Die Kapstadt-Verpflichtung

Ein Bekenntnis des Glaubens und ein Aufruf zum Handeln 

INHALT

VORWORT

PRÄAMBEL

TEIL I - FÜR DEN HERRN, DEN WIR LIEBEN: DAS KAPSTADT-BEKENNTNIS DES GLAUBENS

    1. Wir lieben, weil Gott uns zuerst geliebt hat
    2. Wir lieben den lebendigen Gott
    3. Wir lieben Gott, den Vater
    4. Wir lieben Gott, den Sohn
    5. Wir lieben Gott, den Heiligen Geist
    6. Wir lieben Gottes Wort
    7. Wir lieben Gottes Welt
    8. Wir lieben Gottes Evangelium
    9. Wir lieben Gottes Volk
    10. Wir lieben Gottes Auftrag

TEIL II - FÜR DIE WELT, DER WIR DIENEN:  DER KAPSTADT-AUFRUF ZUM HANDELN 

EINFÜHRUNG 
IIA  Die Wahrheit Christi bezeugen in einer pluralistischen, globalisierten Welt
IIB  Den Frieden Christi aufbauen in unserer gespaltenen und zerbrochenen Welt
IIC  Die Liebe Christi leben unter Menschen anderer Glaubensrichtungen
IID  Den Willen Christi für die Weltevangelisation erkennen
IIE  Ein Aufruf an die Gemeinde, wieder zur Demut, Integrität und Einfachheit           zurückzukehren
IIF  Partnerschaften im Leib Christi eingehen für die Einheit unserer Mission
SCHLUSSFOLGERUNG


Vorwort

Beim Dritten Lausanner Kongress über Weltevangelisation (Kapstadt, 16. - 25. Oktober 2010) kamen 4,200 evangelikale Leiter aus 198 Ländern zusammen und weitere Hunderttausende nahmen in Meetings rund um die Welt sowie online daran teil.  Das Ziel? Eine neue Herausforderung darzulegen und Zeugnis zu geben von Jesus Christus und seiner Lehre, in jeder Nation, in jeder Gesellschaftsschicht und in allen Ideenbereichen der globalen Gemeinde,

Die Frucht dieses Unterfangens ist die Kapstadt-Verpflichtung. Sie ist Teil einer historischen Reihe, indem sie auf den Lausanner Bund und das Manifest von Manila aufbaut. Die Kapstadt-Verpflichtung besteht aus zwei Teilen. Teil I  beschreibt die biblischen Überzeugungen, die uns in den Schriften weitergegeben werden und Teil II ruft auf zum Handeln.

Wie wurde Teil I zusammengestellt? Zum erstenmal diskutierte man darüber in Minneapolis im Dezember 2009, als 18 eingeladene Theologen und evangelikale Leiter aus allen Kontinenten zusammenkamen. Eine kleinere Gruppe, geleitet von Dr. Christopher J. H. Wright, Vorsitzender der Lausanner Theologischen Arbeitsgruppe, wurde gebeten, ein Schlussdokument zusammenzustellen, um es dem Kongress vorzulegen.

Wie wurde Teil II zusammengestellt? Mehr als drei Jahre vor dem Kongress begann ein aufwendiger Prozess des Zuhörens. Jeder der Internationalen Stellvertretenden Direktoren der Lausanner Bewegung organisierte Informationsgespräche in seiner Region und christliche Leiter wurden gebeten, die großen Herausforderungen, denen die Gemeinde gegenübersteht, zu ermitteln. Daraus entwickelten sich sechs Kernpunkte. Sie bestimmten erstens das Kongressprogramm und formten zweitens den Rahmen für den Aufruf zum Handeln. Der Prozess des Zuhörens ging weiter beim Kongress, als Chris Wright und die Arbeitsgruppe, die den Bericht zusammengestellt hatte, alle Beiträge genauestens aufzeichneten. Es war eine Herkules-Aufgabe und  eine enorme Anstrengung.

Während der nächsten zehn Jahre wird die Kapstadt-Verpflichtung der „Fahrplan” der Lausanner Bewegung sein. Ihr prophetischer Aufruf zur Arbeit und zum Gebet wird, so hoffen wir, Gemeinden, Missionsorganisationen, Seminare, Christen am Arbeitsplatz und Studentengemeinschaften auf dem Campus einbeziehen und jeden veranlassen, seinen Teil zur Verwirklichung beizutragen.

Viele Lehraussagen bestätigen, was die Gemeinde glaubt. Doch wir wollten weitergehen und den Glauben mit der Praxis verbinden. Unser Vorbild war der Apostel Paulus, dessen theologische Lehre durch praktische Instruktionen mit Leben erfüllt wurde. Im Kolosserbrief zum Beispiel, geht seine tiefgründige und wunderbare Darstellung der Vorherrschaft Christi über in eine realistische, gemeinverständliche Lehre, was es bedeutet, in Christus verwurzelt zu sein.

Wir erkennen, was der Kern des christlichen Evangeliums ist, nämlich die grundlegenden Wahrheiten, über die Einigkeit bestehen muss. In zweitrangigen Fragen hingegen können echte Christen unterschiedlicher Meinung sein, wie in der Interpretation dessen, was die Bibel lehrt oder verlangt. Wir haben daran gearbeitet, Lausannes Prinzip der „Breite innerhalb Grenzen“ zu entwickeln, und im Teil I sind die Grenzen klar definiert.

Es hat uns gefreut, während dieses ganzen Prozesses mit der Weltweiten Evangelischen Allianz zusammenzuarbeiten, die uns in jeder Phase ein guter Partner war. Die Leiter der WEA sind in voller Übereinstimmung mit dem Bekenntnis des Glaubens und dem Aufruf zum Handeln.

Während wir in der Lausanner Bewegung über die evangelikale Tradition sprechen und schreiben, bestätigen wir die Einheit des Leibes Christi und freuen uns, dass es innerhalb anderer Traditionen viele Nachfolger Jesu Christi gibt. In Kapstadt durften wir führende Vertreter aus verschiedenen historischen Kirchen mit  anderen Brauchtümern als Beobachter willkommen heißen, und wir vertrauen darauf, dass die Kapstadt-Verpflichtung auch eine Hilfe für alle Kirchen und Gemeinden sein wird, gleich welcher Überlieferungen. Wir bieten dies an in einem Geist der Demut.

Was sind unsere Hoffnungen für die Kapstadt-Verpflichtung? Wir vertrauen darauf, dass man darüber spricht, diskutiert, und dass ihr, als eine vereinigte Erklärung von Evangelikalen in der ganzen Welt, ein bestimmter Stellenwert zugesprochen wird; dass sie entscheidende Impulse im christlichen Dienst setzt; dass sie führende Denker in der Öffentlichkeit stärkt; und dass mutige Initiativen und Partnerschaften daraus hervorgehen.

Möge das Wort Gottes Licht auf unserem Weg sein, und möge die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes mit jedem Einzelnen von uns sein.

S Douglas Birdsall                                                        
Vorstandsvorsitzender 

                                                 
Lindsay Brown
Internationaler Direktor

 

PRÄAMBEL

Als Mitglieder der weltweiten Gemeinde Jesu Christi bekräftigen wir freudig unsere Hingabe an den lebendigen Gott und seinen Rettungsplan durch den Herrn Jesus Christus. Um seinetwillen erneuern wir unsere Verpflichtung auf die Vision und die Ziele der Lausanner Bewegung.


Das bedeutet zweierlei:

Erstens: Wir bleiben der Aufgabe verpflichtet, weltweit Zeugnis abzulegen von Jesus Christus und seiner gesamten Lehre. Der Erste Lausanner Kongress (1974) wurde einberufen, um das Thema Weltevangelisation neu in den Blickpunkt zu rücken. Hauptgeschenke an die weltweite Gemeinde waren unter anderem: die Lausanner Verpflichtung; ein neues Bewusstsein für die Zahl noch unerreichter Volksgruppen; und die Neuentdeckung des ganzheitlichen Charakters von biblischem Evangelium und  christlichem Auftrag. Der Zweite Lausanner Kongress in Manila (1989) führte zur Entstehung von über 300 strategischen Partnerschaften für Weltevangelisation, einschließlich vieler, die eine länderübergreifende Zusammenarbeit in allen Teilen der Welt beinhalteten.

Und zweitens bleiben wir den Hauptdokumenten der Bewegung verpflichtet –
Der Lausanner Verpflichtung (1974) und dem Manifest von Manila (1989). Darin werden biblische Wahrheiten klar und deutlich benannt und ihre Anwendung auf unseren praktischen Auftrag auf eine Art und Weise dargelegt, die auch heute noch relevant und herausfordernd ist.  Wir bekennen, dass wir den in diesen Dokumenten eingegangenen Verpflichtungen nicht treu nachgekommen sind. Aber wir empfehlen sie und halten an ihnen fest, während wir zu erkennen versuchen, wie die ewige Wahrheit des Evangeliums in unserer sich ständig verändernden Welt vermittelt und praktisch angewendet werden kann.

Die realität der veränderungen

Die Art und Weise, wie wir leben, denken und zueinander in Beziehung stehen, ist umfassenden und zunehmend schneller greifenden Veränderungen unterworfen. Globalisierung, digitale Revolution und wechselndes Gleichgewicht wirtschaftlicher und politischer Macht in der Welt haben positive wie auch negative Auswirkungen. Wir werden mit Dingen konfrontiert, die in uns teilweise Trauer und Angst auslösen – globale Armut, Krieg, ethnische Konflikte, Krankheit, Umweltkrise und Klimaveränderung. Aber eine der großen Veränderungen in unserer Welt ist Grund zur Freude – das Wachstum der weltweiten Gemeinde Christi.

Beweis dafür ist die Tatsache, dass der Dritte Lausanner Kongress in Afrika stattgefunden hat.  Mindestens zwei Drittel aller Christen leben heute in den Ländern des globalen Südens und Ostens. Die Zusammensetzung des Kongresses von Kapstadt ist Spiegelung dieser enormen Verschiebung, wie sie sich seit der Missionskonferenz von Edinburgh 1910 für das weltweite Christentum ergeben hat. Wir freuen uns über das erstaunliche Wachstum der Gemeinde in Afrika und darüber, dass unsere afrikanischen Brüder und Schwestern in Christus Gastgeber für diesen Kongress waren. Gleichzeitig konnten wir uns in Südafrika begegnen, ohne dem Leiden der Apartheid während den vergangenen Jahren Aufmerksamkeit schenken zu müssen. Deshalb sind wir dankbar für den Fortschritt des Evangeliums und für das Wirken von Gottes souveräner Gerechtigkeit in der jüngeren Geschichte, während jedoch nach wie vor gegen das Erbe des Bösen und die Ungerechtigkeit angegangen werden muss. Das ist das zweifache Zeugnis und die Rolle der Gemeinde in der ganzen Welt.

Christliche Mission muss auf die Realitäten der eigenen Generation reagieren. Ebenso müssen wir von der Mischung aus Weisheit und Irrtum lernen, vom Erfolg und Versagen, das frühere Generationen uns hinterlassen haben. Wir ehren und beklagen die Vergangenheit und zeigen aktiven Gestaltungswillen für die Zukunft.

Unveränderte realitäten

Aber in unserer sich verändernden Welt bleibt auch manches gleich. Diese großen Wahrheiten bilden die biblische Begründung für unser missionales Engagement.

  • Menschen sind verloren. Das menschliche Grunddilemma bleibt so bestehen, wie die Bibel es beschreibt: durch Sünde und Rebellion sind wir dem gerechten Urteil Gottes unterworfen, und ohne Christus bleibt uns keine Hoffnung. 
  • Das Evangelium ist die Gute Nachricht. Das Evangelium ist kein Konzept, das neue Ideen braucht, sondern eine Geschichte, die neu erzählt werden muss. Es ist die unveränderte Geschichte dessen, was Gott zur Rettung der Welt getan hat, vor allem in den historischen Begebenheiten von Leben, Tod, Auferstehung und Herrschaft Jesu Christi. In Christus ist Hoffnung. 
  • Der Auftrag der Gemeinde geht weiter. Der Auftrag Gottes geht weiter bis an die Enden der Erde und das Ende der Welt. Der Tag wird kommen, an dem das Reich der Welt zum Reich unseres Gottes und seines Christus werden wird, an dem Gott zusammen mit seiner erlösten Menschheit in der neuen Schöpfung wohnen wird. Bis zu diesem Tag besteht für die Gemeinde weiter die freudige Dringlichkeit zur Teilhabe an Gottes Auftrag, mit neuen und aufregenden Möglichkeiten in jeder Generation – einschließlich der unsrigen.

Die leidenschaft unserer liebe

Diese Verpflichtung ist formuliert in der Sprache der Liebe. Liebe ist die Sprache des Bundes. Die biblischen Bundesbeschlüsse, alte wie neue, sind Ausdruck von Gottes erlösender Liebe und Barmherzigkeit, die sich der verlorenen Menschheit und der verschandelten Schöpfung entgegenstrecken. Als Gegenleistung ist unsere Liebe gefragt. Sie zeigt sich mi Vertrauen, Gehorsam und leidenschaftlichem Engagement für den Herrn dieses Bundes. Die Lausanner Verpflichtung definierte Evangelisation folgendermaßen: „die ganze Gemeinde bringt der ganzen Welt das ganze Evangelium”.  Dem gilt immer noch unsere Leidenschaft. Daher erneuern wir diese Verpflichtung, indem wir erneut bekräftigen:

  • Unsere Liebe für das ganze Evangelium, als Gottes herrliche und gute Nachricht in Christus für jeden Aspekt seiner durch Sünde und Böses verwüsteten Schöpfung
  •  Unsere Liebe für die ganze Gemeinde, als Gottes Volk, erlöst durch Christus, aus allen Ländern der Erde und aus allen Zeitaltern der Geschichte, im jetzigen Zeitalter Gottes Auftrag auszuführen und ihn im künftigen auf ewig zu verherrlichen
  • Unsere Liebe für die ganze Welt, von Gott so fern, aber seinem Herzen so nahe, die Welt, die Gott so geliebt hat, dass er seinen eingeborenen Sohn zu ihrer Rettung gab.

Im Spannungsfeld dieser dreifachen Liebe verpflichten wir uns erneut, die ganze Gemeinde zu sein, das ganze Evangelium zu glauben, weiterzusagen und ihm zu gehorchen und in die ganze Welt zu gehen, um zu Jüngern zu machen alle Völker.

 

TEIL EINS

Für den Herrn, den wir lieben:  Das Kapstadt-Bekenntnis des Glaubens

1.  Wir lieben, weil Gott uns zuerst geliebt hat

Gottes Zielsetzung mit und Auftrag für die Welt entspringt aus Gottes Liebe. Der Auftrag des Volkes Gottes entspringt aus unserer Liebe zu Gott und zu allem, was Gott liebt. Weltevangelisation ist Ausdruck der Liebe Gottes zu uns und durch uns. Wir bekräftigen, dass Gottes Gnade oberste Priorität hat, und wir reagieren auf diese Gnade durch Glauben, der sich im Gehorsam aus Liebe zeigt. Wir lieben, weil Gott uns zuerst geliebt und seinen Sohn gesandt hat als Sühne für unsere Schuld. [1] 

A)  Liebe zu Gott und Liebe zum Nächsten sind oberstes und höchstes Gebot, an dem das Gesetz und die Propheten hängen. Liebe ist Erfüllung des Gesetzes und wird als Frucht des Heiligen Geistes zuerst genannt. Liebe ist der Nachweis, dass wir wiedergeboren sind; die Gewissheit, dass wir Gott kennen; und der Beweis, dass Gott in uns wohnt. Liebe ist das neue Gebot Christi, der seinen Jüngern sagte, dass ihr Auftrag nur durch Erfüllung dieses Gebotes sichtbar und glaubwürdig sein würde. In christlicher Liebe füreinander macht sich der unsichtbare Gott, der sich durch seinen fleischgewordenen Sohn sichtbar machte, auch weiterhin sichtbar für die Welt. Liebe gehörte zu den ersten Dingen, die Paulus bei neubekehrten Christen beobachtete und wozu er sie aufforderte, zusammen mit Glaube und Hoffnung. Aber die Liebe ist die Größte unter ihnen, denn Liebe hört niemals auf. [2]

B)  Solch eine Liebe ist nicht schwach oder sentimental. Gottes Liebe geschieht in Treue zu seinem Bund, ist verbindlich, selbstlos, opferbereit, stark und heilig. Gott ist Liebe, und so durchdringt die Liebe sein gesamtes Sein, all sein Handeln, seine Gerechtigkeit und sein Mitgefühl. Gottes Liebe gilt seiner gesamten Schöpfung. Wir sind zu einer Liebe aufgerufen, die die Liebe Gottes in all diesen Dimensionen widerspiegelt. Das ist gemeint, wenn wir davon sprechen, auf den Wegen des Herrn zu wandeln. [3

C)  Mit der Formulierung unserer Überzeugungen und Verpflichtungen in der Sprache der Liebe, greifen wir die grundlegendste und anspruchsvollste biblische Herausforderung von allen auf:

  1. den Herrn, unseren Gott, zu lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit ganzem Verstand und mit aller Kraft,
  2. unseren Nächsten (einschließlich des Fremden und des Feindes) zu lieben  wie uns selbst,
  3. einander so zu lieben, wie Gott uns in Christus geliebt hat, und
  4. die Welt mit der Liebe des Einen zu lieben, der seinen einzigen Sohn gegeben hat, damit die Welt durch ihn gerettet würde. [4]
D)   Diese Liebe ist als Geschenk Gottes ausgegossen in unsere Herzen, aber sie ist zugleich Gebot Gottes und fordert unseren willentlichen Gehorsam. Solche Liebe bedeutet, Christus gleich zu werden: beständig im Ertragen, aber sanft in Demut; stark im Widerstehen des Bösen, aber liebevoll im Mitgefühl für Leidende; mutig im Leiden und treu selbst bis zum Tod. Christus hat diese Liebe auf der Erde vorgelebt, und sie wird gemessen am auferstandenen Jesus Christus in Herrlichkeit. [5]  


Wir bekräftigen, dass diese umfassende biblische Liebe für Jünger Jesu Identitätsmerkmal und Kennzeichen sein sollte. Als Reaktion auf Jesu Gebet und Gebot sehnen wir uns danach, dass dies bei uns so sein möge. Traurig bekennen wir, dass es häufig nicht so ist. Und so verpflichten wir uns erneut dazu, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um so zu leben, zu denken, zu reden und zu agieren, dass deutlich wird, was es heißt, in Liebe zu wandeln – Liebe für Gott, Liebe füreinander und Liebe für die Welt.

2. Wir Lieben den Lebendigen Gott

Unser Gott, den wir lieben, offenbart sich in der Bibel als der eine, ewige, lebendige Gott, der alle Dinge nach seinem unumschränkten Willen regiert und mit allen Dingen sein Erlösungsziel erreichen will. In der Einheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist, ist Gott allein Schöpfer, Herrscher, Richter und Retter der Welt.[6] Daher lieben wir Gott durch fröhlichen Dank für unseren Platz in der Schöpfung, durch Unterwerfung unter seine  göttliche Vorsehung, durch Vertrauen in seine Gerechtigkeit und durch ewiges Lob für die Errettung, die er für uns vollbracht hat.

A)    Wir lieben Gott vor allem anderen.  Es ist uns geboten, allein den lebendigen Gott zu lieben und anzubeten. Aber wie das Volk Israel im Alten Testament lassen wir zu, dass unsere Liebe zu Gott verzerrt wird, indem wir den Göttern dieser Welt nachlaufen, den Göttern der Menschen um uns herum.[7] Verleitet von den Götzen Habgier, Macht und Erfolg verfallen wir in Synkretismus, und dienen dem Mammon anstatt Gott. Wir akzeptieren herrschende politische und wirtschaftliche Ideologien, ohne sie kritisch im Licht der Bibel zu hinterfragen. Unter dem Druck eines religiösen Pluralismus sind wir versucht, Zugeständnisse zu machen bezüglich unseres Glaubens an die Einzigartigkeit Christi.  Wie das Volk Israel müssen wir auf den Ruf Jesu und der Propheten achten, der uns zur Buße bewegen will, zur Aufgabe all dessen, was um unsere Aufmerksamkeit buhlt und zur Rückkehr zu gehorsamer Liebe und zum Lob Gottes – ganz und ausschließlich.

B) Wir lieben Gott mit Leidenschaft für seine Herrlichkeit. Das stärkste Motiv für die Erfüllung unseres Auftrags ist dasselbe, das auch Triebkraft für die Zielsetzung Gottes ist: Die gesamte Schöpfung soll den wahren, lebendigen Gott kennen und verherrlichen. Das ist Gottes höchstes Ziel und sollte unsere größte Freude sein.

„Wenn es Gottes Wunsch ist, dass jedes Knie sich Jesus beugen und jede Zunge ihn bekennen soll, dann sollte das auch unser Wunsch sein. Wir sollten 'eifern' (so wie die Bibel es manchmal ausdrückt) für die Ehre seines Namens – besorgt, wenn er unbekannt bleibt, verletzt, wenn er ignoriert wird, aufgebracht, wenn er gelästert wird und immer eifrig und entschlossen, damit ihm die Ehre und Herrlichkeit zukommt, deren er würdig ist. Das stärkste aller missionarischen Motive ist weder Gehorsam gegenüber dem Missionsbefehl (so wichtig er auch sein mag) noch Liebe für Sünder, die Gott entfremdet und dem Untergang geweiht sind (so stark der Anreiz auch sein mag, besonders angesichts des Zorns Gottes). Das stärkste aller Motive sollte Eifer sein --- brennender und leidenschaftlicher Eifer --- für die Herrlichkeit Jesu Christi … Vor diesem höchsten Ziel des christlichen Auftrags verkümmern und vergehen alle anderen Ziele.”[8] John Stott

Unser größter Kummer sollte sein, dass in unserer Welt der lebendige Gott nicht verherrlicht wird. Der lebendige Gott wird in einem aggressiven Atheismus geleugnet. Der einzig wahre Gott wird durch das Praktizieren von Weltreligionen ersetzt oder verzerrt. Unser Herr Jesus Christus wird in einigen Populärkulturen missbraucht und falsch dargestellt. Und das Angesicht des Gottes der biblischen Offenbarung wird verschleiert durch christlichen Nominalismus, Synkretismus und christliche Heuchelei.


Gott inmitten einer Welt zu lieben, die ihn abweist und verzerrt, erfordert ein kühnes, aber demütiges Zeugnis von unserem Gott; beständige aber von Barmherzigkeit geprägte Verteidigung der Wahrheit des Evangeliums Christi, des Sohnes Gottes; und auf Gebet basierendes Vertrauen in das aufrüttelnde und überzeugende Werk seines Heiligen Geistes. Wir verpflichten uns zu solchem Zeugnis, denn unsere Behauptung Gott zu lieben, muss seine höchste Priorität zu der unsrigen machen: die Erhebung von Gottes Namen und Wort über alle Dinge.[9]

3.  Wir Lieben Gott, den Vater

Durch Jesus Christus, Gottes Sohn – und durch ihn allein, der Weg, Wahrheit und Leben ist – lernen wir Gott als Vater kennen und lieben. Wenn der Heilige Geist unserem Geist bezeugt, dass wir Gottes Kinder sind, dann rufen wir mit den Worten Jesu „Abba, lieber Vater”, und wir beten so, wie Jesus es uns gelehrt hat – „Vater unser”. Unsere Liebe zu Jesus, die sich im Gehorsam erweist, trifft auf die Liebe des Vaters zu uns, wenn der Vater und der Sohn in uns Wohnung nehmen, im gegenseitigen Geben und Nehmen von Liebe.[10] Diese innige Beziehung ruht auf einem tiefen biblischen Fundament.

A)  Wir lieben Gott als den Vater seines Volkes. Das alttestamentliche Volk Israel kannte Gott als Vater, als den einen, der es erschuf, trug und leitete, Gehorsam einforderte, sich nach seiner Liebe sehnte, mitfühlende Vergebung gewährte und geduldige, ertragende Liebe erwies.[11]All dies gilt auch für unsere Beziehung zu unserem Vater Gott, die wir Volk Gottes in Christus sind.
 
B)  Wir lieben Gott als den Vater, der die Welt so sehr liebte, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit wir gerettet werden. Wie groß ist die Liebe des Vaters zu uns, dass wir Kinder Gottes genannt werden sollen. Wie unermesslich groß ist die Liebe des Vaters, der seinen einzigen Sohn nicht verschonte, sondern ihn für uns hingegeben hat. Diese Liebe des Vaters, die Ausdruck fand in der Hingabe des Sohnes, wird gespiegelt in der aufopfernden Liebe des Sohnes. Das Erlösungswerk, das der Vater und der Sohn am Kreuz vollbrachten, geschah – durch den ewigen Geist - in vollkommener Willensübereinstimmung. Der Vater liebte die Welt und gab seinen Sohn; „der Sohn Gottes liebte mich und gab sich für mich hin.” Diese Einheit von Vater und Sohn, von Jesus selbst bestätigt, klingt nach im bekanntesten Paulusgruß: „Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus, der sich selbst für unser Sünden hingegeben hat ... nach dem Willen unseres Gottes und Vaters, dem die Herrlichkeit sei in alle Ewigkeit.” [12]

C)  Wir lieben Gott als den Vater, dessen Wesen wir widerspiegeln und dessen Fürsorge wir vertrauen. In der Bergpredigt verweist Jesus wiederholt auf unseren himmlischen Vater als Vorbild bzw. Zentrum unseres Handelns. Als Kinder Gottes sollen wir Friedensstifter sein. Wir sollen Gutes tun, damit unser Vater gepriesen wird. Wir sollen unsere Feinde lieben und so Gottes väterliche Liebe spiegeln. Unser Geben, Beten und Fasten soll nur für die Augen Gottes bestimmt sein. Wir sollen anderen vergeben, so wie unser Vater uns auch vergibt. Wir sollen keine Angst haben, sondern der Vorsehung unseres Vaters vertrauen. Dieses aus einem christlichen Wesen und Lebensstil resultierende Verhalten erfüllt den Willen des Vaters im Himmel, innerhalb des Reiches Gottes.[13]
 

Wir bekennen, dass wir die Wahrheit der Vaterschaft Gottes oft vernachlässigt und uns selbst um den unserer Beziehung zu ihm innewohnenden Reichtum gebracht haben. Wir verpflichten uns neu, durch Jesus, den Sohn, zum Vater zu kommen; seine väterliche Liebe anzunehmen und zu erwidern; unter seiner väterlichen Zucht in Gehorsam zu leben; sein väterliches Wesen in unserem gesamten Verhalten und unserer Gesinnung widerzuspiegeln; und seiner väterlichen Fürsorge zu vertrauen, in welche Situationen er uns auch immer führen mag.

4.  Wir Lieben Gott, den Sohn

Gott gebot dem Volk Israel, Gott, den HERRN, mit unverbrüchlicher Treue zu lieben. So gilt auch für uns: Den Herrn Jesus Christus zu lieben heißt, unerschütterlich daran festzuhalten, dass er allein Retter, Herr und Gott ist. Die Bibel lehrt, dass Jesus ebenso hoheitlich handelt, wie Gott allein es tut. Christus ist Schöpfer des Universums, Lenker der Geschichte, Richter aller Nationen und Retter aller, die sich Gott zuwenden.[14] In der göttlichen Ebenbürtigkeit und Einheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist hat er Teilhabe an der Identität des Vaters. So wie Gott das Volk Israel aufgerufen hat zur Liebe im Glauben, Gehorsam und Zeugnis des Bundes, bekräftigen wir unsere Liebe zu Jesus Christus, indem wir ihm vertrauen, ihm gehorchen und ihn bekannt machen.

A)  Wir trauen auf Christus. Wir glauben dem Zeugnis der Evangelien, dass Jesus von Nazareth der Messias ist, von Gott bestimmt und gesandt, um den einzigartigen Auftrag des alttestamentlichen Volkes Israel zu erfüllen: allen Nationen den Segen der Erlösung zu bringen, so wie Gott es Abraham verheißen hat.
  1. In Jesus, empfangen durch den Heiligen Geist und geboren von der Jungfrau Maria, nahm Gott menschliche Gestalt an und lebte unter uns, ganz Gott und ganz Mensch.
  2. Jesus lebte in vollkommener Treue und im vollkommenen Gehorsam gegenüber Gott. Er verkündete und lehrte das Reich Gottes und lebte seinen Jüngern ein Leben unter Gottes Herrschaft vor.
  3. In seinem Dienst und seinen Wundern verkündete und demonstrierte Jesus den Sieg des Reiches Gottes über Böses und böse Mächte.
  4.  Durch seinen Tod am Kreuz nahm Jesus unsere Sünde auf sich, trug sie bis zur bitteren Neige, ertrug ihre Strafe und Schmach, besiegte den Tod und die Mächte des Bösen und vollbrachte Versöhnung und Erlösung für die gesamte Schöpfung. 
  5. Durch seine körperliche Auferstehung wurde Jesus von Gott gerechtfertigt und erhoben, nachdem er den Sieg am Kreuz demonstriert und vollendet hatte, und wurde Wegbereiter einer erlösten Menschheit und einer erneuerten Schöpfung.
  6. Seit seiner Rückkehr in den Himmel regiert Jesus als Herr über die Geschichte und die gesamte Schöpfung.
  7. Bei seiner Wiederkunft wird Jesus Gottes Gericht vollstrecken, Satan, das Böse und den Tod vernichten und die allumfassende Herrschaft Gottes aufrichten. 
B)  Wir gehorchen Christus.  Jesus hat uns zur Jüngerschaft berufen, dazu, unser Kreuz auf uns zu nehmen und ihm nachzufolgen auf dem Weg von Selbstverleugnung, Dienst und Gehorsam. „Wenn ihr mich liebt, dann haltet meine Gebote”, sagte er. „Was nennt ihr mich Herr, Herr, und tut nicht, was ich sage?” Wir sind aufgerufen, zu leben und zu lieben, wie Christus gelebt und geliebt hat. Wer Christus bekennt, dabei aber seine Gebote missachtet, erliegt einer gefährlichen Täuschung. Jesus warnt davor, dass viele, die durch spektakuläre und wundersame Werke seinen Namen anrufen, von ihm abgelehnt und als Übeltäter bezeichnet werden.[15] Wir nehmen Christi Warnung ernst, denn keiner von uns ist gefeit gegen diese furchtbare Gefahr.

C)  Wir verkündigen Christus. In Christus allein hat Gott sich ganz und endgültig offenbart, und durch Christus allein hat Gott Rettung für die Welt erreicht. Daher knien wir als Jünger zu den Füßen Jesu von Nazareth und sagen mit den Worten des Petrus: „Du bist Christus, Sohn des lebendigen Gottes” und mit den Worten des Thomas: „Mein Herr und mein Gott”. Wir haben ihn nicht gesehen, aber wir lieben ihn dennoch. Und wir sind fröhlich in der Hoffnung und warten voll Sehnsucht auf den Tag seiner Wiederkunft, wenn wir ihn sehen werden, wie er ist. Bis dahin tun wir es Petrus und Johannes nach, die verkündeten: „Es ist in keinem anderen das Heil, denn auch kein anderer Name unter dem Himmel ist den Menschen gegeben, in dem wir errettet werden müssen.” [16]


Wir verpflichten uns neu, Jesus Christus und all seine Lehren in der ganzen Welt zu bezeugen, in dem Wissen, dass dies Zeugnis nur möglich wird, wenn wir selbst seinen Lehren gehorchen.

5.  Wir Lieben Gott, den Heiligen Geist

Wir lieben den Heiligen Geist in der Einheit der Dreieinigkeit mit Gott, dem Vater, und Gott, dem Sohn. Er ist der missionarische Geist, gesandt vom  missionarischen Vater und missionarischen Sohn, der Gottes missionarischer Gemeinde Leben und Kraft einhaucht. Wir lieben und erbitten die Gegenwart des Heiligen Geistes, weil ohne sein Zeugnis gegenüber Christus unser Zeugnis sinnlos ist. Ohne das aufrüttelnde Werk des Geistes ist unsere Predigt vergeblich. Ohne die Gaben, die Führung und Kraft des Geistes, ist unsere Mission bloßes menschliches Bemühen. Und ohne die Frucht des Geistes, kann unser unansehnliches Leben die Schönheit des Evangeliums nicht widerspiegeln.

A)  Im Alten Testament sehen wir das aktive Handeln des Geistes Gottes in der Schöpfung, in Werken der Befreiung und Gerechtigkeit und in der Erfüllung und Bevollmächtigung von Menschen für alle Arten des Dienstes. Geisterfüllte Propheten freuten sich auf den kommenden König und Diener, dessen Sein und Wirken vom Geist Gottes gelenkt sein würde, und auf die kommende Zeit, die geprägt sein würde vom Ausgießen seines Geistes und damit von neuem Leben und neuem Gehorsam für das Volk Gottes.[17]

B)  Zu Pfingsten hat Gott seinen Heiligen Geist ausgegossen gemäß der Verheißung durch Jesus und die Propheten. Der heiligende Geist bringt Früchte hervor im Leben der Gläubigen, und die erste Frucht ist immer Liebe. Der Geist erfüllt die Gemeinde mit seinen Gaben, nach denen wir ein „eifriges Verlangen“ haben, denn sie sind die unverzichtbare Ausrüstung für den christlichen Dienst. Der Geist schenkt uns die Kraft für unseren Auftrag und die unterschiedlichen Aufgaben des Dienstes. Der Geist befähigt uns, das Evangelium zu verkünden und vorzuleben, die Wahrheit zu erkennen, wirksam zu beten und über die Mächte der Finsternis zu triumphieren. Der Geist stärkt und tröstet Jünger, die wegen ihres Zeugnisses für Christus verfolgt oder vor Gericht gestellt werden.[18]
C)  Ohne die Gegenwart, Führung und Kraft des Heiligen Geistes ist also unser Einsatz für Mission sinnlos und ineffektiv. Das gilt für Mission in jeglicher Hinsicht: Evangelisation, Bezeugen der Wahrheit, konkret gelebte Nachfolge, Friedensbemühungen, soziales Engagement, ethische Veränderung, Bewahrung der Schöpfung, Überwindung böser Mächte, Austreibung von Dämonen, Krankenheilung, Leiden unter und Ertragen von Verfolgung. Was auch immer wir im Namen Christi tun, braucht die Bevollmächtigung und Führung durch den Heiligen Geist. Das Neue Testament macht das deutlich am Leben der Urgemeinde und den Lehren der Apostel. Heute zeigt es sich im geistlichen und zahlenmäßigen Wachstum von Gemeinden, in denen Jesu Nachfolger vertrauensvoll in der Kraft des Heiligen Geistes handeln – in Abhängigkeit und Erwartung.  


Ohne die Person, das Wirken und die Kraft des Heiligen Geistes gibt es kein wahres oder ganzes Evangelium und keine authentische biblische Mission. Wir beten dafür, dass diese biblische Wahrheit wieder verstärkt wahrgenommen und in allen Teilen des weltweiten Leibes Christi als Realität erfahren wird. Wir sind uns jedoch des vielfältigen Missbrauchs bewusst, der unter dem Namen des Heiligen Geistes getrieben wird und der vielen unterschiedlichen  Erscheinungsformen, die praktiziert und gepriesen werden und die keine Gaben des Heiligen Geistes sind, wie es auch im Neuen Testament klar ausgedrückt wird. Dringend nötig sind tiefere Erkenntnis, deutliche Warnung vor Irrglauben und die Entlarvung betrügerischer und eigennütziger Manipulatoren, die geistliche Macht für die eigene, unchristliche Bereicherung missbrauchen. Nötig sind vor allem aber auch die fundierte biblische Lehre und Predigt auf der Grundlage demütigen Gebets, die den normalen Gläubigen so zurüsten, dass er das wahre Evangelium verstehen, sich daran erfreuen und falsche Evangelien erkennen und zurückweisen kann.  

6. Wir Lieben Gottes Wort

Wir lieben Gottes Wort in den Schriften des Alten und Neuen Testaments und stimmen mit ein in das freudige Entzücken des Psalmisten in der Thora: „Darum liebe ich  deine Gebote mehr als Gold ... wie liebe ich dein Gesetz.” Wir empfangen die ganze Bibel als Wort Gottes, inspiriert durch Gottes Geist, geredet und aufgeschrieben von menschlichen Verfassern. Wir unterwerfen uns ihm als höchste und einzige Autorität, die unsere Glaubensüberzeugungen und unser Verhalten lenkt und leitet. Wir bezeugen, dass das Wort Gottes Kraft hat, das Ziel der Erlösung zu erreichen. Wir bestätigen die Bibel als letztgültiges, geschriebenes Wort Gottes, über dem keine weitere Offenbarung steht, aber wir freuen uns auch daran, dass der Heilige Geist Sinn und Verstand von Gottes Volk erleuchtet, so dass die Bibel auf neue Art und Weise weiterhin Menschen in jeder Kultur Gottes Wahrheit verkündet. [19]

A)    Die Person, die die Bibel offenbart. Wir lieben die Bibel wie eine Braut die Briefe ihres Bräutigams liebt: Sie liebt nicht das Papier, auf dem sie geschrieben sind, sondern die Person, die durch die Briefe spricht. In der Bibel offenbart Gott selbst seine Identität, sein Wesen, seine Ziele und sein Handeln. Sie ist wichtigstes Zeugnis des Herrn Jesus Christus. Mit großer Freude begegnen wir ihm beim Lesen der Bibel durch seinen Geist. Unsere Liebe zur Bibel ist Ausdruck unserer Liebe zu Gott.

B)   Die Geschichte, die die Bibel erzählt.  Die Bibel erzählt die umfassende Geschichte von Schöpfung, Sündenfall und Erlösung in der Geschichte und der neuen Schöpfung. Diese übergreifende Erzählung ist Grundlage für unser schlüssiges biblisches Weltbild und formt unsere Theologie. Im Zentrum dieser Geschichte stehen als Höhepunkte die Geschehnisse um Tod und Auferstehung Christi, die Erlösungstaten, die das Herz des Evangeliums bilden. Es ist diese Geschichte (im Alten wie im Neuen Testament), die uns sagt, wer wir sind, warum wir hier sind und wo wir hingehen. Diese Geschichte der Mission Gottes ist Definition unserer Identität, Antrieb für unsere Mission und Zusicherung, dass das Ende in Gottes Hand liegt. Diese Geschichte muss – bei ihrer Weitergabe von Generation zu Generation - die Erinnerung und die Hoffnung des Volkes Gottes formen und den Inhalt seines evangelistischen Zeugnisses bestimmen. Wir müssen mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln die Bibel bekannt machen, denn ihre Botschaft gilt allen Menschen auf der Erde. Daher verpflichten wir uns neu der fortdauernden Aufgabe, die Heilige Schrift in jede Kultur und Sprache zu übersetzen, zu verteilen und zu lehren, auch in jenen, die oral geprägt oder ohne Schriftsprache sind.

C)    Die Wahrheit, die die Bibel lehrt. Die Bibel lehrt uns umfassend den ganzen Ratschluss Gottes, die Wahrheit, die Gott uns mitteilen möchte. Wir nehmen sie in allen Aussagen als wahr und verlässlich an, denn sie ist das Wort des Gottes, der nicht lügen kann und nicht versäumen wird. Sie offenbart klar und hinreichend den Weg der Erlösung. Sie ist Grundlage zur Erforschung und zum Verstehen aller Dimensionen göttlicher Wahrheit.

Wir leben jedoch in einer Welt, in der die Lüge vorherrscht und die Wahrheit abgelehnt wird. Viele Kulturen legen einen dominanten Relativismus an den Tag, der leugnet, dass eine absolute Wahrheit existiert bzw. überhaupt erkannt werden kann. Wenn wir die Bibel lieben, müssen wir aufstehen und verteidigen, was sie über die Wahrheit sagt. Wir müssen neue Wege finden, biblischer Autorität in allen Kulturen Sprache und Gehör zu verschaffen. Wir verpflichten uns neu, für die Wahrheit der Offenbarung Gottes zu kämpfen - als Teil unseres Liebesdienstes für Gottes Wort.

D)   Das Leben, das die Bibel fordert. „... ganz nahe ist dir das Wort, in deinem Mund und in deinem Herzen, um es zu tun.” Jesus und Jakobus rufen uns auf, Täter des Wortes zu sein und nicht nur Hörer.[20] Die Bibel zeigt eine Lebensqualität auf, die für den einzelnen Christen und die christliche Gemeinschaft kennzeichnend sein sollte. Angefangen bei Abraham über Mose, die Psalmisten, Propheten und die Weisheit Israels bis hin zu Jesus und den Aposteln wird deutlich, dass zu einem biblischen Lebensstil auch Gerechtigkeit gehört, Mitgefühl, Demut, Integrität, Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit, sexuelle Keuschheit, Großzügigkeit, Freundlichkeit, Selbstverleugnung, Gastfreundschaft, Bemühung um Frieden, Verzicht auf Rache, Tun des Guten, Vergebung, Freude, Zufriedenheit und Liebe – als konkrete Auswirkungen in einem Leben, das Gott lobt und preist und ihm in Treue nachfolgt.

Wir bekennen, dass wir leichtfertig behaupten die Bibel zu lieben, ohne aber das Leben zu lieben, das sie lehrt – das Leben eines kostspieligen, praktischen Gehorsams gegenüber Gott durch Christus.  “Nichts spricht deutlicher für das Evangelium als ein erneuertes Leben.

Nichts bringt es mehr in Verruf, als wenn unser persönliches Leben dazu in Widerspruch steht.

Wir sind dazu aufgerufen, unser Leben auf eine Weise zu führen, die des Evangeliums Christi würdig ist, ja wir sollen es sogar ‚schmücken‘, indem wir seine Schönheit durch ein heiliges Leben noch erhöhen.” [21] Um des Evangeliums Christi willen verpflichten wir uns daher neu, unsere Liebe zu Gottes Wort dadurch zu beweisen, dass wir es glauben und ihm gehorchen. Ohne ein an biblischen Maßstäben ausgerichtetes Leben ist biblische Mission nicht möglich.

7.   Wir lieben Gottes Welt

Wir teilen Gottes Leidenschaft für seine Welt. Wir lieben alles, was er geschaffen hat, freuen uns über Gottes Vorsehung und Gerechtigkeit, die sich durch seine Schöpfung ziehen, verkündigen die Gute Nachricht aller Kreatur und allen Nationen und sehnen den Tag herbei, an dem die Erde erfüllt sein wird von der Erkenntnis der Herrlichkeit des Herrn, so wie das Wasser die Meere erfüllt.[22]

A)  Wir lieben die Welt der Schöpfung Gottes. Diese Liebe ist nicht bloße sentimentale Zuneigung zur Natur (die die Bibel an keiner Stelle fordert) und auch nicht ihre pantheistische Verehrung (die die Bibel ausdrücklich verbietet). Vielmehr ist sie logische Folge unserer Liebe zu Gott, indem wir das hegen und pflegen, was zu ihm gehört. „Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist.” Die Erde ist Eigentum des Gottes, von dem wir behaupten, ihm in Liebe und Gehorsam verbunden zu sein. Wir hegen und pflegen die Erde, schlicht und ergreifend aus dem Grund, dass sie dem einen gehört, den wir „Herr” nennen.[23]

B)  Christus hat die Erde erschaffen, erhalten und erlöst.[24] Wir können nicht behaupten Gott zu lieben und gleichzeitig das Eigentum Christi missbrauchen, das ihm durch Schöpfung, Erlösung und Erbe rechtmäßig zusteht. Wir hegen und pflegen die Erde, nicht gemäß der Erkenntnis der säkularen Welt, sondern um des Herrn willen. Wenn Jesus Herr der ganzen Erde ist, kann es keine Trennung geben zwischen unserer Beziehung zu Christus und unserem Handeln für die Erde. Die Verkündigung des Evangeliums, das sagt: „Jesus ist Herr” schließt also die Erde mit ein, denn Christus herrscht über die gesamte Schöpfung. Pflege und Bewahrung der Schöpfung ist daher in der Herrschaft Christi integraler Teil des Evangeliums.

Solche Liebe für Gottes Schöpfung erfordert, dass wir Buße tun über unseren Anteil an der Zerstörung, Verschwendung und Verschmutzung der irdischen Ressourcen und über unsere stillschweigende Duldung des seine schädliche Wirkung entfaltenden Götzen Konsumerismus. Stattdessen verpflichten wir uns zu einer dringlichen und prophetischen ökologischen Verantwortung und zur Unterstützung jener Christen, die im Eintreten und aktiven Handeln für die Umwelt ihre besondere missionale Berufung erlebt haben. Wir erinnern uns daran, dass die Bibel von Gottes Erlösungsziel für die Schöpfung selbst spricht. Integrale Mission heißt, die biblische Wahrheit erkennen, verkünden und leben, nach der das Evangelium Gottes gute Nachricht ist, in die Welt gekommen durch das Kreuz und die Auferstehung Jesu Christi, gerichtet an Einzelne und die Gesellschaft und die Schöpfung. Alle drei quält der Zerbruch und das Leid durch die Sünde; alle drei sind mit eingeschlossen in die erlösende Liebe und Zielsetzung Gottes; alle drei müssen Teil der umfassenden Mission von Gottes Volk sein.
 
C)   Wir lieben die Welt der Nationen und Kulturen. „Und er [Gott] hat aus Einem jede Nation der Menschen gemacht, dass sie auf dem ganzen Erdboden wohnen ...”.  Ethnische Vielfalt ist Gottes Geschenk in der Schöpfung, und sie wird in der neuen Schöpfung bewahrt werden, befreit von unseren sündhaften Spaltungen und Rivalitäten. Unsere Liebe zu allen Völkern ist Spiegel von Gottes Verheißung, alle Nationen der Erde zu segnen und von Gottes Ziel, sich selbst ein Volk zu schaffen aus Menschen jedes Stammes und Volkes, jeder Sprache und Nation. Wir müssen lieben, was Gott sich entschieden hat zu segnen, und das schließt alle Kulturen mit ein. Historisch gesehen ist christliche Mission maßgeblich beteiligt gewesen am Schutz und Erhalt einheimischer Kulturen und ihrer Sprachen. Göttliche Liebe schließt jedoch auch kritisches Urteilsvermögen mit ein, denn in jeder Kultur gibt es nicht nur positive Belege für das Ebenbild Gottes in den Menschen, sondern auch negative Auswirkungen durch Satan und Sünde. Wir sehnen uns danach, das Evangelium in allen Kulturen konkret gelebt und verankert zu sehen, damit sie von innen heraus erlöst werden und sich die Herrlichkeit Gottes sowie die strahlende Fülle Christi zeigt. Wir freuen uns darauf, wenn alle Kulturen ihren Reichtum, ihre Herrlichkeit und ihre Pracht in die Stadt Gottes bringen – erlöst und gereinigt von aller Sünde, eine Bereicherung für die neue Schöpfung.[25]

Solche Liebe für alle Völker erfordert, dass wir dem Übel von Rassismus und Ethnozentrismus eine Absage erteilen und jede ethnische und kulturelle Gruppe mit Würde und Respekt behandeln, weil sie in der Schöpfung und Erlösung für Gott wertvoll sind.[26]

Solche Liebe erfordert ebenso, dass wir uns bemühen, jedem Volk und jeder Kultur an jedem Ort das Evangelium bekannt zu machen. Keine Nation, Juden oder Heiden, ist vom Missionsbefehl ausgeschlossen. Evangelisation heißt: Herzen fließen über, die angefüllt sind mit der Liebe Gottes zu jenen, die ihn noch nicht kennen. Wir bekennen voll Scham, dass es auf der Welt immer noch sehr viele Völker gibt, die die Botschaft von Gottes Liebe in Jesus Christus noch nie gehört haben. Wir erneuern die Verpflichtung, die die Lausanner Bewegung von Anfang an inspiriert hat – alle verfügbaren Mittel zu nutzen, um alle Völker mit dem Evangelium zu erreichen. 

D)  Wir lieben die Armen und Leidenden der Welt. Die Bibel sagt uns, dass Gott alles liebt, was er geschaffen hat, die Sache des Unterdrückten unterstützt, den Fremden liebt, den Hungrigen speist, Waisen und Witwen versorgt.[27] Die Bibel zeigt auch, dass Gott diese Dinge durch Menschen tun möchte, die sich zu solchem Handeln verpflichtet sehen. Gott macht besonders jene verantwortlich, die in der Gesellschaft politische oder juristische Führungspositionen einnehmen,[28] aber durch das Gesetz und die Propheten, die Psalmen und die Weisheit, Jesus und Paulus, Jakobus und Johannes ist das ganze Volk Gottes gefordert, Liebe und Gerechtigkeit Gottes dadurch konkret werden zu lassen, dass an Bedürftigen praktische Liebe und Gerechtigkeit geübt werden.[29]

Solche Liebe zu den Armen erfordert, dass wir nicht nur Gnade und Taten der Barmherzigkeit lieben, sondern Gerechtigkeit üben, indem wir all das aufdecken und bekämpfen, was die Armen unterdrückt und ausbeutet. „Wir sollen uns nicht scheuen, Bosheit und Ungerechtigkeit anzuprangern, wo immer sie existieren.”[30] Wir bekennen voll Scham, dass wir in dieser Hinsicht versagt haben: Wir haben Gottes Leidenschaft nicht geteilt, Gottes Liebe nicht konkret gelebt, Gottes Wesen nicht widergespiegelt und Gottes Willen nicht getan. Wir verpflichten uns neu zur Förderung von Gerechtigkeit, zu der wir auch Solidarität und Fürsprache im Namen von Randgruppen und Unterdrückten zählen. Wir erkennen diesen Kampf gegen das Böse als eine Dimension geistlicher Kampfführung, die nur durch den Sieg von Kreuz und Auferstehung, in der Kraft des Heiligen Geistes und durch unablässiges Gebet gewonnen werden kann.

E)  Wir lieben unsere Nächsten wie uns selbst. Jesus rief seine Jünger auf, dieses Gebot als das zweitwichtigste im Gesetz zu befolgen, aber dann verlieh er der Forderung: „Liebt den Fremden” (aus demselben Kapitel) eine radikale Tiefe durch die Worte: „Liebt eure Feinde”.[31]

Solche Liebe zum Nächsten erfordert, dass wir allen Menschen aus dem Kernstück des Evangeliums heraus begegnen, in Gehorsam gegenüber dem Gebot Christi und im Nachahmen seines Beispiels. Solche Nächstenliebe schließt Angehörige anderer Glaubensrichtungen mit ein und gilt auch denen, die uns hassen, verleumden und verfolgen – ja, sogar denen, die uns töten. Jesus lehrte uns, auf Lügen mit Wahrheit zu reagieren, diejenigen freundlich, barmherzig und vergebend zu behandeln, die uns Böses tun und Gewalt und Mord an seinen Jüngern mit Selbstaufopferung zu begegnen, um Menschen zu ihm zu ziehen und die Kette des Bösen zu unterbrechen. Bei der Verbreitung des Evangeliums weisen wir Gewalt entschieden zurück und sagen uns los von der Versuchung, Vergeltung und Rache zu üben an jenen, die uns Unrecht tun. Solcher Ungehorsam ist unvereinbar mit dem, was Christus im Neuen Testament vorgelebt und gelehrt hat. [32] Gleichzeitig macht die Pflicht, unseren leidenden Nächsten zu lieben, es erforderlich, in ihrem Namen Gerechtigkeit zu suchen durch angemessene Anrufung der Justiz- und Staatsbehörden, die bei der Bestrafung von Missetätern als Gottes Diener agieren.[33]

F)  Die Welt lieben wir nicht.  Die Welt von Gottes guter Schöpfung ist eine Welt der menschlichen und satanischen Auflehnung gegen Gott geworden. Wir sind aufgerufen, diese Welt von sündigem Begehren, Habgier und menschlichem Stolz nicht zu lieben. Wir bekennen voll Trauer, dass sich so häufig genau diese Kennzeichen der Weltlichkeit nachteilig auf unser christliches Auftreten auswirken und unser Zeugnis des Evangeliums Lügen strafen.[34]


Wir verpflichten uns neu, nicht mit der sündigen und gefallenen Welt und ihren vergänglichen Leidenschaften zu kokettieren, sondern die ganze Welt so zu lieben, wie Gott sie liebt. Daher lieben wir die Welt und empfinden darin ein heiliges Sehnen nach Erlösung und Erneuerung der gesamten Schöpfung und aller Kulturen in Christus, nach Sammlung des Volkes Gottes aus allen Nationen bis an die Enden der Erde und nach der Beendigung aller Zerstörung, Armut und Feindschaft.

8.  Wir Lieben Gottes Evangelium

Als Jünger Jesu sind wir Menschen des Evangeliums. Kern unserer Identität ist unsere Leidenschaft für die biblische gute Nachricht vom Erlösungswerk Gottes durch Jesus Christus. Wir sind vereinigt durch das Erleben der Gnade Gottes im Evangelium und durch unsere Motivation, dieses Evangelium der Gnade mit allen verfügbaren Mitteln bis an die Enden der Erde bekannt zu machen.

A)  Wir lieben die gute Nachricht in einer Welt der schlechten Nachrichten. Das Evangelium spricht die schwerwiegenden Auswirkungen von menschlicher Sünde und Not und menschlichem Versagen an. Menschen haben sich gegen Gott aufgelehnt, Gottes Autorität abgelehnt und Gottes Wort missachtet. Dieser sündhafte Zustand hat zur Folge, dass wir uns von Gott, voneinander und von der geschaffenen Ordnung entfremden. Sünde verdient Verdammung durch Gott. Diejenigen, die die Buße verweigern und “dem Evangelium unseres Herrn Jesus nicht gehorchen, sie werden Strafe leiden, ewiges Verderben vom Angesicht des Herrn und von der Herrlichkeit seiner Stärke ....”[35]Die Auswirkungen der Sünde und die Macht des Bösen haben sämtliche Bereiche des Menschseins verdorben (geistlich, physisch, intellektuell und beziehungsmäßig). Sie haben in allen Kulturen und allen Generationen der Geschichte das kulturelle, wirtschaftliche, soziale, politische und religiöse Leben durchdrungen. Sie haben der menschlichen Rasse unabsehbares Elend und Gottes Schöpfung unermesslichen Schaden zugefügt. Angesichts dieser trostlosen Tatsachen ist das biblische Evangelium in der Tat eine sehr gute Nachricht. 

B)  Wir lieben die Geschichte, die das Evangelium erzählt. Das Evangelium verkündigt die historischen Ereignisse um das Leben, Sterben und die Auferstehung des Jesus von Nazareth als gute Nachricht. Als Sohn Davids, der versprochene Messias, ist Jesus der, durch den allein Gott sein Reich errichtete und die Errettung der Welt herbeiführte. Dadurch ermöglicht er jeder Nation auf Erden, Segen zu empfangen – so wie er es Abraham verheißen hat. Paulus definiert das Evangelium durch die Aussage, dass „Christus für unsere Sünden gestorben ist nach den Schriften, und dass er begraben wurde und dass er auferweckt worden ist am dritten Tag nach den Schriften, und dass er ... erschienen ist, ... den Zwölfen.” Das Evangelium verkündet, dass am Kreuz Christi Gott selbst die Strafe für unsere Sünde auf sich nahm – in der Person seines Sohnes und an unserer statt. In demselben großartigen Rettungsakt, der durch die Auferstehung vollendet, gerechtfertigt und deklariert wurde, errang Gott den entscheidenden Sieg über Satan, Tod und alle bösen Mächte, befreite uns aus ihrer Macht und Furcht und sorgte für ihre endgültige Vernichtung. Er erreichte damit die Versöhnung der Gläubigen mit Gott und miteinander, über alle Grenzen und Feindseligkeiten hinweg. Durch das Kreuz hat Gott auch sein Ziel der endgültigen Versöhnung der gesamten Schöpfung erreicht, und mit der körperlichen Auferstehung Jesu hat er uns die Erstlingsfrucht der neuen Schöpfung zum Geschenk gemacht. Gott hat in Christus „die Welt mit sich selbst versöhnt.” [36] Wie lieben wir die Geschichte des Evangeliums!

C)  Wir lieben die Zusage, die das Evangelium macht.  Nur durch das alleinige Vertrauen auf Christus sind wir durch den Heiligen Geist mit ihm vereint und können als in Christus Gerechte vor Gott stehen. Die Rechtfertigung aus Glauben bringt uns Frieden mit Gott. Wir sind nicht länger der Verdammnis unterworfen. Wir empfangen Vergebung unserer Sünden. Wir sind wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung, indem wir Anteil haben am Leben des Auferstandenen. Mit Christus sind wir als Miterben angenommen. Wir werden Bürger von Gottes Bundesvolk, Mitglieder von Gottes Familie und des Ortes, an dem Gott wohnt. Wenn wir auf Christus vertrauen, wird uns Erlösung und ewiges Leben versprochen, denn unsere Erlösung hängt letzten Endes nicht von uns selbst ab, sondern vom Werk Christi und der Verheißung Gottes. Nichts „wird uns scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.”[37] Wie lieben wir die Verheißung des Evangeliums!

D)  Wir lieben die Veränderung, die das Evangelium bewirkt. Das Evangelium ist Gottes lebensverändernde Kraft, mit der er in der Welt wirkt, „ist es doch Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden.”[38]  Allein durch Glauben werden die Segnungen und die Zusage des Evangeliums empfangen. Rettender Glaube bleibt jedoch nie allein, sondern mündet zwangsläufig in Gehorsam. Christlicher Gehorsam ist “der durch Liebe wirksame Glaube.”[39] Wir werden nicht durch gute Werke gerettet, sondern dadurch, dass wir allein aus Gnade gerettet sind, sind wir „in Christus Jesus geschaffenzu guten Werken.”[40]  „So ist auch der Glaube, wenn er keine guten Werke hat, in sich selbst tot.”[41] Paulus sah die durch das Evangelium bewirkte ethische Veränderung als Werk der Gnade Gottes – der Gnade, die bei Jesu erstem Kommen unsere Erlösung ermöglichte, und die uns angesichts seines zweiten Kommens zu einer ethischen Lebensführung anleitet. [42]Für Paulus hieß „dem Evangelium gehorsam” sein, auf die Gnade und auf die Anleitung durch die Gnade vertrauen.[43]Paulus wollte als missionales Ziel „Glaubensgehorsam” zu allen Nationen bringen.[44] Diese sich stark an den Bundesschluss anlehnende Sprache weckt Erinnerungen an Abraham. Abraham glaubte Gottes Verheißung, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet. Dann gehorchte er Gottes Gebot, indem er seinen Glauben auch lebte. „Durch Glauben war Abraham ... gehorsam.”[45] Buße und Glaube an Jesus Christus sind die ersten Akte des Gehorsams, die das Evangelium fordert; anhaltender Gehorsam gegenüber Gottes Geboten ist der Lebensstil, zu dem dieser Glaube befähigt – durch die Heiligung des Heiligen Geistes.[46] Gehorsam ist daher der lebendige Beweis für einen rettenden Glauben und dessen lebendige Frucht. Gehorsam ist aber auch die Bewährungsprobe für unsere Liebe zu Jesus. „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich  liebt.”[47] „Und hieran erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben: wenn wir seine Gebote halten.”[48]  Wie lieben wir die Kraft des Evangeliums!

9. Wir lieben Gottes Volk

Das Volk Gottes sind Menschen aus allen Zeitaltern und allen Nationen, die Gott in Christus geliebt, erwählt, berufen, errettet und geheiligt hat als ein Volk seines Eigentums, damit sie - als Bürger der neuen Schöpfung - teilhaben an der Herrlichkeit Christi. Als die, die Gott von Ewigkeit her und durch die turbulente und rebellische Geschichte der Menschen hindurch geliebt hat, ist uns daher geboten, einander ebenfalls zu lieben. Denn „wenn Gott uns so geliebt hat, sind auch wir schuldig, einander zu lieben” und so „Nachahmer Gottes” zu sein und in Liebe zu wandeln „wie auch ... Christus euch geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat ...” In der Familie Gottes ist Liebe zueinander nicht lediglich eine wünschenswerte Option, sondern ein unausweichliches Gebot. Solche Liebe ist der vorrangige Beweis für Gehorsam gegenüber dem Evangelium und ein wirksamer Antrieb für die Weltmission. [49]

A)  Liebe ruft nach Einheit.  Das an seine Jünger gerichtete Gebot Jesu, einander zu lieben, hängt zusammen mit seinem Gebet für ihre Einheit untereinander. Sowohl das Gebot als auch das Gebet sind missional  – „damit die Welt erkennt, dass ihr meine Jünger seid” und dass „die Welt glaube, dass du [der Vater] mich gesandt hast”.[50] Eines der überzeugendsten Kennzeichen für die Wahrheit des Evangeliums ist die Liebe der Christen untereinander, die sie über Grenzen hartnäckig bestehender Spaltungen der Welt hinweg vereint – Grenzen bezüglich Rasse, Hautfarbe, sozialer Gesellschaftsschicht, wirtschaftlicher Privilegien oder politischer Angepasstheit. Aber nur wenig beeinträchtigt unser Zeugnis mehr, als wenn Christen eben diese Spaltungen auch untereinander widerspiegeln und verstärken. Wir suchen dringend nach einer neuen globalen Partnerschaft innerhalb des Leibes Christi, die alle Kontinente umfasst und verwurzelt ist in ehrlicher gegenseitiger Liebe, gemeinsamer Unterordnung und gemeinsamer wirtschaftlicher Nutzung („economic sharing“), ohne Bevormundung oder ungesunde Abhängigkeit. Wir sehen dies nicht nur als eine Demonstration unserer Einheit im Evangelium, sondern auch um des Namens Christi und Gottes Ziel für die  ganze Welt willen.

B)  Liebe ruft nach Ehrlichkeit. Liebe spricht die Wahrheit in Gnade. Niemand liebte das Volk Gottes mehr als die Propheten Israels und Jesus selbst. Aber niemand hat es auch ehrlicher mit der Wahrheit seines Versagens konfrontiert, mit Götzendienst und Auflehnung gegen den Herrn des Bundesschlusses. Dadurch haben sie das Volk Gottes zur Buße gerufen, damit Vergebung möglich wurde und das Volk den Dienst für Gottes Auftrag wieder aufnehmen konnte. Dieselbe Stimme prophetischer Liebe muss auch heute gehört werden – aus demselben Grund. Unsere Liebe zur Gemeinde Gottes leidet an schmerzhafter Trauer über die unter uns bestehende Hässlichkeit, die das Antlitz unseres geliebten Herrn Jesus Christus entstellt und seine Schönheit vor der Welt verbirgt – der Welt, die so dringend zu ihm finden müsste.

C)  Liebe ruft nach Solidarität. Einander zu lieben heißt auch, sich besonders um jene zu kümmern, die aufgrund ihres Glaubens und ihres Zeugnisses verfolgt und inhaftiert werden. Wenn ein Glied des Leibes leidet, leiden alle anderen mit. Wir alle sind, wie Johannes,  „Mitgenossen in der Drangsal und dem Königtum und dem [geduldigen] Ausharren in Jesus”.[51] Wir verpflichten uns, Anteil zu nehmen am Leiden der Mitglieder des Leibes Christi in der Welt durch Information, Gebet, Fürsprache und andere Möglichkeiten der Unterstützung. Wir sehen solche Anteilnahme jedoch nicht nur als Ausdruck von Mitleid. Wir wollen auch lernen, was die leidende Gemeinde jene Glieder am Leib Christi lehren kann, die nicht auf diese Art und Weise leiden. Wir werden gewarnt, dass die Gemeinde, die sich – wie Laodicea - in Wohlstand und Selbstzufriedenheit eingerichtet hat, die Gemeinde ist, die Jesus für blind hält gegenüber ihrer eigenen Armut und bei der er sich fühlt wie ein Fremder, den man vor der Tür stehen lässt.[52]


Jesus ruft seine Jünger zusammen, damit sie eine Familie unter den Nationen seien, eine versöhnte Gemeinschaft, in der sündhafte Grenzen durch seine versöhnende Gnade niedergerissen werden. Diese Gemeinde ist eine Gemeinschaft der Gnade, des Gehorsams und der Liebe in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes, in der die herrlichen Eigenschaften Gottes und die gnadenreichen Wesensmerkmale Christi widergespiegelt werden und Gottes vielgestaltige Weisheit zum Tragen kommt. Gemeinde als Gemeinschaft der Versöhnten, die nicht länger für sich selbst leben, sondern für den Retter, der sie liebte und sich für sie hingab – das ist der anschaulichste Ausdruck für das, was Reich Gottes bedeutet.

10. Wir Lieben den Auftrag Gottes

Wir sind der Weltmission verpflichtet, weil sie für unser Verständnis von Gott, der Bibel, der Gemeinde, der Geschichte der Menschheit und der Zukunft von zentraler Bedeutung ist. Die Bibel offenbart umfassend Gottes Ziel mit der Welt: Alle Dinge im Himmel und auf Erden sollen unter Christus vereint werden, versöhnt durch sein Blut am Kreuz. Im Erreichen dieses Zieles wird Gott die unter der Sünde und dem Bösen zerbrochene Schöpfung in die neue Schöpfung verwandeln, in der keine Sünde und keine Verdammnis mehr sein wird. Gott wird die Verheißung erfüllen, die er Abraham gegeben hat, dass alle Nationen der Erde gesegnet werden durch das Evangelium von Jesus, dem Messias, dem Samen Abrahams. Gott wird die zerrissene Welt der Nationen, die unter dem Gericht Gottes zerstreut waren, in die neue Menschheit verwandeln – aus jedem Stamm, jeder Nation, jedem Volk und jeder Sprache. Sie wird erlöst sein durch das Blut Christi und wird gesammelt, um unseren Gott und Retter anzubeten. Wenn Christus wiederkommt, um sein ewiges Reich zu errichten, in dem Leben, Gerechtigkeit und Frieden herrschen werden, wird Gott die Herrschaft von Tod, Verderben und Gewalt beenden. Dann wird Gott, der Immanuel, bei uns wohnen, und das Königreich der Welt wird zum Königreich unseres Herrn und seines Christus werden, und er wird in alle Ewigkeit herrschen.[53]

A) Unsere Beteiligung an Gottes Zielsetzung. Gott beruft sein Volk zur Teilhabe an seinem großen Ziel. Durch den Messias Jesus steht die Gemeinde aus allen Nationen in einer Linie mit den von Gott Berufenen im Alten Testament. Zusammen mit ihnen sind wir durch Abraham berufen und beauftragt, den Nationen Segen und Licht zu sein. Zusammen mit ihnen sollen wir durch das Gesetz und die Propheten gelehrt und geformt werden zu einer Gemeinschaft, die in einer Welt der Sünde und des Leides für Heiligkeit, Mitgefühl und Gerechtigkeit steht. Durch das Kreuz und die Auferstehung Jesu Christi sind wir erlöst worden, durch den Heiligen Geist sind wir ermächtigt, Zeugnis zu geben von dem, was Gott in Christus getan hat. Die Gemeinde besteht, um Gott in alle Ewigkeit anzubeten und zu verherrlichen und teilzuhaben an dem auf Veränderung angelegten Auftrag und Ziel Gottes in der Geschichte. Unser Auftrag ergibt sich schlüssig und folgerichtig aus Gottes Zielsetzung, richtet sich an Gottes gesamte  Schöpfung und hat seinen Dreh- und Angelpunkt im Erlösungssieg am Kreuz. Dies ist das Volk, zu dem wir gehören, dessen Glauben wir bekennen und dessen Berufung wir teilen. 

B)  Die Integrität unseres Auftrags.  All unser Einsatz für diesen Auftrag hat seinen Ursprung in dem, was Gott in Christus für die Errettung der ganzen Welt getan hat, so wie die Bibel es offenbart. Unsere evangelistische Aufgabe ist es, diese gute Nachricht allen Nationen bekannt zu machen. Der Kontext unseres Auftrags ist die Welt, in der wir leben, die Welt voll Sünde, Leid, Ungerechtigkeit und mit einer geschundenen Schöpfung, in die Gott uns sendet, damit wir sie – um Christi willen – lieben und ihr dienen. Unser Einsatz für Gottes Ziel mit dieser Welt muss daher beides beinhalten: Evangelisation und aktives Handeln in der Welt, die Legitimation und Antrieb finden in der ganzen biblischen Offenbarung des Evangeliums Gottes.

„Evangelisation ist ihrem Wesen nach die Verkündigung des historischen biblischen Christus als Heiland und Herrn. Ziel ist es, Menschen zu bewegen, zu Ihm persönlich zu kommen und so mit Gott versöhnt zu werden. ... Das Ergebnis der Evangelisation schließt Gehorsam gegenüber Jesus Christus, Eingliederung in Seine Gemeinde und verantwortlichen Dienst in der Welt ein ... bekräftigen wir, dass Evangelisation und soziale wie politische Betätigung gleichermaßen zu unserer Pflicht als Christen gehören. Denn beide sind notwendige Ausdrucksformen unserer Lehre von Gott und dem Menschen, unserer Liebe zum Nächsten und unserem Gehorsam gegenüber Jesus Christus ...Das Heil, das wir für uns beanspruchen, soll uns in unserer gesamten persönlichen und sozialen Verantwortung verändern. Glaube ohne Werke ist tot.”[54]

„Integrale Mission ist die Verkündigung und praktische Umsetzung des Evangeliums. Dies bedeutet nicht einfach, dass  Evangelisation und soziales Engagement parallel erfolgen sollten. Vielmehr hat unsere Verkündigung bei integraler Mission soziale Konsequenzen, weil wir Menschen zu Liebe und Umkehr in allen Lebensbereichen aufrufen. Ebenso hat unser soziales Engagement evangelistische Konsequenzen, da wir die umwandelnde Gnade Jesu Christi bezeugen. Die Welt zu ignorieren ist Verrat am Wort Gottes, das uns zum Dienst in der Welt beauftragt. Wenn wir das Wort Gottes ignorieren, haben wir der Welt nichts zu geben.”[55]


Wir verpflichten uns zur integralen und dynamischen Ausübung aller Dimensionen von Mission, zu denen Gott seine Gemeinde beruft.

  • Gott ruft uns auf, die Wahrheit der Offenbarung Gottes und das Evangelium seiner rettenden Gnade durch Jesus Christus zu allen Nationen zu tragen, alle Völker zu Buße, zum Glauben, zur Taufe und gehorsamen Nachfolge aufzurufen.
  • Gott ruft uns auf, sein Wesen durch mitfühlendes Engagement für Bedürftige zu widerspiegeln sowie Werte und Macht Seines Reiches deutlich zu machen durch Streben nach Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung Gottes.

Als Antwort auf Gottes grenzenlose, in Christus sichtbar gewordene Liebe zu uns, und aus unserer überfließenden Liebe heraus wollen wir – mit Hilfe des Heiligen Geistes – Wunsch und Wollen neu darauf ausrichten, Gottes Geboten ganz zu gehorchen, mit selbstloser Demut, Freude und Mut. Wir erneuern diesen Bund mit dem Herrn, dem Herrn, den wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.

TEIL II

Für die Welt, der wir dienen:  Der Kapstadt-Aufruf zum Handeln

EINFÜHRUNG

Unser Bund mit Gott verbindet Liebe mit Gehorsam. Gott freut sich, wenn unsere Werke durch Glauben getan werden und unsere Arbeit auf der Liebe basiert,[56] denn wir sind Gottes Werke, erschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, welche Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.’[57]

Als Mitglieder der weltweiten Gemeinde Jesu Christi suchen wir die Stimme Gottes durch den Heiligen Geist. Wir haben seine Stimme gehört aus dem geschriebenen Wort im Epheserbrief und durch die Stimme seiner Diener rund um die Welt. Unsere sechs Hauptthemen des Kongresses sind ein Rahmen, mittels dessen wir die Herausforderungen erkennen können, welchen die weltweite Gemeinde Christi gegenübersteht sowie unsere Prioritäten für die Zukunft. Dies bedeutet nicht, dass diese Verpflichtungen die einzigen sind, welche die Gemeinde in Betracht ziehen sollte, oder dass die Prioritäten überall dieselben sind.

IIA  Die wahrheit christi bezeugen in einer pluralistischen globalisierten welt.

1. Die Wahrheit und die Person Christi

Jesus Christus ist die Wahrheit des Universums. Weil Jesus die Wahrheit ist, ist die Wahrheit in Christus (I) persönlich wie auch propositional, (II) universal wie auch textnah, (III) endgültig wie auch gegenwärtig.

A)     Als Jünger Jesu sind wir berufen, Menschen der Wahrheit zu sein.

  1. Wir müssen die Wahrheit leben. Die Wahrheit leben bedeutet, das Angesicht Jesu zu sein, durch welches die Herrlichkeit des Evangeliums verblendetem Denken offenbar wird. Die Menschen werden die Wahrheit in den Gesichtern derer sehen, die ihr Leben in Treue und Liebe für Jesus leben.
  2. Wir müssen die Wahrheit verkündigen. Die gesprochene Verkündigung der Wahrheit des Evangeliums ist in unserem Auftrag von höchster Wichtigkeit und kann nicht vom Leben der Wahrheit getrennt werden. Werke und Worte müssen eins sein.

B)    Wir halten Gemeindeleiter, Pastoren und Evangelisten dazu an, die ganze Fülle des biblischen Evangeliums zu predigen und zu lehren, so, wie es Paulus getan hat, in seiner ganzen weltumfassenden Reichweite und Wahrheit. Wir müssen das Evangelium nicht nur als eine individuelle Errettungsmöglichkeit präsentieren oder als eine bessere Lösung für Probleme als andere Götter, sondern als Gottes Plan für das gesamte Universum in Christus Jesus. Menschen kommenmanchmal zu Jesus, damit einer persönlichen Not geholfen wird, doch sie bleibenbei Jesus, wenn sie herausfinden, dass er die Wahrheit ist.

2. Die Wahrheit und die Herausforderung des Pluralismus

Kultureller und religiöser Pluralismus ist eine Tatsache und beispielsweise haben Christen in Asien damit jahrhundertelang gelebt. Verschiedene Religionen behaupten, sie seien der Weg der Wahrheit. Die meisten respektieren konkurrierende Wahrheitsansprüche und leben nebeneinander her. Doch der postmoderne relativistische Pluralismus ist anders. Seine Ideologie erlaubt keine absolute oder universelle Wahrheit. Obwohl er Wahrheitsansprüche toleriert, sieht er sie lediglich als kulturelle Konstruktionen. (Diese Einstellung ist logischerweise selbstzerstörerisch, denn sie bestätigt als einzige absolute Wahrheit, dass es keine einzige absolute Wahrheit gibt.) Ein solcher Pluralismus macht geltend, dass „Toleranz” ein ultimativer Wert ist, doch er akzeptiert unterdrückende Formen in Ländern, in denen Säkularismus oder aggressiver Atheismus die Öffentlichkeit beherrschen.

A)  Wir wünschen uns, dass eine vermehrte Verpflichtung stattfindet für die schwierige Arbeit der widerstandsfähigen Apologetik. Dies muss auf zwei Ebenen geschehen.
  1. Wir müssen diejenigen identifizieren, zurüsten und für sie beten, die sich auf der höchsten intellektuellen und öffentlichen Ebene verpflichten können, für die biblische Wahrheit in der Öffentlichkeit einzustehen und sie zu verteidigen.
  2. Wir fordern Gemeindeleiter und Pastoren auf, allen Gläubigen Mut zu machen und sie mit den richtigen Werkzeugen auszurüsten, damit sie die Wahrheit mit einer prophetischen Bedeutung in ihre Alltagsgespräche einfließen lassen können und auf diese Weise jeden kulturellen Aspekt unseres Umfelds miteinbeziehen.

3. Die Wahrheit und der Arbeitsplatz

Die Bibel zeigt uns Gottes Wahrheit über menschliche Arbeit, und dass sie bei der Schöpfung ein Teil des Planes Gottes war. Die Bibel zieht unser gesamtes Arbeitsleben in den Bereich des Dienens mit ein, wobei wir Gott in unterschiedlichen Beruf(ung)en dienen. Im Gegensatz dazu hat die falsche Trennung des „Heiligen“ vom „Säkularen“ das Denken und Handeln der Gemeinde durchdrungen. Diese Trennung legt uns nahe, dass religiöse Aktivitäten Gott gehören, andere Aktivitäten hingegen nicht. Fast alle Christen verbringen die meiste Zeit mit einer Tätigkeit, von der sie denken, sie hätte kaum geistlichen Wert (sogenannte weltliche Arbeit). Doch Gott ist der Herr allen Lebens. „Was immer ihr tut, das tut von Herzen, als für den Herrn und nicht für Menschen“,[58] sagte Paulus zu den Sklaven an heidnischen Arbeitsplätzen.

Trotz der enormen evangelistischen Gelegenheiten am Arbeitsplatz, wo erwachsene Christen die meisten Beziehungen zu Nichtchristen pflegen, haben nur wenige Gemeinden die Vision, ihre Mitglieder zu schulen, um diese Möglichkeit umzusetzen. Wir haben es verpasst, die Arbeit selbst als biblisch wichtig zu betrachten, indem es uns nicht gelungen ist, das gesamte Leben unter die Herrschaft Jesu Christi zu stellen.

A)  Wir bezeichnen diese „weltlich-heilige“ Trennung als großes Hindernis bei der Mobilisierung des gesamten Volkes Gottes, den Auftrag Gottes zu tun, und wir rufen Christen in aller Welt auf, diese unbiblische Ansicht zurückzuweisen und den schädlichen Auswirkungen zu widerstehen. Wir fordern die Tendenz heraus, den Dienst und den Auftrag (lokal und interkulturell) lediglich als die Arbeit von bezahlten Geistlichen und Missionaren anzusehen, die nur eine kleine Prozentzahl des Leibes Christi ausmachen. 

B)  Wir ermutigen alle Gläubigen, den täglichen Dienst und Auftrag anzunehmen und an dem Arbeitsplatz zu bestätigen, an den Gott sie gestellt hat. Wir fordern Pastoren und Gemeindeleiter heraus, Menschen in diesem Dienst zu unterstützen - in der Gemeinschaft und am Arbeitsort – „und die Heiligen für den Dienst zuzurüsten“ in allen Bereichen ihres Lebens. 

C)  Wir müssen alles unternehmen, um die Gläubigen in ganzheitlicher Jüngerschaft zu schulen, was bedeutet, mit einer biblischen Weltsicht und missionalen Effektivität zu leben, zu denken, zu arbeiten und zu reden, überall dort, wo wir arbeiten oder uns im Alltag befinden.

Christen haben vielfältige Berufe, Fähigkeiten und Geschäfte, die sie oft an Orte führen, an denen traditionelle Gemeindegründer und Evangelisten nicht anzutreffen sind. Was diese „Zeltmacher“ und Geschäftsleute an ihrem Arbeitsort tun, muss von den lokalen Gemeinden als ein Aspekt des Dienstes angesehen werden.

D)  Wir bitten die lokalen Gemeindeleiter dringend, den strategischen Einfluss des Dienstes am Arbeitsplatz zu verstehen, und ihre Gemeindemitglieder zu mobilisieren, auszurüsten und als Missionare an ihre Arbeitsorte auszusenden, sei das in ihren lokalen Gemeinschaften oder in Länder, die für traditionelle Formen des Evangelisierens geschlossen sind. 

E)  Wir halten Missionsleiter dazu an, die „Zeltmacher” voll in die globale Missionsstrategie einzubinden.

4. Die Wahrheit und die globalisierten Medien

Wir verpflichten uns zu einer neuen kritischen und kreativen Verbindlichkeit gegenüber den Medien und der Technologie, als Teil unseres Einsatzes für die Wahrheit Christi in unseren Medienkulturen. Wir tun dies als Gottes Botschafter der Wahrheit, Gnade, Liebe, des Friedens und der Gerechtigkeit.

Nachfolgend die wichtigsten Notwendigkeiten:

A)  Medienbewusstsein: Menschen helfen, ein kritischeres Bewusstsein gegenüber den Nachrichten zu entwickeln, die sie erhalten und der Weltanschauung, die dahinter steht. Medien können neutral und manchmal evangeliumsfreundlich sein. Doch sie werden auch benutzt für Pornografie, Gewalt und Gier. Wir ermutigen Pastoren und Gemeinden, diese Themen offen anzusprechen und Gläubigen Anleitungen zu geben, wie sie diesem Druck und den Versuchungen widerstehen können.

B)  Medienpräsenz: Authentische und glaubhafte christliche Vorbilder und Kommunikatoren für die allgemeinen Nachrichtenmedien wie auch die Unterhaltungsmedien ausbilden, und den wertvollen Einfluss für Christus, den diese Berufe haben, bekannt machen.

C)  Mediendienste: Kreative, kombinierte und interaktive Anwendungen der „traditionellen”, „alten” und „neuen” Medien entwickeln, um das Evangelium von Jesus Christus im Kontext einer ganzheitlichen biblischen Weltanschauung zu kommunizieren.

5. Die Wahrheit und die Kunst in der Mission

Wir haben die Gabe der Kreativität, weil wir das Ebenbild Gottes sind. Kunst in ihrer vielfältigen Form ist ein wesentlicher Teil dessen, was wir als Menschen tun, und kann etwas von der Schönheit und Wahrheit Gottes reflektieren. Wenn Künstler ihr Bestes geben, zeigen sie die Wahrheit auf und deshalb ist die Kunst ein wichtiges Mittel, mit dem wir die Wahrheit des Evangeliums bezeugen können. Drama, Tanz, Geschichten, Musik und visuelle Bilder können zwei Dinge ausdrücken: Einmal die Realität unserer Zerbrochenheit, aber auch die Hoffnung, die im Zentrum des Evangeliums steht, dass alle Dinge neu gemacht werden.

Die Kunst ist in der Welt der Mission ein unerschlossenes Hilfsmittel. Wir ermuntern Christen, sich aktiv in die Welten der Künste zu involvieren.

 

A)  Wir wünschen uns, dass sich die Gemeinde in allen Kulturen nachdrücklich in der Kunst engagiert, als einen Kontext für unseren Auftrag, indem sie:

  1. Die Kunst in das Leben der Glaubensgemeinschaft zurückbringt, als eine wertvolle und gültige Komponente unserer Berufung zur Jüngerschaft. 
  2. Diejenigen unterstützt, die künstlerische Gaben haben, besonders Schwestern und Brüder in Jesus Christus, damit sie in ihrer Arbeit erfolgreich sein können.
  3. Die Kunst als ein gastfreundliches Umfeld gestaltet, in dem wir Nachbarn und Fremde kennen lernen und annehmen dürfen.
  4. Kulturelle Unterschiede respektiert und einheimische künstlerische Ausdrucksformen anerkennt.

6. Die Wahrheit und die aufstrebenden Technologien

Unser heutiges Jahrhundert ist weit herum als das “biotechnische Zeitalter” bekannt, in denen sich aufstrebende Technologien (Bio, Info/digital, Nano, virtuelle Realität, künstliche Intelligenz und Roboter) weiterentwickeln. Das hat große Auswirkungen auf die Gemeinde und unseren Auftrag, besonders in Bezug auf die biblische Wahrheit und was es bedeutet, Mensch zu sein. Im Bereich der öffentlichen Politik müssen wir authentische christliche Antworten sowie praktisches Handeln fördern um sicherzustellen, dass Technologie nicht angewandt wird um zu manipulieren, zu verfälschen und zu zerstören, sondern um zu erhalten und unserem Menschsein und als denjenigen, die Gott in seinem Ebenbild erschaffen hat, noch besser gerecht zu werden. Unser Aufruf richtet sich an:

A)  Lokale Gemeindeleiter, damit sie (I) Gemeindemitglieder, die professionell engagiert sind in Forschung, Technologie, im Gesundheitsweisen und in der öffentlichen Politik, ermutigen, unterstützen, ihnen Fragen stellen und (II) theologisch gesinnten Studenten die Notwendigkeit darlegen, dass Christen sich in diesen Bereichen betätigen sollten.

B)  Seminare bzw. Bibelschulen, damit sie diese Bereiche in ihren Lehrplan aufnehmen, sodass zukünftige Gemeindeleiter und theologisch Gelehrte eine sachkundige christliche Kritik in Bezug auf die neuen Technologien entwickeln können.

C)  Theologen und Christen in der Regierung, im Geschäftsleben, der akademischen Welt und im technischen Bereich, um nationale oder regionale „Thinktanks” oder Partnerschaften zu gründen, die sich mit neuen Technologien beschäftigen und bei der Gestaltung der öffentlichen Politik mitreden mit einer Stimme, die biblisch und sachbezogen ist. 

D)  Alle lokalen christlichen Gemeinschaften, dass sie die einzigartige Würde und Unverletzlichkeit des menschlichen Lebens respektieren, durch praktische und ganzheitliche Fürsorge, welche die körperlichen, emotionalen, beziehungsmäßigen und geistlichen Aspekte unserer erschaffenen Menschheit miteinbeziehen.

7. Die Wahrheit und die öffentlichen Bereiche

Die ineinandergreifenden Bereiche der Regierung, des Geschäftslebens und der akademischen Welt haben einen starken Einfluss auf die Werte jeder Nation und sie bestimmen – menschlich gesehen – die Freiheit der Gemeinde. 

A)  Wir ermutigen Menschen, die Christus nachfolgen, sich aktiv in diesen Bereichen einzusetzen, im öffentlichen Dienst genauso wie in privaten Unternehmen, um gesellschaftliche Werte zu formen und öffentliche Diskussionen zu beeinflussen. Wir ermutigen die Unterstützung von christuszentrierten Schulen und Universitäten, die sich zu akademischen Spitzenleistungen und biblischer Wahrheit verpflichten.

B)  Die Bibel verurteilt Korruption. Sie unterminiert die wirtschaftliche Entwicklung, verfälscht faire Entscheidungsfindungen und zerstört den sozialen Zusammenhalt. Keine Nation ist frei von Korruption. Wir laden Christen am Arbeitsplatz ein, besonders die Jungunternehmer, sich kreativ darüber Gedanken zu machen, wie sie am besten gegen diese Geißel der Menschheit vorgehen können. 

C)  Wir ermutigen junge christliche Akademiker, eine langfristige Karriere in einer weltlichen Universität in Betracht zu ziehen, um die Disziplin einer biblischen Weltanschauung (I) lehren und (II) entwickeln zu können, und dabei Einfluss auf ihr Sachgebiet auszuüben. Wir dürfen auf keinen Fall die Hochschulen vernachlässigen.[59]

IIB  Den frieden christi aufbauen in unserer gespaltenen und zerbrochenen welt

1. Der Friede, den Christus geschaffen hat

Versöhnung mit Gott ist unlösbar verbunden mit der Versöhnung untereinander. Jesus, der unser Friede ist, brachte Frieden durch das Kreuz und predigte den Frieden der gespaltenen Welt der Juden und Heiden. Die Einheit der Menschen Gottes ist eine Tatsache („er machte aus beiden eins”) und ein Mandat („unternehmt alles, um die Einheit des Geistes zu erhalten durch das Band des Friedens“). Gottes Plan der Einbindung der gesamten Schöpfung in Christus sehen wir in der ethnischen Versöhnung von Gottes neuer Menschheit. Dies ist die Kraft des Evangeliums, wie sie Abraham verheißen wurde.[60]

Wir bestätigen, dass im Gegensatz dazu, wie Paulus die Heiden beschreibt, das jüdische Volk die Bünde und Verheißungen Gottes zwar kannte, es jedoch noch immer die Versöhnung mit Gott benötigt durch den Messias Jesus Christus. Zwischen Juden und Heiden gibt es weder einen Unterschied bei der Sünde noch bei der Errettung. Nur im und durch das Kreuz können beide zu Gott, dem Vater kommen, durch den einen Geist.[61]

A)  Deshalb werden wir weiterhin erklären, dass die ganze Gemeinde die gute Nachricht von Jesus als dem Messias, Herrn und Erretter, mit dem jüdischen Volk teilen muss. Und im Geiste von Römer 14-15 bitten wir die heidnischen Gläubigen, messianische jüdische Gläubige zu akzeptieren, zu ermutigen und für sie zu beten, wenn sie unter ihrem eigenen Volk Zeugnis geben.

Versöhnung mit Gott und miteinander ist auch das Fundament und die Motivation, die Gerechtigkeit zu suchen, die Gott voraussetzt und ohne die, wie Gott sagt, kein Friede sein kann. Wahre und dauerhafte Versöhnung verlangt die Anerkennung vergangener und gegenwärtiger Sünden, Buße vor Gott, das Bekenntnis gegenüber der verletzten Personen und die Suche und das Empfangen der Vergebung. Ebenso beinhaltet es die Verpflichtung der Gemeinde, dort, wo es angebracht ist, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung zu suchen für diejenigen, die durch Gewalt und Unterdrückung Schaden erlitten haben. 

B)  Wir wünschen uns, dass in der weltweiten Gemeinde Christi alle, die versöhnt sind mit Gott, die Versöhnung untereinander ausleben und sich der Aufgabe verpflichten, im Namen Jesu Christi biblischen Frieden zu schließen.

2. Der Friede Christi in ethnischen Konflikten

Ethnische Vielfältigkeit ist der Plan und das Geschenk Gottes in der Schöpfung.[62] Doch menschliche Sünde und Stolz haben sie verdorben und das Resultat ist Konfusion, Streit, Gewalt und Krieg unter den Nationen. In der neuen Schöpfung jedoch wird ethnische Vielfältigkeit erhalten bleiben, wenn Menschen aus allen Nationen, Stämmen, Völkern und Sprachen als die Erlösten vor Gott zusammenkommen.[63] Wir bekennen, dass wir oftmals die ethnische Identität nicht ernst genug nehmen und sie so schätzen, wie es die Bibel in der Schöpfung und der Erlösung tut. Wir verweigern der ethnischen Identität anderer den Respekt und ignorieren die tiefen Wunden, die eine solch langfristige Missachtung verursacht.

A)  Wir bitten Gemeindepastoren und –leiter, die biblische Wahrheit über ethnische Vielfältigkeit zu lehren. Die ethnische Identität aller Gemeindemitglieder muss eindeutig bestätigt werden. Auch müssen wir offen legen, dass unsere ethnischen Loyalitäten mit Sünde verunreinigt sind und die Gläubigen lehren, dass alle unsere ethnischen Identitäten unserer erlösten Identität als neue Menschheit in Christus durch das Kreuz untergeordnet sind. 

Bekümmert und beschämt bestätigen wir die Komplizenschaft von Christen in einigen der destruktivsten Kontexte ethnischer Gewalt und Unterdrückung sowie das beklagenswerte Schweigen großer Teile der Gemeinde, während solche Konflikte stattfinden. Zu diesen Kontexten gehören die Geschichte und das Vermächtnis des Rassismus und der schwarzen Sklaverei, der Holocaust gegen die Juden, die Apartheid, ethnische Säuberung, interchristliche sektiererische Gewalt, die Dezimierung eingeborener Bevölkerungen, interreligiöse, politische und ethnische Gewalt, das Leiden der Palästinenser, Kastenunterdrückung und Stammes-Völkermord. Christen, die durch ihr Handeln oder ihre Untätigkeit zu der Zerbrochenheit der Welt beitragen, untergraben auf ernsthafte Weise das Zeugnis des Friedens des Evangeliums. Deshalb:

B)  Um des Evangeliums willen bedauern wir dies und rufen nach Buße dort, wo Christen beteiligt waren an ethnischer Gewalt, Ungerechtigkeit und Unterdrückung. Wir rufen ebenfalls nach Buße für die unzähligen Male, als Christen sich bei solchen bösen Machenschaften mitschuldig machten, indem sie schwiegen, apathisch waren oder als neutral galten oder indem sie falsche theologische Rechtfertigungen dafür beibrachten.

Wenn das Evangelium nicht tief verwurzelt ist im Kontext und in den zugrunde liegenden Weltanschauungen und die Systeme der Ungerechtigkeit nicht herausfordert und verändert, dann wird, wenn die bösen Tage kommen, die christliche Allianz wie ein unerwünschter Umhang weggeworfen und die Menschen kehren zu alten, unbekehrbaren Loyalitäten und Handlungen zurück. Evangelisieren, ohne Menschen zu Jüngern zu machen oder Erweckung, ohne den Geboten Jesu Christi radikal gehorsam zu sein, ist nicht nur unzureichend, sondern ist äußerst gefährlich.

Wir hoffen auf den Tag, wenn die Gemeinde das leuchtendste Vorbild für ethnische Versöhnung und der aktivste Anwalt für Konfliktlösungen sein wird.

Ein solches Bestreben, im Evangelium verwurzelt, ruft uns dazu auf:

C)  Die Fülle der Versöhnungskraft des Evangeliums anzunehmen und sie zu lehren. Dies erfordert das volle biblische Verständnis der Sühne: Dass Jesus nicht nur unsere Sünde ans Kreuz getragen hat, um uns mit Gott zu versöhnen, sondern auch unsere Feindseligkeiten vernichtet hat, um uns miteinander zu versöhnen.

D)  Den Lebensstil der Versöhnung anzunehmen. Praktisch gesehen geschieht das dann, wenn Christen...

  1. denen vergeben, die sie verfolgen und den Mut haben, Ungerechtigkeit anzufechten für andere;
  2. Nachbarn „auf der anderen Seite“ eines Konflikts Hilfe und Gastfreundschaft anbieten und die Initiative ergreifen, Grenzen zu überschreiten und Versöhnung zu suchen;
  3. Zeugnis für Christus ablegen, selbst in gewaltsamen Umständen; willig sind, zu leiden und zu sterben, eher als an Handlungen der Zerstörung oder der Rache teilzunehmen;
  4. sich nach Konflikten für das Heilen der Wunden einsetzen und die Gemeinde zu einem sicheren Ort der Zuflucht und Heilung für alle machen, selbst für frühere Feinde. 
E)  Seid ein Leuchtsignal und ein Hoffnungsträger. Wir sind Zeugen des Gottes, der in Christus die Welt mit sich selbst versöhnte. Nur allein aufgrund des Namens Jesu und seinem Sieg am Kreuz und der Auferstehung haben wir die Autorität, die dämonischen Mächte des Bösen zu konfrontieren, die menschliche Konflikte verschärfen, und die Kraft, seine versöhnende Liebe und seinen Frieden zu verkündigen.  

3.  Der Friede Christi für die Armen und Unterdrückten

Die biblische Grundlage für unsere Verpflichtung, Gerechtigkeit und Shalom zu suchen für die Unterdrückten und Armen, finden wir zusammengefasst im Kapstadt-Bekenntnis, Sektion 7(c). Auf dieser Basis erwarten wir erfolgreiches christliches Handeln bezüglich:

Sklaverei und Menschenhandel

Heute gibt es mehr Menschen, die in Sklaverei gebunden sind (geschätzte 27 Millionen), als vor 200 Jahren, als Wilberforce dafür kämpfte, den transatlantischen Sklavenhandel abzuschaffen. Allein in Indien soll es schätzungsweise 15 Millionen Kinder geben, die Fronarbeit leisten. Das Kastensystem unterdrückt niedrige Kastenangehörige und schließt die Dalit komplett aus. Traurigerweise ist auch die christliche Gemeinde vielerorts mit denselben Formen der Diskriminierung infiziert. Die gemeinsame Stimme der globalen Gemeinde muss im Protest erhoben werden gegen das, was in der Tat das älteste Sklavensystem der Welt darstellt. Damit eine solche globale Fürsprachearbeit authentisch ist, muss die Gemeinde jede Form von Ungleichheit und Diskriminierung in ihren eigenen Reihen ablehnen.

In der heutigen Welt findet aus vielfachen Gründen eine Migration in einem noch nie gekannten Ausmaß statt, welche auf allen Kontinenten zum Menschenhandel geführt hat, zu einer weit verbreiteten Versklavung von Frauen und Kindern im Sexgewerbe sowie dem Missbrauch von Kindern durch Zwangsarbeit oder zu militärischer Ausbeutung.

A)  Lasst uns als weltweite Gemeinde aufstehen, um das Übel des Menschenhandels zu bekämpfen und lasst uns prophetisch sprechen und handeln, um „die Gefangenen freizusetzen”. Dies muss auch beinhalten, dass die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Faktoren angegangen werden, die zum Handel beitragen. Die Sklaven der Welt rufen der globalen Gemeinde von Jesus Christus zu: „Befreit unsere Kinder. Befreit unsere Frauen. Seid unsere Stimme. Zeigt uns die neue Gesellschaft, die Jesus verheißen hat.”

Armut

Wir nehmen das Zeugnis der Bibel an, dass Gott von uns systemische wirtschaftliche Gerechtigkeit und persönliches Mitgefühl, Respekt und Großzügigkeit gegenüber den Armen und Bedürftigen erwartet. Wir freuen uns, dass diese erweiterte biblische Lehre stärker in unsere Missionsstrategie und –praxis eingebunden wurde, so wie es in der frühen Gemeinde und beim Apostel Paulus gehandhabt wurde.[64]

Demzufolge lasst uns:

B)  Die großartige Gelegenheit erkennen, die die Millenniums-Entwicklungsziele der lokalen und globalen Gemeinde aufgezeigt haben. Wir rufen unsere Gemeinden dazu auf, sich bei den Regierungen dafür einzusetzen und sich am Erreichen der Ziele zu beteiligen, z.B. bei der Micah-Herausforderung.

C)  Den Mut haben, auszusprechen, dass die Welt das Problem der Armut nicht angehen und schon gar nicht lösen kann, ohne den übermäßigen Reichtum und die enorme Gier herauszufordern. Das Evangelium fordert den Götzendienst des ungezügelten Konsumverhaltens heraus. Wir sind gerufen, Gott zu dienen und nicht dem Mammon, und zu erkennen, dass Gier die Armut endlos fortsetzt, und ihr abzuschwören. Gleichzeitig sind wir froh, dass das Evangelium die Reichen in seinen Aufruf zur Buße einschließt und sie einlädt, sich denen anzuschließen, die durch die vergebende Gnade verändert wurden.

4. Der Friede Christi für Menschen mit einer Behinderung

Menschen mit einer Behinderung stellen eine der größten Minderheiten in der Welt dar, schätzungsweise über 600 Millionen. Die Mehrheit lebt in den am wenigsten entwickelten Ländern und gehört zu den Ärmsten der Armen. Obwohl körperliche und mentale Beeinträchtigungen Teil des täglichen Lebens sind, sind die meisten auch durch gesellschaftliches Verhalten, Ungerechtigkeit und Mangel an Ressourcen behindert. Menschen mit einer Behinderung zu dienen, hört nicht bei medizinischer Hilfe oder sozialer Fürsorge auf. Dazu gehört auch, mit ihnen, ihren Familien und denen, die für sie sorgen, für Einbeziehung und Gleichberechtigung in der Gesellschaft wie auch in der Gemeinde zu kämpfen. Gott ruft uns auf zu gegenseitiger Freundschaft, Respekt, Liebe und Gerechtigkeit.

A)  Lasst uns als Christen weltweit aufstehen und kulturelle Vorurteile ablehnen, denn, wie der Apostel Paulus sagte: „Wir schätzen von jetzt an niemand mehr nur nach menschlichen Maßstäben ein.”[65]  Wir sind nach dem Ebenbild Gottes geschaffen und wir alle haben Gaben, die Gott in seinem Dienst gebrauchen kann. Wir verpflichten uns, Menschen mit Behinderungen zu dienen, aber auch den Dienst anzunehmen, den sie uns geben können.  

B)  Wir ermuntern Gemeinde- und Missionsleiter, nicht nur an unseren Auftrag unter den Menschen mit Behinderungen zu denken, sondern den missionalen Ruf der Gläubigen mit Behinderungen selbst als Teil des Leibes Christi zu erkennen, zu bestätigen und zu fördern. 

C)  Wir sind erschüttert, dass so vielen Menschen mit Behinderungen gesagt wird, ihre Beeinträchtigung sei auf Sünde, Mangel an Glauben und Widerwillen gegen das Geheiltwerden zurückzuführen. Wir bestreiten, dass die Bibel dies als universelle Wahrheit lehrt.[66] Eine solch falsche Lehre ist seelsorgerlich unsensibel und geistlich lähmend. Zu den Hindernissen, denen Menschen mit einer Behinderung gegenüberstehen, kommen dadurch noch die Last der Schuld und der frustrierten Hoffnungen hinzu.

D)  Wir verpflichten uns, unsere Gemeinden zu Orten der Einbeziehung und Gleichberechtigung für Menschen mit Behinderungen zu machen, und zusammen mit ihnen Vorurteilen zu widerstehen und für ihre Anliegen in der Gesellschaft einzutreten.

5. Der Friede Christi für Menschen, die mit HIV leben

In vielen Ländern stellt HIV-AIDS eine große Krise dar. Millionen sind mit HIV infiziert, auch in vielen unserer Gemeinden, und Millionen von Kindern wurden durch AIDS zu Waisen. Gott ruft uns auf, all denen seine große Liebe und sein Mitgefühl zu zeigen, die infiziert und betroffen sind und alles zu unternehmen, Leben zu retten. Wir glauben, dass die Lehre und das Beispiel Jesu Christi, wie auch die verändernde Kraft seines Kreuzes und seiner Auferstehung, im Mittelpunkt der Antwort des ganzheitlichen Evangeliums in Bezug auf HIV/AIDS stehen, das unsere Welt so dringend braucht.

A)     Wir lehnen jegliche Verurteilung, Feindseligkeit, Ausgrenzung und Diskriminierung gegen Menschen ab, die mit HIV und AIDS leben. Solche Dinge sind Sünde und eine Schande im Leib Christi. Wir alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren; wir sind nur durch Gnade errettet und wir sollten nicht vorzeitig urteilen, sondern schnell vergeben. Mit Traurigkeit und Mitgefühl müssen wir auch erkennen, dass sich sehr viele Menschen nicht durch eigene Schuld mit HIV infizieren, sondern oft deshalb, weil sie sich um andere kümmern.

B)    Wir wünschen uns, dass alle Pastoren ein Beispiel für sexuelle Keuschheit und Treue sind, wie es Paulus befohlen hat, und dass sie immer wieder klar lehren, dass die Ehe der einzige Ort für sexuelle Einheit ist. Das ist notwendig, nicht nur, weil es die Bibel eindeutig lehrt, sondern auch, weil das Überhandnehmen von mehreren gleichzeitigen sexuellen Partnerschaften außerhalb der Ehe ein Hauptgrund dafür ist, dass sich HIV-AIDS in den meisten betroffenen Ländern so rasch vermehrt.

C)     Lasst uns, als weltweite Gemeinde, diese Herausforderung im Namen Jesu Christi und in der Kraft des Heiligen Geistes angehen. Lasst uns zusammenstehen mit unseren Brüdern und Schwestern, dort, wo HIV und AIDS am Stärksten wütet, indem wir sie praktisch unterstützen, für sie sorgen (einschließlich der Sorge für Witwen und Waisen), für sie gesellschaftlich und politisch einstehen, Ausbildungsprogramme bereitstellen (besonders für Frauen) und wirksame Präventionsstrategien anbieten, dem lokalen Umfeld angemessen. Wir verpflichten uns dazu, dies als dringende Maßnahme anzugehen, als ein Teil der ganzheitlichen Mission der Gemeinde.

6. Der Friede Christi für seine leidende Schöpfung

Unser biblisches Mandat in Bezug auf Gottes Schöpfung ist verdeutlicht im Kapstadt-Bekenntnis des Glaubens, Sektion 7(a). Alle Menschen sollen Verwalter der Fülle von Gottes Schöpfung sein. Wir sind beauftragt, sie nach göttlichem Vorbild für das Wohlergehen der Menschen und ihrer Bedürfnisse zu gebrauchen, z.B. in der Landwirtschaft, Fischerei, beim Bergbau, der Energiegewinnung, Technik, Konstruktion, dem Handel und der Medizin. Dabei wird uns gesagt, für die Erde und alle Kreaturen Sorge zu tragen, Denn die Erde gehört Gott, nicht uns. Wir tun das für den Herrn Jesus Christus, der der Schöpfer, Eigentümer, Bewahrer, Erlöser und Erbe der ganzen Schöpfung ist.

Wir beklagen uns über den weit verbreiteten Missbrauch und die Zerstörung der irdischen Ressourcen, einschließlich ihrer Artenvielfalt. Die wahrscheinlich ernsthafteste und dringendste Herausforderung, der die physische Welt heute gegenübersteht, ist die Gefahr der Klimaveränderung. Menschen in ärmeren Ländern sind davon unverhältnismäßig stärker betroffen, denn dort werden die klimatischen Extreme am schlimmsten sein und es gibt kaum Möglichkeiten, sich ihnen anzupassen. Die Armut in der Welt und der Klimawechsel müssen gleichzeitig mit derselben Dringlichkeit angegangen werden.

Wir ermutigen Christen weltweit:
 
A)  Sich einen Lebensstil anzueignen, der auf Konsumgewohnheiten verzichtet, die zerstörerisch oder umweltverschmutzend sind
 
B) Rechtliche Mittel einzusetzen, die die Regierungen überzeugen, moralische Notwendigkeiten über politische Zweckmäßigkeit zu stellen, was die Umweltzerstörung und den potentiellen Klimawandel betrifft.
 
C)  Den missionalen Ruf von Christen anzuerkennen und zu fördern, die (I) sich für die richtige Anwendung der irdischen Ressourcen für menschliche Bedürfnisse engagieren durch die Landwirtschaft, Industrie und Medizin und (II) die sich für den Schutz und die Wiederherstellung des Lebensraums und der Arten der Erde einsetzen durch Konservierung und Überzeugungsarbeit. Beide haben dasselbe Ziel, denn beide dienen demselben Schöpfer, Ernährer und Erlöser.

 
IIC  Die liebe  christi  leben  unter menschen  anderer  glaubensrichtungen

1. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst”, schließt auch Menschen anderer Glaubensrichtungen ein.

Im Hinblick auf die Affirmationen, die im Kapstadt-Bekenntnis des Glaubens, Sektion 7(d) aufgeführt werden, erklären wir aufgrund unserer hohen Berufung als Jünger Jesu Christi, Menschen anderer Glaubensrichtungen als unsere Nachbarn im biblischen Sinne anzusehen. Sie sind Menschen, als Ebenbild Gottes geschaffen, die Gott liebt und für deren Sünden Jesus gestorben ist. Wir wollen sie nicht nur als Nachbarn betrachten, sondern tun, was Jesus gelehrt hat, und Nachbarn für sie sein. Wir sind aufgefordert, freundlich zu sein, aber nicht naiv, weitblickend, aber nicht leichtgläubig, auf Gefahren zu achten, die vielleicht auf uns zukommen, aber nicht durch Angst kontrolliert zu sein.

Wir sind aufgerufen, beim Evangelisieren die gute Nachricht zu teilen, aber keine unwürdigen Bekehrungsversuche zu unternehmen. Evangelisieren -  was überzeugende rationale Argumente beinhaltet, nach dem Beispiel des Apostels Paulus - bedeutet: „Das Evangelium ehrlich und offen darzulegen und dem Zuhörer die Freiheit geben, seine eigenen Schlüsse daraus zu ziehen. Wir wollen Menschen anderer Glaubensrichtungen gegenüber einfühlsam sein und lehnen jede Einstellung ab, die eine Bekehrung forcieren möchte.[67] Zwangsbekehrunghingegen bedeutet, andere zu nötigen, „eine/r von uns zu werden“, „unsere Religion zu akzeptieren“ oder sogar „unserer Denomination beizutreten“.

A)  Wir verpflichten uns, beim Evangelisieren äußerst ethisch vorzugehen. Unser Zeugnis muss von „Freundlichkeit und Respekt“ geprägt sein, und „wir müssen ein gutes Gewissen haben.“[68] Deshalb weisen wir jede Form des Zeugnisgebens ab, die zwingend, unethisch, irreführend und unhöflich ist.
 
B)  Im Namen des Gottes der Liebe tun wir Buße, weil wir es versäumt haben, Freundschaften zu schließen mit Menschen muslimischen, hinduistischen, buddhistischen und anderen religiösen Hintergründen. Im Geiste Jesu werden wir die Initiative ergreifen, ihnen Liebe, Wohlwollen und Gastfreundschaft entgegenzubringen.
 
C)  Im Namen des Gottes der Wahrheit weigern wir uns, (I) Lügen und Karikaturen über andere Glaubensrichtungen zu verbreiten und wir (II) verurteilen und widersetzen uns rassistischen Vorurteilen, Hass und Angst, die von den Massenmedien und politischer Rhetorik angestiftet werden.
 
D)  Im Namen des Gottes des Friedens, lehnen wir jegliche Gewalt und Rache ab im Umgang mit Menschen anderer Glaubensrichtungen, selbst wenn wir gewalttätig angegriffen werden.
 
E)  Wir bestätigen den richtigen Ort für den Dialog mit Menschen anderen Glaubens, gleich wie Paulus sich in Debatten mit Juden und Heiden in der Synagoge und auf öffentlichen Plätzen einließ. Als legitimer Teil unserer christlichen Mission verbindet ein solcher Dialog Vertrauen in die Einzigartigkeit Jesu Christi und in die Wahrheit des Evangeliums mit dem respektvollen Zuhören, was die anderen zu sagen haben.
 

2. Die Liebe Christi verweist uns darauf, für das Evangelium zu leiden und manchmal auch zu sterben

Es kann vorkommen, dass wir in unserem Auftrag als Zeugen Jesu Christi leiden müssen, so wie auch seine Apostel und die Propheten des Alten Testaments.[69] Bereit zu sein für das Leiden ist ein Prüfstein für die Echtheit unseres Auftrags. Gott kann Leiden, Verfolgung und Märtyrertum benutzen, um seine Mission vorankommen zu lassen. Gott hat versprochen, Märtyrertum als Form des Zeugnisgebens besonders zu ehren.[70] Viele Christen, die in angenehmen Verhältnissen und im Wohlstand leben, müssen wieder einmal hören, dass Christus sagt, wir sollen bereit sein, für ihn zu leiden. Denn unzählige andere Gläubige leben inmitten solchen Leidens, welches der Preis ist, für Jesus Christus Zeugnis zu geben in einer feindseligen religiösen Kultur. Vielleicht haben sie bereits gesehen, wie geliebte Menschen den Märtyrertod starben oder Folterqualen und Verfolgung erlitten, doch sie lieben die Menschen weiterhin, die ihnen so viel Leid zufügten.

A) Unter Tränen und Gebet hören und erinnern wir uns an die Zeugnisse derer, die für das Evangelium leiden. Mit ihnen zusammen beten wir für Gnade und Mut, „unsere Feinde zu lieben”, so wie es Christus befohlen hat. Wir beten, dass das Evangelium gerade dort Frucht trägt, wo Menschen feindselig eingestellt sind. Wenn wir uns zu Recht um jene grämen, die leiden, müssen wir uns an die unendliche Trauer erinnern, die Gott fühlt, wenn Menschen seine Liebe und sein Evangelium ablehnen und sich gegen seine Diener wehren. Wir wünschen uns, dass sie Buße tun und Vergebung empfangen und sich darüber freuen, dass sie versöhnt sind mit Gott. 

3.  Liebe im Einsatz bezeugt und verkörpert das Evangelium der Gnade

„Wir sind der Wohlgeruch Christi.”[71] Es ist unsere Berufung, unter Menschen anderer Glaubensrichtungen so zu leben und zu dienen, dass wir erfüllt sind mit dem Wohlgeruch von Gottes Gnade, sodass sie Jesus riechen können, dass sie kommen und schmecken wollen und sehen, dass Gott gut ist.  Wird die Liebe auf diese Weise verkörpert, wird das Evangelium in jedem kulturellen und religiösen Umfeld anziehend wirken. Wenn Christen Menschen anderer Glaubensrichtungen lieben, indem sie ein Leben der Liebe und des Dienens führen, verkörpern sie die verändernde Gnade Gottes.

In sogenannten „Ehrenkulturen”, in denen sich Schande und Rache mit religiösem Legalismus verbinden, ist „Gnade” ein unbekanntes Konzept. In einem solchen Umfeld kann Gottes verletzliche, aufopfernde Liebe nicht diskutiert werden, sie wird als zu fremd, ja, als abscheulich angesehen. Hier ist Gnade ein „Geschmack“, der über lange Zeit in kleinen Dosen von denen erworben wird, die hungrig genug sind und den Mut aufbringen, ihn zu schmecken. Ganz allmählich durchdringt der Wohlgeruch Christi alles, womit seine Nachfolger in Kontakt kommen.

A)  Wir sehnen uns danach, dass Gott mehr Männer und Frauen der Gnade beruft, die sich langzeitlich verpflichten, an schwierigen Orten, die von anderen Religionen dominiert werden, zu leben, zu lieben und zu dienen, und den Wohlgeruch und Geschmack der Gnade Jesu Christi in Kulturen bringen, wo sie unwillkommen sind und es gefährlich werden kann. Dazu braucht es Geduld und Ausdauer, manchmal ein ganzes Leben lang, manchmal bis zum Tod.

4. Liebe respektiert die Verschiedenartigkeit der Jüngerschaft

In verschiedenen Religionen findet man sogenannte „Insiderbewegungen”. Es sind Gruppen von Menschen, die heute Jesus als ihrem Herrn und Erretter nachfolgen. Sie treffen sich in kleinen Gruppen für Gemeinschaft, Lehre, Anbetung und Gebet, wobei Jesus und die Bibel im Zentrum stehen, obwohl sie gesellschaftlich und kulturell noch in den Gemeinschaften leben, in die sie hineingeboren wurden, und auch noch einige der dort ausgeübten religiösen Elemente beachten. Dies ist ein komplexes Phänomen und es gibt unterschiedliche Ansichten, wie darauf zu reagieren ist. Manche stimmen solchen Bewegungen zu. Andere warnen vor der Gefahr des Synkretismus. Synkretismus jedoch ist eine Gefahr, die man überall unter Christen findet, denn wir drücken unseren Glauben innerhalb unserer eigenen Kultur aus. Wenn wir sehen, dass Gott auf unerwartete und ungewohnte Art wirkt, sollten wir vermeiden, (I) sie voreilig zu klassifizieren und als neue Missionsstrategie zu fördern oder (II)  sie voreilig zu verurteilen, ohne einfühlsames kontextuelles Zuhören.

A)  Im Geiste des Barnabas, der bei seiner Ankunft in Antiochia „die Gnade Gottes sah”, und „sich freute und alle ermahnte, dem Herrn treu zu bleiben”72, wollen wir an alle appellieren, die sich mit diesem Thema befassen: 

  1. Als ihr wichtigstes Leitprinzip die apostolische Entscheidung und Praxis zu übernehmen: „Wir sollten den Heiden, die sich zu Gott bekehren, das Leben nicht unnötig erschweren.“73
  2. Demut, Geduld und Zuvorkommenheit walten zu lassen beim Betrachten der unterschiedlichen Ansichten, und Gespräche zu führen ohne Schärfe und gegenseitige Verurteilungen.74

5. Liebe geht hinaus zu den verstreuten Menschen

Menschen sind in Bewegung wie nie zuvor. Die Migration ist eine der großen Realitäten unserer Zeit. Heute leben schätzungsweise 200 Millionen Menschen außerhalb ihres Heimatlandes, freiwillig oder unfreiwillig. Der Begriff „Diaspora“ wird hier gebraucht für Menschen, die ihr Geburtsland aus verschiedenen Gründen verlassen haben. Eine große Anzahl Menschen mit einem vielfältigen religiösen Hintergrund, einschließlich Christen, leben in der Diaspora: wirtschaftliche Migranten, die Arbeit suchen, intern vertriebene Menschen aufgrund eines Krieges oder einer Naturkatastrophe, Flüchtlinge und Asylsuchende, Opfer von ethnischer Säuberung, Menschen, die vor religiöser Gewalt und Verfolgung fliehen, Menschen, die an Hungersnot leiden, verursacht durch Dürre, Überschwemmungen oder Krieg, Opfer ländlicher Armut, die in die Städte ziehen. Ohne das darin involvierte Leid und Elend zu ignorieren, sind wir überzeugt, dass die heutigen Migrationen mit dem souveränen missionalen Plan Gottes übereinstimmen.75

A)  Wir ermutigen Gemeinde- und Missionsleiter, die missionalen Gelegenheiten, die sich durch globale Migration und Diaspora-Gemeinschaften bieten, zu erkennen und durch strategische Planung und zielgerichtete Schulung auf sie zu reagieren, sowie die geeigneten Menschen zu finden, die berufen sind, unter ihnen zu arbeiten.

B)  Wir ermutigen Christen in Gastländern, in denen Einwanderer anderer religiöser Hintergründe leben, gegenkulturelle Zeugnisse in Wort und Tat von der Liebe Christi zu geben, indem sie den weitreichenden biblischen Geboten folgen, wie: liebe den Fremden, verteidige das Recht des Fremden, besuche die Gefangenen, übe Gastfreundschaft aus; baue Freundschaften auf; lade Fremde in dein Zuhause ein, biete Hilfe an und diene.76

C)  Wir ermutigen Christen, die selbst Teil einer Diaspora-Gemeinschaft sind, die Hand Gottes zu erkennen, selbst in Umständen, die sie nicht selbst gewählt haben und nach Gelegenheiten zu suchen, die Gott ihnen in den Weg legt, um ihren Gastgemeinschaften Zeugnis zu geben von Jesus und ihnen Gutes zu tun.77 Wenn im Gastland eine christliche Kultur vorhanden ist, halten wir die einheimischen und zugewanderten Kirchen/Gemeinden dazu an, zusammenzukommen, einander zuzuhören und voneinander zu lernen sowie gemeinsame Anstrengungen zu unternehmen, alle Teile der Nation mit dem Evangelium zu erreichen.

6. Liebe setzt sich für die religiöse Freiheit aller Menschen ein

Menschenrechte zu schützen, indem man die religiöse Freiheit verteidigt, schließt nicht aus, dass man dem Weg des Kreuzes folgt, wenn man Verfolgung gegenübersteht. Es herrscht kein Widerspruch zwischen der Bereitschaft, persönlich für den Missbrauch oder Verlust unserer eigenen Rechte um Christi willen zu leiden, und der Verpflichtung, für andere aufzustehen, die keine Stimme haben, wenn ihre Menschenrechte verletzt werden. Wir müssen auch unterscheiden zwischen der Verteidigung der Rechte von Menschen anderen Glaubens und dem Befürworten der Wahrheit ihres Glaubens. Wir können die Freiheit anderer verteidigen, ihren Glauben praktizieren zu dürfen, ohne dass wir ihre Religion als richtig und wahr betrachten.

A) Lasst uns das Ziel der religiösen Freiheit für alle Menschen anstreben. Das erfordert, vor der Regierung für Christen und Menschen anderen Glaubens einzustehen, die verfolgt werden.

B)  Lasst uns ganz bewusst der biblischen Lehre folgen, gute Staatsbürger zu sein und das Wohlergehen des Landes zu suchen, in dem wir leben, die führenden Personen zu ehren und für sie zu beten, die Steuern zu bezahlen, Gutes zu tun und danach zu streben, ein friedliches und ruhiges Leben zu führen. Christen sind gerufen, sich dem Staat unterzuordnen, außer der Staat befiehlt, was Gott verbietet, oder verbietet, was Gott uns befiehlt. Wenn der Staat uns zwingt, zwischen der Loyalität ihm gegenüber und der höheren Loyalität Gott gegenüber zu entscheiden, müssen wir zum Staat „Nein“ sagen, weil wir „Ja“ gesagt haben zu Jesus Christus als unserem Herrn.78

Doch im Zentrum aller unserer legitimen Bestrebungen für religiöse Freiheit für alle Menschen, bleibt das tiefste Verlangen in unserem Herzen, dass alle Menschen den Herrn Jesus Christus kennen lernen, frei an ihn glauben und errettet und in das Reich Gottes aufgenommen werden.

IID  Den willen christi für die weltevangelisation erkennen

1. Unerreichte und nicht erfasste Menschen

Gott möchte, dassalle Menschen Zugang zu seiner Liebe und der Errettung durch Jesus Christus haben. In Trauer und Scham müssen wir erkennen, dass es Tausende Menschengruppen in der Welt gibt, denen dieser Zugang durch christliche Zeugen noch nicht ermöglicht wurde. Diese Menschen sind unerreicht, d.h. es ist nicht bekannt, ob es unter ihnen Gläubige oder Gemeinden gibt. Viele dieser Menschen sind auch noch nicht erfasst, in dem Sinne, dass – soweit bekannt - zur Zeit keine Gemeinden oder Organisationen versuchen, ihnen das Evangelium zu bringen. Tatsächlich wird nur ein winziger Prozentsatz der Gemeinderessourcen (an Menschen und Material) für die am wenigsten erreichten Menschen eingeplant. Definitionsgemäß sind dies Menschen, die uns nicht einladen, mit der Guten Nachricht zu ihnen zu kommen, denn sie wissen nichts über sie. 2,000 Jahre, nachdem Jesus uns gesagt hat, wir sollen alle Nationen zu Jüngern machen, stellt ihre Anwesenheit in der Welt nicht nur eine Rüge für unseren Ungehorsam dar, nicht nur eine Form geistlicher Ungerechtigkeit, sondern ist auch ein stiller „Mazedonischer Ruf“. 

Lasst uns als weltweite Gemeinde aufstehen und diese Herausforderungen annehmen:

A)  Buße tun für unsere Blindheit, dass so viele unerreichte Menschen in unserer Welt existieren und für die fehlende Dringlichkeit, ihnen das Evangelium zu bringen.

B)  Unsere Verpflichtung erneuern, zu denen zu gehen, die das Evangelium noch nicht gehört haben und uns intensiv mit ihrer Sprache und Kultur befassen; das Evangelium unter ihnen leben, mit inkarnatorischer Liebe und Opferbereitschaft; ihnen das Licht und die Wahrheit Jesu Christi in Wort und Tat weitergeben, damit sie durch die Kraft des Heiligen Geistes die überraschende Gnade Gottes erkennen.

C)  Die Bibelarmut in der Welt ausräumen, denn die Bibel bleibt unabdingbar für die Evangelisation. Um das zu erreichen, müssen wir:
  1. Die Bibel rasch in die Sprachen von Menschen übersetzen, die noch keinen Teil der Bibel in ihrer Muttersprache besitzen;
  2. Mit oralen Mitteln die Botschaft der Bibel in breiterem Umfang verfügbar machen. (Siehe auch nachfolgend: „Orale Kulturen”).
D)  Die Unkenntnis der Bibel in der Gemeinde beseitigen, denn die Bibel ist unabdingbar, um Gläubige zu christusähnlichen Nachfolgern zu machen.
  1. Wir wollen eine neue Überzeugung erleben, die die ganze Gemeinde Gottes ergreift, dass die Lehre der Bibel unbedingt notwendig ist, damit die Gemeinde in ihrem Dienst, ihrer Einheit und Reife wachsen kann.79 Wir freuen uns über die Gaben in all denen, die der Gemeinde als Pastoren und Lehrer von Christus gegeben wurden. Wir wollen alles unternehmen, um sie zu ausfindig zu machen, zu ermutigen, schulen und unterstützen beim Predigen und Lehren des Wortes Gottes. 
  2. Dabei müssen wir aber diese Art des Klerikalismus zurückweisen, die den Dienst des Wortes Gottes nur auf einige bezahlte Gelehrte begrenzt oder nur formales Predigen auf der Kanzel erlaubt. Der Segen des Geistes Gottes manifestiert sich bei vielen Männern und Frauen, die ihre Gaben informell oder ohne offizielle konfessionelle  Strukturen ausüben, doch eindeutig die Gaben empfangen haben, als Pastoren und Lehrer für Gottes Volk tätig zu sein. Auch sie müssen erkannt, ermutigt und ausgerüstet werden, das Wort Gottes weiterzugeben.
Unter der Generation, die sich heute in erster Linie mit digitaler Kommunikation beschäftigt statt mit Büchern, müssen wir die Bibelkenntnis fördern, indem wir die digitalen Methoden des Bibelstudiums unterstützen, und zwar mit derselben Intensität, wie sie heute mit Papier und Bleistift verlangt wird.

E)  Lasst uns die Evangelisation im Zentrum der voll integrierten Wirkungsbereiche aller unserer Missionen behalten, insofern, als das Evangelium selbst die Quelle, der Inhalt und die Autorität aller biblisch gültigen Mission ist. Alles, was wir tun, soll eine Verkörperung und eine Erklärung der Liebe und Gnade Gottes und seines Erlösungswerks durch Jesus Christus sein.
 

2. Orale Kulturen

Die Mehrheit der Weltbevölkerung kommuniziert oral. Es sind die, die nicht durch schriftliche Mittel lernen können oder wollen. Mehr als die Hälfte von ihnen gehören zu den Unerreichten, wie oben beschrieben. Darunter sind geschätzte 350 Millionen Menschen ohne einen einzigen Bibelvers in ihrer Sprache. Zusätzlich zu den „primär mündlich Lernenden” gibt es viele „sekundär mündlich Lernende”, das sind solche, die, technisch gesehen, lesen und schreiben können, doch es vorziehen, mündlich zu kommunizieren, durch das Aufkommen des visuellen Lernens und der Dominanz der Bilder in der Kommunikation.

Indem wir die Probleme der Oralität erkennen und Maßnahmen ergreifen, lasst uns:  

A)  Verstärkt orale Methodiken in Jüngerschaftsprogrammen einsetzen, auch unter lese- und schreibkundigen Gläubigen. 

B)  Eine mündliche Geschichtsbibel in den Herzenssprachen der unerreichten und  nicht erfassten Menschengruppen zur Verfügung stellen – und dies als vorrangig betrachten. 

C)  Missionsorganisationen ermutigen, orale Strategien zu entwickeln, einschließlich dem Aufzeichnen und Verteilen oraler Bibelgeschichten für die Evangelisation sowie  Jüngerschafts- und Leiterschulungen, zusammen mit oralem Training für Pionier-Evangelisten und Gemeindegründern. In der Kommunikation der gesamten biblischen Geschichte der Errettung könnten fruchtbringende orale und visuelle Methoden eingesetzt werden, inklusive Geschichten erzählen, Tänze, Kunst, Gedichte, Sprechchöre und Dramen.  

D)  Lokale Gemeinden im globalen Süden ermutigen, sich mit unerreichten Menschengruppen in ihrer Gegend zu verbinden mittels oraler Methoden, die auf ihre spezifische Weltanschauung abgestimmt sind. 
 
E)  Seminare unterstützen, Lehrpläne in oralen Methodiken auszuarbeiten für die Schulung von Pastoren und Missionaren.


3. Christuszentrierte Leiter

Das rasche Wachstum der Gemeinde an vielen Orten bleibt oberflächlich und angreifbar, einerseits aufgrund des Fehlens gut ausgebildeter Leiter, andererseits, weil viele ihre Positionen ausnutzen für weltliche Macht, persönliche Bereicherung sowie ein arrogantes Standesbewusstsein entwickeln. Daraus folgt, dass das Volk Gottes leidet, Christus entehrt und der Evangeliumsauftrag untergraben wird. Gemeinhin ist die vorgeschlagene erste Lösung des Problems die Leiterschulung. Zwar gibt es für Leiter immer mehr Schulungsprogramme unterschiedlichster Art, doch das Problem bleibt aus zwei Gründen bestehen.

1. Leiter darin zu schulen, christusgemäß und nach Gottes Vorgaben zu leben, ist der falsche Ansatz. Biblisch gesehen sollten nur die als Leiter berufen werden, in welchen bereits Grundvoraussetzungen reifer Jüngerschaft ersichtlich sind.80 Wenn heute viele Menschen in Leiterpositionen zu finden sind, die kaum Jüngerschaftserziehung genossen haben, gibt es keine andere Wahl, als die Grundschulung der Jüngerschaft in die Leiterentwicklung einzubinden. Wohl kann man sagen, dass das Ausmaß nicht christusgemäßer und weltlicher Leiter in der heutigen globalen Gemeinde der deutliche Beweis ist, dass in den letzten Generationen redaktionistischer Evangelismus, vernachlässigte Jüngerschaftserziehung und oberflächliches Wachstum stattgefunden hat. Die Antwort auf die Erfolglosigkeit der Leiter heißt nicht einfach mehr Leiterschulungen, sondern besseres Jüngerschaftstraining. Leiter müssen zuerst selber Jünger Christis sein.

2. Einige Leiterschulungsprogramme richten sich auf gebündeltes Wissen, Techniken und Fähigkeiten aus, unter Vernachlässigung eines gottesfürchtigen Charakters. Authentische christliche Leiter hingegen müssen wie Jesus sein und ein dienendes Herz, Demut und Integrität besitzen, sollen rein sein, nicht gierig, viel im Gebet verweilen, sich auf Gottes Geist verlassen und eine tiefe Liebe für Menschen empfinden. Des Weiteren fehlt in manchen Leiterschulungsprogrammen eine Schlüsselkompetenz, die Paulus in seiner Liste der Qualifikationen aufführt, nämlich die Fähigkeit, Gottes Volk das Wort Gottes zu lehren. Die Bibellehre ist von zentraler Bedeutung, Menschen zu Nachfolgern Jesu zu machen, und stellt den gravierendsten Mangel dar in den heutigen Gemeindeleitern.


A)  Es ist unser Wunsch, dass in der Jüngerschaftserziehung größte Anstrengungen unternommen werden, neue Gläubige längere Zeit zu lehren und zu nähren. Nur so können die von Gott zu Gemeindeleitern Berufenen die biblischen Maßstäbe erreichen in bezug auf Reife und Pflichten des Dienens.

B)  Wir erneuern unsere Verpflichtung, für unsere Leiter zu beten. Wir erwarten, dass Gott biblisch treue und gehorsame Leiter multipliziert, schützt und ermutigt. Wir beten, dass Gott Leiter zurückweist, entfernt oder zur Buße anhält, die seinen Namen entehren und das Evangelium diskreditieren. Und wir beten, dass Gott eine neue Generation jüngerschaftsgeschulter, dienender Leiter herausruft, deren größte Leidenschaft es ist, Christus zu kennen und ihm ähnlich zu sein.

C)  Diejenigen von uns, die christliche Leiter sind, müssen unsere Schwachstellen erkennen und die Gabe der Rechenschaft innerhalb des Leibes Christi akzeptieren. Wir empfehlen allen Leitern, einer vertrauenswürdigen Gruppe gegenüber Rechenschaft abzulegen.

D)  Wir fordern Seminare und all diejenigen auf, die Leiterschulungsprogramme durchführen, sich nicht nur auf Wissensvermittlung und Leistungserbringung auszurichten, sondern sich vermehrt auf das Geistliche und die Charakterbildung zu konzentrieren. Wir freuen uns von Herzen über alle, die das bereits tun, als Teil einer die „Gesamtperson“ umfassenden Leiterentwicklung. 

4. Städte

Städte sind äußerst wichtig für die menschliche Zukunft und die Weltmission. Die halbe Welt wohnt heute in Städten. Menschen in Städten lassen sich in vier Kategorien einteilen: (I) Junge Leute, d.h. die nächste Generation, (II) die Mehrzahl der unerreichten Menschen, die migriert sind, (III) die Kulturveränderer und (IV) die Ärmsten der Armen

A) Im massiven Anstieg der heutigen Urbanisierung erkennen wir die souveräne Hand Gottes. Wir ermahnen die weltweite Gemeinde und die Missionsleiter, auf diese Tatsache einzugehen und der Städtemission ab sofort strategische Aufmerksamkeit zu schenken. Wir müssen unsere Städte so lieben, wie Gott sie liebt, mit heiligem Urteilsvermögen und christusgemäßem Mitgefühl. Wir müssen seinem Befehl gehorchen, „das Wohl der Stadt zu suchen”, wo immer das auch sein mag. Wir trachten danach, geeignete und flexible Methoden der Mission zu entwickeln, die der städtischen Realität entgegenkommen. 

5. Kinder

Alle Kinder sind gefährdet. In unserer Welt gibt es etwa zwei Milliarden Kinder und die Hälfte ist von Armut bedroht. Andererseits sind Millionen Kinder vom Wohlstand bedroht. Die Kinder der Reichen, die in Sicherheit leben, haben alles zum Leben, aber nichts, wofür sie leben.

Kinder und junge Leute sind die heutige Gemeinde, nicht nur die von morgen. Junge Menschen haben großes Potential als aktiv Beauftragte in Gottes Mission. Sie repräsentieren eine enorme Gruppe noch einzusetzender Beeinflusser, die sensibel sind gegenüber der Stimme Gottes und willig, auf ihn einzugehen. Wir freuen uns über die ausgezeichneten Dienste und Organisationen, die Kindern dienen und mit ihnen zusammenarbeiten und wünschen uns, dass diese Arbeit vermehrt getan wird, weil sie so sehr vonnöten ist. Wie wir in der Bibel sehen, kann Gott Kinder und junge Menschen gebrauchen – und er tut es auch – um Herzen zu verändern: mit ihren Gebeten, ihren Einsichten, ihren Worten und ihren Initiativen. Sie stellen die „neue Energie“ dar, die die Welt verändern kann. Hören wir ihnen zu und ersticken wir ihre kindliche Geistlichkeit nicht mit unseren erwachsenen rationalistischen Einstellungen!

Wir verpflichten uns dazu:

A)  Kinder ernst zu nehmen, durch neue biblische und theologische Einsichten, die Gottes Liebe und seine Absichten für sie und durch sie reflektieren. Wir wollen auch die tiefe Bedeutung für die Theologie und unseren Auftrag neu entdecken, die in der provokativen Handlung Jesu zu finden ist, als er „ein Kind mitten unter sie stellte“.81

B)  Menschen zu schulen und Ressourcen bereitzustellen, um die Bedürfnisse der Kinder weltweit abzudecken und – wo immer möglich – mit ihren Familien und Gemeinschaften zusammenzuarbeiten. Wir sind überzeugt, dass der ganzheitliche Dienst für und durch jede nächste Generation von Kindern und jungen Menschen eine vitale Komponente der Weltmission ist.

C)  Jeden Missbrauch an Kindern aufzudecken, uns dagegen zu wehren und Maßnahmen zu ergreifen, sei es bei Gewalt, Ausbeutung, Sklaverei, Menschenhandel, Prostitution, geschlechts- und ethnischer Diskriminierung, kommerzieller Ausbeutung oder vorsätzlicher Vernachlässigung.

6. Gebet

Inmitten all dieser Prioritäten wollen wir uns neu dem Gebet verpflichten. Gebet ist eine Berufung, ein Gebot und eine Gabe. Gebet ist die unverzichtbare Grundlage und Ressource für unsere gesamte Mission.

A) Wir werden beten in Einheit, mit einem Fokus, mit Ausdauer und biblisch fundierter Klarheit:

  1. Dass Gott Arbeiter sendet in jeden Winkel der Welt in der Kraft seines Geistes
  2. Dass die Verlorenen in jedem Volk und an jedem Ort die Deklaration der Wahrheit seines Evangeliums hören und die Demonstration der Liebe und Kraft Jesu Christi sehen und durch Gottes Geist zu ihm hingezogen werden
  3. Dass durch den Charakter, die Worte und Taten der Menschen Gottes seine Herrlichkeit offenbar wird und der Name Jesus Christus bekanntgemacht und gepriesen wird.
  4. Dass Gottes Reich kommt, dass sein Wille geschehe auf der Erde wie im Himmel, in der Etablierung der Gerechtigkeit, der Verwaltung und Bewahrung der Schöpfung und im Frieden Gottes in unseren Gemeinschaften.
B)  Wir werden nicht aufhören Gott zu danken, im Hinblick auf sein Wirken unter den Nationen. Wir warten auf den Tag, wenn das Reich dieser Welt zum Reich unseres Gottes und seines Christus wird.

IIE  Ein aufruf an die gemeinde, wieder zur demut, integrität und einfachheit zurückzukehren

„Wandeln” ist der biblische Ausdruck für die Art, wie wir leben und für unser tägliches Verhalten. Im Epheserbrief spricht Paulus siebenmal davon, wie Christen wandeln sollen oder auch nicht.82

1.  Wandelt in Eindeutigkeit, als Gottes neue Menschen83

Die Menschen Gottes wandeln entweder auf dem Weg des Herrn oder auf den Wegen anderer Götter. Die Bibel zeigt uns, dass Gottes größtes Problem nicht die Nationen der Welt sind, sondern die Menschen, die er geschaffen und die er dazu berufen hat, der Segen der Nationen zu sein. Das größte Hindernis in der Erfüllung dieses Auftrags ist der Götzendienst, der unter Gottes eigenen Menschen herrscht. Denn wenn wir berufen sind, die Nationen dazu zu bringen, den einzig wahren und lebendigen Gott anzubeten, scheitern wir kläglich, wenn wir selbst den falschen Göttern der Menschen um uns herum nachlaufen.

Wenn es keinen Unterschied gibt im Verhalten zwischen Christen und Nichtchristen – zum Beispiel beim Praktizieren von Korruption und Gier, bei der sexuellen Freizügigkeit, der Scheidungsrate, im Rückfall in frühere nichtchristliche religiöse Praktiken, in der Einstellung gegenüber Menschen anderer Rassen, im konsumfreudigen Lebensstil und in den gesellschaftlichen Vorurteilen – dann hat die Welt das Recht, sich zu fragen, ob unser Christsein überhaupt einen Unterschied macht. Unsere Botschaft besitzt gegenüber einer Welt, die uns beobachtet, keine Glaubwürdigkeit.

A)  In jeder Kultur fordern wir uns als Menschen Gottes dazu heraus, Stellung zu nehmen, wie weit wir – bewusst oder unbewusst – in die Götzendienste der uns umgebenden Kultur involviert sind. Wir beten für prophetische Unterscheidung, diese falschen Götter und ihre Gegenwart in der Gemeinde zu erkennen und sie bloßzustellen und für den Mut, Buße zu tun und ihnen zu entsagen im Namen und der Autorität des Herrn Jesus Christus. 

B)  Weil es keine biblische Mission ohne biblisches Leben gibt, übergeben wir uns neu und fordern alle heraus, die den Namen Jesu Christi bekennen, so zu leben, dass sie sich radikal von den Wegen der Welt unterscheiden und „den neuen Menschen anziehen, der geschaffen ist in Gottes Gerechtigkeit und Heiligkeit.”

2. Wandelt in Liebe und weist den Götzen der gestörten Sexualität ab 84

Gott hat bei der Schöpfung festgelegt, dass sich die Ehe auf eine verpflichtende, treue Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau gründet, in der sie ein Fleisch werden in einer neuen sozialen Einheit, die sich von ihren ursprünglichen Familien unterscheidet, und dass der Geschlechtsverkehr, als Ausdruck des „einen Fleisches“, ausschließlich innerhalb des Bundes der Ehe genossen werden kann. Diese liebende sexuelle Einheit innerhalb der Ehe, wobei „zwei eins werden“, reflektiert die Beziehung Jesu Christi mit der Gemeinde und ebenfalls die Einheit der Juden und Heiden im neuen Menschen.85

Paulus vergleicht die Reinheit der Liebe Gottes mit der Hässlichkeit der unechten Liebe, die sich maskiert in einer gestörten Sexualität und allem, was damit einhergeht. Gestörte Sexualität jeglicher Art, die vor oder außerhalb der Ehe als sexuelle Intimität praktiziert wird, ist in der Schöpfung wir auch in der Erlösung außerhalb des Willens und Segens Gottes. Missbrauch und Götzendienst, wie sie im Umfeld der gestörten Sexualität zu finden sind, tragen zu einem weiteren sozialen Abstieg bei, einschließlich dem Scheitern von Ehen und Familien, und führen zu unermesslichem Leid, Einsamkeit und Ausbeutung. Auch innerhalb der Gemeinde ist dies ein ernstliches Problem und tragischerweise häufig ein Grund des Versagens von Leitern.

Wir erkennen die Notwendigkeit unserer tiefen Demut und dass wir uns des Versagens in diesem Bereich bewusst sein müssen. Es ist unsere große Hoffnung, dass Christen die uns umgebenden Kulturen herausfordern durch einen Lebensstil, der dem Anspruch der Bibel gerecht wird.

A) Wir ermutigen alle Pastoren: 

  1. Offene Gespräche über Sexualität in unseren Gemeinden zu unterstützen und auf positive Art die gute Nachricht von Gottes Plan für gesunde Beziehungen und Familien zu erklären, gleichzeitig aber in pastoraler Ehrlichkeit auch die Bereiche ansprechen, in die Christen in den zerbrochenen und schlechten Gegebenheiten ihres Umfelds involviert sind.
  2. Die Vorgaben Gottes klar zu lehren, jedoch mit dem seelsorgerlichen Mitgefühl Jesu Christi für Sünder und dem Verständnis, wie gefährdet wir alle sind in Bezug auf sexuelle Versuchung und Sünde.
  3. Danach zu streben, ein positives Beispiel zu sein, und nach den biblischen Maßstäben der sexuellen Treue zu leben.
B)  Als Mitglieder der Gemeinde verpflichten wir uns: 
  1. Alles, was uns möglich ist, in der Gemeinde und Gesellschaft zu tun, um treue Ehen und gesunde Familien zu stärken.
  2. Die Anwesenheit und den Beitrag der Ledigen, Verwitweten und Kinderlosen anzuerkennen und sicherzustellen, dass die Gemeinde eine einladende und stützende Familie in Christus ist, damit sie ihre Gaben in vollem Ausmaß in den Dienst der Gemeinde einbringen können.
  3. Uns den vielen Formen von gestörter Sexualität in der uns umgebenden Kultur zu widersetzen, einschließlich der Pornografie, des Ehebruchs und der sexuellen Freizügigkeit.
  4. Die tiefen Herzensprobleme bezüglich ihrer Identität und gemachten Erfahrungen zu verstehen suchen, die manche Menschen zur Homosexualität führen; sie mit Liebe, Mitgefühl und der Gerechtigkeit Christi zu erreichen, und jede Form von Hass, verbalem und körperlichem Missbrauch sowie Schikane der homosexuellen Menschen abzuweisen.
  5. Uns daran zu erinnern, dass durch Gottes erlösende Gnade bei jeder Person oder Situation die Möglichkeit der Veränderung und Wiederherstellung besteht.

3. Wandelt in Demut und weist den Götzen der Macht ab 86

In unserer Sünde und Gefallenheit setzen wir unsere Macht oft dazu ein, andere zu missbrauchen und auszunutzen. Wir verherrlichen uns selbst und beanspruchen die Überlegenheit unseres Geschlechts, unserer Rasse oder unserer gesellschaftlichen Stellung.  Diesen Götzen des Stolzes und der Macht hält Paulus die Forderung entgegen, dass alle, die erfüllt sind mit dem Geist Gottes, sich um Christi willen einander unterordnen sollen. Diese gemeinsame Unterordnung und gegenseitige Liebe muss sich in der Ehe, Familie und in den sozioökonomischen Beziehungen ausdrücken.

A)  Wir wünschen uns, dass alle christlichen Männer und Frauen, Eltern und Kinder, Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Lehre der Bibel befolgen, indem sie „sich einander unterordnen, um Christus zu ehren“. 

B)  Wir ermutigen Pastoren, den Gläubigen zu helfen, die gegenseitige Unterordnung, die Gott von seinen Kindern verlangt, zu verstehen, ehrlich darüber zu diskutieren und sie zu praktizieren. In einer Welt der Gier, der Macht und des Missbrauchs ruft Gott seine Gemeinde dazu auf, ein Ort der sanften Demut und selbstlosen Liebe zu sein.

C)  Wir rufen ganz besonders und dringend alle christlichen Ehemänner auf, das Gleichgewicht der Verantwortung in Paulus’ Lehre über Männer und Frauen zu beachten. Gegenseitige Unterordnung bedeutet, dass eine Ehefrau sich ihrem Ehemann unterordnen soll, jedoch soll er ein Mann sein, der sie liebt und für sie sorgt, so, wie wir es in der aufopfernden Liebe Jesu Christi für seine Gemeinde sehen. Jegliche Art der Misshandlung einer Ehefrau, sei es verbal, emotional oder körperlich, ist unvereinbar mit der Liebe Christi - und das gilt für jede Kultur. Wir bestreiten, dass irgendeine kulturelle Gewohnheit oder eine verzerrte biblische Interpretation das Schlagen einer Frau rechtfertigen kann. Es bekümmert uns, dass dies auch unter bekennenden Christen und selbst Pastoren und Leitern geschieht. Wir zögern nicht, dies als Sünde darstellen und rufen zur Buße und Abkehr von dieser Abscheulichkeit auf.

4. Wandelt in Integrität und weist den Götzen des Erfolgs ab 87

Das Reich des Gottes der Wahrheit kann nicht auf Fundamenten der Unehrlichkeit aufgebaut werden. Doch in unserem Verlangen nach „Erfolg“ und „Ergebnissen“ sind wir versucht, unsere Integrität durch übertriebene und verzerrte Behauptungen zu opfern, die schlussendlich zu Lügen führen. Im Licht zu wandeln, besteht jedoch „in …Gerechtigkeit und Wahrheit”.88

A)  Wir rufen alle Gemeinde- und Missionsleiter dazu auf, der Versuchung zu widerstehen, in unserer Arbeit nicht vollkommen ehrlich zu sein. Wir verhalten uns betrügerisch, wenn wir in unseren Berichten übertreiben, indem wir unbegründete Statistiken aufführen oder die Wahrheit aus Profitgründen verdrehen. Wir beten für das Ende einer solchen Verzerrung, Manipulation und Übertreibung und für eine reinigende Welle der Ehrlichkeit. Wir bitten alle, die geistliche Arbeit finanziell unterstützen, keine unrealistischen Vorgaben für messbare und sichtbare Resultate zu machen, die über das Maß der ordnungsgemäßen Rechenschaft hinausgehen. Lasst uns eine Kultur der vollkommenen Transparenz und Integrität anstreben. Wir entscheiden uns, im Licht und der Wahrheit Gottes zu wandeln, denn der Herr prüft das Herz und freut sich über Aufrichtigkeit.89

5. Wandelt in Einfachheit und weist den Götzen der Gier ab 90 

Die weitverbreitete Lehre und das Predigen des „Wohlstands-Evangeliums” rund um die Welt löst große Besorgnis aus. Wir betrachten das Wohlstands-Evangelium als eine Lehre, die den Gläubigen sagt, sie hätten ein Recht auf die Segnungen der Gesundheit und des Reichtums, und sie erhielten diese Segnungen durch positive Glaubensbekenntnisse und das „Säen von Samen“ finanzieller oder materieller Art. Die Wohlstandslehre ist ein Phänomen, das sich in vielen Denominationen auf allen Kontinenten findet.91

Wir bestätigen die wunderbare Gnade und Kraft Gottes und begrüßen das Wachstum von Gemeinden und Diensten, die Menschen anhalten, einen erwartungsvollen Glauben an den lebendigen Gott und seine übernatürliche Kraft auszuüben. Wir glauben an die Kraft des Heiligen Geistes. Jedoch verneinen wir, dass Gottes wundertätige Kraft als automatisch angesehen werden kann oder sich durch menschliche Techniken einstellt oder durch menschliche Worte, Taten, Geschenke oder Rituale manipuliert werden kann.

Wir bestätigen, dass es eine biblische Vision des menschlichen Wohlstands gibt, und dass die Bibel in ihrer Lehre materiellen Wohlstand (Gesundheit und Reichtum) in die Segnungen Gottes einschließt. Als unbiblisch betrachten wir jedoch die Lehre, dass geistlicher Wohlstand im Sinne von materiellem Wohlstand gemessen werden kann oder dass Reichtum immer ein Zeichen des Segens Gottes ist. Die Bibel zeigt auf, dass Reichtum oftmals durch Unterdrückung, Betrug oder Korruption erworben werden kann. Ebenfalls verneinen wir, dass Armut, Krankheit oder ein früher Tod immer Zeichen eines Fluches Gottes sind oder der Beweis mangelnden Glaubens oder das Resultat menschlicher Flüche, denn die Bibel weist solche simplen Erklärungen zurück.

Wir akzeptieren, dass es gut ist, die Kraft und den Sieg Gottes hervorzuheben. Aber wir glauben, dass viele, die das Wohlstands-Evangelium nach Kräften fördern, die Bibel verfälschen; dass ihre Praktiken und ihr Lebensstil oft unethisch und nicht christusgemäß sind; dass sie gemeinhin echte Evangelisation mit „Wundersuche“ ersetzen und den statt einem Aufruf zur Buße einen Aufruf für Spenden für die Organisation des Predigers tätigen. Es schmerzt uns, dass der Einfluss dieser Lehre in vielen Gemeinden seelsorgerlich zerstörend und geistlich ungesund ist. Wir bestätigen gerne und mit Nachdruck jede Initiative in Namen Jesu, die den Kranken Heilung bringen möchte oder nachhaltige Freisetzung von Armut und Leiden. Das Wohlstands-Evangelium bietet keine nachhaltigen Lösungen für Armut und kann Menschen von der wahren Botschaft und Bedeutung der ewigen Erlösung ablenken. Aus diesen Gründen kann sie ganz nüchtern als ein falsches Evangelium bezeichnet werden. Deshalb weisen wir die Auswüchse der Wohlstandlehre als unvereinbar mit ausgewogenem biblischen Christentum zurück.

A)  Wir ermahnen Gemeinde- und Missionsleiter dringend, in Kontexten, wo das Wohlstands-Evangelium populär ist, die Lehre mit besonderer Aufmerksamkeit zu prüfen und mit der Lehre und dem Beispiel Jesu Christi zu vergleichen. Wir alle müssen ganz besonders die Bibeltexte interpretieren und lehren, die gemeinhin zur Förderung des Wohlstands-Evangeliums verwendet werden, und zwar in ihrem gesamten biblischen Kontext und im richtigen Gleichgewicht. Dort, wo die Wohlstandslehre im Zusammenhang mit Armut weitergegeben wird, müssen wir ihr mit echtem Mitgefühl und dem richtigen Handeln entgegentreten, damit den Armen Gerechtigkeit und nachhaltige Veränderung zuteil werden. Besonders wichtig ist jedoch, dass wir Eigeninteresse und Gier ersetzen durch die biblische Lehre der Aufopferung und des großzügigen Gebens, als Zeichen wahrer Jüngerschaft Christi. Wir bejahen Lausannes historischen Aufruf zur einfacheren Lebensführung. 

IIF  Partnerschaften im leib christi eingehen für einheit in der mission 

Paulus lehrt uns, dass christliche Einheit von Gott geschaffen wurde, auf der Grundlage unserer Versöhnung mit Gott und untereinander. Diese doppelte Versöhnung wurde durch das Kreuz zustande gebracht. Wenn wir in Einheit leben und partnerschaftlich zusammenarbeiten, demonstrieren wir die übernatürliche und überkulturelle Kraft des Kreuzes. Aber wenn wir Uneinigkeit zeigen, indem wir keine Partnerschaften eingehen, erniedrigen wir unsere Mission und Botschaft und weisen die Kraft des Kreuzes ab. 

1. Einheit in der Gemeinde

Eine geteilte Gemeinde kann einer geteilten Welt keine Botschaft übermitteln. Unsere Unfähigkeit, in einer versöhnten Einheit zu leben, ist ein Haupthindernis für authentische und erfolgreiche Mission.

A)  Wir beklagen die Gespaltenheit und die Entzweiung unserer Gemeinden und Organisationen. Wir sehnen uns danach, dass Christen einen Geist der Gnade fördern und dem Befehl des Paulus folgen, „alles zu tun, um die Einheit des Geistes und den Bund des Friedens zu bewahren“.

B)  Obwohl wir wissen, dass es keine tiefere Einheit als die geistliche gibt, wünschen wir uns, dass die missionale Kraft der sichtbaren, praktischen und irdischen Einheit stärker erkannt wird. Um unseres Auftrags und unseres gemeinsamen Zeugnisses willen fordern wir christliche Schwestern und Brüder in der ganzen Welt auf, der Versuchung zu widerstehen, den Leib Christi zu entzweien und - wo immer möglich – Wege der Versöhnung und wiederherstellenden Einheit zu suchen. 

2. Partnerschaft in der globalen Mission

Bei der Partnerschaft in der Mission geht es nicht nur um Effizienz. Sie ist die strategische und praktische Realisierung unserer gemeinsamen Unterordnung unter Jesus Christus als dem Herrn. Allzu oft haben wir in der Mission Wege gewählt, die unsere eigenen Identitäten in den Vordergrund gestellt haben (ethnisch, konfessionell, theologisch usw.), und haben unsere Leidenschaften und Vorlieben nicht unserem Herrn und Meister untergeordnet. Die Vormachtstellung und Zentralität Jesu Christi in unserer Mission muss mehr sein als nur ein Bekenntnis des Glaubens – sie muss auch unsere Strategie, Praxis und Einheit bestimmen.

Wir freuen uns über das Wachstum und die Stärke der entstehenden Missionsbewegungen in der Mehrheitswelt und das Ende des alten Musters „vom Westen zum Rest der Welt”. Doch akzeptieren wir nicht, dass die Fackel der Missionsverantwortlichkeit von einem Teil der Weltgemeinde zu einem anderen übergeht. Es macht keinen Sinn, den früheren Triumph des Westens abzulehnen, nur um denselben ungöttlichen Geist in Asien, Afrika oder Lateinamerika wieder auferstehen zu lassen. Keine ethnische Gruppe, keine Nation und kein Kontinent dürfen das exklusive Privileg für sich in Anspruch nehmen, sie seien diejenigen, die den Weltmissionsauftrag zu Ende führen.

A)  Wir stehen als Gemeinde- und Missionsleiter in allen Teilen der Welt zusammen, dazu berufen, einander anzuerkennen und zu akzeptieren, und alle haben wir dieselben Möglichkeiten, zur Weltmission beizutragen. Lasst uns, in Unterordnung zu Christus, jeden Argwohn, jede Konkurrenz und jeden Stolz beiseite legen und willig sein, von denen zu lernen, die Gott gebraucht, selbst wenn sie nicht aus unserem Kontinent stammen, kein Teil unserer spezifischen Theologie sind und nicht unserer Organisation oder unserem Freundskreis angehören.

B)  In Partnerschaften geht es um mehr als nur Geld, und oftmals korrumpiert und trennt eine unkluge Geldgabe die Gemeinde. Lasst uns endlich beweisen, dass die Gemeinde nicht nach dem Grundsatz arbeitet: Wer das meiste Geld hat, trifft die Entscheidung.  Lasst uns nicht mehr von anderen Teilen der Gemeinde verlangen, unsere bevorzugten Namen, Slogans, Programme, Systeme und Methoden anzuwenden. Lasst uns stattdessen auf echte Gemeinsamkeit bauen, vom Norden zum Süden, vom Osten zum Westen, auf gegenseitige Abhängigkeit im Geben und Empfangen und auf Respekt und Würde, die wahre Freunde und echte Partner in der Mission auszeichnen.

3. Männer und Frauen in der Partnerschaft

Die Schrift sagt uns, dass Gott Männer und Frauen in seinem Ebenbild erschaffen hat und ihnen zusammen die Herrschaft über die Erde gab. Die Sünde kam in das Leben und die Menschheitsgeschichte, weil Mann und Frau zusammen gegen Gott rebellierten. Durch das Kreuz Christi brachte Gott den Männern und Frauen gleichermaßen die Errettung, Akzeptanz und Einheit. An Pfingsten goss Gott den Geist der Prophetie auf alles Fleisch aus, auf die Söhne wie auf die Töchter. Deshalb sind Frauen und Männer gleichwertig in der Schöpfung, Sünde, Errettung und im Geist.92

Wir alle, Frauen und Männer, verheiratet und ledig, sind dafür verantwortlich, die Gaben Gottes zum Wohle anderer einzusetzen, als Verwalter der Gnade Gottes und zum Preis und zur Ehre Christis. Deshalb sind wir auch alle dafür verantwortlich, dass alle Menschen Gottes die Gaben ausüben können, die Gott für alle Dienstbereiche der Gemeinde gegeben hat.93 Wir sollen nicht den Geist dämpfen, indem wir den Dienst eines anderen verachten.94 Ferner sind wir entschlossen, den Dienst innerhalb des Leibes Christi als eine Gabe und Verantwortung anzusehen, zu dem wir berufen sind, und nicht als ein Recht oder eine Stellung, die wir einfordern können.

A)  Wir befürworten die historische Position Lausannes: „Wir bekräftigen, dass die Gaben des Geistes allen Menschen Gottes gegeben wurden, Männern und Frauen, und dass ihre Partnerschaft gutgeheißen werden muss für das Gemeinwohl.”95 Wir kennen das enorme Opfer an, das Frauen der Weltmission gebracht haben, indem sie Männern und Frauen seit biblischen Zeiten bis heute dienen.

B)  Wir erkennen, dass unterschiedliche aufrichtig gemeinte Ansichten vorhanden sind bei denjenigen, die der Bibel treu und gehorsam sein wollen. Manche schließen aus der apostolischen Lehre, dass Frauen weder lehren noch predigen sollen oder dass sie das tun können, jedoch nicht in alleiniger Befugnis über Männer. Andere interpretieren die geistliche Gleichheit der Frauen, die Ausübung der aufbauenden Gabe der Prophetie durch Frauen in der Gemeinde des Neuen Testaments sowie ihre Rolle als Gastgeberinnen der Gemeinde in ihren Häusern als einen Hinweis darauf, dass die geistlichen Gaben des Lehrens und Leitens im Dienst von Männern und Frauen empfangen und ausgeübt werden können.96 Wir rufen all jene auf, die auf verschiedenen Seiten der Argumentation stehen:

  1. Einander in strittigen Fragen ohne Verurteilung zu akzeptieren, denn, obwohl wir unterschiedlicher Meinung sein können, haben wir keinen Grund zur Spaltung, zu destruktivem Reden oder ungöttlichen Anfeindungen.97
  2. Aufmerksam die Bibel zusammen zu studieren und den Kontext und die Kultur der ursprünglichen Autoren und die der heutigen Leser in Betracht ziehen.
  3. Zu erkennen, dass dort, wo wir echte Schmerzen vorfinden, Mitgefühl angebracht ist, dort, wo Ungerechtigkeit und Mangel an Integrität herrscht, wir dagegen angehen müssen und wo Widerstand ersichtlich ist gegen das manifestierte Wirken des Heiligen Geistes in einer Schwester oder einem Bruder, wir Buße tun müssen.  
  4. Sich zu einem Muster des Dienens verpflichten, ob Mann oder Frau, welches nicht weltliches Streben nach Macht und Einfluss widerspiegelt, sondern die Dienerschaft von Jesus Christus.
C)  Wir ermutigen die Gemeinden, gottesfürchtige Frauen anzuerkennen, die lehren und ein Vorbild des Guten sind, wie es Paulus befohlen hat,98 und die Türen weiter zu öffnen, damit Frauen vermehrt Gelegenheiten bekommen im Bereich der Ausbildung, des Dienstes und als Leiterinnen, besonders in Kontexten, in denen das Evangelium ungerechte kulturelle Traditionen herausfordert. Wir fordern, dass Frauen nicht mehr daran gehindert werden, Gottes Gaben auszuüben oder dem Ruf Gottes in ihrem Leben zu folgen.

4. Theologische Ausbildung und die Mission

Das Neue Testament weist uns auf die enge Partnerschaft zwischen Evangelisieren und Gemeindegründung hin (z. B. beim Apostel Paulus) und auf die Arbeit des „Begießens“ der Gemeinden (z. B. bei Timotheus und Apollos). Beide Aufgaben sind Teil des Weltmissionsbefehls, wobei Jesus das zu Jüngern machen im Sinne von Evangelisieren darstellt (indem „ihr sie tauft”) und „sie alles lehrt, was ich euch befohlen habe“. Theologische Ausbildung ist Teil der Mission und geht über das Evangelisieren hinaus.99

Die Aufgabe der Gemeinde in der Welt ist, dem Auftrag Gottes zu dienen, und die Aufgabe der theologischen Ausbildung ist, den Auftrag der Gemeinde zu stärken und sie zu begleiten. Theologische Ausbildung ist in erster Linie für die Gläubigen, die die Gemeinde als Pastoren/Lehrer leiten, und soll sie ausrüsten, die Wahrheit des Wortes Gottes in Treue, Sachlichkeit und Klarheit zu lehren. Zweitens soll sie alle Menschen Gottes für die missionale Aufgabe ausrüsten, Gottes Wahrheit in allen kulturellen Kontexten zu verstehen und richtig zu kommunizieren. Theologische Ausbildung engagiert sich in geistlicher Kampfführung, indem wir „Trugschlüsse zerstören und jede Höhe, die sich wider die Erkenntnis Gottes erhebt, und jeden Gedanken gefangen nehmen zum Gehorsam gegen Christus“.100

A)  Alle, die Gemeinden und Missionsorganisationen leiten, müssen bestätigen, dass die theologische Ausbildung untrennbar missional ist. Alle, die theologische Ausbildung anbieten, müssen sicherstellen, dass sie vorsätzlich missional ist, denn ihr Platz innerhalb der Akademie ist kein Selbstzweck, sondern dazu da, dem Auftrag der Gemeinde in der Welt zu dienen.
 
B)  Theologische Ausbildung gehört zu jeder Form von missionalen Aufgaben. Wir werden alle ermutigen und unterstützen, die bibeltreue theologische Ausbildung anbieten, formal und non-formal, auf lokalen, nationalen, regionalen und internationalen Ebenen.
 
C)  Wir drängen darauf, dass Institutionen und theologische Ausbildungsprogramme eine „missionale Revision” ihrer Curricula, Strukturen und ihres Ethos durchführen, um sicherzustellen, dass sie wirklich den Erfordernissen und Möglichkeiten dienen, welchen die Gemeinde in den einzelnen Kulturen gegenübersteht.
 
D)  Wir wünschen uns, dass alle Gemeindegründer und theologische Pädagogen die Bibel in das Zentrum ihrer Partnerschaft stellen, nicht nur, was die Lehre betrifft, sondern auch in der Praxis. Für Evangelisten muss die Bibel in Bezug auf Inhalt und Autorität die wichtigste Quelle ihrer Botschaft sein. Theologische Pädagogen müssen das Bibelstudium wieder zur Kerndisziplin der christlichen Theologie machen, in das alle anderen Bereiche des Studiums und der Anwendung integriert sind. Doch muss die theologische Ausbildung vor allem Pastoren/Lehrer für ihre Hauptverantwortlichkeit ausrüsten, dem Predigen und Lehren der Bibel.101
 

SCHLUSSFOLGERUNG

Gott in Christus versöhnte die Welt mit sich selbst. Gottes Geist war in Kapstadt und rief die Gemeinde Christi dazu auf, Botschafter der versöhnenden Liebe Gottes für die Welt zu sein. Gott machte die Verheißung seines Wortes wahr, als sein Volk im Namen Jesu zusammenkam, denn Jesus selbst wohnte und wandelte unter uns.102

Wir strebten danach, die Stimme unseres Herrn Jesus Christus zu hören. Und in seiner Gnade, durch seinen Geist, sprach Christus zu seinem hörenden Volk. Viele Stimmen kamen immer wieder auf zwei Themen zurück, sei es bei der Bibelauslegung, den Plenaransprachen oder den Gruppendiskussionen:

  • Die Notwendigkeit für eine tiefgreifende, gehorsame Jüngerschaft, die zur Reife führt, in die Tiefe wächst sowie die Anzahl der Jünger vermehrt. 
  • Die Notwendigkeit für tiefgreifende, auf das Kreuz ausgerichtete Versöhnung, die zur Einheit führt, zum Wachstum in der Liebe wie auch zum Wachstum im Glauben und der Hoffnung.

Jüngerschaft und Versöhnung sind unverzichtbar für unsere Mission. Wir beklagen die Schande unserer Oberflächlichkeit und unserer mangelhaften Nachfolge Jesu, die Schmach unserer Uneinigkeit und den Mangel an Liebe. Denn beide schädigen unser Zeugnis über das Evangelium beträchtlich.

In diesen beiden Herausforderungen erkennen wir die Stimme des Herrn Jesus Christus, denn sie entsprechen zwei der nachdrücklichsten Aussagen, die Jesu an die Gemeinde richtete, aufgezeichnet in den Evangelien. Im Matthäusevangelium gab uns Jesus unseren wichtigsten Auftrag: Jünger unter allen Nationen zu machen. Im Johannesevangelium zeigte uns Jesus die wichtigste Methode: einander zu lieben, damit die Welt erkennt, dass wir Jünger Jesu sind. Es sollte uns freuen und nicht überraschen, die Stimme unseres Meisters zu hören, wenn er dieselben Dinge 2,000 Jahre später zu seinen Menschen sagt, die aus der ganzen Welt zusammengekommen sind. Macht zu Jüngern. Liebet einander.

Zu Jüngern machen

Der biblische Auftrag verlangt, dass alle, die Jesu Namen geltend machen, so sein sollen wir er, indem sie ihr Kreuz auf sich nehmen, sich selbst verleugnen und ihm nachfolgen auf den Wegen der Demut, Liebe, Integrität, Großzügigkeit und des Dienens. Scheitern bei der Jüngerschaft und beim Menschen zu Nachfolgern Jesu zu machen, bedeutet, auf der untersten Ebene unseres Auftrags zu scheitern. Wir hören wieder ganz neu aus den Büchern des Evangeliums den Ruf Jesu Christi an seine Gemeinde: „Kommt und folgt mir nach” und „geht und macht zu Jüngern.”

Liebet einander

Dreimal wiederholte Jesus: „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebet einander. So wie ich euch geliebt habe, sollt ihr einander lieben.“103 Dreimal betete Jesus „dass sie alle eins seien, Vater“.104 Beide, der Befehl und das Gebet, sind missional. „Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“ „Mögen sie zu vollendeter Einheit gelangen,damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast“. Jesus hätte diesen Punkt nicht deutlicher machen können. Das Evangelisieren der Welt und die Anerkennung der Göttlichkeit Christis ist entweder eine Hilfe oder ein Hindernis, je nachdem, ob wir ihm in der Praxis gehorsam sind. Wir hören den Ruf Jesu und seiner Apostel wieder ganz neu: „Liebet einander”, „bemüht euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens.“105 Aufgrund des Auftrags Gottes erneuern wir unsere Verpflichtung, dieser „Botschaft, die wir von Anfang an gehört haben“, gehorsam zu sein.106 Die Welt wird Jesus erkennen, dessen Jünger wir sind, und auch den Vater kennen lernen, der ihn gesandt hat, wenn Christen in der versöhnten Einheit der Liebe leben, durch die Kraft des Heiligen Geistes.

Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, und auf der Grundlage des Glaubens an Gottes ewige Barmherzigkeit und errettende Gnade, beten wir und sehnen uns ernsthaft nach einer Reformation der biblischen Jüngerschaft und einer Erneuerung der christusgemäßen Liebe. 

Dies ist unser Gebet und wir übernehmen diese Verpflichtung für den Herrn, den wir lieben, und für die Welt, der wir in seinem Namen dienen. 

 


[1] Galater 5,6; Johannes 14,21; 1. Johannes 4,9. 19

[2] Matthäus 22,37-40; Römer 13,8-10; Galater 5,22; 1. Petrus 1,22; 1. Johannes 3,14; 4,7-21; Johannes 13,34-35; Johannes 1,18 + 1. Johannes 4,12; 1. Thessalonicher 1,3; 1. Korinther 13,8.13

[3] 5. Mose 7,7-9; Hosea 2,19-20;  11,1;  Psalm 103; 145,9.13.17; Galater 2,20; 5. Mose 10,12-19

[4] 5. Mose 6,4.5; Matthäus 22,37; 3.Mose19,18.34; Matthäus 5,43-45; Johannes 15,12; Epheser 4,32; Johannes 3,16.17

[5] Römer 5,5; 2. Korinther 5,14; Offenbarung 2,4

[6] 5. Mose 4,35, 39; Psalm 33,6-9; Jeremia 10,10-12; 5. Mose 10,14; Jesaja 40,22-24; Psalm 33,10.11, 13-15; Psalm 96,10-13; Psalm 36,6; Jesaja 45,22

[7] 5. Mose 4 und 6

[8] John Stott, The Message of Romans , The Bible Speaks Today (Die Botschaft des Römerbriefs, Die Bibel spricht heute) (Leicester and Downers Grove: Intervarsity Press,1994), 53.

[9] Psalm 138,2

[10] Johannes 14,6; Römer 8,14.15; Matthäus 6,9; Johannes 14,21-23.

[11] 5. Mose 32,6.18; 1,31; 8,5; Jesaja 1,2; Malachi 1,6; Jeremia 3,4.19; 31,9;  Hosea 11,2; Psalm 103,13; Jesaja 63,16; 64,8.9.

[12] Johannes 3,16; 1. Johannes 3,1; Römer 8,32; Hebräer 9,14; Galater 2,20; Galater 1,4.5.

[13] Matthäus 5,9.16.43-48; 6,4.6.14-15.18.25-32; 7,21-23.

[14] Johannes 1,3; 1. Korinther 8,4-6; Hebräer 1,2; Kolosser 1,15-17; Psalm 110,1; Markus 14,61-64; Epheser 1,20-23; Offenbarung 1,5; 3,14; 5,9.10; Römer 2,16; 2. Thessalonicher 1,5-10; 2. Korinther 5,10; Römer 14,9-12; Matthäus 1,21; Lukas 2,30; Apostelgeschichte 4,12; 15,11; Römer 10,9; Titus 2,13; Hebräer 2,10; 5,9; 7,25; Offenbarung 7,10

[15] Lukas 6,46; 1. Johannes 2,3-6; Matthäus 7,21-23

[16] Matthäus 16,16; Johannes 20,28; 1. Petrus 1,8; 1. Johannes 3,1-3; Apostelgeschichte 4,12

[17] 1. Mose 1,1-2; Psalm 104,27-30; Hiob 33,4; 2. Mose 35,30-36,1; Richter 3,10; 6,34; 13,25; 4. Mose 11.16-17. 29;  Jesaja 63,11-14; 2. Petrus 1,20.21; Micha 3,8; Nehemia 9,20. 30; Sacharia 7,7-12; Jesaja 11,1-5; 42,1-7; 61,1-3; 32,15-18; Hesekiel 36,25-27; 37,1-14; Joel 2,28-32

[18] Apostelgeschichte 2; Galater 5,22.23; 1. Petrus 1,2; Epheser 4,3-6; 1. Korinther 12,4-11; Johannes 20,21.22; 14,16.17.25.26; 16,12-15; Römer 8,26.27; Epheser 6,10-18; Matthäus 10,17-20; Lukas 21,15.

[19] Psalm 119,47.127; 2. Timotheus 3,16-17; 2. Petrus 1,21

[20] 5. Mose 30,14; Matthäus 7,21-27; Lukas 6,46; Jakobus 1,22-24

[21] Manifest von Manila, Punkt 7;  Titus 2,9.10

[22] Psalm 145,9.13.17; Psalm 104,27-30; Psalm 50,6; Markus 16,15; Kolosser 1,23; Matthäus 28,17-20; Habakuk 2,14.

[23] Psalm 24,1; 5. Mose 10,14;

[24] Kolosser 1,15-20; Hebräer 1,2.3

[25] Apostelgeschichte 17,26; 5. Mose 32,8; 1. Mose 10,31-32; 12,3; Offenbarung 7,9.10; Offenbarung 21,24-27

[26] Apostelgeschichte 10,35; 14,17; 17,27

[27] Psalm 145,9.13.17; 147,7-9; 5. Mose 10,17-18

[28] 1. Mose 18,19; 2. Mose 23,6-9; 5. Mose 16,18-20; Hiob 29,7-17; Psalm 72,4; 12-14; 82; Sprüche 31,4-9; Jeremia 22,1-3; Daniel 4,27

[29] 2. Mose 22,21-27; 3. Mose 19,33-34; 5. Mose 10,18-19; 15,7-11; Jesaja 1,16-17; 58,6-9; Amos 5,11-15; 21-24; Psalm 112; Hiob 31,13-23; Sprüche 14,31; 19,17; 29,7;  Matthäus 25,31-46; Lukas 14,12-14; Galater 2,10; 2. Korinther 8-9; Römer 15,25-27; 1. Timotheus 6,17-19; Jakobus 1,27; 2,14-17; 1. Johannes 3,16-18.

[30] Lausanner Verpflichtung, Punkt 5.

[31] 3. Mose19,34; Matthäus 5,43-44

[32] Matthäus 5,38-39; Lukas 6,27-29; 23,34;  Römer 12,17-21;  1. Petrus 3,18-23; 4,12-16

[33] Römer 13,4

[34] 1. Johannes 2,15-17

[35] 1. Mose 3; 2. Thessalonicher 1,9

[36] Markus 1,1; 14-15; Römer 1,1-4; Römer 4, 1. Korinther 15,3-5; 1. Petrus 2,24; Kolosser 2,15; Hebräer 2,14-15; Epheser 2,14-18; Kolosser 1,20; 2. Korinther 5,19

[37] Römer 4; Philipper 3,1-11; Römer 5,1-2; 8,1-4; Epheser 1,7; Kolosser 1,13-14; 1. Petrus 1,3; Galater 3,26-4,7; Epheser 2,19-22; Johannes 20,30-31; 1. Johannes 5,12-13; Römer 8,31-39

[38] Römer 1,16

[39] Galater 5,6

[40] Epheser 2,10

[41] Jakobus 2,17

[42] Titus 2,11-14

[43] Römer 15,18-19; 16,19; 2. Korinther 9,13;

[44] Römer 1,5; 16,26

[45] 1. Mose 15,6; Galater 6,6-9; Hebräer 11,8; 1. Mose 22,15-18; Jakobus 2,20-24

[46] Römer 8,4

[47] Johannes 14,21

[48] 1. Johannes 2,3.

[49] 2. Thessalonicher 2,13-14; 1.Johannes 4,11; Epheser 5,2; 1. Thessalonicher 1,3; 4,9-10; Johannes 13,35

[50] Johannes 13,34-35; 17,21

[51] Hebräer 13,1-3; 1. Korinther 12,26; Offenbarung 1,9

[52] Offenbarung 3,17-20.

[53] Epheser 1,9-10; Kolosser 1,20; 1. Mose 1-12; Offenbarung 21-22

[54] Lausanner Verpflichtung, Punkte 4 und 5.

[55] Micha-Netzwerk „Erklärung zur integralen Mission”

[56] 1. Thessalonicher 1,3

[57] Epheser 2,10

[58] Kolosser 3,23

[59] Denn „die Universität ist ein eindeutiger Dreh- und Angelpunkt, der die Welt bewegt. Die Gemeinde kann sich und der Sache des Evangeliums nichts Besseres antun, als zu versuchen, die Universitäten wieder für Christus zu gewinnen. Mehr als alles andere gilt: Verändere die Universität und du veränderst die Welt.“ Charles Habib Malik, ehemaliger Präsident der UN Vollversammlung, in seinen Pascal Vorträgen 1981: A Christian Critique of the University (Eine christliche Kritik an der Universität).

[60] Epheser 1,10; 2,1-16; 3,6; Galater 3,6-8 (siehe auch Sektion VI über das Thema „Einheit und Partnerschaft innerhalb der Gemeinde.)

[61] Epheser 2,11-22; Römer 3,23; Römer 10,12-13; Epheser 2,18

[62] 5. Mose 32,8; Apostelgeschichte 17,26

[63] Offenbarung  7,9; 21,3, wo es heißt: „sie werden sein Volk sein”

[64] Apostelgeschichte 4,32-37; Galater 2,9-10; Römer 15,23-29; 2. Korinther 8-9

[65] 2. Korinther 5,16

[66] Johannes 9,1-3

[67] Das Manifest von Manila, Paragraph 12.

[68] 1. Petrus 3,15-16. Vergleiche Apostelgeschichte 19,37

[69] 2. Korinther 12,9-10; 4,7-10

[70] Das Manifest von Manila, Paragraph 12

[71] 2. Korinther 2,15

72 Apostelgeschichte 11,20-24

73 Apostelgeschichte 15,19

74 Römer 14,1-3

75 1. Mose 50,20

76 3. Mose 19,33-34; 5. Mose 24,17; Ruth 2; Hiob 29,16; Matthäus 25,35-36; Lukas 10,25-37; 14,12-14; Römer 12,13; Hebräer 13,2-3; 1. Petrus 4,9

77 Jeremia 29,7

78 Jeremia 29,7; 1. Petrus 2,13-17; 1. Timotheus 2,1-2; Römer 13,1-7; 2. Mose 1,15-21; Daniel 6; Apostelgeschichte 3,19-20; 5,29

79 Epheser 4,11-12

80 1. Timotheus 3,1-13; Titus 1,6-9; 1. Petrus 5,1-3

81 Markus 9,33-37

82 Obwohl es in verschiedenen Übersetzungen anders heißt, beinhalten die folgenden Texte alle sinngemäß das Wort „wandeln”: Epheser 2,2.10; 4,1.17; 5,2.8.15

83 Epheser 4,17-32

84 Epheser 5,1-7

85 Epheser 5,31; 2,15

86 Epheser 5,15-6,4

87 Epheser 5,8-9

88 Epheser 5,10

89 1. Chronik 29,17

90 Epheser 5,5

91 S. auch den vollständigen Text von The Akropong Statement, a critique of Prosperity Gospel (Der Akropong-Bericht, eine Kritik des Wohlstands-Evangeliums), erstellt durch afrikanische Theologen, einberufen durch die Lausanner Theologische Arbeitsgruppe, unter:  www.lausanne.org/akropong

92 1. Mose 1,26-28; 3; Apostelgeschichte 2,17-18; Galater 3,28; 1. Petrus 3,7

93 Römer 12,4-8; 1. Korinther 12,4-11; Epheser 4,7-16; 1. Petrus 4,10-11

94 1. Thessalonicher 5,19-20; 1. Timotheus 4,11-14

95 Das Manifest von Manila, Affirmation 14

96 1. Timotheus 2,12; 1. Korinther 14,33-35; Titus 2,3-5; Apostelgeschichte 18,26; 21,9; Römer 16,1-5.7; Philipper 4,2-3; Kolosser 4,15; 1. Korinther 11,5; 14,3-5

97 Römer 14,1-13

98 Titus 2,3-5

99 Kolosser 1,28-29; Apostelgeschichte 19,8-10; 20,20.27; 1. Korinther 3,5-9

100 2. Korinther 10,4-5

101 2. Timotheus 2,2; 4,1-2; 1. Timotheus 3,2b; 4,11-14; Titus 1,9; 2,1

102 3. Mose 26,11-12; Matthäus 18,20; 28,20

103 Johannes 13,34; 15,12; 17

104 Johannes 17,21-23

105 Epheser 4,1-6; Kolosser 3,12-14; 1. Thessalonicher 4,9-10; 1. Petrus 1,22; 1. Johannes 3,11-14; 4,7-21

106 1. Johannes 3,11