aus allen Stämmen, Nationen, Völkern und Sprachen, und die versammelt werden wird, unseren Gott und Heiland anzubeten. Gott wird die Herrschaft des Todes, der Vergänglichkeit und der Gewalt zerstören, wenn Christus wiederkommt, um sein ewiges Reich voll von Leben, Gerechtigkeit und Frieden zu errichten. Dann wird Gott, der Immanuel, bei uns wohnen, und das Reich der Welt wird zum Reich unseres Herrn und seines Christus werden, und er wird in alle Ewigkeit herrschen.[54]

A) Unsere Teilhabe an Gottes Mission. Gott beruft sein Volk, an seiner Mission teilzuhaben. Die Gemeinde aus allen Völkern steht durch den Messias Jesus in der Kontinuität mit Gottes Volk im Alten Testament. Zusammen mit ihnen sind wir durch Abraham berufen und beauftragt, Segen und Licht für die Völker zu sein. Zusammen mit ihnen sollen wir durch das Gesetz und die Propheten geformt und gelehrt werden, eine Gemeinschaft, geprägt von Heiligkeit, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit zu sein in einer Welt von Sünde und Leiden. Durch das Kreuz und die Auferstehung Jesu Christi sind wir erlöst worden; durch den Heiligen Geist sind wir ermächtigt, Zeugnis zu geben von dem, was Gott in Christus getan hat. Die Gemeinde besteht, um Gott in alle Ewigkeit anzubeten und zu verherrlichen und teilzuhaben an der Veränderung bewirkenden Mission in der Geschichte. Unsere Mission ist ganz und gar von Gottes Mission abgeleitet, richtet sich an Gottes gesamte Schöpfung und ist in ihrem Zentrum gegründet im Erlösung bringenden Sieg des Kreuzes. Dies ist das Volk, zu dem wir gehören, dessen Glauben wir bekennen und an dessen Mission wir Anteil haben.[55]

B) Die Integrität unserer Mission. All unser Einsatz für diese Mission hat seinen Ursprung in dem, was Gott in Christus für die Errettung der ganzen Welt getan hat, so wie es in der Bibel offenbart wird. Unsere evangelistische Aufgabe ist es, diese gute Nachricht allen Völkern bekannt zu machen. Der Kontext unserer ganzen Mission ist die Welt, in der wir leben, die Welt voll Sünde, Leid, Ungerechtigkeit und mit einer durcheinandergebrachten Schöpfung, in die Gott uns sendet, zu lieben und zu dienen um Christi willen. Unsere ganze Mission muss deshalb die Integration von Evangelisation und verbindlichem Engagement in der Welt widerspiegeln, die beide geordnet und angetrieben werden durch die ganze biblische Offenbarung des Evangeliums Gottes.

“Evangelisation ist ihrem Wesen nach die Verkündigung des historischen biblischen Christus als Heiland und Herrn. Ziel ist es, Menschen zu bewegen, zu Ihm persönlich zu kommen und so mit Gott versöhnt zu werden. … Das Ergebnis der Evangelisation schließt Gehorsam gegenüber Jesus Christus, Eingliederung in Seine Gemeinde und verantwortlichen Dienst in der Welt ein … bekräftigen wir, dass Evangelisation und soziale wie politische Betätigung gleichermaßen zu unserer Pflicht als Christen gehören. Denn beide sind notwendige Ausdrucksformen unserer Lehre von Gott und dem Menschen, unserer Liebe zum Nächsten und unserem Gehorsam gegenüber Jesus Christus … Das Heil, das wir für uns beanspruchen, soll uns in unserer gesamten persönlichen und sozialen Verantwortung verändern. Glaube ohne Werke ist tot.”[56]

“Integrale Mission ist die Verkündigung und praktische Umsetzung des Evangeliums. Dies bedeutet nicht einfach, dass Evangelisation und soziales Engagement parallel erfolgen sollten. Vielmehr hat unsere Verkündigung bei integraler Mission soziale Konsequenzen, weil wir Menschen zu Liebe und Umkehr in allen Lebensbereichen aufrufen. Ebenso hat unser soziales Engagement evangelistische Konsequenzen, da wir die umwandelnde Gnade Jesu Christi bezeugen. Die Welt zu ignorieren ist Verrat am Wort Gottes, das uns zum Dienst in der Welt beauftragt. Wenn wir das Wort Gottes ignorieren, haben wir der Welt nichts zu geben.”[57]

Wir verpflichten uns zur integralen und dynamischen Ausübung aller Dimensionen von Mission, zu denen Gott seine Gemeinde beruft.

  • ·Gott ruft uns auf, die Wahrheit der Offenbarung Gottes und das Evangelium seiner rettenden Gnade durch Jesus Christus allen Völkern bekannt zu machen, alle Menschen zu Umkehr, Glauben, Taufe und gehorsamer Nachfolge zu rufen.
  • ·Gott ruft uns auf, sein Wesen durch barmherzige Fürsorge für die Bedürftigen zu spiegeln sowie die Werte und die Macht des Reiches Gottes deutlich zu machen durch Streben nach Gerechtigkeit, Frieden und in der Fürsorge für Gottes Schöpfung.

Als Antwort auf Gottes grenzenlose Liebe für uns in Christus und aus unserer überfließenden Liebe zu ihm heraus weihen wir uns neu, mit Hilfe des Heiligen Geistes, all dem, was Gott gebietet, ganz zu gehorchen mit sich selbst verleugnender Demut, Freude und Mut. Wir erneuern diesen Bund mit dem Herrn – dem Herrn, den wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.

Teil Zwei:

Für die Welt, der wir dienen: Der Kapstadt-Aufruf zum Handeln

Einführung

Unser Bund mit Gott bindet Liebe und Gehorsam. Gott freut sich, wenn unsere Werke durch Glauben getan werden und unsere Arbeit auf der Liebe basiert,[58] denn “wir sind Gottes Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.”[59]

Als Mitglieder der weltweiten Gemeinde Jesu Christi haben wir danach getrachtet, die Stimme Gottes durch den Heiligen Geist zu hören. Wir haben seine Stimme gehört aus dem geschriebenen Wort in der Auslegung des Epheserbriefes und durch die Stimme seines Volkes rund um die Welt. Unsere sechs Hauptthemen des Kongresses sind ein Rahmen, mittels dessen wir die Herausforderungen erkennen können, welchen die weltweite Gemeinde Christi gegenübersteht sowie unsere Prioritäten für die Zukunft.

Dies bedeutet nicht, dass diese Verpflichtungen die einzigen sind, welche die Gemeinde in Betracht ziehen sollte, oder dass die Prioritäten überall dieselben sind.

IIA Die Wahrheit Christi bezeugen in einer pluralistischen globalisierten Welt

1. Die Wahrheit und die Person Christi

Jesus Christus ist die Wahrheit des Universums. Weil Jesus die Wahrheit ist, ist die Wahrheit in Christus (I) persönlich wie auch propositional, (II) universal wie auch kontextuell (III) endgültig wie auch gegenwärtig.

A) Als Jünger Jesu sind wir berufen, Menschen der Wahrheit zu sein.

  1. Wir müssen die Wahrheit leben. Die Wahrheit leben bedeutet, das Angesicht Jesu zu sein, durch welches die Herrlichkeit des Evangeliums verblendetem Denken offenbar wird. Die Menschen werden die Wahrheit in den Gesichtern derer sehen, die ihr Leben in Treue und Liebe für Jesus leben.
  2. Wir müssen die Wahrheit verkündigen. Die gesprochene Verkündigung der Wahrheit des Evangeliums ist in unserem Auftrag von höchster Wichtigkeit und kann nicht vom Ausleben der Wahrheit getrennt werden. Werke und Worte müssen zusammengehen.

B) Wir halten Gemeindeleiter, Pastoren und Evangelisten dazu an, die ganze Fülle des biblischen Evangeliums zu predigen und zu lehren, so, wie es Paulus getan hat, in seiner ganzen kosmischen Reichweite und Wahrheit. Wir müssen das Evangelium nicht nur als das Angebot einer individuellen Erlösung präsentieren oder als eine bessere Lösung für Probleme als andere Götter bieten können, sondern als Gottes Plan für das gesamte Universum durch Christus Jesus.

Menschen kommen manchmal zu Jesus, damit einer persönlichen Not geholfen wird, doch sie bleiben bei Jesus, wenn sie herausfinden, dass er die Wahrheit ist.

2. Die Wahrheit und die Herausforderung des Pluralismus

Kultureller und religiöser Pluralismus ist eine Tatsache und beispielsweise haben Christen in Asien damit jahrhundertelang gelebt. Verschiedene Religionen behaupten, sie seien der Weg der Wahrheit. Die meisten respektieren konkurrierende Wahrheitsansprüche anderer Glaubensrichtungen und leben nebeneinander mit ihnen.

Doch der postmoderne relativistische Pluralismus ist anders. Seine Ideologie erlaubt keine absolute oder universelle Wahrheit. Obwohl er Wahrheitsansprüche toleriert, sieht er sie lediglich als kulturelle Konstruktionen an. (Diese Einstellung ist von der Logik her gesehen selbstzerstörerisch, denn sie bestätigt als einzige absolute Wahrheit, dass es keine einzige absolute Wahrheit gibt.) Ein solcher Pluralismus macht geltend, dass “Toleranz” ein ultimativer Wert ist, doch er kann unterdrückende Formen annehmen in Ländern, in denen Säkularismus oder aggressiver Atheismus die Öffentlichkeit beherrschen.

A) Wir wünschen uns einen stärkeren Einsatz für die schwierige Arbeit der robusten Apologetik. Dies muss auf zwei Ebenen geschehen.

  1. Wir müssen diejenigen erkennen, zurüsten und für sie beten, die sich auf der höchsten intellektuellen und öffentlichen Ebene engagieren, indem sie in der Öffentlichkeit für die biblische Wahrheit einstehen und sie verteidigen.
  2. Wir fordern Gemeindeleiter und Pastoren auf, alle Gläubigen auszurüsten mit dem Mut und den Mitteln, die Wahrheit mit prophetischer Relevanz in die alltägliche öffentliche Diskussion einfließen zu lassen und auf diese Weise jeden kulturellen Aspekt unseres Umfelds miteinzubeziehen.

3. Die Wahrheit und der Arbeitsplatz

Die Bibel zeigt uns Gottes Wahrheit über menschliche Arbeit, dass sie bei der Schöpfung ein Teil des Planes Gottes war. Die Bibel zieht unser gesamtes Arbeitsleben in den Bereich des Dienens mit ein, wobei wir Gott in unterschiedlichen Beruf(ung)en dienen. Im Gegensatz dazu hat die falsche Trennung des “Heiligen” vom “Säkularen” das Denken und Handeln der Gemeinde durchdrungen. Diese Trennung legt uns nahe, dass religiöse Aktivitäten Gott gehören, andere Aktivitäten hingegen nicht. Fast alle Christen verbringen die meiste Zeit mit einer Tätigkeit, von der sie denken, sie hätte kaum geistlichen Wert (sogenannte weltliche Arbeit). Doch Gott ist der Herr allen Lebens. “Was immer ihr tut, das tut von Herzen, als für den Herrn und nicht für Menschen”,[60] sagte Paulus zu den Sklaven in der heidnischen Arbeitswelt.

Trotz der enormen evangelistischen und Leben umformenden Möglichkeiten am Arbeitsplatz, wo erwachsene Christen die meisten Beziehungen zu Nichtchristen aufbauen können, haben nur wenige Gemeinden die Vision, ihre Mitglieder zu schulen, diese Möglichkeit zu nutzen. Wir haben es verpasst, die Arbeit selbst als biblisch wichtig zu betrachten, indem es uns nicht gelungen ist, das gesamte Leben unter die Herrschaft Jesu Christi zu stellen.

A) Wir bezeichnen diese Trennung von “säkular und sakral” als großes Hindernis bei der Mobilisierung des gesamten Volkes Gottes in der Mission Gottes, und wir rufen Christen in aller Welt auf, diese unbiblischen Ansichten zurückzuweisen und ihren schädlichen Auswirkungen zu widerstehen. Wir stellen daher die Tendenz in Frage, den Dienst und die Mission (lokal und interkulturell) lediglich als die Arbeit von bezahlten Geistlichen und Missionaren anzusehen, die nur eine kleine Prozentzahl des Leibes Christi ausmachen.

B) Wir ermutigen alle Gläubigen, den täglichen Dienst und Auftrag anzunehmen und an dem Arbeitsplatz zu bestätigen, an den Gott sie gestellt hat. Wir fordern Pastoren und Gemeindeleiter heraus, Menschen in diesem Dienst zu unterstützen – in der Gemeinschaft und am Arbeitsplatz – “und die Heiligen für den Dienst zuzurüsten” in allen Bereichen ihres Lebens.

C) Wir müssen alles unternehmen, das ganze Volk Gottes in ganzheitlicher Jüngerschaft zu schulen, was bedeutet, mit einer biblischen Weltsicht und missionalen Effektivität zu leben, zu denken, zu arbeiten und zu reden, an jedem Platz und in jedem Lebensumfeld.

Christen haben vielfältige Fähigkeiten, Berufe und Geschäftsbeziehungen, die sie oft an Orte führen, an denen traditionelle Gemeindegründer und Evangelisten nicht hinkommen mögen. Was diese “Zeltmacher” und Geschäftsleute an ihrem Arbeitsplatz tun, muss von den lokalen Gemeinden als ein Aspekt ihres Dienstes angesehen werden.

D) Wir bitten die lokalen Gemeindeleiter dringend, den strategischen Einfluss des Dienstes am Arbeitsplatz zu verstehen, und ihre Gemeindemitglieder zu mobilisieren, auszurüsten und als Missionare an ihre Arbeitsorte auszusenden, sei das in ihren lokalen Gesellschaften oder in Länder, die für traditionelle Formen des Evangelisierens verschlossen sind.

E) Wir halten Missionsleiter dazu an, die “Zeltmacher” voll in die globale Missionsstrategie einzubinden.

4. Die Wahrheit und die globalisierten Medien

Wir verpflichten uns zu einem neuen kritischen und kreativen Engagement mit den Medien und der Technologie, als Teil unseres Einsatzes für die Wahrheit Christi in unseren Medienkulturen. Wir tun dies als Gottes Botschafter der Wahrheit, der Gnade, der Liebe, des Friedens und der Gerechtigkeit.

Nachfolgend die wichtigsten Erfordernisse:

A) Medienbewusstsein: Menschen helfen, ein kritischeres Bewusstsein gegenüber den Nachrichten zu entwickeln, die sie empfangen und gegenüber der Weltanschauung, die dahinter steht. Medien können neutral und manchmal evangeliumsfreundlich sein. Doch sie werden auch benutzt für Pornografie, Gewalt und Gier. Wir ermutigen Pastoren und Gemeinden, diese Themen offen anzusprechen und Gläubigen Anleitungen zu geben, wie sie diesem Druck und den Versuchungen widerstehen können.

B) Medienpräsenz: Authentische und glaubhafte christliche Vorbilder und Kommunikatoren für die allgemeinen Nachrichtenmedien wie auch die Unterhaltungsmedien ausbilden, und diese Berufskarrieren als durchaus würdige Mittel zu empfehlen, Einfluss für Christus auszuüben.

C) Mediendienste: Kreative, kombinierte und interaktive Anwendungen der “traditionellen”, “alten” und der “neuen” Medien entwickeln, um das Evangelium von Jesus Christus im Kontext einer ganzheitlichen biblischen Weltanschauung zu kommunizieren.

5. Die Wahrheit und die Kunst in der Mission

Wir haben die Gabe der Kreativität, weil wir das Ebenbild Gottes tragen. Kunst in ihren vielfältigen Formen ist ein integraler Bestandteil dessen, was wir als Menschen tun, und kann etwas von der Schönheit und Wahrheit Gottes reflektieren. Wenn Künstler ihr Bestes geben, zeigen sie die Wahrheit auf und deshalb ist die Kunst ein wichtiges Mittel, mit dem wir die Wahrheit des Evangeliums bezeugen können. Drama, Tanz, Geschichten, Musik und visuelle Bilder können zwei Dinge ausdrücken: Einmal die Realität unserer Zerbrochenheit, aber auch die Hoffnung, die im Zentrum des Evangeliums steht, dass alle Dinge neu gemacht werden.

Die Kunst ist in der Welt der Mission ein unerschlossenes Hilfsmittel. Wir ermutigen Christen, sich stärker in den Welten der Künste zu engagieren.

A) Wir wünschen uns, dass sich die Gemeinde in allen Kulturen nachdrücklich in der Kunst engagiert, als einen Kontext für die Mission, indem sie:

  1. Die Kunst in das Leben der Glaubensgemeinschaft zurückbringt, als eine wertvolle und gültige Komponente unserer Berufung zur Jüngerschaft.
  2. Diejenigen unterstützt, die künstlerische Gaben haben, besonders Schwestern und Brüder in Jesus Christus, damit sie in ihrer Arbeit erfolgreich sein können.
  3. Die Kunst als ein gastfreundliches Umfeld gestaltet, in dem wir Nachbarn und Fremde kennen lernen und anerkennen dürfen.
  4. Kulturelle Unterschiede respektiert und einheimische künstlerische Ausdrucksformen lobend anerkennt.

6. Die Wahrheit und die aufstrebenden Technologien

Unser heutiges Jahrhundert ist weit herum als das “biotechnische Zeitalter” bekannt, in denen sich aufstrebende Technologien (Bio, Info/digital, Nano, virtuelle Realität, künstliche Intelligenz und Roboter) weiterentwickeln. Das hat große Auswirkungen auf die Gemeinde und für die Mission, besonders in Bezug auf die biblische Wahrheit und was es bedeutet, Mensch zu sein. Im Bereich der öffentlichen Politik müssen wir authentische christliche Antworten sowie praktisches Handeln fördern um sicherzustellen, dass Technologie nicht angewandt wird um zu manipulieren, zu verfälschen und zu zerstören, sondern um zu erhalten und unserem Menschsein und als denjenigen, die Gott zu seinem Ebenbild erschaffen hat, noch besser gerecht zu werden. Unser Aufruf richtet sich an:

A) Lokale Gemeindeleiter, damit sie (I) Gemeindemitglieder, die professionell engagiert sind in Forschung, Technologie, im Gesundheitsweisen und in der öffentlichen Politik, ermutigen, unterstützen, ihnen Fragen stellen und (II) theologisch bedachtsamen Studenten die Notwendigkeit darlegen, dass Christen sich in diesen Bereichen betätigen sollten.

B) Seminare, damit sie diese Bereiche in ihren Lehrplan aufnehmen, sodass zukünftige Gemeindeleiter und theologisch Gelehrte eine sachkundige christliche Einschätzung in Bezug auf die neuen Technologien entwickeln können.

C) Theologen und Christen in der Regierung, im Geschäftsleben, der akademischen Welt und im technischen Bereich, um nationale oder regionale “Thinktanks” oder Partnerschaften zu gründen, die sich mit neuen Technologien beschäftigen und bei der Gestaltung der öffentlichen Politik mitreden mit einer Stimme, die biblisch und relevant ist.

D) Alle lokalen christlichen Gemeinschaften, dass sie die einzigartige Würde und Unverletzlichkeit des menschlichen Lebens respektieren, durch praktische und ganzheitliche Fürsorge, welche die physischen, emotionalen, beziehungsmäßigen und geistlichen Aspekte unserer erschaffenen Menschlichkeit miteinbeziehen.

7. Die Wahrheit und die öffentlichen Bereiche

Die ineinandergreifenden Bereiche der Regierung, des Geschäftslebens und der akademischen Welt haben einen starken Einfluss auf die Werte jeder Nation und sie bestimmen – menschlich gesehen – die Freiheit der Gemeinde.

A) Wir ermutigen Menschen, die Christus nachfolgen, sich aktiv in diesen Bereichen einzusetzen, im öffentlichen Dienst genauso wie in privaten Unternehmen, um gesellschaftliche Werte mit zu formen und die öffentliche Diskussionen zu beeinflussen. Wir ermutigen zur Unterstützung von christuszentrierten Schulen und Universitäten, die sich zu akademischer Exzellenz und biblischer Wahrheit verpflichten.

B) Die Bibel verurteilt Korruption. Sie untergräbt die wirtschaftliche Entwicklung, verfälscht faire Entscheidungsfindungen und zerstört den sozialen Zusammenhalt. Keine Nation ist frei von Korruption. Wir laden Christen am Arbeitsplatz ein, besonders die Jungunternehmer, sich kreativ darüber Gedanken zu machen, wie sie am besten gegen diese Geißel der Menschheit vorgehen können.

C) Wir ermutigen junge christliche Akademiker, eine langfristige Karriere in einer weltlichen Universität in Betracht zu ziehen, um ihr Fachgebiet von einer biblischen Weltanschauung her zu (I) lehren und (II) entwickeln zu können und dabei Einfluss auf ihr Sachgebiet auszuüben. Wir dürfen auf keinen Fall die Hochschulen vernachlässigen.[61]

IIB Den Frieden Christi aufbauen in unserer gespaltenen und zerbrochenen Welt

1. Der Friede, den Christus geschaffen hat

Versöhnung mit Gott ist unlösbar verbunden mit der Versöhnung untereinander. Christus, der unser Friede ist, machte Frieden durch das Kreuz und predigte den Frieden einer in Juden und Heiden gespaltenen Welt. Die Einheit des Volkes Gottes ist beides: Faktum (“er machte aus beiden eins”) und ein Mandat (“unternehmt alles, um die Einheit des Geistes zu erhalten durch das Band des Friedens”).

Gottes Plan der Einbindung der gesamten Schöpfung in Christus sehen wir vorgebildet in der ethnischen Versöhnung von Gottes neuer Menschheit. Dies ist die Kraft des Evangeliums, wie sie Abraham verheißen wurde.[62]

Wir bekräftigen, dass obwohl das jüdische Volk den Bundesschlüssen und Verheißungen Gottes nicht fremd war – in der Weise wie Paulus die Heiden beschreibt – dass sie, die Juden, noch immer die Versöhnung mit Gott durch den Messias Jesus Christus brauchen. Zwischen Juden und Heiden gibt es weder einen Unterschied bei der Sünde noch bei der Errettung. Nur im und durch das Kreuz können beide zu Gott, dem Vater kommen, durch den einen Geist.[63]

 A) Deshalb werden wir weiterhin stark betonen, dass die ganze Gemeinde die gute Nachricht von Jesus als dem Messias, Herrn und Erretter, mit dem jüdischen Volk teilen muss. Und im Geiste von Römer 14-15 bitten wir die heidnischen Gläubigen, messianische jüdische Gläubige zu akzeptieren, zu ermutigen und für sie zu beten, wenn sie unter ihrem eigenen Volk Zeugnis geben.

Versöhnung mit Gott und miteinander ist auch das Fundament und die Motivation, die Gerechtigkeit zu suchen, die Gott fordert und ohne die, wie Gott sagt, kein Friede sein kann. Wahre und dauerhafte Versöhnung verlangt die Anerkennung vergangener und gegenwärtiger Sünden, Buße vor Gott, das Bekenntnis gegenüber der verletzten Person und das Suchen und Empfangen der Vergebung. Ebenso beinhaltet es die Verpflichtung der Gemeinde, dort, wo es angebracht ist, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung zu suchen für diejenigen, die durch Gewalt und Unterdrückung Schaden erlitten haben.

B) Wir wünschen uns, dass wir in der weltweiten Gemeinde Christi, da wir versöhnt sind mit Gott, die Versöhnung untereinander ausleben und uns der Aufgabe verpflichten, im Namen Jesu Christi biblischen Frieden zu schließen.

2. Der Friede Christi in ethnischen Konflikten

Ethnische Vielfältigkeit ist das Geschenk und der Plan Gottes in der Schöpfung.[64] Doch menschliche Sünde und Stolz haben sie verdorben und das Resultat ist Konfusion, Streit, Gewalt und Krieg unter den Nationen. In der neuen Schöpfung jedoch wird ethnische Vielfältigkeit erhalten bleiben, wenn Menschen aus allen Nationen, Stämmen, Völkern und Sprachen als die Erlösten vor Gott zusammenkommen.[65] Wir bekennen, dass wir oftmals die ethnische Identität nicht ernst genug nehmen und sie nicht so schätzen, wie es die Bibel in der Schöpfung und der Erlösung tut. Wir verweigern der ethnischen Identität anderer den Respekt und ignorieren die tiefen Wunden, die eine solch langfristige Missachtung verursacht.

A) Wir bitten Gemeindepastoren und –leiter, die biblische Wahrheit über ethnische Vielfältigkeit zu lehren. Die ethnische Identität aller Gemeindemitglieder muss positiv bekräftigt werden. Aber wir müssen auch offen legen, dass unsere ethnischen Loyalitäten mit Sünde verunreinigt sind und die Gläubigen lehren, dass alle unsere ethnischen Identitäten unserer versöhnten Identität als neue Menschheit in Christus durch das Kreuz untergeordnet sind.

Bekümmert und beschämt geben wir die Komplizenschaft von Christen in einigen der destruktivsten Kontexte ethnischer Gewalt und Unterdrückung zu sowie das beklagenswerte Schweigen großer Teile der Gemeinde, während solche Konflikte stattfinden.

Zu diesen Kontexten gehören die Geschichte und das Erbe des Rassismus und der schwarzen Sklaverei, der Holocaust gegen die Juden, die Apartheid, ethnische Säuberung, willkürliche, eigenmächtige Gewalt unter Christen, die Dezimierung eingeborener Bevölkerungen, interreligiöse, politische und ethnische Gewalt, das Leiden der Palästinenser, Unterdrückung von Kasten und Völkermord an ganzen Stämmen. Christen, die durch ihr Handeln oder ihre Untätigkeit zu der Zerbrochenheit der Welt beitragen, untergraben auf ernsthafte Weise unser Zeugnis für das Evangelium des Friedens. Deshalb:

B) Um des Evangeliums willen beklagen wir dies und rufen nach Buße dort, wo Christen beteiligt waren an ethnischer Gewalt, Ungerechtigkeit und Unterdrückung. Wir rufen ebenfalls nach Buße für die unzähligen Male, als Christen sich bei solchen bösen Machenschaften mitschuldig machten, indem sie schwiegen, apathisch waren oder als neutral gelten wollten oder indem sie falsche theologische Rechtfertigungen dafür beibrachten.

Wenn das Evangelium nicht tief verwurzelt ist im Kontext und zugrunde liegende Weltanschauungen und Systeme der Ungerechtigkeit nicht herausfordert und verändert, dann wird, wenn die bösen Tage kommen, die Zugehörigkeit zu Christus wie ein unerwünschter Umhang weggeworfen und die Menschen kehren zu alten, unbekehrten Loyalitäten und Handlungen zurück. Evangelisieren, ohne Menschen zu Jüngern zu machen oder Erweckung, ohne den Geboten Jesu Christi radikal gehorsam zu sein, ist nicht nur unzureichend, sondern ist äußerst gefährlich.

Wir hoffen auf den Tag, wenn die Gemeinde das leuchtendste Modell für ethnische Versöhnung und der aktivste Advokat für Konfliktlösungen sein wird.

Ein solches Bestreben, im Evangelium verwurzelt, ruft uns dazu auf:

C) Die Fülle der Versöhnungskraft des Evangeliums anzunehmen und sie dementsprechend zu lehren. Dies erfordert das volle biblische Verständnis der Sühne: Dass Jesus nicht nur unsere Sünde ans Kreuz getragen hat, um uns mit Gott zu versöhnen, sondern auch unsere Feindschaft gegeneinander zerstört, um uns miteinander zu versöhnen.

D) Den Lebensstil der Versöhnung anzunehmen. Praktisch gesehen geschieht das dann, wenn Christen …

  1. denen vergeben, die sie verfolgen und den Mut haben, Ungerechtigkeit anzufechten für andere;
  2. Nachbarn “auf der anderen Seite” eines Konflikts Hilfe und Gastfreundschaft anbieten und die Initiative ergreifen, Grenzen zu überschreiten und Versöhnung zu suchen;
  3. Zeugnis für Christus ablegen, selbst in Kontexten, die durch Gewalt bestimmt sind; willig sein, zu leiden und sogar zu sterben, eher als an Handlungen der Zerstörung oder der Rache teilzunehmen;
  4. sich nach der Beendigung von Konflikten nachhaltig für das Heilen der Wunden einsetzen und die Gemeinde zu einem sicheren Ort der Zuflucht und Heilung für alle machen, selbst für frühere Feinde.

E) Seid ein Leuchtsignal und ein Hoffnungsträger. Wir sind Zeugen des Gottes, der in Christus die Welt mit sich selbst versöhnte. Nur allein aufgrund des Namens Jesu und seines Sieges am Kreuz und der Auferstehung haben wir die Autorität, den dämonischen Mächten des Bösen entgegenzutreten, die menschliche Konflikte verschärfen, und nur so haben wir die Kraft, seine versöhnende Liebe und seinen Frieden zu verkündigen.

3. Der Friede Christi für die Armen und Unterdrückten

Die biblische Grundlage für unsere Verpflichtung, Gerechtigkeit und Shalom zu suchen für die Unterdrückten und Armen, finden wir zusammengefasst im Kapstadt-Bekenntnis, Sektion 7(c). Auf dieser Basis sehnen wir uns nach einem erfolgreicheren christlichen Handeln bezüglich:

Sklaverei und Menschenhandel

Heute gibt es mehr Menschen, die in Sklaverei leben (geschätzte 27 Millionen), als vor 200 Jahren, als Wilberforce dafür kämpfte, den transatlantischen Sklavenhandel abzuschaffen. Allein in Indien gibt es schätzungsweise 15 Millionen Kinder, die Fronarbeit leisten. Das Kastensystem unterdrückt niedrige Kastenangehörige und schließt die Dalit aus. Traurigerweise ist auch die christliche Gemeinde vielerorts von denselben Formen solcher Diskriminierung infiziert.

Die gemeinsame Stimme der globalen Gemeinde muss im Protest erhoben werden gegen dieses System, das in der Tat das älteste Sklavensystem der Welt darstellt. Wenn solche globale Fürsprachearbeit irgendeine Glaubwürdigkeit haben soll, dann muss die Gemeinde jede Form von Ungleichheit und Diskriminierung in ihren eigenen Reihen ablehnen.

In der heutigen Welt findet aus vielfachen Gründen eine Migration in einem noch nie gekannten Ausmaß statt, welche auf allen Kontinenten zum Menschenhandel geführt hat, zu einer weit verbreiteten Versklavung von Frauen und Kindern im Sexgewerbe sowie dem Missbrauch von Kindern durch Zwangsarbeit oder erzwungene militärische Rekrutierung.

A) Lasst uns als weltweite Gemeinde aufstehen, um das Übel des Menschenhandels zu bekämpfen und lasst uns prophetisch sprechen und handeln, um “die Gefangenen freizusetzen”. Dies muss auch beinhalten, dass die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Faktoren angegangen werden, die diesem Handel ständig neue Nahrung geben. Die Sklaven der Welt rufen der globalen Gemeinde Christi zu: “Befreit unsere Kinder. Befreit unsere Frauen. Seid unsere Stimme. Zeigt uns die neue Gesellschaft, die Jesus verheißen hat.”

Armut

Wir nehmen das Zeugnis der Bibel an, das uns Gottes Sehnsucht nach beidem zeigt nach systemischer wirtschaftlicher Gerechtigkeit und nach persönlichem Mitgefühl, Respekt und Großzügigkeit gegenüber den Armen und Bedürftigen. Wir freuen uns, dass diese erweiterte biblische Lehre stärker in unsere Missionsstrategie und –praxis eingebunden wurde, als es noch in der frühen Gemeinde und beim Apostel Paulus der Fall war.[66]

Demzufolge lasst uns:

B) Die großartige Gelegenheit erkennen, die die Millenniums-Entwicklungsziele der lokalen und globalen Gemeinde aufgezeigt haben. Wir rufen unsere Gemeinden dazu auf, sich bei den Regierungen dafür einzusetzen und sich am Erreichen der Ziele zu beteiligen, z.B. bei der Micha-Initiative.

C) Den Mut haben, auszusprechen, dass die Welt das Problem der Armut nicht angehen und schon gar nicht lösen kann, ohne den übermäßigen Wohlstand und die enorme Gier herauszufordern. Das Evangelium fordert den Götzendienst des ungezügelten Konsumverhaltens heraus. Wir sind gerufen, Gott zu dienen und nicht dem Mammon, und zu erkennen, dass Gier die Armut endlos fortsetzt, und ihr abzuschwören. Gleichzeitig sind wir froh, dass das Evangelium die Reichen in seinen Aufruf zur Buße einschließt und sie einlädt, sich der Gemeinschaft derer anzuschließen, die durch die vergebende Gnade verändert werden.

4. Der Friede Christi für Menschen mit Behinderungen

Menschen mit einer Behinderung stellen eine der größten Minderheiten in der Welt dar, schätzungsweise über 600 Millionen. Die Mehrheit lebt in den am wenigsten entwickelten Ländern und gehört zu den Ärmsten der Armen. Obwohl körperliche und mentale Beeinträchtigungen Teil ihres alltäglichen Lebens sind, sind die meisten auch noch durch das allgemeine gesellschaftliche Verhalten, Ungerechtigkeit und Mangel an Zugang zu Ressourcen behindert.

Menschen mit einer Behinderung zu dienen, hört nicht bei medizinischer Hilfe oder sozialer Fürsorge auf. Dazu gehört auch, mit ihnen, ihren Familien und denen, die für sie sorgen, für Einbeziehung und Gleichberechtigung in der Gesellschaft wie auch in der Gemeinde zu kämpfen. Gott ruft uns auf zu gegenseitiger Freundschaft, Respekt, Liebe und Gerechtigkeit.

A) Lasst uns als Christen weltweit aufstehen und kulturelle Vorurteile ablehnen, denn, wie der Apostel Paulus sagte: “Darum kennen wir von nun an niemanden mehr nach dem Fleisch.”[67] Wir sind nach dem Ebenbild Gottes geschaffen und wir alle haben Gaben, die Gott in seinem Dienst gebrauchen kann. Wir verpflichten uns, Menschen mit Behinderungen zu dienen, aber auch den Dienst anzunehmen, den sie uns geben können.

B) Wir ermuntern Gemeinde- und Missionsleiter, nicht nur an Missionierung unter den Menschen mit einer Behinderung zu denken, sondern die missionale Berufung von Gläubigen mit Behinderungen selbst als Teil des Leibes Christi zu erkennen, zu bestätigen und zu fördern.

C) Wir sind erschüttert, dass so vielen Menschen mit Behinderungen gesagt wird, ihre Beeinträchtigung sei auf Sünde, Mangel an Glauben und Widerwillen gegen das Geheiltwerden zurückzuführen. Wir bestreiten, dass die Bibel dies als universelle Wahrheit lehrt.[68] Eine solch falsche Lehre ist seelsorgerlich unsensibel und geistlich lähmend. Zu den Hindernissen, denen Menschen mit einer Behinderung gegenüberstehen, kommen dadurch noch die Last der Schuld und der frustrierten Hoffnungen hinzu.

D) Wir verpflichten uns, unsere Gemeinden zu Orten der Einbeziehung (Inklusion) und Gleichberechtigung für Menschen mit Behinderungen zu machen, und zusammen mit ihnen Vorurteilen zu widerstehen und für ihre Anliegen in der weiteren Gesellschaft einzutreten.

5. Der Friede Christi für Menschen, die mit HIV leben

In vielen Ländern stellt HIV-AIDS eine große Krise dar. Millionen sind mit HIV infiziert, auch in vielen unserer Gemeinden, und Millionen von Kindern wurden durch AIDS zu Waisen. Gott ruft uns auf, all denen seine große Liebe und sein Mitgefühl zu zeigen, die infiziert und betroffen sind und alles zu unternehmen, Leben zu retten. Wir glauben, dass die Lehre und das Beispiel Jesu Christi, wie auch die verändernde Kraft seines Kreuzes und seiner Auferstehung, im Mittelpunkt einer ganzheitlichen Antwort des Evangeliums in Bezug auf HIV/AIDS stehen, die die Welt so dringend braucht.

A) Wir lehnen jegliche Verdammung, Feindseligkeit, Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen ab, die mit HIV und AIDS leben. Solche Dinge sind Sünde und eine Schande im Leib Christi. Wir alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren; wir sind nur durch Gnade errettet und wir sollten langsam sein im Urteilen, aber schnell im Wiederaufbauen und Vergeben. Mit Traurigkeit und Mitgefühl müssen wir auch erkennen, dass sich sehr viele Menschen nicht durch eigene Schuld mit HIV infizieren, oft auch deshalb, weil sie sich um andere kümmern.

B) Wir wünschen uns, dass alle Pastoren ein Beispiel für sexuelle Keuschheit und Treue sind, wie es Paulus befohlen hat, und dass sie immer wieder klar lehren, dass die Ehe der einzige Ort für die sexuelle Vereinigung ist. Das ist notwendig, nicht nur, weil es die Bibel eindeutig lehrt, sondern auch, weil das Überhandnehmen von mehreren gleichzeitigen sexuellen Partnerschaften außerhalb der Ehe ein Hauptgrund dafür ist, dass sich HIV-AIDS in den meisten betroffenen Ländern so rasch vermehrt.

C) Lasst uns, als weltweite Gemeinde, diese Herausforderung im Namen Jesu Christi und in der Kraft des Heiligen Geistes angehen. Lasst uns zusammenstehen mit unseren Brüdern und Schwestern, in Gebieten, die am stärksten durch HIV und AIDS betroffen sind, indem wir sie praktisch unterstützen, für sie sorgen (einschließlich der Sorge für Witwen und Waisen), für sie gesellschaftlich und politisch einstehen, Ausbildungsprogramme bereitstellen (besonders solche, die Frauen qualifizieren) und wirksame Präventionsstrategien anbieten, dem lokalen Umfeld angemessen. Wir verpflichten uns dazu, dies als dringende Maßnahme anzugehen, als ein Teil der ganzheitlichen Mission der Gemeinde.

6. Der Friede Christi für seine leidende Schöpfung

Unser biblisches Mandat in Bezug auf Gottes Schöpfung ist verdeutlicht im Kapstadt-Bekenntnis des Glaubens, Sektion 7(a). Alle Menschen sollen Haushalter der Fülle von Gottes Schöpfung sein. Wir sind autorisiert, von Gott gegebene Herrschaft auszuüben, indem wir diese nützen für das menschliche Wohlergehen und für ihre Bedürfnisse z.B. in der Landwirtschaft, Fischerei, beim Bergbau, der Energiegewinnung, Technik, Konstruktion, dem Handel und der Medizin. Dabei wird uns gesagt, für die Erde und alle Kreaturen Sorge zu tragen, denn die Erde gehört Gott, nicht uns. Wir tun das für den Herrn Jesus Christus, der der Schöpfer, Eigentümer, Erhalter, Erlöser und Erbe der ganzen Schöpfung ist.

Wir klagen über den weit verbreiteten Missbrauch und die Zerstörung der irdischen Ressourcen, einschließlich ihrer Artenvielfalt. Die wahrscheinlich ernsthafteste und dringendste Herausforderung, der die physische Welt heute gegenübersteht, ist die Gefahr der Klimaveränderung. Menschen in ärmeren Ländern sind davon unverhältnismäßig stärker betroffen, denn dort sind die klimatischen Extreme am schlimmsten und es gibt dort kaum Möglichkeiten, sich ihnen anzupassen. Die Armut in der Welt und der Klimawechsel müssen gleichzeitig mit derselben Dringlichkeit angegangen werden.

Wir ermutigen Christen weltweit:

A) Sich einen Lebensstil anzueignen, der auf Konsumgewohnheiten verzichtet, die zerstörerisch oder umweltverschmutzend sind

B) Legitime Rechtsmittel einzusetzen, die die Regierungen überzeugen, moralische Imperative über politische Zweckmäßigkeit zu stellen, was die Umweltzerstörung und den potentiellen Klimawandel betrifft.

C) Den missionalen Ruf von Christen anzuerkennen und zu fördern, die (I) sich für den richtigen Gebrauch der irdischen Ressourcen für menschliche Not und Wohlergehen engagieren durch die Landwirtschaft, Industrie und Medizin und (II) die sich für den Schutz und die Wiederherstellung des Lebensraums und der Arten der Erde einsetzen durch Schutzmaßnahmen und Überzeugungsarbeit. Beide haben dasselbe Ziel, denn beide dienen demselben Schöpfer, Ernährer und Versöhner.

IIC Die Liebe Christi leben unter Menschen anderer Glaubensrichtungen

1. “Liebe deinen Nächsten wie dich selbst”, schließt auch Menschen anderer Glaubensrichtungen ein.

Im Hinblick auf die Affirmationen, die im Kapstadt-Bekenntnis des Glaubens, Sektion 7(d) aufgeführt werden, antworten wir auf unsere hohe Berufung als Jünger Jesu Christi, indem wir Menschen anderer Glaubensrichtungen als unsere Nächsten im biblischen Sinne ansehen. Sie sind Menschen, als Ebenbild Gottes geschaffen, die Gott liebt und für deren Sünden Jesus gestorben ist. Wir wollen sie nicht nur als Nächste betrachten, sondern tun, was Jesus gelehrt hat, und Nächste für sie sein. Wir sind aufgefordert, freundlich zu sein, aber nicht naiv, umsichtig und nicht leichtgläubig, auf Gefahren zu achten, die vielleicht auf uns zu kommen, aber nicht durch Angst regiert zu sein.

Wir sind aufgerufen, beim Evangelisieren die gute Nachricht zu teilen, aber uns dabei nicht in unwürdige Proselytenmacherei zu begeben. Evangelisieren – was überzeugende rationale Argumente beinhaltet, nach dem Beispiel des Apostels Paulus – bedeutet: “Das Evangelium ehrlich und offen darzulegen und den Zuhörern die Freiheit zu geben, ihre eigenen Schlüsse daraus zu ziehen. Wir wollen Menschen anderer Glaubensrichtungen gegenüber einfühlsam sein und lehnen jede Annäherung ab, die eine Bekehrung aufzwingen möchte.[69] Proselytismus hingegen bedeutet, andere zu nötigen, “eine/r von uns zu werden”, “unsere Religion zu akzeptieren” oder sogar “unserer Denomination beizutreten”.

A) Wir verpflichten uns, beim Evangelisieren äußerst verantwortungsvoll vorzugehen. Unser Zeugnis muss von “Freundlichkeit und Respekt” geprägt sein, und wir müssen “ein gutes Gewissen haben.”[70] Deshalb weisen wir jede Form des Zeugnisgebens ab, die durch Gewalt zwingend, unethisch, irreführend und unhöflich ist.

B) Im Namen des Gottes der Liebe tun wir Buße, weil wir es versäumt haben, Freundschaften zu schließen mit Menschen muslimischen, hinduistischen, buddhistischen und anderen religiösen Hintergründen. Im Geiste Jesu werden wir die Initiative ergreifen, ihnen Liebe, Wohlwollen und Gastfreundschaft entgegenzubringen.

C) Im Namen des Gottes der Wahrheit weigern wir uns, (I) Lügen und Karikaturen über andere Glaubensrichtungen zu verbreiten und wir (II) verurteilen und widersetzen uns rassistischen Vorurteilen, Hass und Angst, die von den Massenmedien und politischer Rhetorik angestiftet werden.

D) Im Namen des Gottes des Friedens, verwerfen wir den Weg der Gewalt und Rache in unserem ganzen Umgang mit Menschen anderer Glaubensrichtungen, selbst wenn wir gewalttätig angegriffen werden.

E) Wir bekräftigen, dass Dialog einen angemessenen Platz hat im Umgang mit Menschen anderen Glaubens, gleich wie Paulus sich in Debatten mit Juden und Heiden in der Synagoge und auf öffentlichen Plätzen einließ. Als legitimer Teil unserer christlichen Mission verbindet ein solcher Dialog Vertrauen in die Einzigartigkeit Jesu Christi und in die Wahrheit des Evangeliums mit dem respektvollen Zuhören, was die anderen zu sagen haben.

2. Die Liebe Christi verweist uns darauf, für das Evangelium zu leiden und manchmal auch zu sterben

Es kann nötig werden, dass wir in unserem missionarischen Auftrag als Zeugen Jesu Christi leiden müssen, so wie auch seine Apostel und die Propheten des Alten Testaments.[71] Bereit zu sein für das Leiden ist ein Prüfstein für die Echtheit unseres Auftrags. Gott kann Leiden, Verfolgung und Märtyrertum benutzen, um seine Mission vorankommen zu lassen. Christus hat versprochen, Märtyrertum als Form des Zeugnisgebens besonders zu ehren.[72] Viele Christen, die in angenehmen Verhältnissen und im Wohlstand leben, müssen wieder einmal hören, dass Christus sagt, wir sollen bereit sein, für ihn zu leiden. Denn viele andere Gläubige leben inmitten solchen Leidens, welches der Preis ist, für Jesus Christus Zeugnis zu geben in einer feindseligen religiösen Kultur. Vielleicht haben sie bereits gesehen, wie geliebte Menschen den Märtyrertod starben oder Folterqualen und Verfolgung erlitten, doch sie lieben die Menschen weiterhin, die ihnen so viel Leid zufügten.

A) Unter Tränen und Gebet hören und erinnern wir uns an die Zeugnisse derer, die für das Evangelium leiden. Mit ihnen zusammen beten wir für Gnade und Mut, “unsere Feinde zu lieben”, so wie es Christus befohlen hat. Wir beten, dass die Frohe Botschaft gerade dort Frucht trägt, wo die Menschen feindselig gegen ihre Boten eingestellt sind. Während wir uns zu Recht um jene grämen, die leiden, müssen wir uns andererseits auch an die unendliche Trauer erinnern, die Gott fühlt, wenn Menschen seiner Liebe, seiner Frohen Botschaft und seinen Boten widerstehen und sie ablehnen und sich gegen seine Diener wehren. Wir wünschen uns, dass sie Buße tun und Vergebung empfangen und zu der Freude finden, mit Gott versöhnt zu werden.

3. Tätige Liebe bezeugt und verkörpert das Evangelium der Gnade

“Wir sind für Gott ein Wohlgeruch Christi.”[73] Es ist unsere Berufung, unter Menschen anderer Glaubensrichtungen so zu leben und zu dienen, dass wir erfüllt sind mit dem Wohlgeruch von Gottes Gnade, sodass sie Jesus riechen können, dass sie kommen und schmecken wollen und sehen, dass Gott gut ist.

Wird die Liebe auf diese Weise verkörpert, so sind wir dabei, das Evangelium in jedem kulturellen und religiösen Umfeld attraktiv zu machen. Wenn Christen Menschen anderer Glaubensrichtungen lieben, indem sie ein Leben der Liebe und des Dienens führen, so verkörpern sie die verändernde Gnade Gottes.

In sogenannten “Ehrenkulturen”, in denen sich Scham und Rache mit religiösem Richtgeist (oder: Gesetzlichkeit) verbindet, ist “Gnade” ein geradezu außerirdisches Konzept. In einem solchen Umfeld kann Gottes verletzliche, aufopfernde Liebe nicht zur Diskussion stehen, sie wird als zu fremd angesehen, ja sie schreckt ab. Hier können Menschen nur langsam auf den Geschmack der Gnade kommen, nur in kleinen Dosen, und zwar die, die hungrig genug sind und es wagen, die Gnade zu schmecken. Ganz allmählich durchdringt der Wohlgeruch Christi alles, womit seine Nachfolger in Kontakt kommen.

A) Wir sehnen uns danach, dass Gott mehr begnadete Männer und Frauen erweckt, die sich langzeitlich verpflichten, an schwierigen Orten, die von anderen Religionen dominiert werden, zu leben, zu lieben und zu dienen, um den Wohlgeruch und Geschmack der Gnade Jesu Christi in Kulturen zu bringen, wo sie unwillkommen sind und es gefährlich werden kann. Dazu braucht es Geduld und Ausdauer, manchmal ein ganzes Leben lang, manchmal bis zum Tod.

4. Liebe respektiert verschiedene Gestalten der Jüngerschaft

In verschiedenen Religionen findet man sogenannte “Insiderbewegungen”. Es sind Gruppen von Menschen, die heute Jesus als ihrem Gott und Erretter nachfolgen. Sie treffen sich in kleinen Gruppen für Gemeinschaft, Lehre, Anbetung und Gebet, wobei Jesus und die Bibel im Zentrum stehen, obwohl sie gesellschaftlich und kulturell in den Gemeinschaften leben, in die sie hineingeboren wurden, und auch einige Elemente der dort ausgeübten religiösen Praxis beachten.

Dies ist ein komplexes Phänomen und es gibt große Meinungsverschiedenheiten, wie darauf zu reagieren ist. Manche empfehlen solche Bewegungen. Andere warnen vor der Gefahr des Synkretismus. Synkretismus jedoch ist eine Gefahr, die man überall unter Christen findet, denn wir drücken unseren Glauben innerhalb unserer eigenen Kultur aus. Wenn wir sehen, dass Gott auf unerwartete und ungewohnte Art wirkt, sollten wir vermeiden, (I) sie voreilig zu klassifizieren und als neue Missionsstrategie zu fördern oder (II) sie voreilig zu verurteilen, ohne einfühlsames Zuhören, das auch den Kontext beachtet.

A) Im Geiste des Barnabas, der bei seiner Ankunft in Antiochia “die Gnade Gottes sah”, und “er froh wurde und sie alle ermahnte, mit festem Herzen an dem Herrn zu bleiben”[74], möchten wir an alle appellieren, die sich mit diesem Thema befassen:

  1. Als ihr wichtigstes Leitprinzip die apostolische Entscheidung und Praxis zu übernehmen: “Darum meine ich, dass man denen von den Heiden, die sich zu Gott bekehren, nicht Unruhe mache.”[75]
  2. Demut, Geduld und Großzügigkeit walten zu lassen beim Betrachten der unterschiedlichen Ansichten, und Gespräche zu führen ohne Schärfe und gegenseitige Verurteilung.[76]

5. Liebe geht hinaus zu den verstreuten Menschen

Menschen sind in Wanderungsbewegungen wie nie zuvor. Migration ist eine der großen globalen Realitäten unserer Zeit. Heute leben schätzungsweise 200 Millionen Menschen außerhalb ihres Heimatlandes, freiwillig oder unfreiwillig. Der Begriff “Diaspora” wird hier gebraucht für Menschen, die ihr Geburtsland aus verschiedenen Gründen verlassen haben. Eine große Anzahl Menschen mit einem vielfältigen religiösen Hintergrund, Christen eingeschlossen, leben in der Diaspora: Wirtschaftsflüchtlinge, die Arbeit suchen, innerhalb ihres Landes vertriebene Menschen aufgrund eines Krieges oder einer Naturkatastrophe, Flüchtlinge und Asylsuchende, Opfer von ethnischer Säuberung, Menschen, die vor religiöser Gewalt und Verfolgung fliehen, Menschen, die an Hungersnot leiden, verursacht durch Dürre, Überschwemmungen oder Krieg, Opfer ländlicher Armut, die in die Städte ziehen. Ohne das darin involvierte Übel und Elend zu ignorieren, sind wir überzeugt, dass die heutigen Migrationsbewegungen in den Rahmen des souveränen missionalen Planes Gottes gehören.[77]

A) Wir ermutigen Gemeinde- und Missionsleiter, die missionalen Gelegenheiten, die sich durch globale Migration und Diaspora-Gemeinschaften bieten, zu erkennen und durch strategische Planung und zielgerichtete Schulung auf sie zu reagieren, sowie die geeigneten Menschen zu finden, die berufen sind, unter ihnen zu arbeiten.

B) Wir ermutigen Christen in Gastländern, in denen Einwanderer-Gemeinden anderer religiöser Hintergründe leben, entgegen dem Trend der herrschenden Kultur Zeugnis in Wort und Tat von der Liebe Christi zu geben, indem sie den sehr weit reichenden biblischen Geboten folgen, wie: liebe den Fremden, verteidige das Recht des Fremden, besuche die Gefangenen, übe Gastfreundschaft aus; baue Freundschaften auf; lade Fremde in dein Zuhause ein, biete Hilfe an und diene.[78]

C) Wir ermutigen Christen, die selbst Teil einer Diaspora-Gemeinschaft sind, die Hand Gottes zu erkennen, selbst in Umständen, die sie nicht selbst gewählt haben und nach Gelegenheiten zu suchen, die Gott ihnen in den Weg legt, um ihrer Gastgesellschaft Zeugnis zu geben von Jesus und ihnen Gutes zu tun.[79] Wenn im Gastland eine christliche Kultur vorhanden ist, halten wir die einheimischen und zugewanderten Kirchen/Gemeinden dazu an, zusammenzukommen, einander zuzuhören und voneinander zu lernen sowie gemeinsame Anstrengungen zu unternehmen, alle Teile der Nation mit dem Evangelium zu erreichen.

6. Liebe setzt sich für die Religionsfreiheit aller Menschen ein

Menschenrechte zu schützen, indem man die religiöse Freiheit verteidigt, geht durchaus damit zusammen, dass man dem Weg des Kreuzes folgen muß, wenn man Verfolgung gegenübersteht. Es herrscht kein Widerspruch zwischen der Bereitschaft, persönlich für den Missbrauch oder Verlust unserer eigenen Rechte um Christi willen zu leiden, und gleichzeitig der Verpflichtung nachzukommen, für andere aufzustehen, die keine Stimme haben, wenn ihre Menschenrechte verletzt werden.

Wir müssen auch unterscheiden zwischen der Verteidigung der Rechte von Menschen anderen Glaubens einerseits und dem Befürworten der Wahrheit ihres Glaubens andererseits. Wir können die Freiheit anderer verteidigen, ihren Glauben praktizieren zu dürfen, ohne dass wir ihre Religion als richtig und wahr betrachten.

A) Lasst uns das Ziel der religiösen Freiheit für alle Menschen anstreben. Das erfordert Fürsprache (advocacy) vor den Regierungen einzulegen, für Christen und genau so für Menschen anderen Glaubens, die verfolgt werden.

B) Lasst uns ganz bewusst der biblischen Lehre folgen, gute Staatsbürger zu sein, das Wohlergehen des Landes zu suchen, in dem wir leben, die staatlichen Autoritäten zu ehren und für sie zu beten, die Steuern zu bezahlen, Gutes zu tun und danach zu streben, ein friedliches und ruhiges Leben zu führen. Ein jeder Christ ist dazu gerufen, sich dem Staat unterzuordnen, außer der Staat befiehlt, was Gott verbietet, oder verbietet, was Gott uns gebietet. Wenn der Staat uns zwingt, zwischen der Loyalität ihm gegenüber und der höheren Loyalität Gott gegenüber zu wählen, müssen wir dem Staat “Nein” sagen, weil wir “Ja” gesagt haben zu Jesus Christus als unserem Herrn.[80]

Doch im Zentrum aller unserer legitimen Bestrebungen für religiöse Freiheit für alle Menschen, bleibt das tiefste Verlangen in unserem Herzen, dass alle Menschen den Herrn Jesus Christus kennen lernen, frei an ihn glauben und errettet werden und in das Reich Gottes kommen.

IID Den Willen Christi für die Weltevangelisation erkennen

1. Unerreichte und nicht erfasste Menschen

Gott möchte, dass alle Menschen Zugang zur Erkenntnis seiner Liebe und des Errettungswerkes durch Jesus Christus haben. In Trauer und Scham müssen wir erkennen, dass es Tausende von Volksgruppen in der Welt gibt, denen dieser Zugang durch christliche Zeugen noch nicht ermöglicht wurde. Diese Menschen sind unerreicht, d.h. es ist nicht bekannt, ob es unter ihnen Gläubige oder Gemeinden gibt. Viele dieser Menschen sind auch noch nicht einmal erfasst, in dem Sinne, dass – soweit bekannt – zur Zeit keine Gemeinden oder Organisationen auch nur versuchen, ihnen das Evangelium zu bringen. Tatsächlich wird nur ein winziger Prozentsatz der Gemeinderessourcen (an Menschen und Material) auf die am wenigsten erreichten Menschen ausgerichtet. Definitionsgemäß sind dies Menschen, die uns nicht einladen, mit der Guten Nachricht zu ihnen zu kommen, denn sie wissen nichts über sie. 2.000 Jahre, nachdem Jesus uns gesagt hat, wir sollen alle Nationen zu Jüngern machen, stellt ihre Anwesenheit in der Welt nicht nur eine Rüge für unseren Ungehorsam dar, nicht nur eine Form geistlicher Ungerechtigkeit, sondern ist auch ein stiller “Mazedonischer Ruf”[81].

Lasst uns als weltweite Gemeinde aufstehen und diese Herausforderungen annehmen:

A) Buße tun für unsere Blindheit, dass so viele unerreichte Menschen in unserer Welt existieren und für die uns fehlende Dringlichkeit, ihnen das Evangelium zu bringen.

B) Unsere Verpflichtung erneuern, zu denen zu gehen, die das Evangelium noch nicht gehört haben und uns intensiv mit ihrer Sprache und Kultur befassen; das Evangelium unter ihnen leben, mit inkarnatorischer Liebe und opferbereitem Dienst; ihnen das Licht und die Wahrheit Jesu Christi in Wort und Tat weitergeben, um sie durch die Kraft des Heiligen Geistes für die überraschende Gnade Gottes wach zu machen.

C) Die Bibelarmut in der Welt ausräumen, denn die Bibel bleibt unabdingbar für die Evangelisation. Um das zu erreichen, müssen wir:

  1. Die Bibel rasch in die Sprachen von Menschen übersetzen, die noch keinen Teil der Bibel in ihrer Muttersprache besitzen;
  2. Mit Mitteln mündlicher Verkündigung (oral) die Botschaft der Bibel in breiterem Umfang verfügbar machen. (Siehe auch nachfolgend: “Orale Kulturen”).

D) Die Unkenntnis der Bibel in der Gemeinde (Kirche) beseitigen, denn die Bibel ist unabdingbar, um Gläubige zu christusähnlichen Nachfolgern zu machen.

  1. Wir sehnen uns danach, eine frische Leidenschaft, die Gottes ganze Kirche ergreift, zu erleben, dass die Lehre der Bibel unbedingt notwendig ist, damit die Gemeinde in ihrem Dienst, ihrer Einheit und Reife wachsen kann.[82] Wir freuen uns über die Gaben in all denen, die der Gemeinde als Lehrer-Pastoren von Christus gegeben wurden. Wir wollen alles unternehmen, um sie ausfindig zu machen, zu ermutigen, schulen und unterstützen beim Predigen und Lehren des Wortes Gottes. Dabei müssen wir aber jene Art von Klerikalismus zurückweisen, die den Dienst am Worte Gottes nur auf einige bezahlte Hauptamtliche begrenzt oder nur auf förmliche Predigten auf der Kanzel. Der Segen des Geistes Gottes manifestiert sich bei vielen Männern und Frauen, die ihre Gaben informell oder ohne offizielle konfessionelle Strukturen ausüben, doch eindeutig die Gaben empfangen haben, als Pastoren und Lehrer für Gottes Volk tätig zu sein. Auch sie müssen anerkannt, ermutigt und ausgerüstet werden, um mit dem Worte Gottes in rechter Weise umzugehen.
  2. Unter der Generation, die sich heute in erster Linie mit digitaler Kommunikation beschäftigt statt mit Büchern, müssen wir die Bibelstudien fördern, und zwar indem wir zu digitalen Methoden beim Studium der Schrift ermutigen, und zwar mit derselben forschenden Gründlichkeit, wie sie heute beim Studium mit Papier und Bleistift verlangt wird.

E) Lasst uns die Evangelisation im Zentrum der voll integrierten Wirkungsbereiche unserer ganzen Mission behalten, insofern, als das Evangelium selbst die Quelle, der Inhalt und die Autorität aller biblisch gültigen Mission ist. Alles, was wir tun, soll eine Verkörperung und eine Erklärung der Liebe und Gnade Gottes und seines Erlösungswerks durch Jesus Christus sein.

2. Orale Kulturen (Kulturen ohne Schrift und Bücher)

Die Mehrheit der Weltbevölkerung kommuniziert “oral”, mündlich, durch Wort und Sprache. Es sind die, die nicht durch schriftliche Mittel lernen können oder wollen. Mehr als die Hälfte von ihnen gehören zu den Unerreichten, wie oben beschrieben. Darunter sind geschätzte 350 Millionen Menschen ohne einen einzigen Bibelvers in ihrer Sprache. Zusätzlich zu den “primär mündlich Lernenden” gibt es viele “sekundär mündlich Lernende”, das sind solche, die, technisch gesehen, lesen und schreiben können, doch es nun vorziehen, mündlich zu kommunizieren, aufgrund des Aufkommens des visuellen Lernens und der Dominanz der Bilder in der Kommunikation.

Indem wir die Probleme der “Oralität” erkennen und entsprechende Maßnahmen ergreifen, lasst uns:

A) Verstärkt Methodiken mündlicher Überlieferung in Jüngerschaftsprogrammen einsetzen, auch unter lese- und schreibkundigen Gläubigen.

B) Eine “Story-Bible”, in mündlicher Überlieferungsform, in den Herzenssprachen der unerreichten und nicht erfassten Menschengruppen zur Verfügung stellen – und dies als vorrangig betrachten.

C) Missionsorganisationen ermutigen, “orale Strategien” zu entwickeln, einschließlich dem Aufzeichnen und Verbreiten mündlich erzählter Bibelgeschichten für die Evangelisation sowie Jüngerschafts- und Leiterschulungen, zusammen mit Sprachtraining für Pionierevangelisten und Gemeindegründer. In der Kommunikation der gesamten biblischen Geschichte der Errettung könnten fruchtbringend mündliche und visuelle Methoden eingesetzt werden, wie z.B. Geschichtenerzählen, Tänze, Kunst, Gedichte, Sprechchöre und Dramen.

D) Lokale Gemeinden im globalen Süden ermutigen, sich für unerreichte Menschengruppen in ihrer Gegend zu engagieren mittels mündlicher Methoden, die auf ihre spezifische Weltanschauung abgestimmt sind.

E) Seminare unterstützen, Lehrpläne in mündlichen Methodiken ausarbeiten für die Schulung von Pastoren und Missionaren.

3. Christuszentrierte Leiter

Das rasche Wachstum der Gemeinde an vielen Orten bleibt oberflächlich und angreifbar, einerseits aufgrund des Fehlens gut ausgebildeter Leiter, andererseits, weil viele ihre Positionen ausnutzen für weltliche Macht, persönliche Bereicherung sowie ein arrogantes Standesbewusstsein.

Daraus folgt, dass das Volk Gottes Schaden leidet, Christus entehrt wird und der Evangeliumsauftrag untergraben wird. Gemeinhin ist die vorgeschlagene vorrangige Lösung des Problems die Leiterschulung. Zwar gibt es für Leiter immer mehr Schulungsprogramme unterschiedlichster Art, doch das Problem bleibt aus zwei Gründen bestehen.

Erstens, Leiter darin zu schulen, christusgemäß und nach Gottes Vorgaben zu leben, ist der falsche Ansatz. Biblisch gesehen sollten überhaupt nur die als Leiter berufen werden, aus deren Lebensgestaltung schon grundlegende Qualitäten reifer Jüngerschaft ersichtlich sind.[83]

Wenn aber heute viele Menschen in Leiterpositionen zu finden sind, die kaum Jüngerschaftserziehung erfahren haben, gibt es keine andere Wahl, als die Grundschulung zur Jüngerschaft in die Leiterschaftsschulung einzubinden. Man kann wohl sagen, dass das Ausmaß nicht christusgemäßer und verweltlichter Leiterschaft in der heutigen Gemeinde weltweit der deutliche Beweis dafür ist, dass in den letzten Generationen reduktionistische Evangelisation, vernachlässigte Jüngerschaftserziehung und oberflächliches Wachstum stattgefunden hat. Die Antwort auf die fehlgelaufene Leiterschaft heißt nicht einfach mehr Leiterschulungen, sondern besseres Jüngerschaftstraining. Leiter müssen zuerst selber Jünger Christi sein.

Zweitens, einige Leiterschaftsschulungsprogramme (leadership training programmes) richten sich auf gebündeltes Wissen, Techniken und Fähigkeiten aus, unter Vernachlässigung eines gottesfürchtigen Charakters. Authentische christliche Leiter hingegen müssen Christus ähnlich sein und ein dienendes Herz, Demut und Integrität besitzen, sollen rein sein, nicht gierig, viel im Gebet verweilen, in Abhängigkeit von Gottes Geist leben und eine tiefe Liebe für Menschen empfinden.

Des Weiteren fehlt in manchen Leiterschulungsprogrammen das spezielle Training für eine Schlüsselkompetenz, die Paulus in seiner Liste der Qualifikationen aufführt, nämlich die Fähigkeit, Gottes Volk das Wort Gottes zu lehren. Doch ist das Lehren der Bibel das wichtigste Mittel, um Menschen zu Nachfolgern Jesu zu machen, und stellt das gravierendste Defizit bei heutigen Gemeindeleitern dar.

A) Es ist unser Wunsch, dass in der Jüngerschaftserziehung erheblich intensivere Anstrengungen unternommen werden, neue Gläubige längere Zeit zu lehren und zu nähren. Nur so können die, die Gott zu Gemeindeleitern beruft und der Kirche gibt, qualifiziert werden und den biblischen Maßstäben von Reife und Dienstbereitschaft entsprechen.

B) Wir erneuern unsere Verpflichtung, für unsere Leiter zu beten. Wir erwarten, dass Gott biblisch treue und gehorsame Leiter multipliziert, schützt und ermutigt. Wir beten, dass Gott Leiter zurückweist, entfernt oder zur Buße führt, die seinen Namen entehren und das Evangelium diskreditieren. Und wir beten, dass Gott eine neue Generation in der Jüngerschaft geschulter dienender Leiter erweckt, deren größte Leidenschaft es ist, Christus zu kennen und ihm ähnlich zu sein.

C) Diejenigen von uns, die christliche Leiter sind, müssen ihre Schwachstellen erkennen und die Gabe des Sich-gegenseitig-Rechenschaft-Gebens innerhalb des Leibes Christi akzeptieren. Wir empfehlen allen Leitern, die Praxis, sich einer Gruppe zur Rechenschaftsabgabe (accountability group) unterzuordnen.

D) Mit Nachdruck ermutigen wir Seminare und all diejenigen, die Leiterschulungsprogramme anbieten, sich nicht nur auf Wissensvermittlung und Prüfungswissen auszurichten, sondern sich vermehrt auf spirituelle Charakterbildung (Characterformation) zu konzentrieren. Wir freuen uns von Herzen über alle, die das bereits tun, als Teil einer die “Gesamtperson” umfassenden Leiterentwicklung.

4. Städte

Städte sind äußerst wichtig für die menschliche Zukunft und die Weltmission. Die halbe Welt wohnt heute in Städten. Es sind die Städte, in denen vor allem vier Kategorien von Menschen vorrangig vorkommen: (I) Junge Leute, d.h. die nächste Generation, (II) die Mehrzahl der unerreichten Menschen, die migriert sind, (III) die Kulturveränderer und (IV) die Ärmsten der Armen.

A) Im massiven Anstieg der heutigen Urbanisierung erkennen wir die souveräne Hand Gottes am Werk. Wir ermahnen die weltweite Gemeinde und die Missionsleiter, auf diese Tatsache zu reagieren und der Städtemission dringende strategische Aufmerksamkeit zu schenken. Wir müssen unsere Städte so lieben, wie Gott sie liebt, mit heiligem Urteilsvermögen und christusgemäßem Mitgefühl. Wir müssen seinem Befehl gehorchen, “das Wohl der Stadt zu suchen”[84], wo immer das auch sein mag. Wir trachten danach, geeignete und flexible Methoden einer Mission zu entwickeln, die der städtischen Realität entgegenkommt.

5. Kinder

Alle Kinder sind gefährdet. In unserer Welt gibt es etwa zwei Milliarden Kinder und die Hälfte davon ist von Armut bedroht. Andererseits sind Millionen Kinder vom Wohlstand bedroht. Die Kinder der Reichen, die in Sicherheit leben, haben alle Mittel zum Leben, aber keine Ziele, wofür sie leben (everything to live with, but nothing to live for).

Kinder und junge Leute sind die heutige Gemeinde, nicht nur die von morgen. Junge Menschen haben großes Potential als aktive zukünftige Beauftragte in Gottes Mission. Sie repräsentieren ein enormes bisher noch nicht ausgeschöpftes Reservoir zukünftiger “Beeinflusser”, die sensibel sind gegenüber der Stimme Gottes und willig, auf ihn einzugehen. Wir freuen uns über die ausgezeichneten Dienste und Organisationen, die Kindern dienen und mit ihnen zusammenarbeiten und wünschen uns, dass diese Arbeit vermehrt getan wird, weil sie so sehr vonnöten ist. Wie wir in der Bibel sehen, kann Gott Kinder und junge Menschen gebrauchen – und er tut es auch: ihre Gebete, ihre Einsichten, ihre Worte und ihre Initiativen. Sie stellen “neue Energie” dar, die die Welt verändern kann. Hören wir ihnen zu und ersticken wir ihr kindliches geistliches Leben (spirituality) nicht mit unseren erwachsenen rationalistischen Einstellungen!

Wir verpflichten uns dazu:

A) Kinder ernst zu nehmen, durch frische biblische und theologische Forschung, die Gottes Liebe und seine Absichten für sie und durch sie reflektiert. Wir wollen auch die tiefe Bedeutung für die Theologie und Mission neu entdecken, die in der provokativen Handlung Jesu zu finden ist, als er “ein Kind mitten unter sie stellte”[85].

B) Menschen zu schulen und Ressourcen bereitzustellen, um die Bedürfnisse der Kinder weltweit zu beantworten und – wo immer möglich – mit ihren Familien und Gemeinschaften zusammenzuarbeiten. Wir sind überzeugt, dass der ganzheitliche Dienst für und durch jede nächste Generation von Kindern und jungen Menschen eine vitale Komponente der Weltmission ist.

C) Jeden Missbrauch an Kindern aufzudecken, uns dagegen zu wehren und Maßnahmen zu ergreifen, sei es bei Gewalt, Ausbeutung, Sklaverei, Menschenhandel, Prostitution, geschlechtsspezifischer und ethnischer Diskriminierung, kommerzieller Ausbeutung oder vorsätzlicher Vernachlässigung.

6. Gebet

Inmitten all dieser Prioritäten wollen wir uns neu dem Gebet verpflichten. Gebet ist eine Berufung, ein Gebot und eine Gabe. Gebet ist die unverzichtbare Grundlage und Ressource für unsere gesamte Mission.

A) Wir wollen beten in Einheit, mit ein und derselben Zielsetzung, mit Fokus, mit Ausdauer und biblisch fundierter Klarheit:

  1. Dass Gott Arbeiter sendet in jeden Winkel der Welt in der Kraft seines Geistes
  2. Dass die Verlorenen in jedem Volk und an jedem Ort zu Gott gezogen werden durch seinen Geist, durch die Deklaration der Wahrheit seines Evangeliums und durch die Demonstration der Liebe und Kraft Jesu Christi.
  3. Dass durch den Charakter, die Taten und Worte der Menschen Gottes die Herrlichkeit offenbar wird und der Name Jesus Christus bekanntgemacht und gepriesen wird. Wir wollen unseren Aufschrei hören lassen für unsere Brüder und Schwestern, die um des Namens Christi willen Leid tragen.
  4. Dass Gottes Reich kommt, dass sein Wille geschehe auf der Erde wie im Himmel, in der Etablierung der Gerechtigkeit, in der treuen Haushalterschaft für die Schöpfung und ihre Bewahrung. Auch beten wir, dass der Segen des Friedens Gottes in unsere Gemeinschaft und Gesellschaften komme.

B) Wir werden nicht aufhören Gott zu danken, im Hinblick auf sein Wirken unter den Nationen. Wir warten auf den Tag, wenn das Reich dieser Welt zum Reich unseres Gottes und seines Christus wird.

IIE Ein Aufruf an die Gemeinde, wieder zu Demut, Integrität und Einfachheit zurückzukehren

“Wandeln” ist der biblische Ausdruck für die Art, wie wir leben, und für unser tägliches Verhalten. Im Epheserbrief spricht Paulus siebenmal davon, wie Christen wandeln und wie sie nicht wandeln sollen.[86]

1. Wandelt in Eindeutigkeit, als Gottes neue Menschen[87]

Die Menschen Gottes wandeln entweder auf dem Weg des Herrn oder auf den Wegen anderer Götter. Die Bibel zeigt uns, dass Gottes größtes Problem nicht die Völker der Welt sind, sondern die Menschen, die er geschaffen und die er dazu berufen hat, der Segen der Völker zu sein. Das größte Hindernis in der Erfüllung dieses Auftrags ist der Götzendienst, den es auch in Gottes eigenem Volk gibt. Denn wenn wir berufen sind, die Völker dazu zu ermutigen, den einzig wahren und lebendigen Gott anzubeten, scheitern wir kläglich, wenn wir selbst den falschen Göttern der Menschen um uns herum nachlaufen.

Wenn es keinen Unterschied gibt im Verhalten zwischen Christen und Nichtchristen – zum Beispiel in der Einstellung zu Korruption und Gier, sexueller Freizügigkeit, der Scheidungsrate, im Rückfall in frühere nichtchristliche religiöse Praktiken, in der Einstellung gegenüber Menschen anderer Rassen, im konsumfreudigen Lebensstil und in den gesellschaftlichen Vorurteilen – dann hat die Welt das Recht, sich zu fragen, ob unser Christsein überhaupt einen Unterschied macht. Unsere Botschaft besitzt dann gegenüber einer Welt, die uns beobachtet, keine Glaubwürdigkeit.

A) In jeder Kultur fordern wir als Gläubige einander dazu heraus, Stellung zu nehmen, wie weit wir – bewusst oder unbewusst – an den Götzendiensten der uns umgebenden Kultur beteiligt sind. Wir beten für prophetische Unterscheidung, diese falschen Götter und ihre Präsenz in der Gemeinde zu erkennen und bloßzustellen und für den Mut, Buße zu tun und ihnen zu entsagen im Namen und der Autorität des Herrn Jesus Christus.

B) Weil es keine biblische Mission ohne einen biblischen Lebensstil gibt, verpflichten wir uns neu und fordern alle heraus, die den Namen Jesu Christi bekennen, so zu leben, dass sie sich radikal von den Wegen der Welt unterscheiden und den neuen Menschen anziehen, “der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.”[88]

2. Wandelt in Liebe und weist den Götzen der gestörten Sexualität ab[89]

Gott hat bei der Schöpfung festgelegt, dass sich die Ehe auf eine verpflichtende, treue Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau gründet, in der sie ein Fleisch werden in einer neuen sozialen Einheit, die sich von ihrer ursprünglichen Familie unterscheidet, und dass der Geschlechtsverkehr, als Ausdruck des “einen Fleisches”, ausschließlich dem Bund der Ehe vorbehalten ist . Diese liebende sexuelle Einheit innerhalb der Ehe, wobei “zwei eins werden”, reflektiert die Beziehung Jesu Christi mit der Gemeinde und auch die Einheit der Juden und Heiden im neuen Menschen.[90]

Paulus vergleicht die Reinheit der Liebe Gottes mit der Hässlichkeit der unechten Liebe, die sich maskiert in einer gestörten Sexualität und allem, was damit einhergeht. Gestörte Sexualität jeglicher Art, die vor oder außerhalb der Ehe als sexuelle Intimität praktiziert wird, ist in der Schöpfung wie auch in der Erlösung nicht in Übereinstimmung mit dem Willen und dem Segen Gottes. Missbrauch und Götzendienst, wie sie im Umfeld der gestörten Sexualität zu finden sind, tragen zu einem weitreichenden sozialen Abstieg bei, einschließlich dem Scheitern von Ehen und Familien, und führen zu unermesslichem Leid, Einsamkeit und Ausbeutung. Auch innerhalb der Gemeinde ist dies ein ernstliches Problem und tragischerweise häufig ein Grund des Versagens von Leitern.

Wir erkennen die Notwendigkeit für tiefe Demut und dass wir uns des Versagens in diesem Bereich bewusst sein müssen. Es ist unsere große Hoffnung, dass Christen die uns umgebenden Kulturen herausfordern durch einen Lebensstil, der dem Anspruch der Bibel gerecht wird.

A) Wir ermutigen alle Pastoren:

  1. Offene Gespräche über Sexualität in unseren Gemeinden zu erleichtern und auf positive Art die gute Nachricht von Gottes Plan für gesunde Beziehungen und Familien weiterzugeben, gleichzeitig aber auch in pastoraler Ehrlichkeit die Bereiche anzusprechen, in denen Christen an den zerbrochenen und gestörten Realitäten ihres kulturellen Umfelds beteiligt sind.
  2. Die Vorgaben Gottes klar zu lehren, jedoch mit dem seelsorgerlichen Mitgefühl Jesu Christi für Sünder und dem Verständnis dafür wie gefährdet wir alle sind in Bezug auf sexuelle Versuchung und Sünde.
  3. Danach zu streben, ein positives Beispiel zu sein, und nach den biblischen Maßstäben der sexuellen Treue zu leben.

B) Als Mitglieder der Gemeinde verpflichten wir uns:

  1. Alles, was uns möglich ist, in der Gemeinde und Gesellschaft zu tun, um Treue in der Ehe und ein gesundes Familienleben zu stärken.
  2. Die Anwesenheit und den Beitrag der Ledigen, Verwitweten und Kinderlosen anzuerkennen und sicherzustellen, dass die Gemeinde eine einladende und stützende Familie in Christus ist, damit sie ihre Gaben in vollem Ausmaß in den Dienst der Gemeinde einbringen können.
  3. Uns den vielen Formen gestörter Sexualität in der uns umgebenden Kultur zu widersetzen, einschließlich Pornografie, Ehebruch und sexuelle Freizügigkeit.
  4. Die tiefen seelischen Probleme bezüglich ihrer Identität und Erfahrungen verstehen zu versuchen, die manche Menschen zur Homosexualität führen; ihnen die Liebe, das Mitgefühl und die Gerechtigkeit Christi weiterzugeben, und jede Form von Hass, verbalem und körperlichem Missbrauch sowie Schikane homosexueller Menschen abzulehnen.
  5. Uns daran zu erinnern, dass durch Gottes erlösende Gnade jedemr Mensch oder jede Situation verändert werden kann.

3. Wandelt in Demut und weist den Götzen der Macht ab[91]

In unserer Sünde und Gefallenheit setzen wir unsere Macht oft dazu ein, andere zu missbrauchen und auszunutzen. Wir verherrlichen uns selbst und beanspruchen die Überlegenheit unseres Geschlechts, unserer Rasse oder unserer gesellschaftlichen Stellung. Diesen Götzen des Stolzes und der Macht hält Paulus die Forderung entgegen, dass alle, die erfüllt sind mit dem Geist Gottes, sich um Christi willen einander unterordnen sollen. Diese gemeinsame Unterordnung und gegenseitige Liebe muss sich in der Ehe, in der Familie und in den sozioökonomischen Beziehungen ausdrücken.

A) Wir wünschen uns, dass alle christlichen Männer und Frauen, Eltern und Kinder, Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Lehre der Bibel befolgen, indem sie sich einander unterordnen, um Christus zu ehren.[92]

B) Wir ermutigen Pastoren, den Gläubigen zu helfen, die gegenseitige Unterordnung, die Gott von seinen Kindern verlangt, zu verstehen, ehrlich darüber zu diskutieren und sie zu praktizieren. In einer Welt der Gier, der Macht und des Missbrauchs ruft Gott seine Gemeinde dazu auf, ein Ort der sanftmütigen Demut und selbstlosen Liebe zu sein.

C) Wir rufen ganz besonders und dringend alle christlichen Ehemänner auf, das Gleichgewicht der Verantwortung in Paulus’ Lehre über Ehemänner und Ehefrauen zu beachten. Gegenseitige Unterordnung bedeutet, dass die Unterordnung einer Ehefrau ihrem Ehemann gegenüber, einem Mann gilt, dessen Liebe für sie und Fürsorge vorabgebildet ist in der sich selbst aufopfernden Liebe Jesu Christi für seine Gemeinde. Jegliche Art der Misshandlung einer Ehefrau, sei es verbal, emotional oder körperlich, ist unvereinbar mit der Liebe Christi – das gilt für jede Kultur.

Wir bestreiten, dass irgendeine kulturelle Tradition oder eine verzerrte biblische Auslegung das Schlagen einer Frau rechtfertigen kann. Es bekümmert uns, dass dies auch unter bekennenden Christen und selbst Pastoren und Leitern geschieht. Wir zögern nicht, dies als Sünde zu bezeichnen und rufen zur Buße und Abkehr davon auf.

4. Wandelt in Integrität und weist den Götzen des Erfolgs ab[93]

Das Reich des Gottes der Wahrheit kann nicht auf Fundamenten der Unehrlichkeit aufgebaut werden. Doch in unserem Verlangen nach “Erfolg” und “Ergebnissen” sind wir versucht, unsere Integrität durch übertriebene und verzerrte Behauptungen bis hin zu Lügen zu opfern. Im Licht zu wandeln, heißt jedoch “in … Gerechtigkeit und Wahrheit”.[94]

A) Wir rufen alle Gemeinde- und Missionsleiter dazu auf, der Versuchung zu widerstehen, in unserer Arbeit nicht vollkommen ehrlich zu sein. Wir sind unehrlich, wenn wir in unseren Berichten übertreiben, indem wir unbelegte Statistiken aufführen oder die Wahrheit aus Profitgründen verdrehen. Wir beten für eine reinigende Welle der Ehrlichkeit und dass diese Verzerrungen, Manipulationen und Übertreibungen aufhören. Wir bitten alle, die geistliche Arbeit finanziell unterstützen, keine unrealistischen Vorgaben für messbare und sichtbare Ergebnisse zu machen, die über das Maß der ordnungsgemäßen Rechenschaft hinausgehen. Lasst uns eine Kultur der völligen Transparenz und Integrität anstreben.

Wir entscheiden uns, im Licht und in der Wahrheit Gottes zu wandeln, denn der Herr prüft das Herz und freut sich über Aufrichtigkeit.[95]

5. Wandelt in Einfachheit und weist den Götzen der Gier ab[96]

Die weitverbreitete Verkündigung und Lehre des “Wohlstands-Evangeliums” löst große Besorgnis aus. Wir definieren das Wohlstands-Evangelium als eine Lehre, die den Gläubigen sagt, sie hätten ein Recht auf die Segnungen von Gesundheit und Reichtum und sie erhielten diese Segnungen durch positive Glaubensbekenntnisse und das “Säen von Samen” finanzieller oder materieller Art. Die Wohlstandslehre ist ein Phänomen, das sich in vielen Denominationen auf allen Kontinenten findet.[97]

Wir bestätigen die wunderbare Gnade und Kraft Gottes und begrüßen das Wachstum von Gemeinden und Diensten, die Menschen dazu anhalten, erwartungsvoll an den lebendigen Gott und seine übernatürliche Kraft zu glauben. Wir glauben an die Kraft des Heiligen Geistes. Jedoch verneinen wir, dass Gottes wundertätige Kraft als automatisch angesehen werden kann, sich durch menschliche Techniken einstellt oder durch menschliche Worte, Taten, Geschenke, Dinge oder Rituale manipuliert werden kann.

Wir bestätigen, dass es eine biblische Vision des menschlichen Wohlstands gibt, und dass die Bibel in ihrer Lehre materiellen Wohlstand (Gesundheit und Reichtum) in die Segnungen Gottes einschließt. Als unbiblisch betrachten wir jedoch die Lehre, dass geistlicher Wohlstand im Sinne von materiellem Wohlstand gemessen werden kann oder dass Reichtum immer ein Zeichen des Segens Gottes ist.

Die Bibel zeigt auf, dass Reichtum oftmals durch Unterdrückung, Betrug oder Korruption erworben wird. Ebenfalls verneinen wir, dass Armut, Krankheit oder ein früher Tod immer Zeichen eines Fluches Gottes sind, der Beweis mangelnden Glaubens oder das Ergebnis menschlicher Verfluchungen, denn die Bibel weist solche vereinfachenden Erklärungen zurück.

Wir akzeptieren, dass es gut ist, die Kraft und den Sieg Gottes hervorzuheben. Aber wir glauben, dass viele, die das Wohlstands-Evangelium nach Kräften fördern, die Bibel ernsthaft verfälschen; dass ihre Praktiken und ihr Lebensstil oft unethisch und nicht christusgemäß sind; dass sie gemeinhin echte Evangelisation durch “Wundersuche” ersetzen und statt einem Aufruf zur Buße einen Aufruf zum Spenden für die Organisation des Predigers tätigen. Es schmerzt uns, dass der Einfluss dieser Lehre in vielen Gemeinden seelsorgerlich schädlich und geistlich ungesund ist.

Wir bestätigen gerne und mit Nachdruck jede Initiative in Namen Jesu, die den Kranken Heilung bringen möchte oder nachhaltige Befreiung von Armut und Leiden. Das Wohlstands-Evangelium bietet keine nachhaltigen Lösungen für Armut und kann Menschen von der wahren Botschaft und Bedeutung der ewigen Erlösung ablenken. Aus diesen Gründen kann es ganz nüchtern als ein falsches Evangelium bezeichnet werden. Deshalb weisen wir die Auswüchse der Wohlstandslehre als unvereinbar mit ausgewogenem christlichem Glauben auf Basis der Bibel zurück.

A) Wir ermahnen Gemeinde- und Missionsleiter dringend, in Kontexten, wo das Wohlstands-Evangelium populär ist, die Lehre mit besonderer Aufmerksamkeit zu prüfen und mit der Lehre und dem Beispiel Jesu Christi zu vergleichen. Wir alle müssen ganz besonders die Bibeltexte interpretieren und lehren, die gemeinhin zur Stützung des Wohlstands-Evangeliums verwendet werden, und zwar in ihrem gesamten biblischen Kontext und im richtigen Gleichgewicht. Dort, wo die Wohlstandslehre im Zusammenhang mit Armut verkündigt wird, müssen wir ihr mit echter Barmherzigkeit und aufrichtigem Handeln entgegentreten, damit den Armen Gerechtigkeit und nachhaltige Veränderung zuteilwerden. Besonders wichtig ist jedoch, dass wir Eigeninteresse und Gier ersetzen durch die biblische Lehre der Opferbereitschaft und des großzügigen Gebens, als Zeichen wahrer Jüngerschaft Christi. Wir bejahen den historischen Aufruf von Lausanne zu einem einfacheren Lebensstil.

IIF Partnerschaften eingehen im Leib Christi für die Einheit in der Mission

Paulus lehrt uns, dass christliche Einheit von Gott geschaffen wurde, auf der Grundlage unserer Versöhnung mit Gott und untereinander. Diese doppelte Versöhnung wurde durch das Kreuz möglich gemacht. Wenn wir in Einheit leben und partnerschaftlich zusammenarbeiten, demonstrieren wir die übernatürliche und überkulturelle Kraft des Kreuzes. Aber wenn wir uns uneinig zeigen, indem wir nicht zur Zusammenarbeit bereit sind, schwächen wir unsere Mission und Botschaft und weisen die Kraft des Kreuzes ab.

1. Einheit in der Gemeinde

Eine geteilte Gemeinde kann einer geteilten Welt keine Botschaft übermitteln. Unsere Unfähigkeit, in einer versöhnten Einheit zu leben, ist ein Haupthindernis für eine authentische und erfolgreiche Mission.

A) Wir beklagen die Gespaltenheit und die Entzweiung unserer Gemeinden und Organisationen. Unser tiefer und dringender Wunsch ist es, dass Christen einen Geist der Gnade fördern und dem Befehl von Paulus folgen, alles zu tun, um die “Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens”[98] zu bewahren.

B) Obwohl wir wissen, dass es keine tiefere Einheit als die geistliche gibt, wünschen wir uns, dass die missionale Kraft der sichtbaren, praktischen und irdischen Einheit stärker anerkannt wird. Um unseres Auftrags und unseres gemeinsamen Zeugnisses willen fordern wir christliche Schwestern und Brüder in der ganzen Welt auf, der Versuchung zu widerstehen, den Leib Christi zu entzweien und – wo immer möglich – Wege zur Versöhnung und erneuernden Einheit zu suchen.

2. Partnerschaft in der globalen Mission

Bei Partnerschaft in der Mission geht es nicht nur um Effizienz. Sie ist die strategische und praktische Umsetzung unserer gemeinsamen Unterordnung unter Jesus Christus als dem Herrn. Allzu oft haben wir in der Mission Wege gewählt, die unsere eigenen Identitäten in den Vordergrund gestellt haben (ethnisch, konfessionell, theologisch usw.), und haben unsere Leidenschaften und Vorlieben nicht unserem Herrn und Meister untergeordnet. Die Vormachtstellung und Zentralität Jesu Christi in unserer Mission muss mehr sein als nur ein Bekenntnis des Glaubens – sie muss auch unsere Strategie, Praxis und Einheit bestimmen.

Wir freuen uns über das Wachstum und die Stärke der entstehenden Missionsbewegungen in der Mehrheitswelt und das Ende des alten Musters “vom Westen zum Rest der Welt”. Doch akzeptieren wir nicht, dass die Fackel der Missionsverantwortlichkeit von einem Teil der Weltgemeinde zu einem anderen übergeht. Es macht keinen Sinn, den früheren Triumphalismus des Westens abzulehnen, nur um denselben ungöttlichen Geist in Asien, Afrika oder Lateinamerika wieder auferstehen zu lassen. Keine ethnische Gruppe, kein Volk und kein Kontinent dürfen das exklusive Privileg für sich in Anspruch nehmen, sie seien diejenigen, die den Weltmissionsauftrag zu Ende führen. Nur Gott ist souverän.

A) Wir stehen als Gemeinde- und Missionsleiter in allen Teilen der Welt zusammen, dazu berufen, einander anzuerkennen und anzunehmen, und alle haben wir gleichermaßen Möglichkeiten, zur Weltmission beizutragen. Lasst uns, indem wir uns Christus unterordnen, jeden Argwohn, jede Konkurrenz und jeden Stolz beiseitelegen und bereit sein, von denen zu lernen, die Gott gebraucht, selbst wenn sie nicht von unserem Kontinent stammen, unsere spezifische Theologie nicht teilen und nicht unserer Organisation oder unserem Freundeskreis angehören.

B) In Partnerschaften geht es um mehr als nur um Geld, und oftmals korrumpiert und spaltet eine unkluge finanzielle Gabe die Gemeinde. Lasst uns endlich beweisen, dass die Gemeinde nicht nach dem Grundsatz arbeitet: Wer das meiste Geld hat, trifft die Entscheidung. Lasst uns nicht mehr von anderen Teilen der Gemeinde verlangen, unsere bevorzugten Namen, Slogans, Programme, Systeme und Methoden zu verwenden. Lasst uns stattdessen auf echte Gemeinsamkeit bauen, vom Norden zum Süden, vom Osten zum Westen, auf gegenseitige Abhängigkeit im Geben und Empfangen und auf Respekt und Würde, die wahre Freunde und echte Partner in der Mission auszeichnen.

3. Männer und Frauen in Partnerschaft

Die Schrift sagt uns, dass Gott Männer und Frauen nach seinem Ebenbild erschaffen und ihnen gemeinsam die Herrschaft über die Erde gegeben hat. Die Sünde kam in das Leben und die Menschheitsgeschichte, weil Mann und Frau gemeinsam gegen Gott rebellierten. Durch das Kreuz Christi brachte Gott den Männern und Frauen gleichermaßen die Erlösung, Annahme und Einheit. An Pfingsten goss Gott den Geist der Prophetie auf alle Menschen aus, auf die Söhne wie auf die Töchter. Deshalb sind Frauen und Männer gleichwertig in der Schöpfung, Sünde, Erlösung und im Geist.[99]

Wir alle, Frauen und Männer, Verheiratete und Alleinstehende, sind dafür verantwortlich, die Gaben Gottes zum Wohle anderer einzusetzen, als Haushalter der Gnade Gottes und zum Preis und zur Ehre Christi. Deshalb sind wir auch alle dafür verantwortlich, alle Gläubigen zu befähigen, die Gaben ausüben zu können, die Gott für jeden Dienst in der Gemeinde gegeben hat.[100] Wir sollen nicht den Geist behindern, indem wir den Dienst eines anderen verachten.[101] Ferner sind wir entschlossen, den Dienst innerhalb des Leibes Christi als eine Gabe und Verantwortung anzusehen, zu dem wir berufen sind, und nicht als ein Recht oder eine Stellung, die wir einfordern können.

A) Wir befürworten die historische Position von Lausanne: “Wir bekräftigen, daß die Gaben des Geistes dem ganzen Volk Gottes, Frauen und Männern, gegeben sind und daß die Partnerschaft von Frau und Mann in der Evangelisation zum gemeinsamen Wohl zu begrüßen ist.”[102] Wir erkennen den großen und aufopfernden Beitrag an, den Frauen in der Weltmission leisten, indem sie Männern und Frauen seit biblischen Zeiten bis heute dienen.

B) Wir erkennen, dass es unterschiedliche aufrichtig gemeinte Ansichten gibt unter denjenigen, die der Bibel treu und gehorsam sein wollen. Manche schließen aus der apostolischen Lehre, dass Frauen weder lehren noch predigen sollen oder dass sie das tun können, jedoch nicht in alleiniger Autorität über Männer. Andere interpretieren die geistliche Gleichheit der Frauen, die Ausübung der aufbauenden Gabe der Prophetie durch Frauen in der Gemeinde des Neuen Testaments sowie ihre Rolle als Gastgeberinnen der Gemeinde in ihren Häusern als einen Hinweis darauf, dass die geistlichen Gaben des Lehrens und Leitens im Dienst von Männern und Frauen empfangen und ausgeübt werden können.[103] Wir rufen all jene auf, die auf unterschiedlichen Seiten der Argumentation stehen:

  1. Einander in strittigen Fragen ohne Verurteilung anzunehmen, denn, obwohl wir unterschiedlicher Meinung sein können, haben wir keinen Grund zur Spaltung, zu destruktivem Reden oder gottlosen Anfeindungen.[104]
  2. Aufmerksam gemeinsam die Bibel zu studieren und den Kontext und die Kultur der ursprünglichen Autoren und die der heutigen Leser zu berücksichtigen.
  3. Zu erkennen, dass dort, wo wir echte Schmerzen vorfinden, Barmherzigkeit angebracht ist, dort, wo Ungerechtigkeit und Mangel an Integrität herrscht, wir dagegen angehen müssen und wo bei einer Schwester oder einem Bruder Widerstand ersichtlich ist gegen das manifestierte Wirken des Heiligen Geistes, wir Buße tun müssen.
  4. Sich zu einem Muster des Dienens verpflichten, ob Mann oder Frau, das nicht weltliches Streben nach Macht und Einfluss widerspiegelt, sondern die Dienerschaft von Jesus Christus.

C) Wir ermutigen die Gemeinden, gottesfürchtige Frauen anzuerkennen, die Lehrerinnen und Vorbilder im Guten sind, wie es Paulus befohlen hat,[105] und die Türen weiter zu öffnen, damit Frauen mehr Gelegenheiten bekommen, im Bereich von Bildung, Gottesdienst und Leiterschaft zu arbeiten, besonders in Kontexten, in denen das Evangelium ungerechte kulturelle Traditionen herausfordert. Wir fordern, dass Frauen nicht mehr daran gehindert werden, Gottes Gaben auszuüben oder dem Ruf Gottes in ihrem Leben zu folgen.

4. Theologische Ausbildung und die Mission

Das Neue Testament weist uns auf die enge Verbindung zwischen Evangelisation und Gemeindegründung hin (z.B. beim Apostel Paulus) und auf die Arbeit des “Begießens” der Gemeinden (z. B. bei Timotheus und Apollos). Beide Aufgaben sind Teil des Weltmissionsbefehls, wobei Jesus das “zu Jüngern machen” im Sinne von Evangelisieren darstellt: indem “ihr sie tauft”) und “sie alles lehrt, was ich euch befohlen habe”.[106] Theologische Ausbildung ist Teil der Mission und geht über das Evangelisieren hinaus.[107]

Die Aufgabe der Gemeinde in der Welt ist es, dem Auftrag Gottes zu dienen, und die Aufgabe der theologischen Ausbildung ist es, den Auftrag der Gemeinde zu stärken und sie zu begleiten. Theologische Ausbildung dient zunächst denjenigen, die die Gemeinde als Pastoren/Lehrer leiten, und soll sie dazu ausrüsten, die Wahrheit des Wortes Gottes treu, relevant und klar zu lehren. Zweitens soll sie alle Menschen Gottes für die missionale Aufgabe ausrüsten, Gottes Wahrheit richtig zu verstehen und in allen kulturellen Kontexten entsprechend zu kommunizieren. Theologische Ausbildung engagiert sich in geistlicher Kampfführung, um “Festungen zu zerstören. Wir zerstören damit Gedanken und alles Hohe, das sich erhebt gegen die Erkenntnis Gottes, und nehmen gefangen alles Denken in den Gehorsam gegen Christus.”[108]

A) Alle, die Gemeinden und Missionsorganisationen leiten, müssen erkennen, dass theologische Ausbildung an sich missional ist. Alle, die theologische Ausbildung anbieten, müssen sicherstellen, dass sie zielgerichtet missional ist, denn ihr Platz innerhalb der Akademie ist kein Selbstzweck, sondern dazu da, dem Auftrag der Gemeinde in der Welt zu dienen.

B) Theologische Ausbildung steht in Verbindung mit allen Formen von missionalen Aufgaben. Wir werden alle ermutigen und unterstützen, die bibeltreue theologische Ausbildung anbieten, formal und nichtformal, auf lokalen, nationalen, regionalen und internationalen Ebenen.

C) Wir äußern den dringenden Wunsch, dass Institutionen und theologische Ausbildungsprogramme eine “missionale Revision” ihrer Curricula, ihrer Strukturen und ihrer Ethik durchführen, um sicherzustellen, dass diese wirklich den Erfordernissen und Möglichkeiten dienen, denen sich die Gemeinde in der jeweiligen Kultur gegenübersteht.

D) Wir wünschen uns, dass alle Gemeindegründer und theologische Ausbilder die Bibel in das Zentrum ihrer Partnerschaften stellen, nicht nur, was die Lehre betrifft, sondern auch in der Praxis. Für Evangelisten muss die Bibel in Bezug auf Inhalt und Autorität die wichtigste Quelle ihrer Botschaft sein. Theologische Ausbilder müssen das Bibelstudium wieder zur Kerndisziplin der christlichen Theologie machen, in das alle anderen Bereiche des Studiums und der Anwendung integriert werden. Doch muss die theologische Ausbildung vor allem Pastoren/Lehrer für ihre Hauptverantwortlichkeit ausrüsten, dem Verkündigen und Lehren der Bibel.[109]

 

SCHLUSSFOLGERUNG

Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber. Gottes Geist war in Kapstadt und rief die Gemeinde Christi dazu auf, Botschafter der versöhnenden Liebe Gottes für die Welt zu sein. Gott machte die Verheißung seines Wortes wahr, als sein Volk im Namen Jesu zusammenkam, denn der Herr Jesus Christus selbst wohnte und wandelte unter uns.[110]

Wir strebten danach, die Stimme des Herrn Jesus Christus zu hören. Und in seiner Gnade, durch seinen Heiligen Geist, sprach Christus zu seinem hörenden Volk. Viele Stimmen kamen immer wieder auf zwei Themen zurück, sei es bei der Bibelauslegung, den Plenaransprachen oder den Gruppendiskussionen:

  • Die Notwendigkeit einer radikalen, gehorsamen Jüngerschaft, die zur Reife führt, zu einem Wachstum in die Tiefe und zu einem Wachstum an
  • Die Notwendigkeit zu einer radikalen Versöhnung, die im Kreuz ihr Zentrum hat, die zur Einheit führt, zum Wachstum in der Liebe wie auch zum Wachstum im Glauben und der Hoffnung.

Jüngerschaft und Versöhnung sind unverzichtbar für unsere Mission. Wir beklagen den Skandal unserer Oberflächlichkeit und unserer mangelhaften Nachfolge Jesu, den Skandal unserer Uneinigkeit und den Mangel an Liebe. Denn beide schädigen ernsthaft unser Zeugnis für das Evangelium.

In diesen beiden Herausforderungen erkennen wir die Stimme des Herrn Jesus Christus, denn sie entsprechen zwei der nachdrücklichsten Aussagen, die Jesu an die Gemeinde richtete, aufgezeichnet in den Evangelien. Im Matthäusevangelium gab uns Jesus unseren wichtigsten Auftrag: Jünger unter allen Nationen zu machen. Im Johannesevangelium zeigte uns Jesus die wichtigste Methode: einander zu lieben, damit die Welt erkennt, dass wir Jünger Jesu sind. Es sollte uns freuen und nicht überraschen, die Stimme unseres Meisters zu hören, wenn Christus dieselben Dinge 2,000 Jahre später zu seinen Menschen sagt, die aus der ganzen Welt zusammengekommen sind. Macht zu Jüngern. Liebet einander.

Zu Jüngern machen

Der biblische Auftrag verlangt, dass alle, die Jesu Namen geltend machen, so sein sollen wir er, indem sie ihr Kreuz auf sich nehmen, sich selbst verleugnen und ihm nachfolgen auf den Wegen der Demut, Liebe, Integrität, Großzügigkeit und des Dienens. Scheitern bei der Jüngerschaft und dabei Menschen zu Nachfolgern Jesu zu machen, bedeutet, auf der grundlegenden Ebene unseres Auftrags zu scheitern. Wir hören wieder ganz neu aus den Büchern des Evangeliums den Ruf Jesu Christi an seine Gemeinde: “Kommt und folgt mir nach” und “Geht und macht zu Jüngern.”

Liebet einander

Dreimal wiederholte Jesus: “Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt.”[111] Dreimal betete Jesus “damit sie alle eins seien, Vater”.[112] Beide, der Befehl und das Gebet, sind missional. “Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.”[113] “Damit sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.[114]. Jesus hätte diesen Punkt nicht deutlicher herausstellen/betonen können. Die Evangelisierung der Welt und die Anerkennung der Göttlichkeit Christi werden entweder gefördert oder behindert, je nachdem, ob wir ihm in der Praxis gehorsam sind. Wir hören den Ruf Jesu und seiner Apostel wieder ganz neu: “Liebet einander”, “seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens.”[115] Im Interesse der Mission Gottes erneuern wir unsere Verpflichtung, dieser Botschaft, die wir “von Anfang an”[116] gehört haben, gehorsam zu sein.

Die Welt wird Jesus erkennen, dessen Jünger wir sind, und auch den Vater kennen lernen, der ihn gesandt hat, wenn Christen in der versöhnten Einheit der Liebe leben, durch die Kraft des Heiligen Geistes.

Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, und auf der einzigen Grundlage des Glaubens in Gottes ewiger Barmherzigkeit und errettenden Gnade, beten wir und sehnen uns ernstlich nach einer Reformation der biblischen Jüngerschaft und einer Revolution der christusgemäßen Liebe. 

Dies ist unser Gebet und wir übernehmen diese Verpflichtung um des Herrn willen, den wir lieben, und um der Welt willen, der wir in seinem Namen dienen. 

 

 


[1] Das englische Original findet sich unter: http://www.lausanne.org/en/documents/ctcommitment.html.

[2] Galater 5,6; Johannes 14,21; 1. Johannes 4,9.19.

[3] Matthäus 22,37-40; Römer 13,8-10; Galater 5,22; 1. Petrus 1,22; 1. Johannes 3,14; 4,7-21; Johannes 13,34f; Johannes 1,18 + 1. Johannes 4,12; 1. Thessalonicher 1,3; 1. Korinther 13,8.13.

[4] 5. Mose 7,7-9; Hosea 2,19-20; 11,1; Psalm 103; 145,9.13.17; Galater 2,20; 5. Mose 10,12-19.

[5] 5. Mose 6,4.5; Matthäus 22,37; 3.Mose 19,18.34; Matthäus 5,43-45; Johannes 15,12; Epheser 4,32; Johannes 3,16.17.

[6] Römer 5,5; 2. Korinther 5,14; Offenbarung 2,4.

[7] 5. Mose 4,35, 39; Psalm 33,6-9; Jeremia 10,10-12; 5. Mose 10,14; Jesaja 40,22-24; Psalm 33,10f, 13-15; Psalm 96,10-13; Psalm 36,6; Jesaja 45,22.

[8] 5. Mose 4 und 6.

[9] John Stott: The Message of Romans. The Bible Speaks Today, Leicester and Downers Grove 1994, 53.

[10] Psalm 138,2.

[11] Johannes 14,6; Römer 8,14f; Matthäus 6,9; Johannes 14,21-23.

[12] 5. Mose 32,6.18; 1,31; 8,5; Jesaja 1,2; Malachi 1,6; Jeremia 3,4.19; 31,9; Hosea 11,2; Psalm 103,13; Jesaja 63,16; 64,8f.

[13] Johannes 3,16; 1. Johannes 3,1; Römer 8,32; Hebräer 9,14; Galater 2,20; Galater 1,4.5.

[14] Matthäus 5,9.16.43-48; 6,4.6.14-15.18.25-32; 7,21-23.

[15] Johannes 1,3; 1. Korinther 8,4-6; Hebräer 1,2; Kolosser 1,15-17; Psalm 110,1; Markus 14,61-64; Epheser 1,20-23; Offenbarung 1,5; 3,14; 5,9f; Römer 2,16; 2. Thessalonicher 1,5-10; 2. Korinther 5,10; Römer 14,9-12; Matthäus 1,21; Lukas 2,30; Apostelgeschichte 4,12; 15,11; Römer 10,9; Titus 2,13; Hebräer 2,10; 5,9; 7,25; Offenbarung 7,10.

[16] Lukas 6,46; 1. Johannes 2,3-6; Matthäus 7,21-23.

[17] Matthäus 16,16; Johannes 20,28; 1. Petrus 1,8; 1. Johannes 3,1-3; Apostelgeschichte 4,12.

[18] 1. Mose 1,1f; Psalm 104,27-30; Hiob 33,4; 2. Mose 35,30-36,1; Richter 3,10; 6,34; 13,25; 4. Mose 11.16f.29; Jesaja 63,11-14; 2. Petrus 1,20f; Micha 3,8; Nehemia 9,20.30; Sacharia 7,7-12; Jesaja 11,1-5; 42,1-7; 61,1-3; 32,15-18; Hesekiel 36,25-27; 37,1-14; Joel 2,28-32.

[19] Apostelgeschichte 2; Galater 5,22f; 1. Petrus 1,2; Epheser 4,3-6; 1. Korinther 12,4-11; Johannes 20,21f; 14,16f.25f; 16,12-15; Römer 8,26f; Epheser 6,10-18; Matthäus 10,17-20; Lukas 21,15.

[20] Psalm 119,47.127; 2. Timotheus 3,16f; 2. Petrus 1,21.

[21] 5. Mose 30,14; Matthäus 7,21-27; Lukas 6,46; Jakobus 1,22-24.

[22]Manifest von Manila, Art. 7 (http://www.lausannerbewegung.de/http://www.lausannerbewegung.de/data/files/content.publikationen/85.pdf); Titus 2,9.10.

[23] Psalm 145,9.13.17; Psalm 104,27-30; Psalm 50,6; Markus 16,15; Kolosser 1,23; Matthäus 28,17-20; Habakuk 2,14.

[24] Psalm 24,1; 5. Mose 10,14.

[25] Kolosser 1,15-20; Hebräer 1,2.3.

[26] Apostelgeschichte 17,26; 5. Mose 32,8; 1. Mose 10,31f; 12,3; Offenbarung 7,9.10; Offenbarung 21,24-27.

[27] Apostelgeschichte 10,35; 14,17; 17,27.

[28] Psalm 145,9.13.17; 147,7-9; 5. Mose 10,17f.

[29] 1. Mose 18,19; 2. Mose 23,6-9; 5. Mose 16,18-20; Hiob 29,7-17; Psalm 72,4; 12-14; 82; Sprüche 31,4-9; Jeremia 22,1-3; Daniel 4,27.

[30] 2. Mose 22,21-27; 3. Mose 19,33f; 5. Mose 10,18f; 15,7-11; Jesaja 1,16f; 58,6-9; Amos 5,11-15; 21-24; Psalm 112; Hiob 31,13-23; Sprüche 14,31; 19,17; 29,7; Matthäus 25,31-46; Lukas 14,12-14; Galater 2,10; 2. Korinther 8f; Römer 15,25-27; 1. Timotheus 6,17-19; Jakobus 1,27; 2,14-17; 1. Johannes 3,16-18.

[31]Lausanner Verpflichtung, Art. 5 (www.lausannerbewegung.de/www.lausannerbewegung.de/data/files/content.publikationen/55.pdf).

[32] 3. Mose 19,34; Matthäus 5,43f.

[33] Matthäus 5,38f; Lukas 6,27-29; 23,34; Römer 12,17-21; 1. Petrus 3,18-23; 4,12-16.

[34] Römer 13,4.

[35] 1. Johannes 2,15-17.

[36] 1. Mose 3; 2. Thessalonicher 1,9.

[37] Markus 1,1; 14f; Römer 1,1-4; Römer 4, 1. Korinther 15,3-5; 1. Petrus 2,24; Kolosser 2,15; Hebräer 2,14f; Epheser 2,14-18; Kolosser 1,20; 2. Korinther 5,19.

[38] Römer 4; Philipper 3,1-11; Römer 5,1f; 8,1-4; Epheser 1,7; Kolosser 1,13f; 1. Petrus 1,3; Galater 3,26-4,7; Epheser 2,19-22; Johannes 20,30f; 1. Johannes 5,12f; Römer 8,31-39.

[39]Römer 1,16.

[40] Galater 5,6.

[41] Epheser 2,10.

[42] Jakobus 2,17.

[43] Titus 2,11-14.

[44] Römer 15,18f; 16,19; 2. Korinther 9,13.

[45] Römer 1,5; 16,26.

[46] 1. Mose 15,6; Galater 6,6-9; Hebräer 11,8; 1. Mose 22,15-18; Jakobus 2,20-24.

[47] Römer 8,4.

[48] Johannes 14,21.

[49] 1. Johannes 2,3.

[50] 2. Thessalonicher 2,13f; 1.Johannes 4,11; Epheser 5,2; 1. Thessalonicher 1,3; 4,9f; Johannes 13,35.

[51] Johannes 13,34f; 17,21.

[52] Hebräer 13,1-3; 1. Korinther 12,26; Offenbarung 1,9.

[53] Offenbarung 3,17-20.

[54] Epheser 1,9-10; Kolosser 1,20; 1. Mose 1-12; Offenbarung 21-22.

[55] 1.Petrus 2, 9-12.

[56]Lausanner Verpflichtung, Art. 4 und 5.

[57] Micha-Netzwerk “Erklärung zur integralen Mission”.

[58] 1. Thessalonicher 1,3.

[59] Epheser 2,10.

[60] Kolosser 3,23.

[61] Denn “die Universität ist ein eindeutiger Dreh- und Angelpunkt, der die Welt bewegt. Die Gemeinde kann sich und der Sache des Evangeliums nichts Besseres antun, als zu versuchen, die Universitäten wieder für Christus zu gewinnen. Mehr als alles andere gilt: Verändere die Universität und du veränderst die Welt.” Charles Habib Malik, ehemaliger Präsident der UN-Vollversammlung, in seinen Pascal Vorträgen 1981: A Christian Critique of the University.

[62] Epheser 1,10; 2,1-16; 3,6; Galater 3,6-8 (siehe auch Sektion VI über das Thema “Einheit und Partnerschaft innerhalb der Gemeinde.)

[63] Epheser 2,11-22; Römer 3,23; Römer 10,12f; Epheser 2,18.

[64] 5. Mose 32,8; Apostelgeschichte 17,26.

[65] Offenbarung 7,9; 21,3, wo es heißt: “sie werden sein Volk sein”.

[66] Apostelgeschichte 4,32-37; Galater 2,9f; Römer 15,23-29; 2. Korinther 8f.

[67] 2. Korinther 5,16.

[68] Johannes 9,1-3.

[69]Das Manifest von Manila, Paragraph 12.

[70] 1. Petrus 3,15f. Vgl. Apostelgeschichte 19,37.

[71] 2. Korinther 12,9f; 4,7-10.

[72]Das Manifest von Manila, Paragraph 12.

[73] 2. Korinther 2,15.

[74] Apostelgeschichte 11,20-24.

[75] Apostelgeschichte 15,19.

[76] Römer 14,1-3.

[77] 1. Mose 50,20.

[78] 3. Mose 19,33f; 5. Mose 24,17; Ruth 2; Hiob 29,16; Matthäus 25,35f; Lukas 10,25-37; 14,12-14; Römer 12,13; Hebräer 13,2f; 1. Petrus 4,9.

[79] Jeremia 29,7.

[80] Jeremia 29,7; 1. Petrus 2,13-17; 1. Timotheus 2,1f; Römer 13,1-7; 2. Mose 1,15-21; Daniel 6; Apostelgeschichte 3,19f; 5,29.

[81] Apostelgeschichte 16,9.

[82] Epheser 4,11f.

[83] 1. Timotheus 3,1-13; Titus 1,6-9; 1. Petrus 5,1-3.

[84] Jeremia 29,7.

[85] Markus 9,33-37.

[86] Obwohl es in verschiedenen Übersetzungen anders heißt, beinhalten die folgenden Texte alle sinngemäß das Wort “wandeln”: Epheser 2,2.10; 4,1.17; 5,2.8.15.

[87] Epheser 4,17-32.

[88] Epheser 4,24.

[89] Epheser 5,1-7.

[90] Epheser 5,31; 2,15.

[91] Epheser 5,15-6,4.

[92] Epheser 5,21.

[93] Epheser 5,8f.

[94] Epheser 5,10.

[95] 1. Chronik 29,17.

[96] Epheser 5,5.

[97] S. auch den vollständigen Text von: The Akropong Statement, a critique of Prosperity Gospel (Der Akropong-Bericht, eine Kritik des Wohlstands-Evangeliums), erstellt durch afrikanische Theologen, einberufen durch die Lausanner Theologische Arbeitsgruppe, unter: www.lausanne.org/ akropong.

[98] Epheser 4,3.

[99] 1. Mose 1,26-28; 3; Apostelgeschichte 2,17f; Galater 3,28; 1. Petrus 3,7.

[100] Römer 12,4-8; 1. Korinther 12,4-11; Epheser 4,7-16; 1. Petrus 4,10f.

[101] 1. Thessalonicher 5,19f; 1. Timotheus 4,11-14.

[102]Das Manifest von Manila, Affirmation 14.

[103] 1. Timotheus 2,12; 1. Korinther 14,33-35; Titus 2,3-5; Apostelgeschichte 18,26; 21,9; Römer 16,1-5.7; Philipper 4,2f; Kolosser 4,15; 1. Korinther 11,5; 14,3-5.

[104] Römer 14,1-13.

[105] Titus 2,3-5.

[106] Matthäus 28, 18-20.

[107] Kolosser 1,28f; Apostelgeschichte 19,8-10; 20,20.27; 1. Korinther 3,5-9.

[108] 2. Korinther 10,4f.

[109] 2. Timotheus 2,2; 4,1f; 1. Timotheus 3,2b; 4,11-14; Titus 1,9; 2,1.

[110] 3. Mose 26,11f; Matthäus 18,20; 28,20.

[111] Johannes 13,34; 15,12; 17.

[112] Johannes 17,21-23.

[113] Johannes 13,35.

[114] Johannes 17,21.

[115] Epheser 4,1-6; Kolosser 3,12-14; 1. Thessalonicher 4,9-10; 1. Petrus 1,22; 1. Johannes 3,11-14; 4,7-21.

[116] 1. Johannes 3,11.

25 Jan 2011

Foundational Statements

2010 Cape Town

Menschen bei der Arbeit: Die Gemeinde in den Arbeitsort Integrieren

by Willy Kotiuga

Anmerkung der Redaktion: Dieser Vorabbericht zu Kapstadt 2010 wurde von Willy Kotiuga geschrieben und stellt eine Übersicht dar zum Thema „Deinen Arbeitsort auf den Glaubensweg vorbereiten“, welches bei der Multiplex-Session diskutiert wird. Stellungnahmen zu diesem Bericht durch die Lausanner globalen Gespräche werden an die Autoren und andere Personen weitergeleitet und sollen dabei helfen, die endgültige Präsentation beim Kongress festzulegen.

Zusammenfassung

Eine der größten „nicht-aktivierten“ Menschengruppen trifft man am Arbeitsplatz an, und dies in allen Ländern und Kontinenten. Der Arbeitsplatz ist der Ort, an dem die Mehrheit der Weltbevölkerung eine Tätigkeit ausübt, um ein Einkommen zur Unterstützung der Familie zu erwerben.  In allen Segmenten der Arbeitswelt finden sich Gläubige, die eine persönliche Beziehung zu Gott haben. Manche von ihnen sind sehr erfolgreich darin, andere an ihrem Arbeitsort einzuladen, sie auf ihrem „Weg“ zu begleiten, während andere den Arbeitsort als etwas sehen, an dem lediglich ihr Verhalten durch den Glauben bestimmt wird, aber nicht viel mehr. Die Felder sind reif für die Ernte und an den Arbeitsorten gibt es viele Arbeiter, doch nur ein kleiner Prozentsatz von ihnen ist wirklich damit beschäftigt, Hoffnung in eine Welt zu bringen, die nach Hoffnung Ausschau hält.

Obwohl bei der theologischen Aussage, Salz und Licht zu sein, kaum Widerspruch besteht, ist die Realität der gegenwärtigen Situation doch so, dass wir unserer Verantwortung nicht gerecht werden, Jesus nachdrücklich als den Erretter zu deklarieren. In diesem Bericht finden wir heraus, wo wir heute stehen, zeigen die vielen positiven Entwicklungen des Dienstes am Arbeitsplatz auf und schauen die Hindernisse an, die uns abhalten, dorthin zu gelangen, wo Gott uns haben möchte, damit eine nachhaltige Entwicklung entstehen kann und die Gläubigen am Arbeitsplatz richtig ausgerüstet werden, um den Auftrag Gottes zu erfüllen.

1         Der Kontext (Biblische Basis) 

Wir sind berufen, in die ganze Welt zu gehen – und das beinhaltet die Welt, in die Gott uns gesetzt hat. Wo immer sich auch unser Einflussbereich befindet, dort sollen wir Salz und Licht sein, und die Welt soll dies sehen. Diese Berufung macht keinen Unterschied zwischen professionell Dienenden in christlichen Gemeinden oder Organisationen und denen, die ganz normale Berufe ausüben. Selbst Jesus lebte sein Leben als Zimmermann bis es Zeit war, während der letzten zehn Prozent seines Lebens das Reich Gottes allen Menschen vollzeitlich nahe zu bringen.

Es gibt viele Beispiele biblischer Helden, die uns vorleben, wie sie ihre Geschäfte am Arbeitsplatz führten und dabei den Glauben integrierten. Das eine gemeinsame Element in all den Geschichten ist, dass ihr Glaubensweg und ihr Berufsweg ein und dasselbe und Glaube und Arbeit voneinander abhängig waren. Es gab keine Abgrenzung zwischen Arbeit und Spiritualität, weil sie ihren Glauben vierundzwanzig Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche auslebten (24/7).

Josefs Glauben stärkte ihn nicht nur durch vier verschiedene Karrieren hindurch (Familienbetrieb, Haushalts-Management, Gefängnisverwaltung, öffentlicher Dienst), sondern war auch in allen seinen Positionen ein Schlüsselelement seines Aufstiegs an die Spitze. Paulus gebrauchte seine Fähigkeiten als Zeltmacher nicht nur, um damit seine missionarischen Unternehmungen zu finanzieren, sondern auch dazu, eine Zuhörerschaft zu erreichen, die nicht die Möglichkeit hatte, an öffentlichen Diskussionen über Glaubensfragen teilzunehmen. Daniel stieg zum höchsten Rang auf, weil er Weisheit von Gott hatte und wegen seines unerschütterlichen Vertrauens auf Gottes Prinzipien – ungeachtet dessen, dass er sein Leben riskierte. Alle Aspekte ihrer Arbeit waren Gaben hervorragender Leistungen, die sie Gott darbrachten.

2         Unsere heutige Situation

Die biblischen Beispiele waren bei der Gründung vieler Organisationen eine Inspiration, die auf unterschiedliche Arten Gemeinschaften rund um die Welt erreichten. Paulus’ Fähigkeiten, Zelte zu machen, inspirierten eine Generation von Zeltmachern, ihre beruflichen Fähigkeiten als Eingangspunkt zu Kulturen zu benutzen, in die normalerweise kein Zugang zu „formeller“ Missionsarbeit möglich gewesen wäre. Die „Business as Mission“ (BAM) –Bewegung (Geschäft als Mission) ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie Gott durch Menschen wirkt, die sich entschieden haben, das Evangelium durch ihre von Gott gegebenen Fähigkeiten auszuleben.

Überall auf der Welt haben Männer und Frauen des Glaubens die Gemeinde auf unterschiedliche kreative Weise an ihre Arbeitsorte gebracht. Heute treffen sich Menschen zum Bibelstudium in kleinen Firmen wie auch in großen Unternehmen. Diese Studien sind nicht nur eine Ermutigung für diejenigen, die dabei mitmachen, sondern erinnern auch daran, dass es eine 24/7-Verantwortung gibt, den Glauben auszuleben, der weit über die lokalen Gemeindeversammlungen hinausreicht. Viele dieser Bibelstudien waren Türöffner für suchende Mitarbeiter, Gott zu finden, indem sie dadurch die Bedeutung des Glaubens im Alltag entdeckten.

Beruflich gegründete christliche Gemeinschaften oder Gesellschaften bringen Menschen innerhalb derselben Fachrichtungen zusammen und sind eine gegenseitige Quelle der Ermutigung. Sie erkunden, wie sie ihre beruflichen Fähigkeiten erfolgreich dazu nutzen können, hier auf Erden Gottes Reich zu bauen.

Doch das Leben im Glauben und das Leben im Berufsalltag ist nicht immer parallel ausgerichtet. Wir leben in einem säkularen vs. heiligen Denkmuster, welches die Gemeinde davon absondert, was am Arbeitsplatz geschieht. In diesem Denkmuster wird der Glaube in erster Linie innerhalb des Gemeindegebäudes ausgedrückt sowie bei Anlässen, die von der Gemeinde organisiert oder gutgeheißen werden. Dieser Glaube reicht nicht unbedingt in die Arbeitsumgebung hinein, wo sich die Menschen vierzig Stunden in der Woche neben Menschen aufhalten, in deren Welt das Evangelium unbekannt ist.

In der Arbeitswelt gibt es viele „Arbeiter”, die nicht ihr ganzes Potential einsetzen, die  Gute Nachricht zu verbreiten. Den Glauben leben bedeutet mehr als nur ein gutes Vorbild bei der Arbeit zu sein. Der Auftrag, Menschen zu Jüngern zu machen, verlangt von uns, den Glauben so zu leben, dass wir bewusst andere dazu einladen, sich uns auf unserem Glaubensweg anzuschließen. Das Abkoppeln von Theologie und Praxis hinterließ viele Menschen mit einer „unvollständigen“ Berufung. Wir arbeiten, weil Gott es vorgesehen und angeordnet hat, dass wir Seinem ursprünglichen Auftrag gehorsam sein sollen, und weil Er möchte, dass wir die Gute Nachricht weitergeben.

3         Ernsthafte Fragen

Was ist geschehen, dass es uns nicht gelingt, die Milliarden von Menschen zu erreichen, die neben denen arbeiten, die eine persönliche und lebendige Beziehung zu Gott haben? Innerhalb der zunehmenden multiethnischen Arbeitssituation in der westlichen Welt bedeutet das Vordringen in die Arbeitsumgebung eine einmalige Gelegenheit, das Leben von Menschen in allen Ländern der Welt zu erreichen.

In der Gemeinde hören wir, dass wir in die ganze Welt gehen sollen; doch die Gemeinde zeigte sich kraftlos, die Gläubigen mit gutem Werkzeug auszurüsten und mit dem  richtigen Verständnis dafür, wie Gott die Arbeitswelt sieht. Wie wir unsere Arbeit anschauen beeinflusst, wie wir uns dort benehmen. Sehen wir die Arbeit an als ein notwendiges Übel oder als eine großartige Gelegenheit? Wenn es ein notwendiges Übel ist, dann wird alles, was mit der Arbeit zu tun, weniger als heilig sein.

Unser Verhalten und unsere Werte werden durch unseren Glauben und durch die Lehre geformt, die wir in der Gemeinde hören. Doch leider ist in einer zunehmend pluralistischen Gesellschaft „nett sein“ nicht genug. Kennen wir die Herzen unserer Arbeitskolleginnen und –kollegen? Sehen wir sie so, wie Jesus sie sieht? Ist unsere Leidenschaft, die wir in der Gemeinde zeigen, groß genug, dass wir uns auch am Arbeitsplatz verantwortlich fühlen, dass wir andere einladen, uns auf unserem Glaubensweg zu folgen? Die Hingabe, die wir bei den Versammlungen in unseren Gemeinden zeigen, reicht sie aus für eine praktizierende Liebe gegenüber unseren Kolleginnen, Kollegen und Kunden, wenn wir auf uns allein gestellt sind? Die strategische Bedeutung des Arbeitsplatzes entsteht hauptsächlich daraus, dass wir immer von Kollegen, Konkurrenten, Kunden und Klienten umgeben sind. Die meisten von uns führen Tag für Tag Gespräche mit Ungläubigen.

Lehre, Training und Werkzeug sind notwendig, um die Ernte einzubringen, die auf uns wartet – aber sie sind nicht genug. Unser Verständnis und unsere Herzen müssen erweitert werden, um die „Säkularen“ als etwas zu sehen, das Gott heilig machen möchte. Jeder von uns hat die Verantwortung, dies zu tun – nicht durch eigene Kraft, sondern durch die Kraft des Heiligen Geistes. Allein können wir das nicht tun, aber in Partnerschaft mit Gott. Ein gesundes Verständnis dafür, wie wir zusammen mit Gott am Arbeitsplatz etwas bewirken können, wird uns einen großen Schritt voranbringen, die Gemeinde in den Arbeitsplatz zu integrieren.

4         Wo wollen wir sein?

In einem heiligen Arbeitsumfeld findet man ein lebendiges und einschlägiges Bekunden des Glaubens, befähigt durch eine Bewegung des Heiligen Geistes und unterstützt durch dynamische, stärkende und belebende Gebete der lokalen Gemeinde. Der Arbeitsort ist eines der wenigen Umfelder, in denen Gläubige vierzig Stunden in der Woche Zugang zu Zuhörern haben. Er ist geradezu ideal, um das Evangelium einzubetten und ein Leben vorzuleben, das Gnade und Wahrheit reflektiert. Es gibt sehr wenige evangelistische Gegebenheiten, wo dies möglich ist.

Überdenken, wie die Gemeinde neu gestaltet werden könnte, wurde zu einem Schlagwort, doch die meisten Bemühungen bezogen sich auf Verbesserungen und bestimmte Verfeinerungen existierender Programme, ohne jedoch die grundsätzlichen Fragen anzugehen, die eine Öffnung schaffen würden, damit Gottes Absichten sich auf kraftvolle Weise verwirklichen können. Von Gemeinden, die bereitwillig überdachten, wie sie die Gute Nachricht ausleben können, hört man unglaubliche Geschichten, wie Gott sich bewegt hat.

Würden wir dieses Überdenken darauf ausrichten, wie man Menschen ausrüsten kann, ihren Glauben am Arbeitsplatz zu leben und bekannt zu machen, würde uns das helfen, bei der Arbeit nicht nur anwesend zu sein, sondern auch, unseren Glauben offen zu zeigen. Wären Arbeitende gut ausgerüstet mit einer ganzheitlich ausgerichteten Sicht Gottes auf die Arbeitswelt, wären sie hochmotiviert, die Ernte einzufahren. Die Welt wird sich nur dann voll einbringen, wenn sich die Arbeiter am Arbeitsplatz voll einbringen.

Damit sich die Arbeiter an ihrem Arbeitsort voll engagieren, verlangt jedoch eine Veränderung in der vorherrschenden Denkweise der Gemeinde: Sie muss Menschen am Arbeitsplatz als vollzeitlich Dienende für Christus akzeptieren. Der Unterschied und die innewohnende Voreingenommenheit zwischen voll bezahlten christlich Dienenden und dem Laienstand muss verschwinden, speziell was die Auffassung betrifft, man sei in den Dienst berufen.

Das größte Wachstumspotential der Gemeinde in der nächsten Generation geht von den Menschen aus, die nach sinnvollen Beziehungen am Arbeitsplatz suchen. Unsere Arbeiter befinden sich auf Feldern, die reif sind für die Ernte, aber sie haben noch nicht gelernt, wie sie sich erfolgversprechend einbringen können.

5         Wie kommen wir dorthin?

Leider gibt es kein allgemein gültiges Rezept, wie wir dorthin kommen, wo wir idealerweise sein wollen. Aber es gibt einige entscheidende Schritte, wie wir dem näher kommen, was Gott für uns vorgesehen hat. Viele Jahre lang befanden sich die Gemeinde und die Säkularen in separaten Sphären. Jede hat ihre eigene vorherrschende Kultur , was den Arbeitsplatz von der Gemeinde trennt.

Menschen reagieren erst dann, wenn sie dazu veranlasst werden. In der Gemeinde hören wir die Gute Nachricht, und dass Gott der Welt Hoffnung bringen möchte, doch am Montag Morgen, in der Arbeitswelt, erhalten die Kolleginnen und Kollegen keine Einladung von uns, Gottes Gnade, Seine Vergebung und Hoffnung  zu entdecken. Es existiert ein Mangel an Leidenschaft für das geistliche Wohlergehen unserer Mitarbeiter. Wenn dies Woche für Woche so abläuft, wird die Abtrennung der Gemeinde vom Arbeitsplatz zur Normalität. Der Riss zwischen Theologie und Praxis vergrößert sich und kreiert eine Weltanschauung, in der die Gemeinde zunehmend bedeutungsloser für den Arbeitsplatz wird und der Arbeitsplatz bedeutungsloser für die Gemeinde.

Die Sonntags- und Werktags-Dynamik sind in der heutigen Zeit Welten voneinander entfernt, obwohl sie das nicht sein sollten. Die Anschauungen der Arbeitenden und der Pastoren können oftmals kaum unterschiedlicher sein. Viele Pastoren verbrachten den Hauptteil ihrer Karriere im Dienst und haben wenig Verständnis für die Dynamik der Arbeitswelt. Und die Arbeitenden haben nicht versucht, den Pastoren zu übermitteln, wie ihre Woche am Arbeitsplatz aussieht. Das Ergebnis ist, dass alle in ihrer eigenen Welt bleiben und sich nur bei Gemeindeanlässen treffen. Die Arbeitenden sind dafür verantwortlich, den Pastoren ihren Arbeitsort vorzustellen und Pastoren müssen Eigeninitiative zeigen, das Herz und den Kontext der Arbeitskultur ihrer Gemeindeglieder zu verstehen. Im Evangelium geht es nicht nur um Theologie, sondern auch darum, einander lebendige Beispiele aufzuzeigen, was funktioniert und was nicht.

Teile der Lösung können Bibelstudien am Arbeitsplatz, Morgengebete mit anderen Gläubigen und Diskussionen auf dem Korridor sein. Hilfreich für den Anfang sind auch Konferenzen die Arbeitswelt betreffend sowie Bücher und Studien über Arbeit. Das Problem ist jedoch, dass viele Leute ihren Dienst nicht in ihre Arbeit integrieren. Es gibt nur wenige leuchtende Beispiele christlicher Arbeiter, die in der Lage sind, ihren ausdrucksstarken Glauben vom Sonntag nahtlos in die Arbeit unter der Woche einzubringen. Viele Menschen teilen ihren Glauben in verschiedene Fächer ein. Nur wenige Gläubige zeigen am Arbeitsort soviel Engagement, dass man sonntags Resultate sehen kann und sie gefeiert werden können.

Der Gemeinde muss am Arbeitsplatz Leben eingehaucht werden, indem der Arbeitsplatz heilig gemacht wird. Der Arbeitsort soll als ein wesentlicher und wichtiger Teil des Missionsfeldes vor unserer Haustür gesehen werden. Es braucht zwei Dinge, damit die Teilung Gemeinde vs. Arbeit erfolgreich überbrückt werden kann: Die Rolle der Gemeinde in Bezug auf die Unterstützung der „Botschafter“ am Arbeitsplatz muss weltweit neu überdacht werden und ebenfalls muss neu überdacht werden, wie die „Botschafter“ motiviert werden können. Ohne gründliches Überlegen und konkretes Handeln wird sich das Verhaltensmuster, dass die Arbeiter wenig unternehmen um die reife Ernte einzubringen, endlos fortsetzen

Die „Business as Mission“ (BAM) –Bewegung hat gezeigt, dass wir viel vorsätzlicher handeln müssen, wenn es um den Durchbruch in die Arbeitswelt geht. Beim erfolgreichen Ausrüsten der Tätigen muss der Fokus auf den praktischen Aspekt gelegt werden und Teil der Gemeindekultur werden. Eine gemeinsame Charakteristik der Mitarbeiter von BAM ist, dass sie ihre Mission leidenschaftlich angehen und willig sind, alles zu riskieren, um ihr Ziel zu erreichen.

Arbeit muss als eine Gelegenheit für Mission gesehen werden, als einen Ort, in den wir Gottes Geschenk der Liebe zu Menschen bringen können, mit denen wir normalerweise keinen Kontakt hätten. In der Gemeinde muss mehr stattfinden als nur Anbetung und Lehre, um das gegenwärtige säkulare Paradigma des „arbeiten um zu leben“ umzuformen in „Gottes Leben in die Arbeit einbringen“.

6         Was Müssen Wir Jetzt Tun? 

Wir brauchen keine großartigen Pläne und Strategien – wir müssen einfach anfangen. Aber um anzufangen, müssen wir einfache Modelle entwickeln, die funktionieren und auf bestehende Erfahrungen aufbauen. Eine gewisse Anzahl guter, motivierender Bücher, Studien und Beispiele liegen bereits vor – und auch genügend Schuldgefühle, weil wir nicht genug tun – um einen guten Start hinzulegen. Was wir nicht haben, ist eine genügende Anzahl von Arbeitern, um ein Momentum zu kreieren und aufzubauen, damit ein nachhaltiger Prozess gewährleistet werden kann.

Das Überbrücken der bestehenden Teilung zwischen säkular und heilig fängt damit an, dass die Gemeinde an den Arbeitsort gebracht wird. An der Entwicklung der Strategien sollte sich auch der Laienstand maßgeblich beteiligen, wie dies bei Kapstadt 2010 geschieht. Obwohl Pastoren mit dem Laienstand in kirchlichen Dingen zusammenarbeiten, geht es dabei in erster Linie um Gemeindeanliegen und nicht um die Mission am Arbeitsplatz. Viele Pastoren haben auch nicht das Wissen und die Erfahrung, um sich in praktischen, missionsbasierten Diskursen betreffend die Arbeitswelt zu engagieren. Der Schlüssel ist die Ausbildung des Laienstands, wie sie Fragen des Arbeitsplatzes in die Tagesordnung der Gemeindemission einbringen können. Parallel dazu müssen den Pastoren die Missionsmöglichkeiten am Arbeitsplatz aufgezeigt werden. Alles, was wir tun, ist ein Geschenk für Gott, ob es predigen, lehren, entwerfen, kochen, putzen, eine Tabellenkalkulation erstellen oder eine Maschine bedienen ist. Und alles, was wir tun, sollte so gut sein, dass es wert ist, von Gott akzeptiert zu werden.

Das beste Training und die besten Werkzeuge setzen Staub an, wenn keine neue Leidenschaft vorhanden ist, die nur durch Gebet und den Geistes Gottes entstehen kann. Wenn die relevanten Themen angegangen werden, kann die Kanzel ein wirkungsvolles Instrument sein. Doch wird die Trennung zwischen säkular und heilig nur noch größer, wenn alte Klischees wiederholt werden, ohne Verständnis für die Arbeitsdynamik.

Jetzt ist es an der Zeit, die alten Paradigmen beiseite zu legen und anzufangen, den Arbeitsplatz in einen heiligen Ort zu verwandeln, an dem Gott eingeladen wird, sich im Leben jedes Einzelnen zu zeigen. Es ist großartig, damit anzufangen, doch ohne Nachhaltigkeit wird das Ganze zu einer „Eintagsfliege“ und keine echte Wirklichkeit. Wir müssen Gott um leidenschaftliche Vorkämpfer bitten, die diesen Prozess vorwärtsbringen. Diese Vorkämpfer müssen mit Menschen aus allen Berufen und den unterschiedlichsten Talenten arbeiten, um eine Praxis-Gemeinschaft aufzubauen, die das Ganze vorlebt und das Momentum in Schwung hält.

Hilfsmittel wie das Internet und Skype ermöglichen den Erfahrungsaustausch mit virtuellen Gemeinschaften und können einen großen Beitrag leisten. Durch die Technologie können wir nicht nur miteinander teilen, was Gott tut, sondern es auch in Echtzeit miterleben. Wir müssen die Sache ins Rollen bringen, die uns Dinge erreichen lässt, die wir für unmöglich halten.

7         Wie Sieht Ein Heiliges Arbeitsumfeld Aus? – Josef-Modell

Diskussionen über was ist und was sein sollte, schärfen das Bewusstsein und motivieren Menschen zum Handeln. Aber wenn wir nicht wissen, in welche Richtung wir gehen, wachsen wir bestenfalls im Dunkeln. Wir alle erwarten, dass unsere Anstrengungen Menschen dazu bringen, ein Leben im Glauben zu führen und eine wachsende Beziehung zu Gott zu haben. Doch normalerweise kommen wir nicht über Nacht von  dem Punkt, wo wir heute stehen zu dem Punkt, wo wir hin wollen. Wir haben weder eine magische Formel noch ein Handbuch, das perfekte Resultate garantiert, doch wir haben eine Anzahl von Beispielen von dem, was möglich ist. Gott hat mich mit einem heiligen Arbeitsort gesegnet, an dem ich Ihm diene als Consulting Engineer. Ich nenne es das ‚Josef-Modell’, zu Ehren von Josef, der jeden seiner Arbeitsplätze trotz widriger Umstände transformierte.

Der Weg zum Glauben ist eine Reise, die ihr kritisches Stadium erreicht, wenn aus der Suche eine Verpflichtung und permanente Veränderung wird, durch den täglichen Wandel mit Gott in einer Umgebung, die für Gott zurückgefordert wurde. Doch während wir diesen Samen säen, gibt es viele Einwirkungen außerhalb unserer Kontrolle, die das Wachstum verhindern wollen. Nachdem ich jahrelang versucht hatte, meine Arbeitskollegen auf meinen Glaubensweg einzuladen, realisierte ich, dass Worte und persönliche Beispiele ohne ein vorbereitendes Umfeld nicht genug waren. Um einige der Hindernisse zu überwinden, die sich auf dem Weg zur Hingabe-Phase in den Weg stellten, fing ich den „Jüngerschaftsprozess“ sofort an, sobald jemand in meinen Einflussbereich kam. Ich habe zwar das Privileg, der Direktor der Firma zu sein, für die ich arbeite, doch trage ich die Verantwortung und muss alles, was in meiner Kraft steht, tun, damit das Arbeitsklima dazu beiträgt, herausragende Produkte herzustellen und die Mitarbeiter ihr höchstes Potential erreichen.

Ich führe eine fachlich hochqualifizierte Gruppe von Ingenieuren mit aktuellen Projekten in über 20 Ländern. Die wichtigsten Leistungen, die wir erbringen, sind hochqualifizierte Beratungen und Gutachten für Regierungen, internationale Leistungsträger und große Elektrizitätsunternehmen. Unser Arbeitsumfeld wird gestützt von den Werten Rechenschaftspflicht, Verantwortlichkeit, Spitzenleistungen, Teamwork, Diskussionen in einem Lernumfeld, Risikotragfähigkeit, Vergebung, Unterstützung und Feiern. Während alle diese Werte aus einer professionellen Perspektive gesehen höchst wünschenswert sind, sind sie doch auch wesentliche Voraussetzungen, wenn es darum geht, Menschen auf den richtigen Weg des Glaubens zu helfen, lange bevor sie ihr Leben dem Herrn übergeben. Diese Werte haben uns nicht nur dazu gebracht, hohe professionelle Leistungen zu erbringen, sondern sie sind auch ein wesentlicher Teil der „Jüngerschaftsschulung“.

Rechenschaftspflicht erinnert daran, dass wir in allen Bereichen des Leben einer höheren Autorität gegenüber rechenschaftspflichtig sind. Verantwortlichkeit bekräftigt das Prinzip, unsere Auflagen und Verpflichtungen auch in schwierigen Situationen einzuhalten. Der Wert hoher Leistungen motiviert Menschen, es besser zu machen, als sie es früher gemacht haben und als andere es tun. Ein Lernumfeld stimuliert Diskussionen und fördert weiteres Nachforschen, um mehr über das Leben herauszufinden. Die Mitarbeiter zum Eingehen von Risiken zu ermutigen hilft ihnen, ihre Alltagsroutine zu verlassen und in ein neues Territorium einzutreten, während ihnen Vergebung angeboten wird, wenn sie Fehler machen und wenn die Risiken nicht so erfolgreich waren, als ursprünglich angenommen. Unterstützung veranlasst Menschen, im Vertrauen die nächste Stufe ihres Verständnisses und ihrer Kenntnisse zu erklimmen, wobei der Erfolg danach auch gefeiert wird. Wenn diese Werte gefördert werden, gibt es keine Trennung zwischen säkular und heilig.

Dies ist ein heiliges Umfeld, denn alle oben erwähnten Werte sind wichtig, wenn man den Weg des Glaubens geht. Ein solches Umfeld ist nicht nur ein Umfeld für professionell hervorragende Leistungen, sondern auch um Mitarbeiter zu Jüngern zu machen, lange bevor sie eine Glaubensverpflichtung eingegangen sind. Jeder dieser Werte beleuchtet einen Aspekt des Glaubens und wird täglich am Arbeitsplatz praktiziert. Dies gibt den Mitarbeitern einen Vorgeschmack darauf, was es bedeutet, im Glauben zu wandeln, und darum geht es in der Guten Nachricht. Wenn sie dann Jesus annehmen und die Brücke zu einem neuen Lebensstil überqueren, dann ist alles schon ziemlich familiär, denn vor ihrer Bekehrung gingen sie bereits durch ein intensives „Jüngerschaftstraining“, und das wird ihnen helfen, rasch in ihrer Beziehung zu Gott zu wachsen.

Dies ist das heilige Umfeld, in dem ich mich an meinen Arbeitsort befinde. Für Menschen, die nicht in einer Management-Position tätig sind, ist ihr „heiliger Grund“ vielleicht auf ihren Arbeitsplatz, Schreibtisch oder ihre Werkbank limitiert. Für einige ist ihr heiliger Arbeitsplatz vielleicht das wöchentliche Bibelstudium über Mittag. Für andere wiederum könnten es die Kaffee- und/oder Mittagspausen sein, in denen man über Dinge des Lebens diskutiert (kein Monolog!). Letztlich ist es die Gegenwart Gottes, was die Säkularen zu Heilligen umformt – und wenn Gott anwesend ist, treten Veränderungen ein. Wir sind berufen, Veränderungsagenten zu sein. Wenn Josef das tun konnte, als er ein Sklave und Gefangener war, gibt es keinen Grund, warum wir nicht Dinge verändern können, die innerhalb unseres Einflussbereiches sind.

8         Der Fahrplan Für Die Zukunft

In der Zukunft gibt es viele Möglichkeiten, die Milliarden zu erreichen, die aktiv ihren Lebensunterhalt am Arbeitsplatz verdienen. Wohin uns unser Weg führen wird, ist davon abhängig, wie wir die Trennung säkular vs. heilig überwinden.  Kapstadt 2010 ermöglicht, das der Laienstand in direkten Kontakt kommt mit den Leitern der Gemeinde. Wir können ein Programm vorschreiben, was wir aber mehr benötigen als ein Programm, ist eine erweiterte Vision mit erfolgreicher Leitern. Und das wird nur durch Gebet möglich sein.

Jede Bewegung braucht Leiter. Es braucht genauso sehr Leiter in der Arbeitswelt wie in Missionsorganisationen und Gemeinden. Viele arbeitende Menschen sind Leiter und viele sind es nicht. Auf die Wenigen, die Dinge aussprechen und darüber schreiben, wird man aufmerksam, besonders wenn sie CEOs oder irgendwelche Koryphäen sind. Wir müssen Männer und Frauen aus dem Laienstand schulen, ausrüsten und „unter Strom setzen“, damit sie das Evangelium in jeder Ecke der Arbeitswelt verbreiten. Wie schulen wir Menschen, damit sie ein „Katalysator“ in ihrem Umfeld werden – und auch andere mobilisieren? Viele Gläubige wollen an ihrem Arbeitsplatz aufrichtig andere erreichen und Einfluss nehmen. Doch wie in vielen anderen Dingen müssen sie auch hierbei angeleitet werden. Das Wort „Leiterschaft“ löst bei Menschen mehrheitlich Gedanken im Zusammenhang mit der säkularen Welt oder Organisationsprojekten in der Gemeinde aus. Menschen lesen die vielen Bücher über Management und Leiterschaft, damit sie in ihren Arbeitspositionen und im „Dienst“ bessere Leiter werden. Doch was benötigt es auf dem Gebiet des Arbeitsumfelds, um das Evangelium bekannt zu machen? Bestimmt braucht es mehr, als nur ein Bibelstudium über Mittag oder einen speziellen Redner. Wie sieht dieser Leiter aus am Fliessband oder als Direktor einer Firma? Was benötigt er, um seine Glaubens- und Leiterschaftsfähigkeiten am Arbeitsplatz zu entwickeln und das nicht nur, um ein bessere Manager in seinem Job zu sein?

Möge Gott an Kapstadt 2010 unsere Augen öffnen und die Hindernisse niederreißen, die wir aufgestellt haben, damit wir alle die Arbeitswelt auf eine wunderbare Glaubensreise vorbereiten können.

© The Lausanne Movement 2010

Willy Kotiuga

08 Jun 2010

Cape Town 2010 Advance Paper

Das Manifest von Manila

Die ganze Kirche ist aufgerufen, der ganzen Welt das ganze Evangelium zu bringen

(autorisierte deutsche Fassung)

Die Teilnehmer am II. Internationalen Kongreß für Weltevangelisation vom 11. bis 20. Juli 1989 in Manila haben mit überwiegender Mehrheit dafür gestimmt, das hier in deutscher übersetzung vorliegende Dokument entgegenzunehmen. Weil das Mani- fest von Manila die Hauptanliegen der Teilnehmer wiedergibt, haben es die in Manila Versammelten “zum Studium und zum Beantworten” sich selbst und anderen empfohlen. Darüber hinaus hat der Vorsitzende des Lausanner Komitees, Dr. Leighton Ford, solche Teilnehmer, die noch nicht die Lausanner Erklärung von 1974 unterzeichnet hatten, zu einer Unterzeichnung eingeladen. Das macht deutlich, daß das Manifest von Manila nicht die grund- legende Lausanner Erklärung ersetzen soll. Vielmehr will das Manifest von Manila die Anliegen der Lausanner Bewegung fortschreiben, verdeutlichen und aktualisieren.

INHALT
Einleitung
I. Wozu wir stehen (21 Bekräftigungen)

II. Das ganze Evangelium – die ganze Kirche – die ganze Welt

A. Das ganze Evangelium 1. Unser menschliches Dilemma 2. Gute Nachricht für heute 3. Die Einzigartigkeit Jesu Christi 4. Evangelium und Soziale Verantwortung

B. Die ganze Kirche 5. Gott, der Evangelist 6. Die menschlichen Zeugen 7. Die Integrität der Zeugen 8. Die örtliche Gemeinde 9. Zusammenarbeit in der Evangelisation

C. Die ganze Welt 10. Die moderne Welt 11. Die Herausforderung des Jahres 2000 und darüber hinaus 12. Schwierige Situationen

III.Verkündigt Christus, bis er wiederkommt.

Das Manifest von Manila
Einleitung

Im Juli 1974 fand der Internationale Kongreß für Weltevangelisation in Lausanne (Schweiz) statt. Dort wurde die Lausanner Verpflichtung beschlossen.

Im Juli 1989 sind über 3000 von uns aus etwa 170 Ländern zur Förderung der Weltevangelisation in Manila zusammengekommen. Während dieser Konferenz wurde das Manifest von Manila verfaßt. Wir danken unseren philippinischen Brüdern und Schwestern, daß sie uns so herzlich willkommen geheißen haben.

In den 15 Jahren zwischen den zwei Kongressen wurden mehrere kleinere Konsultationen abgehalten, die sich mit den folgenden Themen beschäftigt haben: Evangelium und Kultur, Evangelisation und Soziale Verantwortung, Einfacher Lebensstil, Der Heilige Geist und die Bekehrung. Diese Treffen und ihre Berichte haben dazu beigetragen, das Denken der Lausanner Bewegung weiterzuentwickeln.

Ein “Manifest” ist eine öffentliche Erklärung von überzeugungen, Absichten und Motiven. Das Manifest von Manila greift die beiden Themen des Kongresses auf: “Verkündigt Christus, bis er wiederkommt” und “Die Kiche ist aufgerufen, der ganzen Welt das ganze Evangelium zu bringen.” Der erste Teil besteht aus einer Serie von 21 Bekräftigungen. Der zweite Teil führt diese in zwölf Abschnitten weiter aus. Sie seien hiermit den Kirchen zusammen mit der Lausanner Verpflichtung zum Studium und zur Anwendung empfohlen.

I. Wozu wir stehen (21 Bekräftigungen)
1. Wir bekräftigen, daß die Lausanner Verpflichtung nach wie vor als Grundlage unserer Zusammenarbeit in der Lausanner Bewegung bindend ist.

2. Wir bekräftigen, daß Gott uns in den Schriften des Alten und Neuen Testaments eine autoritative Offenbarung seines Wesens und Willens, seiner Erlösungstaten samt ihrer Bedeutung, und seines Missionsauftrags gegeben hat.

3. Wir bekräftigen, daß das biblische Evangelium Gottes bleibende Botschaft für unsere Welt ist. Wir sind entschlossen, das biblische Evangelium zu verteidigen, es zu verkündigen und es durch unser Leben zu bewähren.

4. Wir bekräftigen, daß die Menschen, obwohl sie zum Ebenbild Gottes geschaffen wurden, sündig, schuldig und ohne Christus verloren sind, und daß ohne diese Wahrheit das Evangelium nicht nötig ist.

5. Wir bekräftigen, daß der historische Jesus und der verherrlichte Christus ein und dieselbe Person ist, und daß dieser Jesus Christus absolut einzigartig ist, denn er allein ist der menschgewordene Gott, der unsere Sünden trug, der den Tod überwand und der als Richter wiederkommen wird.

6. Wir bekräftigen, daß Jesus Christus am Kreuz unseren Platz einnahm, unsere Sünden trug und unseren Tod starb. Allein aus diesem Grund vergibt Gott solchen, denen zur Buße und zum Glauben geholfen wird.

7. Wir bekräftigen, daß andere Religionen und Ideologien keine anderen möglichen Wege zu Gott sind. Die nicht von Christus erlöste Religiosität des Menschen führt nicht zu Gott, sondern ins Gericht; denn Christus ist der einzige Weg zum Vater.

8. Wir bekräftigen, daß wir Gottes Liebe sichtbar darstellen müssen, indem wir uns derer annehmen, die von Gerechtigkeit, Würde, Nahrung und Obdach ausgeschlossen sind.

9. Wir bekräftigen, daß wir jede persönliche und strukturelle Ungerechtigkeit und Unterdrückung verurteilen müssen, wenn wir die Gerechtigkeit und den Frieden des Reiches Gottes verkündigen. Wir werden von diesem prophetischen Zeugnis nicht abgehen.

10. Wir bekräftigen, daß das Zeugnis des Heiligen Geistes von Christus für die Evangelisation unerläálich ist, und daß ohne sein übernatürliches Wirken weder Wiedergeburt noch neues Leben möglich sind.

11. Wir bekräftigen, daß geistlicher Kampf geistliche Waffen erfordert. Wir müssen sowohl das Wort in der Kraft des Geistes predigen als auch ständig darum beten, daß wir in den Sieg Christi über die Mächte und Gewalten des Bösen hineingenommen werden.

12. Wir bekräftigen, daß Gott der ganzen Kirche und jedem ihrer Glieder die Aufgabe übertragen hat, Christus in der ganzen Welt bekannt zu machen. Wir sehnen uns danach, daß alle Laien und Ordinierten zu dieser Aufgabe aufgerufen und für diese Aufgabe ausgebildet werden.

13. Wir bekräftigen, daß wir, die wir uns als Glieder des Leibes Christi bezeichnen, innerhalb unserer Gemeinschaft die Grenzen von Rasse, Geschlecht und Klasse überwinden müssen.

14. Wir bekräftigen, daß die Gaben des Geistes dem ganzen Volk Gottes, Frauen und Männern, gegeben sind und daß die Partnerschaft von Frau und Mann in der Evangelisation zum gemeinsamen Wohl zu begrüßen ist.

15. Wir bekräftigen, daß wir, die wir das Evangelium verkündigen, es in einem Leben der Heiligkeit und Liebe unter Beweis stellen müssen. Sonst verliert unser Zeugnis seine Glaubwürdigkeit.

16. Wir bekräftigen, daß sich jede christliche Gemeinde ihrer örtlichen Umgebung im evangelistischen Zeugnis und im hingebungsvollen Dienst zuwenden muß.

17. Wir bekräftigen, daß es für Gemeinden, Missionsgesellschaften und andere christliche Organisationen unbedingt notwendig ist, bei Evangelisation und sozialer Aktion zusammenzuarbeiten, indem sie jeglichen Wettbewerb miteinander ablehnen und Doppelungen vermeiden.

18. Wir bekräftigen unsere Pflicht, die Gesellschaft, in der wir leben, zu untersuchen, um ihre Strukturen, Werte und Bedürfnisse zu verstehen und so eine angemessene Missionsstrategie zu entwickeln.

19. Wir bekräftigen, daß Weltevangelisation dringlich ist und daß es möglich ist, die unerreichten Volksgruppen zu erreichen. Deshalb entschließen wir uns, uns im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts diesen Aufgaben mit neuer Entschlossenheit zu widmen.

20. Wir bekräftigen unsere Verbundenheit mit denen, die um des Evangeliums willen leiden. Wir werden versuchen, uns auf dieselbe Möglichkeit vorzubereiten. Ebenso werden wir uns an jedem Ort für religiöse und politische Freiheit einsetzen.

21. Wir bekräftigen, daß Gott die ganze Kirche beruft, das ganze Evangelium der ganzen Welt zu bringen. Deshalb sind wir entschlossen, es treu, dringlich und opferbereit zu verkündigen, bis Jesus wiederkommt.

II. Das ganze Evangelium – die ganze Kirche – die ganze Welt

A. Das ganze Evangelium
Das Evangelium ist die gute Nachricht, daß Gott von der Macht des Bösen erlöst, daß er sein ewiges Reich errichtet und daß er endgültig alles besiegen wird, was sich seinem Wollen entgegenstellt. In seiner Liebe hat Gott dieses vor Anbeginn der Welt beschlossen. Durch den Tod unseres Herrn Jesus Christus hat er seinen Plan der Befreiung von Sünde, Tod und Gericht in Kraft gesetzt. Es ist Christus, der uns befreit und der uns vereint in der Gemeinschaft der von ihm Erlösten. (Kol. 2,15; 1. Kor. 15,24-28; Eph. 1,4; Kol. 1,20; Tit. 2,14)

1. Unser menschliches Dilemma
Wir haben uns verpflichtet, das ganze Evangelium zu predigen, das heißt: das biblische Evangelium in seiner Fülle. Um das tun zu können, müssen wir verstehen, warum die Menschen das Evangelium brauchen.

Männer und Frauen haben eine ihnen eigene Würde und einen Wert, weil sie als Ebenbild Gottes dazu geschaffen wurden, ihn zu kennen, ihn zu lieben und ihm zu dienen. Doch ist jetzt durch die Sünde jeder Bereich ihres Menschseins entstellt; die Menschen sind egozentrische, sich selbst dienende Rebellen geworden, die weder Gott noch ihren Nächsten so lieben können, wie sie es sollten. Folglich sind sie von ihrem Schöpfer und von der übrigen Schöpfung entfremdet. Dieses ist die Grundursache des Leidens, der Orientierungslosigkeit und der Einsamkeit, unter denen so viele Menschen heute leiden. Die Sünde entlädt sich außerdem oft in antisozialem Verhalten, in gewaltsamer Ausbeutung anderer und in der Plünderung der Naturschätze der Erde, als deren Haushalter Gott Männer und Frauen eingesetzt hat. Die Menschheit ist schuldig und kann nichts zu ihrer Entschuldigung vorbringen. Sie ist auf dem breiten Weg, der zur Zerstörung führt.

Obwohl die Gottesebenbildlichkeit der Menschen entstellt worden ist, ist der Mensch dennoch zu liebevollen Beziehungen, zu guten Taten und zu schöner Kunstgestaltung fähig. Dennoch trägt auch die höchste menschliche Leistung unausweichlich einen Makel und kann darum unmöglich jemandem den Zugang zu Gott eröffnen. Männer und Frauen sind geistliche Wesen, aber religiöse Praktiken und Selbsthilfetechniken können die Nöte, die sie erfahren, höchstens lindern. Sie können den letzten Wirklichkeiten von Sünde, Schuld und Gericht nicht gerecht werden. Weder menschliche Religion noch menschliche Gerechtigkeit noch soziopolitische Programme können Menschen retten. Jegliche Selbsterlösung ist unmöglich. Sich selbst überlassen, sind die Menschen ewig verloren.

Deshalb weisen wir falsche Heilslehren zurück, welche die menschliche Sünde, das göttliche Gericht, die Gottheit und Menschwerdung Jesu Christi und die Notwendigkeit des Kreuzes und der Auferstehung leugnen. Wir verwerfen auch “Halb-Evangelien”, die die Sünde unterbewerten und Gottes Gnade mit eigener menschlicher Anstrengung vermischen. Wir bekennen, daß wir selbst manchmal das Evangelium verharmlost haben. Aber wir sind entschlossen, uns in unserer Evangelisation an Gottes radikale Diagnose und sein ebenso radikales Heilmittel zu erinnern. (Apg. 20,27; 1. Mose 1,26.27; Röm. 3,9-18; 2. Tim. 3,2-4; 1. Mose 3,17-24; Röm. 1,29-31; 1. Mose 1,26.28; 2,15; Röm. 1,20; 2,1; 3,19; Mt. 7,13; Mt. 5,46; 7,11; 1. Tim. 6,16; Apg. 17,22-31; Röm. 3,20; Eph. 2,1-3; Gal. 1,6-9; 2. Kor. 11,2-4; 1. Joh. 2,22.23; 4,1-3; 1. Kor. 15,3.4; Jer. 6,14; 8,11)

2. Die gute Nachricht für heute
Wir sind froh, daß der lebendige Gott uns in unserer Verlorenheit und Verzweiflung nicht allein gelassen hat. In seiner Liebe ist er uns in Jesus Christus nachgegangen, um uns zu retten und zu erneuern. Daher konzentriert sich die Gute Nachricht auf die historische Person Jesu, der als der kam, der das Reich Gottes verkündigte und der ein Leben des demütigen Dienstes führte, der für uns starb, der an unserer Stelle zur Sünde und zum Fluch wurde, und den Gott durch die Auferweckung von den Toten beglaubigte. Denen, die Buße tun und an Christus glauben, gibt Gott Anteil an der neuen Schöpfung. Er gibt uns ein neues Leben, das die Vergebung unserer Sünden und die Einwohnung der erneuernden Kraft seines Geistes einschlieát. Er heißt uns in seiner neuen Gemeinschaft willkommen, die aus Menschen aller Rassen, Nationen und Kulturen besteht. Er verspricht, daß wir eines Tages in seine neue Welt eintreten werden, in der das Böse beseitigt, die Natur erlöst sein und Gott ewig herrschen wird.

Diese Gute Nachricht muß mutig verkündigt werden, wo immer es möglich ist, in kirchlichen und öffentlichen Gebäuden, durch Radio und Fernsehen und in Freiversammlungen. Denn sie ist Gottes Kraft zur Erlösung, die bekanntzumachen wir verpflichtet sind. In unserer Verkündigung müssen wir die Wahrheit, die Gott uns in der Bibel offenbart hat, treu predigen und darum ringen, sie zu unserer eigenen Lebenswelt in Beziehung zu setzen.

Wir bekräftigen auch, daß Apologetik, die “Verteidigung und Bekräftigung des Evangeliums”, Grundbestandteil des biblischen Missionsverständnisses ist. Sie ist für ein wirksames Zeugnis in der modernen Welt wesentlich. Paulus “argumentierte” aufgrund der Schrift mit den Menschen, um sie von der Wahrheit des Evangeliums zu “überzeugen”. Das müssen auch wir. Alle Christen sollten bereit sein, über die Hoffnung, die in ihnen ist, Rechenschaft abzulegen.

Außerdem sind wir daran erinnert worden, was besonders der Evangelist Lukas herausstellt, daß das Evangelium Gute Nachricht für die Armen ist. Wir haben uns gefragt, was dies für die Mehrheit der Weltbevölkerung bedeutet, die unterhalb der Armutsgrenze lebt, die leidet oder unterdrückt wird. Wir sind daran erinnert worden, daß alle, das Gesetz, die Propheten, die Weisheitsbücher und auch die Lehre und der Dienst Jesu die Sorge Gottes um die materiell Armen betonen, und daß es unsere fortdauernde Pflicht ist, für die Armen einzutreten und zu sorgen. Die Schrift spricht auch von den “Geistlich Armen”, die sich allein an Gott wenden, um Barmherzigkeit zu erhalten. Das Evangelium kommt als Gute Nachricht zu beiden. Die “Geistlich Armen”, die sich vor Gott demütigen, empfangen im Glauben das Geschenk der Erlösung, wie auch immer ihre wirtschaftlichen Lebensumstände aussehen. Es gibt für niemanden einen anderen Weg zum Reich Gottes. Die materiell Armen und Machtlosen finden zusätzlich eine neue Würde als Kinder Gottes zusammen mit der Liebe von Brüdern und Schwestern, die mit ihnen um ihre Befreiung ringen von allem, was sie herabsetzt oder unterdrückt.

Wir tun Buáe über jede Art von Vernachlässigung der in der Schrift geoffenbarten Wahrheit Gottes. Wir sind entschlossen, diese Wahrheit zu verkündigen und zu verteidigen. Wir tun auch Buße, wo wir dem Elend der Armen gegenüber gleichgültig gewesen sind und wo wir die Reichen bevorzugt haben, und wir sind entschlossen, Jesus zu folgen, indem wir die gute Nachricht allen Menschen durch Wort und Tat verkündigen. (Eph. 2,4-7; Luk. 15; 19,10; Apg. 8,34.35; Mk. 1,14.15; 2. Kor. 5,21; Gal. 3,13; Apg. 2,23.24; 2. Kor. 5,17; Apg. 2,38.39; Eph. 2,11-19; Offb. 21,1-5; 22,1-5; Eph. 6,19.20; 2. Tim. 4,2; Röm. 1,14-16; Jer. 23,28; Phil.1,7; Apg. 18,4; 19,8.9; 2. Kor. 5,11; 1.Petr.3,15; Lk.4,18;6,20;7,22; 5. Mose 15,7-11; Am. 2,6.7; Sach. 7,8-10; Spr. 21,13; Zeph. 3,12; Mt. 5,3; Mk. 10,15; 1. Joh. 3,1; Apg. 2,44.45; 4,32-35)

3. Die Einzigartigkeit Jesu Christi
Wir sind dazu berufen, Christus in einer immer pluralistischer werdenden Welt zu bezeugen. Alte Religionen werden wieder lebendig, und neue Religionen entstehen. Auch im ersten Jahrhundert gab es “viele Götter und viele Herren”. Dennoch haben die Apostel mutig die Einzigartigkeit, Unverzichtbarkeit und zentrale Bedeutung des Christus bekräftigt. Wir müssen es ihnen gleichtun.

Weil Männer und Frauen zum Ebenbild Gottes geschaffen sind und in der Schöpfung Spuren ihres Schöpfers erkennen, enthalten auch neu aufgebrochene Religionen manchmal Elemente von Wahrheit und von Schönheit. Sie sind jedoch keine Alternativen zum Evangelium. Weil die Menschen sündig sind und weil “die ganze Welt im Argen liegt”, bedürfen selbst religiöse Menschen der Erlösung Christi. Wir können deshalb nicht zugestehen, daß Erlösung außerhalb von Christus oder ohne eine ausdrückliche Annahme seines Werkes im Glauben gefunden werden kann.

Es wird manchmal behauptet, daß aufgrund des Bundes Gottes mit Abraham Juden Jesus nicht als ihren Messias anerkennen müssen. Wir bekräftigen, daß sie ihn wie jeder andere auch brauchen. Es wäre eine Form des Antisemitismus wie auch der Untreue gegenüber Christus, von dem neutestamentlichen Muster abzuweichen, das Evangelium “den Juden zuerst” zu bringen. Wir verwerfen darum die Behauptung, daß die Juden ihren eigenen Bund haben, der den Glauben an Jesus unnötig macht.

Unsere gemeinsamen Grundüberzeugungen über Jesus Christus verbinden uns. Wir bekennen ihn als den ewigen Sohn Gottes, der ganz Mensch wurde, dabei aber ganz Gott blieb; der an unserer Stelle am Kreuz hing, unsere Sünden trug und unseren Tod starb, der unsere Ungerechtigkeit mit seiner Gerechtigkeit vertauschte, der in einem verwandelten Leib siegreich auferstand und in Herr- lichkeit wiederkommen wird, um die Welt zu richten. Er allein ist der menschgewordene Sohn, der Retter, der Herr und Richter. Zusammen mit dem Vater und dem Heiligen Geist gebührt ihm allein die Anbetung, der Glaube und der Gehorsam aller Menschen. Es gibt nur ein Evangelium, weil es nur einen Christus gibt, der durch seinen Tod und seine Auferstehung der einzige Weg der Erlösung ist. Wir verwerfen darum sowohl den Relativismus, der alle Religionen und Ausdrucksformen von Spiritualität als gleichwertige Wege zu Gott wertet, wie auch den Synkretismus, der versucht, den Glauben an Christus mit anderen Religionen zu vermischen.

Weil Gott Jesus über alles erhöht hat, damit jedermann ihn anerkenne, ist dies auch unser Wunsch. Gedrängt durch die Liebe Christi müssen wir dem Missionsbefehl Christi gehorchen und Christi verlorene Schafe lieben. Getrieben durch Eifer für Christi heiligen Namen sehnen wir uns danach, daß Christus die Ehre und die Herrlichkeit empfängt, die ihm gebühren.

In der Vergangenheit haben wir uns manchmal dessen schuldig gemacht, daß wir gegenüber Anhängern anderer Glaubensweisen die Haltung der Unwissenheit, der überheblichkeit, des fehlenden Respekts und sogar der Feindseligkeit an den Tag gelegt haben. Darüber tun wir Buße. Aber wir sind entschlossen, die Einzigartigkeit im Leben, Sterben und Auferstehen unseres Herrn in allen Aspekten unserer evangelistischen Arbeit einschließlich des Dialoges mit anderen Religionen aufbauend und zugleich ohne Kompromisse zu bezeugen. (1.Kor.8,5; Ps. 8; Röm. 1,19.20; Apg. 17,28; 1.Joh.5,19; Apg. 10,1.2; 11,14.18; 15,8.9; Joh. 14,6; 1. Mose 12,1-3; 17,1.2; Röm. 3,9; 10,12; Apg. 13,46; Röm. 1,16; 2,9.10; Apg. 13,38.39; Joh. 1,1.14.18; Röm. 1,3.4; 1. Petr. 2,24; 1. Kor. 15,3; 2. Kor. 5,21; 1. Kor. 15,1-11; Mt. 25,31.32; Apg. 17,30.31; Offb. 5,11-14; Apg. 4,12; Phil. 2,9-11; 2. Kor. 5,14; Mt. 28,19.20; Joh. 10,11.15; 2. Kor. 11,2.3; 1. Tim. 2,5-7)

4. Das Evangelium und Soziale Verantwortung
Das unveränderte biblische Evangelium muá im veränderten Leben von Männern und Frauen sichtbar werden. Indem wir die Liebe Gottes verkündigen, müssen wir gleichzeitig in liebendem Dienst engagiert sein; indem wir das Evangelium vom Reich Gottes predigen, müssen wir seinen Forderungen für Gerechtigkeit und Frieden verpflichtet sein.

Die Evangelisation ist vorrangig, weil es uns im Sinn des Evangeliums in erster Linie darum geht, daß alle Menschen Gelegenheit erhalten, Jesus Christus als Herrn und Retter anzunehmen. Aber Jesus hat das Reich Gottes nicht nur verkündigt, sondern er hat die Ankunft des Reiches durch Werke der Barmher- zigkeit und durch Vollmacht unter Beweis gestellt. Wir sind heute zu einem ähnlichen Miteinander von Wort und Tat aufgerufen. In einem Geist der Demut sollen wir predigen und lehren, den Kranken dienen, die Hungrigen speisen, uns um Gefangene kümmern, den Benachteiligten und Behinderten helfen und die Unterdrückten retten. Wohl gibt es eine Vielfalt von geistlichen Gaben, Berufungen und Lebenszusammenhängen. Aber wir bekräftigen, daß die gute Nachricht und gute Werke untrennbar sind.

Die Proklamation des Reiches Gottes erfordert notwendigerweise die prophetische Verwerfung all dessen, was damit nicht vereinbar ist. Zu den übeln, die wir beklagen, gehören zerstörerische Gewalt, auch in der Form von institutionalisierter Gewalt, politische Korruption, alle Formen der Ausbeutung von Menschen und der Erde, Aushöhlung der Familie, Abtreibung auf Verlangen, Drogenhandel und Nichtbeachtung der Menschenrechte. In unserer Fürsorge für die Armen sind wir betrübt über die Schuldenlast in der Zweidrittelwelt. Wir sind auch empört über die unmenschlichen Bedingungen, unter denen Millionen leben, die wie wir Gottes Ebenbild tragen.

Unsere fortwährende Verpflichtung zu sozialem Handeln ist nicht eine Verwechslung des Reiches Gottes mit einer christianisierten Gesellschaft. Sie ist vielmehr eine Anerkennung der Tatsache, daß das biblische Evangelium unausweichlich soziale Folgerungen hat. Wahre Mission muß immer “inkarnatorisch” sein. Darum müssen wir demütig Zugang suchen zu der Welt anderer Menschen, indem wir uns mit ihrer sozialen Wirklichkeit identifizieren, mit ihrer Trauer und ihrem Leid, mit ihrem Ringen um Gerechtigkeit gegen Unterdrückungsmächte. Dies kann nicht ohne persönliche Opfer geschehen.

Wir tun Buße darüber, daá die Enge unserer Anliegen und Perspektiven uns oft davon abgehalten hat, die Herrschaft Jesu Christi über das ganze Leben, das private und das öffentliche, über das lokale und das globale auszurufen. Wir sind entschlossen, Christi Befehl zu gehorchen, “zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit zu trachten”. (1. Thess. 1,6-10; 1. Joh. 3,17; Röm. 14,17; Röm. 10,14; Mt. 12,28; 1. Joh. 3,18; Mt. 25,34-46; Apg. 6,1-4; Röm. 12,4-8; Mt. 5,16; Jer. 22,1-5; 11-17; 23,5.6; Am. 1,1.2; 8; Jes. 59; 3. Mose 25; Hiob 24,1-12; Eph. 2,10; Jak. 5,1-6; Joh. 17,18; 20,21; Phil. 2,5-8; Apg. 10,36; Ma. 6,33)

B. Die ganze Kirche
Das ganze Evangelium muá von der ganzen Kirche proklamiert werden. Das ganze Volk Gottes ist dazu berufen, an der evangelistischen Aufgabe teilzunehmen. Doch ohne den Heiligen Geist Gottes werden alle Unternehmungen fruchtlos sein.

5. Gott, der Evangelist
Die Schrift erklärt, daß Gott selbst der eigentliche Evangelist ist. Denn der Geist Gottes ist der Geist der Wahrheit, der Liebe, der Heiligkeit und Kraft. Evangelisation ist ohne diesen Geist unmöglich. Er ist es, der den Botschafter bevollmächtigt, der das Wort bestätigt, der den Hörer vorbereitet, der den Sünder überführt, der den Blinden erleuchtet, der Tote zum Leben erweckt und der uns befähigt, Buße zu tun und zu glauben. Er verbindet uns mit dem Leib Christi, er schenkt uns die Gewißheit, daß wir Gottes Kinder sind; er hilft uns zu einem christusähnlichen Wesen und zu einem entsprechenden Dienst. Er sendet uns als Zeugen Christi aus. In alledem ist es das Hauptziel des Heiligen Geistes, Jesus Christus zu verherrlichen, indem er uns Christus vor Augen stellt und ihn in uns Gestalt werden läßt.

Jede Evangelisierung beinhaltet einen geistlichen Kampf mit den Mächten und Gewalten des Bösen, in dem nur geistliche Waffen siegen können. Dies sind vor allem das Wort und der Geist zusammen mit dem Gebet. Darum rufen wir alle Christen dazu auf, treu in ihrem Gebet für die Erneuerung der Gemeinde und für die Evangelisation der Welt einzutreten.

Bei jeder wahren Bekehrung geht es um einen Kampf von Mächten, denen gegenüber die übergeordnete Autorität Jesu Christi unter Beweis gestellt wird. Es gibt kein gröáeres Wunder als dieses. Der Gläubige wird dadurch von der Macht Satans und der Sünde, von Furcht und Sinnlosigkeit, von Dunkelheit und Tod befreit.

Obwohl die Wunder Jesu etwas Besonderes waren, nämlich Zeichen seiner Messianität und Vorwegnahme seiner vollkommenen Herrschaft, wenn ihm die ganze Natur unterworfen sein wird, haben wir nicht die Freiheit, der Macht des lebendigen Schöpfers heute Grenzen zu setzen. Wir weisen sowohl den Zweifel zurück, der Wunder verneint, als auch die Anmaßung, die Wunder fordert; sowohl die ängstlichkeit, die vor der Fülle des Geistes zurückschreckt, als auch das Siegesverlangen, das die Schwachheit zu meiden sucht, in der doch die Kraft Christi sich mächtig erweisen will.

Wir tun Buße über alle selbstsicheren Versuche, im Vertrauen allein auf unsere Kraft zu evangelisieren oder dem Heiligen Geist etwas vorschreiben zu können. Wir sind entschlossen, in Zukunft den Geist nicht zu “betrüben” oder zu “dämpfen”, sondern vielmehr danach zu streben, die Gute Nachricht “in Kraft und in dem Heiligen Geist und in großer Gewißheit” auszubreiten. (2. Kor. 5,20; Joh. 15,26.27; Luk. 4,18; 1. Kor. 2,4; Joh. 16,8-11; 1. Kor. 12,3; Eph. 2,5; 1. Kor. 12,13; Röm. 8,16; Gal. 5,22.23; Apg. 1,8; Joh. 16,14; Gal. 4,19; Eph. 6,10-12; 2. Kor. 10,3-5; Eph. 6,17; Eph. 6,18-20; 2. Thess. 3,1; Apg. 26,17.18; 1. Thess. 1,9.10; Kol. 1,13.14; Joh. 2,11; 20,30.31; Joh. 11,25; 1. Kor. 15,20-28; Jer. 32,17; 2. Tim. 1,7; 2. Kor. 12,9.10; Jer. 17,5; Eph. 4,30; 1. Thess. 5,19; 1.Thess.1,5)

6. Die menschlichen Zeugen
Gott, der Evangelist, gibt seinen Leuten das Vorrecht, seine “Mitarbeiter” zu sein. Wir können nicht ohne ihn Zeugnis ablegen; aber er bedient sich normalerweise unseres Zeugnisses. Er beruft manche zu Evangelisten, Missionaren oder Pastoren, aber er beruft seine ganze Gemeinde und jedes ihrer Glieder, seine Zeugen zu sein.

Aufgabe und Vorrecht von Pastoren und Lehrern ist es, Gottes Volk zur Reife zu führen und sie zum Dienst auszurüsten. Pastoren dürfen Dienste nicht monopolisieren, sondern sollen sie vielmehr multiplizieren, indem sie andere dazu ermutigen, ihre Gaben einzusetzen und indem sie Jünger darin ausbilden, andere zu Jüngern zu machen. Die Beherrschung der Laien durch “Geistliche” ist in der Geschichte der Kirche ein großes übel gewesen. Sie beraubt Laien und Geistliche ihrer ihnen von Gott zugedachten Rolle, führt zur überlastung der Geistlichen, schwächt die Gemeinde und behindert die Ausbreitung des Evangeliums. Darüber hinaus ist sie zutiefst unbiblisch. Wir, die wir seit Jahrhunderten das “Priestertum aller Gläubigen” betont haben, bestehen jetzt auch auf diesem Dienst aller Gläubigen.

Wir erkennen dankbar an, daß Kinder und junge Leute den Gottesdienst und die Evangelisation der Gemeinde durch ihre Begeisterung und ihren Glauben bereichern. Wir müssen sie in Nachfolge und Evangelisation schulen, damit sie ihre eigene Generation für Christus erreichen können.

Gott hat Männer und Frauen gleichermaßen zu seinem Ebenbild geschaffen; er nimmt sie gleichermaßen in Christus an; er hat seinen Geist auf alles Fleisch ausgegossen, auf Söhne und Töchter gleichermaßen. Weil der Heilige Geist seine Gaben Frauen ebenso wie Männern mitteilt, muß ihnen auch Gelegenheit gegeben werden, diese ihre Gaben einzusetzen. Wir würdigen ihre herausragenden Leistungen in der Geschichte der Mission und sind davon überzeugt, daß Gott Frauen auch heute in ähnliche Aufgaben beruft. Obwohl unter uns keine volle übereinstimmung darüber besteht, in welcher Form sie Leitungsaufgaben übernehmen sollten, stimmen wir doch darin überein, daß Männer und Frauen nach Gottes Willen gerne in der Weltevangelisation partnerschaftlich zusammenarbeiten sollen. Eine geeignete Ausbildung muß daher beiden zugänglich gemacht werden.

Das Zeugnis der Laien durch Männer und Frauen geschieht nicht nur durch die örtliche Gemeinde (s.Abschnitt 8), sondern durch Freundschaften, zuhause und am Arbeitsplatz. Auch Arbeits- und Heimatlose sind dazu berufen, Zeugen zu sein.

In erster Linie sollen wir denen gegenüber Zeugnis ablegen, die bereits unsere Freunde, Verwandten, Nachbarn und Kollegen sind. Evangelisation in der eigenen Wohnung kann von Verheirateten und Alleinstehenden gleichermaáen wahrgenommen werden. Ein christliches Zuhause sollte nicht nur die Richtigkeit der Maástäbe Gottes im Bereich von Ehe, Sexualität und Familie bekräftigen, sondern auch einen von Liebe und Frieden geprägten Raum für ange- schlagene Menschen bieten. Auch Nachbarn, die nie eine Kirche betreten würden, fühlen sich in der entspannten Atmosphäre eines Heims wohl, auch wenn dort das Evangelium diskutiert wird.

Ein weiterer Bereich für das Zeugnis der Laien ist der Arbeitsplatz, weil hier die meisten Christen die Hälfte ihres Tages verbringen und weil Arbeit eine göttliche Berufung ist. Christen können auf Christus hinweisen durch das gesprochene Wort, durch ihren beständigen Fleiß, durch Ehrlichkeit und Rücksichtnahme, durch ihr Eintreten für Gerechtigkeit am Arbeitsplatz und ganz besonders dann, wenn andere an der Qualität ihrer täglichen Arbeit sehen können, daß diese zur Ehre Gottes getan wird.

Wir tun Buße darüber, daß wir zur Entmutigung des Dienstes der Laien beigetragen haben, besonders bei Frauen und jungen Leuten. Wir sind entschlossen, alle Nachfolger Christi dazu zu ermutigen, den ihnen zustehenden und natürlichen Platz als Zeugen einzunehmen. Denn wahre Evangelisation entspringt einem Herzen, das Jesus liebt. Darum ist sie Aufgabe des ganzen Volkes Gottes, ohne jede Ausnahme. (2. Kor. 6,1; Apg. 8,26-39; 14,27; Eph. 4,11; Apg. 13,1-3; Apg. 1,8; 8,1.4; Eph. 4,11-12; Mt. 28,19; 2. Tim. 2,2; 1. Thess. 5,12-15; 1. Kor. 12,4-7; Eph. 4,7; Mt. 21,15.16; 1. Tim. 4,12; Gen.1,26-27; Gal. 3,28; Apg.2,17-181. Petr. 4,10; Röm. 16,1-6.12; Phil. 4,2.3; Mk. 5,18-20; Luk. 5; ,27-32; Apg. 28,30.31; Apg. 10,24.33; 18,7.8; 24-26; 1. Kor. 7,17-24; Tit. 2,9.10; Kol. 4,1; Kol. 3,17.23.24; Apg. 4,20)

7. Die Glaubwürdigkeit der Zeugen
Nichts spricht deutlicher für das Evangelium als ein erneuertes Leben. Nichts bringt es mehr in Verruf, als wenn unser persönliches Leben dazu in Widerspruch steht. Wir sind dazu aufgerufen, unser Leben auf eine Weise zu führen, die des Evangeliums Christi würdig ist, ja wir sollen es sogar “schmücken”, indem wir seine Schönheit durch ein heiliges Leben unterstreichen. Denn eine aufmerksam beobachtende Welt wartet mit Recht auf sichtbare Erweise, die den Anspruch belegen, den die Jünger für Christus erheben. Ein starker Beweis ist unsere Lauterkeit.

Unsere Verkündigung, daß Christus starb, um uns zu Gott zu bringen, spricht Menschen an, die geistlich durstig sind. Aber sie werden uns nicht glauben, wenn wir keinen Erweis dafür erbringen, daß wir den lebendigen Gott kennen, oder wenn es unserem täglichen Christsein an Nüchternheit und an Alltagsbezug mangelt.

Unsere Botschaft, daß Christus entfremdete Menschen miteinander versöhnt, klingt nur dann glaubhaft, wenn deutlich wird, daß wir einander lieben und vergeben, wenn wir anderen in Demut dienen und wenn wir über unsere Gemeinschaft hinaus Bedürftige zu erreichen versuchen mit einem von Erbarmen geprägten Dienst, den wir uns etwas kosten lassen.

Unsere Aufforderung an andere, sich selbst zu verleugnen, ihr Kreuz auf sich zu nehmen und Christus zu folgen, wird nur dann einsichtig sein, wenn wir selbst für offenkundig selbstsüchtigen Ehrgeiz, Unehrlichkeit und Habgier gestorben sind und ein von Einfachheit, Zufriedenheit und Freigiebigkeit geprägtes Leben führen.

Wir beklagen den Mangel an christlicher Konsequenz, den wir bei Christen und Gemeinden sehen: Habsucht, überlegenheitsgefühl und Konkurrenzdenken, Wettbewerb im christlichen Dienst, Neid junger Verantwortlicher, missionarische Bevormundung, das Fehlen gegenseitiger Verantwortlichkeit, Verlust christlicher Maástäbe in der Sexualität sowie rassische, soziale und sexuelle Diskriminierung. All dies sind Formen von Anpassung an die Welt. Der jeweils vorherrschenden Kultur wird erlaubt, die Gemeinde zu unterwandern, statt daß die Gemeinde die Kultur herausfordert und verändert. Wir sind tief beschämt darüber, daß wir zeitweise als Einzelne und als christliche Gemeinden zwar Christus im Wort bekannt, ihn aber in der Tat verleugnet haben. Unser Versagen beraubt unser Zeugnis seiner Glaubwürdigkeit. Wir erkennen unser fortdauerndes Ringen und Versagen an. Aber gleichzeitig sind wir entschlossen, durch Gottes Gnade Lauterkeit in uns und in der Gemeinde zu fördern. (2. Kor. 6,3.4; Phil. 1,27; Tit. 2,10; Kol. 4,5.6; Spr. 11,3; 1. Petr. 3,18; 1. Joh. 1,5.6; 1. Kor. 14,25.26; Eph. 2,14-18; Eph. 4,31-5,2; Gal. 5,13; Lk. 10,29-37; Mk. 8,34; Mt. 6,19-21; 31-33; 1. Tim. 6,6-10; 17.18; Apg. 5,1-11; Phil. 1,15-17; 1. Kor. 5,1-13; Jak. 2,1-4; 1. Joh. 2,15-17; Mt. 5,13; Mt. 7,21-23; 1. Joh. 2,4; Eph. 4,1)

8. Die örtliche Gemeinde
Jede christliche Gemeinde ist die örtliche Gegenwart des Leibes Christi. Jede Gemeinde hat die gleiche Verantwortung. Sie ist “ein heiliges Priestertum”, um Gott die geistlichen Opfer der Anbetung zu bringen und “ein heiliges Volk” zu sein, das seine Wohltaten bezeugen soll. Die Gemeinde ist damit eine anbetende und eine bezeugende Gemeinschaft aus der Welt, gesammelt und zugleich in die Welt zerstreut, berufen und gesandt. Anbetung und Zeugnis sind untrennbar.

Wir glauben, daß die örtliche Gemeinde vorrangig für die Verbreitung des Evangeliums verantwortlich ist. Die Schrift beschreibt diesen Vorgang: “Unsere Predigt des Evangeliums kam zu euch” und “von euch aus ist das Wort des Herrn erschollen”. Auf diese Weise erschafft das Evangelium die Gemeinde, die ihrerseits das Evangelium verbreitet, das wiederum neue Gemeinden in einer beständigen Kettenreaktion ins Leben ruft. Was die Schrift lehrt, bestätigt die Erfahrung zielstrebig strategischer Evangelisierung. Jede örtliche Gemeinde muß ihr Einzugsgebiet evangelisieren; sie verfügt über die hierzu notwendigen Mittel.

Wir empfehlen jeder Gemeinde, regelmäßige Studien nicht nur über ihre Mitgliederstruktur und ihre Programme durchzuführen, sondern auch über ihre Ortschaft in ihrer Besonderheit, um angemessene Missionsstrategien zu entwikeln. Ihre Glieder mögen sich dafür entscheiden, ein Besuchsprogramm für die ganze Umgebung zu organisieren, für Christus die Ortschaft zu durchdringen, in der sie leben, eine Reihe evangelistischer Treffen, Vorträge oder Konzerte durchzuführen, mit den Armen zusammenzuarbeiten, um ein örtliches Slum-Gebiet zu sanieren oder eine neue Gemeinde in einem benachbarten Gebiet oder Dorf zu gründen. Gleichzeitig darf sie nicht die weltweite Aufgabe der Gemeinde vergessen. Eine Gemeinde, die Missionare aussendet, darf darüber nicht ihren eigenen Ort vergessen. Eine Gemeinde, die ihre Nachbarschaft evangelisiert, darf darüber nicht die übrige Welt vergessen.

In alledem sollen Gemeinden verschiedener Denominationen möglichst zusammenarbeiten und darum bemüht sein, jeden Geist der Konkurrenz in einen Geist der Zusammenarbeit umzuwandeln. Gemein- den sollten auch mit übergemeindlichen Organisationen zusammenarbeiten, speziell im Bereich der Evangelisation, der Jüngerschaftsschulung und in sozialen Aufgaben, weil solche Werke Teil des Leibes Christi sind, von deren wertvoller Spezial-Erfahrung die Gemeinde viel profitieren kann.

Die Gemeinde ist nach Gottes Absicht ein Zeichen seines Reiches, d.h. ein Hinweis darauf, wie die menschliche Gemeinschaft aussieht, wenn sie unter seine Herrschaft von Gerechtigkeit und Frieden kommen wird. Bei einzelnen und Gemeinden muß das Evangelium verkörpert sein, wenn es wirksam weitervermittelt werden soll. Durch unsere Liebe zueinander offenbart sich heute der unsichtbare Gott, besonders wenn unsere Gemeinschaft sich in kleinen Gruppen bewährt und wenn sie die Grenzen von Rasse, gesellschaftlicher Stellung, Geschlecht und Alter überwindet, die andere Gemeinschaftsformen bestimmen.

Wir bedauern zutiefst, daß viele unserer Gemeinden nur sich selbst sehen; daß sie sich nur um ihr eigenes Bestehen sorgen, nicht aber um die Mission, daß sie sich hauptsächlich um gemeinde- orientierte Aktivitäten kümmern und das nach außen gerichtete Zeugnis vernachlässigen. Wir sind entschlossen, unsere Gemeinden von innen nach außen auszurichten, damit sie sich in andauernder Evangelisation betätigen, bis der Herr täglich solche hinzutut, die gerettet werden. (1. Kor. 12,27; 1. Petr. 2,5.9; Joh. 17,6.9.11.18; Phil. 2,14-16; 1.Thess.1,5.8; Apg. 19,9.10; Kol. 1,3-8; Apg. 13,1-3; 14,26-28; Phil. 1,27; Lk. 12,32; Röm. 14,17; 1. Thess. 1,8-10; 1.Joh.4,12; Joh. 13,34.35; 17,21.23; Gal. 3,28; Kol. 3,11; Apg. 2,47)

9. Zusammenarbeit in der Evangelisation
Evangelisation und Einheit sind im Neuen Testament eng miteinander verbunden. Jesus betete darum, daß die Einheit seiner Leute seine eigene Einheit mit dem Vater widerspiegeln möge, damit die Welt an ihn glaube. Paulus ermahnte die Philipper, “einmütig für den Glauben des Evangeliums zu kämpfen”. Im Gegensatz zu dieser biblischen Schau schämen wir uns der Verdächtigungen und Rivalitäten, des Glaubensstreits über Nebensächlichkeiten, der Machtkämpfe und des Aufbaus von Machtbereichen, die unser evangelistisches Zeugnis behindern und zerstören. Wir bekräftigen, daß Zusammenarbeit in der Evangelisation unabdingbar ist, weil das Evangelium der Versöhnung durch unsere Uneinigkeit in Verruf gebracht wird; und weil wir, wenn die Aufgabe der Weltevangelisation je erfüllt werden soll, darin zusammenarbeiten müssen.

Mit “Zusammenarbeit” meinen wir “Einheit in Verschiedenartigkeit”. Sie schließt Menschen verschiedener Temperamente, Begabungen, Berufungen und Kulturen, nationaler Kirchen und Missionsgesellschaften, aller Altersstufen und beider Geschlechter mit ein.

Wir sind entschlossen, ein für alle Mal die vereinfachende Unterscheidung zwischen sendenden Ländern in der Ersten und den empfangenden Ländern der Zweidrittel-Welt hinter uns zu lassen, die eine Nachwirkung der kolonialen Vergangenheit darstellt. Denn die große neue Tatsache unserer Zeit ist die Internationalisierung der Missionsbemühungen. Die große Mehrheit aller evangelikalen Christen lebt jetzt außerhalb des Westens. Die Zahl der Missionare der Zweidrittel-Welt wird bald die der aus dem Westen übersteigen. Wir glauben, daß Missionsteams, die verschiedenartig zu- sammengesetzt, aber im Wesen und Denken vereint sind, ein höchst wirksames Zeugnis der Gnade Gottes darstellen.

Wenn wir uns auf “die ganze Gemeinde” beziehen, erheben wir damit nicht den anmaßenden Anspruch, daß die weltweite Gemeinde und die evangelikale Gemeinschaft identisch seien. Denn wir erkennen an, daß es viele Kirchen gibt, die nicht Teil der evangelikalen Bewegung sind. Evangelikale Haltungen gegenüber der Römisch-Katholischen und den Orthodoxen Kirchen sind sehr verschiedenartig. Viele Evangelikale beten, sprechen, studieren die Schrift mit diesen Kirchen und arbeiten mit ihnen zusammen. Andere lehnen jede Form des Dialoges oder der Zusammenarbeit mit ihnen ab. Alle Evangelikalen sind sich dessen bewußt, daß ernsthafte theologische Unterschiede zwischen ihnen und uns bestehen. Wo es möglich ist und wo kein Kompromiß zu Lasten der Wahrheit eingegangen wird, mag Zusammenarbeit möglich sein in Bereichen wie der Bibelübersetzung, dem Studium zeitgenössischer theologischer und ethischer Fragestellungen, der Sozialarbeit und des politischen Handelns. Wir möchten jedoch klarstellen, daß gemeinsame Evangelisation eine gemeinsame Verpflichtung gegenüber der biblischen Botschaft voraussetzt.

Einige von uns sind Glieder von Kirchen, die zum Weltrat der Kirchen gehören und glauben, daß eine positive und doch kritische Teilnahme an einer Arbeit unsere christliche Pflicht ist. Andere unter uns haben keine Verbindung zum Weltrat der Kirchen. Wir alle bitten den Weltrat der Kirchen dringend, ein konsequent biblisches Verständnis von Evangelisation anzunehmen.

Wir bekennen, daß wir selbst einen Teil der Verantwortung für die Zerteilung des Leibes Christi tragen, die kein kleines Hindernis für die Weltevangelisation ist. Wir sind entschlossen, uns weiter um die Einheit in Wahrheit zu bemühen, um die Christus gebetet hat. Wir sind davon überzeugt, daß der richtige Weg zu einer engeren Zusammenarbeit mit allen, die unsere Anliegen teilen, in einem freimütigen und geduldigen Dialog auf der Basis der Bibel besteht. Hierzu erklären wir uns gern bereit. (Joh.17,20.21; Phil.1,27; 1.Petr.2,5.9; Joh. 17,20.21; Phil. 1,27; Phil. 1,15.17; 2,3.4; Röm. 14,1-15,2; Phil. 1,3-5; Eph. 2,14-16; 4,1-6; Eph. 4,6.7; Apg. 20,4; Joh. 17,11.20-23)

C. Die ganze Welt
Das ganze Evangelium ist der ganzen Kirche anvertraut, damit sie es der ganzen Welt bekanntmacht. Es ist darum notwendig, daß wir die Welt verstehen, in die wir gesandt sind. (Mk. 16,15)

10. Die moderne Welt
Evangelisierung findet statt in einem Lebenszusammenhang, nicht in einem Leerraum. Das Gleichgewicht zwischen Evangelium und Kontext muß sorgfältig gewahrt werden. Wir müssen den Kontext verstehen, um ihn ansprechen zu können, aber der Kontext darf das Evangelium nicht verzerren.

In diesem Zusammenhang macht uns die Auswirkung der “Modernität” Sorge. wir verstehen darunter das Aufkommen einer Weltkultur, die durch die Industrialisierung mit ihrer Technologie und durch die Verstädterung mit ihrer wirtschaftlichen Struktur zustande kommt. Diese Faktoren schaffen zusammengenommen eine Umwelt, die stark die Art und Weise prägt, wie wir unsere Welt sehen. Darüber hinaus hat der Säkularismus den Glauben zerstört, indem er Gott und das übernatürliche für bedeutungslos erklärt. Die Verstädterung hat das Leben für viele unmenschlich werden lassen. Die Massenmedien haben zu einer Entwertung von Wahrheit und Autorität beigetragen, indem sie das Wort durch das Bild ersetzt haben. Diese kombinierten Folgen der Modernität verändern bei vielen Verkündigern die Botschaft; sie untergraben ihre Motivation zur Mission.

Im Jahre 1900 lebten nur etwa 9 Prozent der Weltbevölkerung in Städten; im Jahre 2000 rechnet man mit mehr als 50 Prozent Stadtbewohnern. Diese weltweite Bewegung in die Städte hat man “die größte Völkerwanderung in der Menschheitsgeschichte” genannt. Sie stellt eine wesentliche Herausforderung für die christliche Mission dar. Auf der einen Seite ist die städtische Bevölkerung ausgesprochen kosmopolitisch ausgerichtet, so daß wir den Nationen vor unserer Haustür in der Stadt begegnen. Können wir nationalitätenübergreifende Gemeinden entwickeln, in denen das Evangelium ethnische Grenzen niederreißt? Andererseits sind viele Stadtbewohner zugewanderte Arme, die auch für das Evangelium offen sind. Kann das Volk Gottes dazu gebracht werden, in solche innerstädtische arme Viertel zu ziehen, um dadurch den Menschen zu dienen und an der Veränderung der Stadt mitzuwirken?

Die Modernisierung bringt neben Segnungen auch Gefahren. Mit ihrer weltweiten Verbindung von Kommunikation und Handel eröffnet sie unerwartete Möglichkeiten für das Evangelium, etwa das überschreiten alter Grenzen und das Durchdringen geschlossener Gesellschaften, ob sie nun traditionell oder totalitär geprägt sind. Die christlichen Medien üben einen großen Einfluß beim Ausstreuen des Samens des Evangeliums aus, ebenso wie auch schon bei der Vorbereitung des Bodens. Die größeren missionarischen Evangeliumssender wollen bis zum Jahr 2000 das Zeugnis des Evangeliums in jeder wichtigen Sprache über das Radio verbreiten.

Wir bekennen, daß wir uns zu wenig darum bemüht haben, die Modernisierung zu verstehen. Wir haben ihre Methoden und Techniken zu unkritisch benutzt und uns auf diese Weise der Verweltlichung ausgesetzt. Aber wir sind entschlossen, in Zukunft diese Herausforderungen und Gelegenheiten ernstzunehmen, dem säkularen Druck der Modernität zu widerstehen, die Herrschaft Jesu Christi in Bezug zur ganzen modernen Kultur zu setzen und uns dadurch in der Mission in der modernen Welt zu engagieren, ohne daß Verweltlichung die moderne Mission bestimmt. (Apg. 13,14-41; 14,14-17; 17,22-31; Röm. 12,1.2)

11. Die Herausforderung des Jahres 2000 und darüber hinaus
Die Weltbevölkerung nähert sich heute der Sechs-Milliarden-Grenze. Ein Drittel davon bezeichnet sich als Christen. Von den verbleibenden vier Milliarden hat die Hälfte von Christus gehört, die andere Hälfte nicht. Im Lichte dieser Zahlen haben wir unseren evangelistischen Auftrag untersucht und sind auf vier Kategorien von Menschen gestoßen:

Erstens sind da die überzeugten Christen. Sie bilden das Potential der Mitarbeiter für die Mission. In diesem Jahrhundert ist diese Kategorie gläubiger Christen von etwa 40 Millionen im Jahr 1900 auf heute etwa 500 Millionen angewachsen. Zur Zeit wächst sie mehr als doppelt so schnell als jede andere wichtige religiöse Gruppierung.

Zweitens gibt es die Namenschristen. Sie bekennen sich zum Christentum (sie sind getauft, besuchen gelegentlich einen Gottesdienst und nennen sich auch Christen), aber der Gedanke einer persönlichen Hingabe an Christus ist ihnen fremd. Man findet sie in allen Kirchen der ganzen Welt. Sie brauchen dringend eine Neu-Evangelisierung.

Drittens gibt es die Nicht-Evangelisierten. Dies sind Menschen, die über eine geringe Kenntnis des Evangeliums verfügen, aber noch keine wirkliche Gelegenheit hatten, darauf zu reagieren. Sie leben wahrscheinlich in Reichweite von Christen, wenn diese nur in die nächste Straße, ins nächste Dorf oder in die nächste Stadt gehen würden, um sie aufzusuchen.

Viertens gibt es die Unerreichten. Das sind die zwei Milliarden Menschen, die noch nie etwas von Jesus, dem Retter, gehört haben und die sich auáer Reichweite von Christen ihrer eigenen Volks- gruppe befinden. Es gibt etwa 2000 Völker oder Nationalitäten, in denen es noch keine lebendige einheimische Gemeinde gibt. Wir empfinden es als hilfreich, von ihnen als Menschen zu sprechen, die einer kleineren “Volksgruppe” angehören, die sich irgendwie miteinander verbunden fühlen (z.B. durch gemeinsame Kultur, Sprache, Heimat oder Beruf). Am wirksamsten werden sie durch Missionare erreicht, die ihrem eigenen Kulturkreis angehören und ihre Sprache sprechen. Wenn das nicht möglich ist, müssen interkulturelle Botschafter des Evangeliums zu ihnen gehen, die die eigene Kultur hinter sich lassen und sich opferbereit mit dem Volk identifizieren, das sie für Christus erreichen wollen.

Zur Zeit gibt es etwa 12.000 solcher unerreichter Volksgruppen innerhalb der 2.000 gröáeren Völker, so daß die Aufgabe nicht unlösbar ist. Dennoch sind gegenwärtig nur sieben Prozent aller Missionare in dieser Art der Missionsarbeit engagiert, während die verbleibenden 93 Prozent in der bereits evangelisierten Hälfte der Welt arbeiten. Wenn dieses Ungleichgewicht ausgeglichen werden soll, wird eine strategische Umplazierung der Mitarbeiter erforderlich sein.

Unzugänglichkeit ist ein erschwerender Faktor im Blick auf jede der genannten Kategorien. Viele Länder erteilen den “Nur-Missionaren”, die keine andere Qualifikation haben bzw. keine andere Arbeit leisten können, keine Visa. Dennoch sind solche Gebiete nicht völlig unzugänglich. Unsere Gebete können jeden Vorhang, jede Tür und jede Grenze durchdringen. Auch christliche Radio- und Fernsehsendungen Ton- und Videokassetten, Filme und Literatur können die ansonsten Unerreichbaren erreichen. Das gilt auch für die sogenannten “Zeltmacher”, die wie Paulus ihren Lebensunterhalt selbst verdienen. Sie reisen in der Ausübung ihres Berufes (z.B. als Geschäftsleute, Universitäts- professoren, technische Spezialisten und Sprachlehrer) und benutzen jede Gelegenheit, von Christus zu reden. Sie betreten das Land nicht aufgrund falscher Angaben, denn ihre Arbeit führt sie wirklich dorthin. Für sie ist nur der Zeugendienst ein entscheidender Bestandteil ihres christlichen Lebensstils, wo auch immer sie sich gerade aufhalten.

Wir tun Buße darüber, daß fast zwei Jahrtausende seit Tod und Auferstehung Jesu vergangen sind und immer noch zwei Drittel der Weltbevölkerung ihn nicht als Herrn anerkannt haben. Andererseits staunen wir über sich mehrende Beweise der Kraft Gottes an Orten unserer Erde, wo wir dies am wenigsten vermuten würden.

Das Jahr 2000 ist für viele von uns zu einem herausfordernden Datum geworden. Können wir uns dazu verpflichten, die Welt in den letzten zehn Jahren dieses Jahrtausends zu evangelisieren? Es ist kein magisches Datum, aber sollten wir nicht unser Bestes tun, um dieses Ziel zu erreichen? Christus beauftragt uns, das Evangelium allen Völkern zu bringen. Die Aufgabe ist dringlich. Wir sind entschlossen, ihm freudig und hoffnungsvoll zu gehorchen. (Apg. 18,1-4; 20,34; Lk. 24,45-47)

12. Schwierige Situationen
Jesus hat seine Nachfolger klar darauf vorbereitet, daß sie Widerstand zu erwarten haben. “Wenn sie mich verfolgen”, sagte er, “werden sie euch auch verfolgen”. Er sagte ihnen sogar, daß sie sich über Verfolgung freuen sollten und erinnerte sie daran, daß die Voraussetzungen zum Fruchttragen der Tod ist.

Diese Voraussagen, daß das Leiden für Christen ebenso unvermeidlich wie fruchtbar ist, haben sich in jedem Zeitalter einschließlich des unsrigen bewahrheitet. Es hat schon zahllose Märtyrer gegeben. Die heutige Situation ist nicht viel anders. Wir hoffen inständig, daß Glasnost und Perestroika in der Sowjetunion und anderen Ostblocknationen zu völliger Religionsfreiheit führen und daß islamische und hinduistische Länder sich mehr für das Evangelium öffnen. Wir beklagen die brutale Unterdrückung der demokratischen Bewegung in China und beten darum, daß daraus kein weiteres Leiden für die Christen erwächst. Aufs ganze gesehen jedoch scheint es, daß die alten Religionen weniger tolerant werden, ausländische Missionare weniger willkommen sind und die Welt dem Evangelium gegenüber weniger offen sein wird.

In dieser Situation machen wir den Regierungen gegenüber, die ihre Einstellung zu Christen neu überdenken, drei Aussagen:

I. Christen sind loyale Bürger, die das Wohl ihrer Nation suchen. Sie beten für ihre Verantwortungsträger und sie bezahlen ihre Steuern. Selbstverständlich können die, die Jesus als Herrn bekannt haben, nicht gleichzeitig andere Autoritäten Herr nennen. Wenn sie dazu aufgefordert werden oder etwas tun sollen, was Gott verbietet, müssen sie den Gehorsam verweigern. Aber sie sind gewissenhafte Bürger. Sie tragen auch zum Wohl ihres Landes bei durch die Stabilität ihrer Ehen und Familien, durch ihre Ehrlichkeit im Geschäftsleben, durch die Qualität ihrer Arbeit und durch ehrenamtlichen Einsatz im Dienste Behinderter und Bedürftiger. Gerechte Regierungen haben von Christen nichts zu befürchten.

II. Christen verwerfen unwürdige Methoden der Evangelisation. Das Wesen unseres Glaubens verpflichtet uns dazu, das Evangelium mit anderen zu teilen. Wir stellen es aber offen und ehrlich vor und ermöglichen damit dem Hörer, sich selbst frei zu entscheiden. Wir möchten gegenüber den Angehörigen anderer Religionen sensibel sein und verwerfen jedes Vorgehen, das sie zur Bekehrung zu zwingen versucht.

III. Christen verlangen ernsthaft Religionsfreiheit für alle Menschen, nicht nur Freiheit für den christlichen Glauben. In überwiegend christlich geprägten Ländern gehören Christen zu den ersten, die Freiheit für religiöse Minderheiten fordern. In überwiegend nichtchristlichen Ländern fordern die Christen daher für sich selbst nicht mehr als für andere unter ähnlichen Umständen. Die Freiheit, “Religion zu bekennen, zu praktizieren und zu verbreiten”, wie es in der Universalen Erklärung der Menschenrechte heiát, sollte und muß ein Recht sein, das man sich gegenseitig einräumt.

Wir bedauern sehr jedes unwürdige Zeugnis, dessen sich Nachfolger Jesu möglicherweise schuldig gemacht haben. Wir sind entschlossen, keinen unnötigen Anstoß in irgendeiner Hinsicht zu geben, damit der Name Christi nicht entehrt wird. Das ärgernis des Kreuzes jedoch können wir nicht vemeiden. Um des gekreuzigten Christus willen beten wir darum, daß wir durch seine Gnade bereit werden, für ihn zu leiden und zu sterben. Das Martyrium ist eine Form des Zeugnisses, die Christus in besonderer Weise zu ehren versprochen hat. (Joh. 15,20; Mt. 5,12; Joh. 12,24; Jer. 29,7; 1. Tim. 2,1.2; Röm. 13,6.7; Apg. 4,19; 5,29; 2. Kor. 4,1.2; 2. Kor. 6,3; 1. Kor. 1,18.23; 2,2; Phil. 1,29; Offb. 2,13; 6,9-11; 20,4)

III. Verkündigt Christus, bis er wiederkommt
“Verkündigt Christus, bis er wiederkommt” – so lautete das Thema von Lausanne II. Wir glauben, daß Christus schon einmal gekommen ist. Er kam, als Augustus Kaiser von Rom war. Aber wir wissen aus seinen Verheißungen, daß er eines Tages in unvorstellbarer Herrlichkeit wiederkommen wird, um sein Reich zu vollenden. Wir sind aufgerufen, zu wachen und bereit zu sein. Die Spanne zwischen dem ersten und zweiten Kommen Jesu soll durch christliches missionarisches Handeln bestimmt sein. Wir sind beauftragt, mit dem Evangelium bis an die Enden der Erde zu gehen. Es ist uns verheißen, daß das Ende nicht kommen wird, bis wir das getan haben. Das Ende von Raum und Zeit wird einst zusammenfallen. Bis dahin hat er versprochen, bei uns zu sein.

Somit ist die christliche Mission eine dringliche Aufgabe. Wir wissen nicht, wieviel Zeit uns hierfür zur Verfügung steht. Ganz sicher dürfen wir keine Zeit vergeuden. Damit wir unserer Verantwortung mit neuer Dringlichkeit gerecht werden, werden noch weitere Qualitäten nötig sein, besonders Einheit (wir müssen gemeinsam evangelisieren) und Opferbereitschaft (wir müssen die Kosten überschlagen und den Preis zahlen).In Lausanne haben wir uns verpflichtet, “für die Evangelisation der ganzen Welt gemeinsam zu beten, zu planen und zu arbeiten”. Unser Manifest von Manila betont, daß die ganze Kirche dazu aufgerufen ist, der ganzen Welt das ganze Evangelium zu bringen, indem wir Christus verkündigen, bis er kommt, und zwar mit aller gebotenen Dringlichkeit, Gemeinsamkeit und Opferbereit- schaut. (Lk. 2,1-7; Mk. 13,26.27; Mk. 13,32-37; Apg. 1,8; Mt. 24,14; Mt. 28,20)

 

20 Jul 1989

Foundational Statements

Die Lausanner Verpflichtung

Einleitung

Wir, Glieder der Gemeinde Jesu Christi aus mehr als 150 Nationen, Teilnehmer am Internationalen Kongreß für Weltevangelisation in Lausanne, loben Gott, weil Er Sein Heil geschenkt hat und freuen uns an der Gemeinschaft, die Er uns mit Ihm und untereinander schenkt. Gottes Wirken in unserer Zeit bewegt uns tief. Unser Versagen führt uns zur Buße. Die unvollendete Aufgabe der Evangelisation fordert uns heraus. Wir glauben, daß das Evangelium Gottes gute Nachricht für die ganze Welt ist. Durch Seine Gnade sind wir entschlossen, dem Auftrag Jesu Christi zu gehorchen, indem wir Sein Heil der ganzen Menschheit verkündigen, um alle Völker zu Jüngern zu machen. Darum wollen wir unseren Glauben und unseren Entschluá bekräftigen und unserer Verpflichtung öffentlich Ausdruck geben.

1. Der Plan Gottes

Wir bekräftigen unseren Glauben an den einen ewigen Gott, Schöpfer und Herrn der Welt, Vater, Sohn und Heiliger Geist, der alle Dinge nach dem Ratschluá Seines Willens regiert. Er hat Sein Volk aus der Welt herausgerufen und sendet es zurück in die Welt, als Seine Diener und Zeugen. Er hat die Gläubigen zur Ausbreitung Seines Reiches, zur Erbauung des Leibes Christi und zur Verherrlichung Seines Namens herausgerufen. Wir bekennen und bereuen, daß wir unserer Berufung oft untreu gewesen sind und unseren Auftrag nicht erfüllt haben, indem wir uns der Welt anpaßten oder uns von ihr zurückzogen. Doch freuen wir uns daran, daß das Evangelium, selbst wenn es in irdenen Gefäßen gefaßt ist, ein kostbarer Schatz ist. Erneut übernehmen wir die Aufgabe, diesen Schatz durch die Kraft des Heiligen Geistes bekanntzumachen.

2. Die Autorität der Bibel

Wir halten fest an der göttlichen Inspiration, der gewißmachenden Wahrheit und Autorität der alt- und neutestamentlichen Schriften in ihrer Gesamtheit als dem einzigen geschriebenen Wort Gottes. Es ist ohne Irrtum in allem, was es bekräftigt und ist der einzige unfehlbare Maßstab des Glaubens und Lebens. Wir bekennen zugleich die Macht des Wortes Gottes, Seinen Heilsplan zu verwirklichen. Die Botschaft der Bibel ist an die ganze Menschheit gerichtet, denn Gottes Offenbarung in Christus und in der Heiligen Schrift ist unwandelbar. Der Heilige Geist spricht noch heute durch diese Offenbarung. Er erleuchtet Sein Volk in allen Kulturen. So erkennen die Gläubigen Seine Wahrheit immer neu. Der Heilige Geist enthüllt der ganzen Gemeinde mehr und mehr die vielfältige Weisheit Gottes.

3. Einzigartigkeit und Universalität Jesu Christi

Wir bekräftigen: Es gibt nur einen Erlöser und nur ein Evangelium, jedoch eine große Vielfalt evangelistischer Arbeitsweisen. Zwar wissen wir, daß alle Menschen aus der allgemeinen Offenbarung in der Natur Gott erkennen können, aber wir bestreiten, daß sie dies erretten kann, denn sie unterdrücken die Wahrheit durch Ungerechtigkeit. Als Herabsetzung Jesu Christi und des Evangeliums lehnen wir jeglichen Synkretismus ab und jeden Dialog, der vorgibt, daß Jesus Christus gleichermaßen durch alle Religionen und Ideologien spricht. Jesus Christus, wahrer Mensch und wahrer Gott, hat sich selbst als die einzige Erlösung für Sünder dahingegeben. Er ist der einzige Mittler zwischen Gott und Menschen. Es ist auch kein anderer Name, durch den wir gerettet werden. Alle Menschen gehen an ihrer Sünde verloren, Gott aber liebt alle. Er will nicht, daß jemand verloren werde, sondern daß sich jedermann zur Buße kehre. Wer aber Jesus Christus ablehnt, verschmäht die Freude des Heils und verdammt sich selbst zur ewigen Trennung von Gott. Wenn Jesus als der “Erlöser der Welt” verkündigt wird, so heißt das nicht, daß alle Menschen von vornherein oder am Ende doch noch gerettet werden. Man kann erst recht nicht behaupten, daß alle Religionen das Heil in Christus anbieten. Vielmehr muß Gottes Liebe einer Welt von Sündern verkündigt werden. Alle Menschen sind eingeladen, Ihn in persönlicher Hingabe durch Buße und Glauben als Heiland und Herrn anzuerkennen. Jesus Christus ist erhöht über alle Namen. Wir sehnen uns nach dem Tag, an dem sich aller Knie vor Ihm beugen und alle Zungen bekennen, daß Er der Herr sei.

4. Wesen der Evangelisation

Evangelisieren heißt, die gute Nachricht zu verbreiten, daß Jesus Christus für unsere Sünden starb und von den Toten auferstand nach der Schrift und daá Er jetzt die Vergebung der Sünden und die befreiende Gabe des Geistes allen denen anbietet, die Buße tun und glauben. Für Evangelisation ist unsere Präsenz als Christen in der Welt unerläßlich, ebenso eine Form des Dialogs, die durch einfühlsames Hören zum Verstehen des anderen führt. Evangelisation ist ihrem Wesen nach die Verkündigung des historischen biblischen Christus als Heiland und Herrn. Ziel ist es, Menschen zu bewegen, zu Ihm persönlich zu kommen und so mit Gott versöhnt zu werden. Wer die Einladung des Evangeliums ausspricht, darf nicht verschweigen, daß Nachfolge etwas kostet. Jesus ruft alle, die Ihm nachfolgen möchten, auf, sich selbst zu verleugnen, ihr Kreuz auf sich zu nehmen und sich mit Seiner neuen Gemeinschaft zu identifizieren. Das Ergebnis der Evangelisation schließt Gehorsam gegenüber Jesus Christus, Eingliederung in Seine Gemeinde und verantwortlichen Dienst in der Welt ein.

5. Soziale Verantwortung der Christen

Wir bekräftigen, daß Gott zugleich Schöpfer und Richter aller Menschen ist. Wir müssen deshalb Seine Sorge um Gerechtigkeit und Versöhnung in der ganzen menschlichen Gesellschaft teilen. Sie zielt auf die Befreiung der Menschen von jeder Art von Unterdrückung. Da die Menschen nach dem Ebenbild Gottes geschaffen sind, besitzt jedermann, ungeachtet seiner Rasse, Religion, Farbe, Kultur, Klasse, seines Geschlechts oder Alters, eine angeborene Würde. Darum soll er nicht ausgebeutet, sondern anerkannt und gefördert werden. Wir tun Buße für dieses unser Versäumnis und dafür, daß wir manchmal Evangelisation und soziale Verantwortung als sich gegenseitig ausschlieáend angesehen haben. Versöhnung zwischen Menschen ist nicht gleichzeitig Versöhnung mit Gott, soziale Aktion ist nicht Evangelisation, politische Befreiung ist nicht Heil. Dennoch bekräftigen wir, daß Evangelisation und soziale wie politische Betätigung gleichermaßen zu unserer Pflicht als Christen gehören. Denn beide sind notwendige Ausdrucksformen unserer Lehre von Gott und dem Menschen, unserer Liebe zum Nächsten und unserem Gehorsam gegenüber Jesus Christus. Die Botschaft des Heils schließt eine Botschaft des Gerichts über jede Form der Entfremdung, Unterdrückung und Diskriminierung ein. Wir sollen uns nicht scheuen, Bosheit und Unrecht anzuprangern, wo immer sie existieren. Wenn Menschen Christus annehmen, kommen sie durch Wiedergeburt in Sein Reich. Sie müssen versuchen, Seine Gerechtigkeit nicht nur darzustellen, sondern sie inmitten einer ungerechten Welt auch auszubreiten. Das Heil, das wir für uns beanspruchen, soll uns in unserer gesamten persönlichen und sozialen Verantwortung verändern. Glaube ohne Werke ist tot.

6. Gemeinde und Evangelisation

Wir bekräftigen, daß Jesus Christus Seine erlöste Gemeinde in die Welt sendet, wie der Vater Ihn gesandt hat. Das erfordert, daß: wir ebenso tief und aufopfernd die Welt durchdringen. Wir müssen aus unseren kirchlichen Ghettos ausbrechen und in eine nichtchristliche Gesellschaft eindringen. Bei der Sendung der Gemeinde zum hingebungsvollen Dienst steht Evangelisation an erster Stelle. Die Evangelisation der Welt verlangt, daß die ganze Gemeinde der ganzen Welt das ganze Evangelium bringt. Die Gemeinde bildet die Mitte des weltumfassenden Planes Gottes und ist Sein auserwähltes Werkzeug zur Verbreitung des Evangeliums. Eine Gemeinde, die das Kreuz predigt, muß selber durch das Kreuz geprägt sein. Eine Gemeinde wird zum ernsthaften Hindernis der Evangelisation, wenn sie das Evangelium preisgibt, in keinem wirklich lebendigen Verhältnis zu Gott steht, die Menschen zu wenig liebhat und ihr auch in jeder Hinsicht, einschließlich Werbung und Finanzangelegenheiten, Lauterkeit fehlt. Die Gemeinde ist nicht so sehr Institution als vielmehr die Gemeinschaft des Volkes Gottes und darf mit keiner bestimmten Kultur, keinem sozialen oder politischen System, keiner von Menschen gemachten Ideologie gleichgesetzt werden.

7. Zusammenarbeit in der Evangelisation

Wir bekräftigen, daß die sichtbare Einheit der Gemeinde in Wahrheit Gottes Ziel ist. Evangelisation ruft uns auch zur Einheit auf, weil unsere Uneinigkeit das Evangelium der Versöhnung untergräbt. Wir stellen jedoch fest, daß es organisatorische Einheit in vielen Formen geben kann, dadurch aber nicht unbedingt die Evangelisation gefördert wird. Wir aber, die wir den gleichen biblischen Glauben haben, sollen uns eng in Gemeinschaft, Dienst und Zeugnis vereinen. Wir bekennen, daß unser Zeugnis manchmal durch sündhaften Individualismus und unnötige überschneidung beeinträchtigt wurde. Wir verpflichten uns, eine tiefere Einheit in Wahrheit, Anbetung, Heiligung und Sendung zu suchen. Wir drängen auf die Entwicklung regionaler und funktionaler Zusammenarbeit, um die Sendung der Gemeinde, die strategische Planung, die gegenseitige Ermutigung, die gemeinsame Nutzung der Mittel und Erfahrungen voranzutreiben.

8. Gemeinden in evangelistischer Partnerschaft

Wir freuen uns, daß ein neues Zeitalter der Mission angebrochen ist. Die beherrschende Stellung westlicher Missionen schwindet zusehends. Gott hat in den jungen Kirchen eine große Quelle der Weltevangelisation entstehen lassen und zeigt damit, daß die Verantwortung für die Evangelisation dem ganzen Leib Christi zukommt. Jede Gemeinde soll daher Gott und sich selbst fragen, was sie tun muß, um nicht nur in ihrem eigenen Bereich zu wirken, sondern auch Missionare in andere Teile der Welt zu entsenden. Eine neue überprüfung unserer missionarischen Verantwortung und Aufgabe soll ständig vollzogen werden. Auf diese Weise wächst die Partnerschaft der Gemeinden, und der weltweite Charakter der einen Gemeinde Christi wird deutlicher hervortreten. Wir danken Gott für die Werke, die sich um die übersetzung der Bibel, um theologische Ausbildung, Massenmedien, christliche Literatur, Evangelisation, Mission, Erneuerung der Gemeinde und andere Aufgabenbereiche bemühen. Auch sie sollen sich in ständiger überprüfung fragen, ob ihre Wirksamkeit als Bestandteil der Sendung der Gemeinde gelten kann.

9. Dringlichkeit der evangelistischen Aufgabe

über 2,7 Milliarden Menschen, mehr als zwei Drittel der Menschheit, müssen noch mit dem Evangelium bekanntgemacht werden. Wir schämen uns, daß so viele vernachlässigt wurden; das ist ein ständiger Vorwurf gegen uns und die ganze Kirche. Jedoch ist jetzt in vielen Teilen der Welt eine beispiellose Aufnahmebereitschaft für den Herrn Jesus Christus zu erkennen. Wir sind überzeugt, daá jetzt die Zeit für Gemeinden und übergemeindliche Werke gekommen ist, ernsthaft für das Heil der bisher nicht Erreichten zu beten und neue Anstrengungen für Weltevangelisation zu unternehmen. In einem Land, das das Evangelium gehört hat, kann es bisweilen notwendig sein, Missionare und Geld aus dem Ausland zu reduzieren, um den Gemeinden im Land die Möglichkeit zum selbständigen Wachstum zu geben und um Hilfen für Gebiete, die das Evangelium noch nicht gehört haben, freizusetzen. Missionare sollen in zunehmendem Maße von allen Kontinenten in alle Kontinente im Geist demütigen Dienstes ungehindert gehen. Ziel soll sein, alle verfügbaren Mittel zu benutzen, so früh wie möglich jedem die Gelegenheit zu geben, die gute Nachricht zu hören, zu verstehen und anzunehmen. Ohne Opfer werden wir dieses Ziel nicht erreichen. Die Armut von Millionen erschüttert uns alle. Wir sind verstört über die Ungerechtigkeit, die diese Armut verursacht. Wer im Wohlstand lebt, muß einen einfachen Lebensstil entwickeln, um großzügiger zur Hilfe und Evangelisation beizutragen.

10. Evangelisation und Kultur

Die Entwicklung von Strategien zur Weltevangelisation erfordert bei der Wahl der Methoden Einfallsreichtum. Mit Gottes Hilfe werden Gemeinden entstehen, die in Jesus Christus fest gegründet und eng mit ihrer kulturellen Umwelt verbunden sind. Jede Kultur muß immer wieder von der Schrift her geprüft und beurteilt werden. Weil der Mensch Gottes Geschöpf ist, birgt seine Kultur Schönheit und Güte in reichem Maße. Weil er aber gefallen ist, wurde alles durch Sünde befleckt. Manches geriet unter dämonischen Einfluß. Das Evangelium gibt keiner Kultur den Vorrang, sondern beurteilt alle Kulturen nach seinem eigenen Maßstab der Wahrheit und Gerechtigkeit und erhebt absolute ethische Forderungen gegenüber jeder Kultur. Missionen haben allzu oft mit dem Evangelium eine fremde Kultur exportiert, und Gemeinden waren mitunter mehr an eine Kultur als an die Schrift gebunden. Evangelisten Christi müssen demütig danach trachten, sich selbst zu verleugnen, ohne ihre Persönlichkeit preiszugeben, um Diener anderer werden zu können. Die Gemeinden sollen Kultur umgestalten und bereichern, damit Gott verherrlicht wird.

11. Ausbildung und Gemeindeleitung

Wir bekennen, daß wir manchmal das Wachstum der Gemeinde auf Kosten ihrer Vertiefung betrieben haben und Evangelisation an den Fernstehenden von der geistlichen Stärkung der Gemeinde getrennt haben. Wir geben auch zu, daß einige unserer Missionswerke zu lange gezögert haben, einheimische Führungskräfte zuzurüsten und zu ermutigen, die ihnen zustehende Verantwortung zu übernehmen. Daher bejahen wir den Grundsatz der Eigenständigkeit und streben an, daß jede Gemeinde einheimische Leiter hat, die christlichen Führungsstil verwirklichen, der sich nicht im Herrschen, sondern im Dienen zeigt. Wir erkennen die Notwendigkeit, die theologische Ausbildung insbesondere für diejenigen, die die Gemeinde leiten sollen, zu verbessern. In jedem Volk und in jeder Kultur sollte es ein wirkungsvolles Ausbildungsprogramm für Pastoren und Laien in Glaubenslehre, Nachfolge, Evangelisation, Erbauung und Dienst geben. Ein solches Ausbildungsprogramm sollte sich nicht auf schablonenhafte Methodik verlassen, sondern durch schöpferische, einheimische Initiative nach biblischen Maßstäben entwickelt werden.

12. Geistliche Auseinandersetzung

Wir glauben, daß wir uns in einem ständigen geistlichen Kampf mit den Fürsten und Gewaltigen des Bösen befinden, die versuchen, die Gemeinde zu überwältigen und sie an ihrer Aufgabe der Evangelisation der Welt zu hindern. Wir erkennen die Notwendigkeit, uns mit der Waffenrüstung Gottes zu versehen und diesen Kampf mit den geistlichen Waffen der Wahrheit und des Gebetes zu führen. Denn wir entdecken die Aktivität des Feindes nicht allein in falschen Ideologien außerhalb der Gemeinde, sondern gleichermaßen in der Gemeinde durch die Verkündigung eines anderen Evangeliums, das die Schrift verkehrt und den Menschen an die Stelle Gottes setzt. Wir müssen wachsam sein und die Geister unterscheiden, um die biblische Botschaft zu gewährleisten. Wir geben zu, daß wir selber nicht immer gegen die Weltlichkeit in unseren Gedanken und Taten immun sind, so daá wir uns dem Säkularismus ausliefern. Obwohl, um ein Beispiel zu nennen, sorgfältige Untersuchungen über zahlenmäßiges und geistliches Wachstum der Gemeinde richtig und wertvoll sind, haben wir sie manchmal nicht beachtet. Manchmal haben wir unsere Botschaft verwässert und durch Manipulation unsere Zuhörer unter Druck gesetzt, um für das Evangelium einen Erfolg zu erzielen. Wir haben zu großen Wert auf Statistiken gelegt und diese Unterlagen sogar unlauter benutzt. All dies ist weltlich. Die Gemeinde muß in der Welt leben, aber die Welt darf die Gemeinde nicht beherrschen.

13. Freiheit und Verfolgung

Es ist Gottes Auftrag für jede Regierung, die Bedingungen für Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit zu gewährleisten, unter denen die Gemeinde Gott gehorchen, dem Herrn Christus dienen und das Evangelium ohne Beeinträchtigung verkünden kann. Deshalb beten wir für die, die in den Nationen Verantwortung tragen und appellieren an sie, die Freiheit der Gedanken und des Gewissens zu garantieren und die Freiheit zur Ausübung und Ausbreitung der Religion in übereinstimmung mit dem Willen Gottes zu gewährleisten, wie dies in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgelegt ist. Zugleich bringen wir unsere tiefe Sorge für all diejenigen zum Ausdruck, die unrechtmäßig in Gefangenschaft sind, besonders für unsere Brüder, die wegen ihres Zeugnisses für den Herrn Jesus leiden. Wir geloben, für ihre Freiheit zu beten und zu wirken. Ebenso weigern wir uns, uns durch ihr Schicksal einschüchtern zu lassen. Gott möge uns helfen, daß wir uns gegen Ungerechtigkeit auflehnen und dem Evangelium treu bleiben, was immer es koste. Wir vergessen die Warnung Jesu nicht, daß Verfolgung unausweichlich ist.

14. Die Kraft des Heiligen Geistes

Wir glauben an die Kraft des Heiligen Geistes. Der Vater sandte Seinen Geist zum Zeugnis für Seinen Sohn; ohne Sein Zeugnis ist unser Zeugnis vergeblich. Erkenntnis der Sünde, Glaube an Christus, Wiedergeburt und Wachstum im Glauben sind Sein Werk. Der Heilige Geist ist ein missionarischer Geist. Evangelisation soll deshalb aus der geisterfüllten Gemeinde wie von selbst erwachsen. Wenn eine Gemeinde keine missionarische Gemeinde ist, widerspricht sie sich selbst und dämpft den Geist. Weltweite Evangelisation vermag nur dann eine Chance der Verwirklichung zu finden, wenn der Heilige Geist die Gemeinde in Wahrheit und Weisheit, in Glaube und Heiligung, in Liebe und Vollmacht erneuert. Wir rufen deshalb alle Christen auf, um ein gnädiges Kommen des souveränen Geistes Gottes zu beten, daß alle Seine Gaben den Leib Christi bereichern. Nur dann wird die ganze Gemeinde ein taugliches Werkzeug in Seiner Hand sein, damit die ganze Welt Seine Stimme hört.

15. Wiederkunft Christi

Wir glauben, daß Jesus Christus persönlich sichtbar in Macht und Herrlichkeit wiederkommen wird, Heil und Gericht zu vollenden. Die Verheißung Seines Kommens ist ein weiterer Ansporn für unsere Evangelisation, denn wir gedenken Seiner Worte, daß die Botschaft zuerst allen Völkern verkündigt werden muß. Wir glauben, daß die Zeit zwischen Christi Himmelfahrt und Seiner Wiederkunft von der Sendung des Volkes Gottes gefüllt werden muß. Wir haben kein Recht, die Mission vor dem Ende der Zeiten abzubrechen. Wir erinnern uns an Seine Warnungen, daß falsche Christusse und falsche Propheten sich als Vorläufer des Antichristen erheben werden. Deshalb widerstehen wir dem stolzen und selbstsicheren Traum, daß die Menschheit jemals Utopia auf Erden bauen kann. Unser christlicher Glaube ruht darin, daß Gott Sein Reich vollenden wird, und wir blicken erwartungsvoll auf den Tag, an dem ein neuer Himmel und eine neue Erde sein werden, in denen Gerechtigkeit wohnt und Gott für immer regiert. Bis dahin verpflichten wir uns zum Dienst für Christus und die Menschen in freudiger Hingabe an Seine Herrschaft über unser ganzes Leben.

Verpflichtung

Deshalb verpflichten wir uns im Licht dieses unseres Glaubens und unserer Entscheidung feierlich vor Gott und voreinander, für die Evangelisation der ganzen Welt zusammen zu beten, zu planen und zu wirken. Wir rufen andere auf, sich uns anzuschließen. Möge Gott uns durch Seine Gnade helfen, damit wir zu Seiner Ehre dieser unserer Verpflichtung treu bleiben. Amen.

1 (Jes. 40,28; Matth. 28,19; Eph. 1,11; Apg. 15,14; Joh. 17,6.18; Eph. 4,12; 1. Kor. 5,10; Rö. 12,2; 2. Kor. 4,7) 2 (2. Tim. 3,16; 2. Petr. 1,21; Joh. 10,35; Matth. 5,17.18; Eph. 1,17.18; 3,10.18) 3 (Gal. 1,6-9; Joh. 1,9; Apg. 17,26-28; 1. Tim. 2,5-6; Apg. 4,12; 2. Petr. 3,9; 1. Tim. 2,3-4; Joh. 3,16-19; 4,42; Phil. 2,9-11) 4 (1. Kor. 15,3-4; Apg. 2,28; Joh. 20,21; 2. Kor. 4,5; 5,11.20; Apg. 2,47; Mk. 10,43-45) 5 (Apg. 17,26.31; 1. Mo. 18,25; Jes. 1,17; Ps. 45,7; 1. Mo. 1,26.27; Jak. 3,9; 3. Mo. 19,18; Luk. 6,27.35; Jak. 2,14-26; Matth. 5,20; 6,33; 2. Kor. 3,18; Jak. 2,20) 6 (Joh. 17,18; 20,21; Matth. 20,19-20; Apg. 1,8; 20,27; Eph. 1,9- 10; 3,9-11; Gal. 6,14.17; 2. Kor. 6,3-4; 2. Tim. 2,19.21; Phil. 1,27) 7 (Joh. 17,21.23; Eph. 4,3.4; Joh. 13,35; Phil. 1,27; Joh. 17,11- 23) 8 (Rö. 1,8; Phil. 1,5; 4,15; Apg. 13,1-3; 1. Thess. 1,6-8) 9 (Joh. 9,4; Matth. 9,35-38; Rö. 9-1-3; 1. Kor. 9,19-23; Mk. 16,15; Jes. 58,6-7; Jak. 1,27; 2,1-9; Matth. 25,31-46; Apg. 2,44-45; 4,34-35) 10 (Mk. 7,8-9.13; 1. Mo. 4,21-22; 1. Kor. 9,19-23; Phil. 2,5-7; 2. Kor. 4,5) 11 (Kol. 1,27-28; Apg. 14,23; Tit. 1,5.9; Mk. 10,42-45; Eph. 4,11- 12) 12 (Eph. 6,12; 2. Kor. 4,3-4; Eph. 6,11.13-18; 2. Kor. 10,3-5; 1. Joh. 2,18-26; 4,1-3; Gal. 1,6-9; 2. Kor. 2,17; 4,2; Joh. 17,15) 13 (1. Tim. 1,1-4; Apg. 4,19; 5,29; Kol. 3,24; Hebr. 13,1-3; Lk. 4,18; Gal. 5,11; 6,12; Matth. 5,10-12; Joh. 15,18-21) 14 (1. Kor. 2,4; Joh. 15,26-27; 16,8-11; 1. Kor. 12,3; Joh. 3,6-8; 2. Kor. 3,18; Joh. 7,37-39; 1. Thess. 5,19; Apg. 1,8; Ps. 85,4- 7; 67,1-3; Gal. 5,22-23; 1. Kor. 12,4-31; Rö. 12,3-8) 15 (Mk. 14,62; Hebr. 9,28; Mk. 13,10; Apg. 1,8-11; Matth. 28,20; Mk. 13,21-23; Joh. 2,18; 4,1-3; Lk. 12,32; Off. 21,1-5; 2. Petr. 3,13; Matth. 28,18)

Literatur-Empfehlungen:

“Let the Earth hear His Voice” Edited by J.D. Douglas World Wide Publications 1313 Hennepin Avenue, Minneapolis, Minnesota, 55403, USA

Lausanne-Dokumente Band 1 und 2 “Alle Welt soll sein Wort hören” (vergriffen) Hänssler-Verlag, 73765 Neuhausen

Lausanne Occasional Papers Nr. 1-24 Whitefield House, 186 Kennington Park Road, London SE11 4BT

Evangelisation mit Leidenschaft Horst Marquardt/Ulrich Parzany (Hg.) Aussaat- und Schriftenmissions-Verlag, 47506 Neukirchen-Vluyn

“Das Manifest von Manila” Dokumentation für DM 4,50 zu beziehen bei idea, Postfach 18 20, 35528 Wetzlar

Impressum

“Die Lausanner Verpflichtung” veröffentlicht von der Lausanner Bewegung für Weltevangelisation

Herausgeber: Lausanner Komitee für Weltevangelisation – Deutscher Zweig – in Verbindung mit der Deutschen Evangelischen Allianz und der Arbeitsgemeinschaft Missionarischer Dienste in der EKD.

Verantwortlich: Horst Marquardt, Postfach 14 44, 35573 Wetzlar

01 Aug 1974

Foundational Statements

Why Lausanne? (German)

by Billy Graham

Audio recording made available courtesy of the Billy Graham Center Archives.

Billy Graham’s plenary address at the first International Congress on World Evangelization held in Lausanne, Switzerland, in 1974, entitled ‘Why Lausanne?’. Dr Graham is introduced by Bishop Jack Dain.  [67 minutes]

Billy Graham

16 Jul 1974

1974 Lausanne